Die Tischhöhle (Kat.-Nr. 7224/15) bei Lorch (Ostalbkreis), eine Stubensandsteinhöhle im Keuper-Lias-Land

Zusammenfassung

Vorgestellt wird die im Jahr 2006 entdeckte Tischhöhle bei Lorch. Ihre Raumformen, die für eine Höhle im Stubensandstein ungewöhnlich sind, werden bewertet. Für Teile der Tischhöhle muss von einer Entstehung durch Verkarstungsprozesse ausgegangen werden.

1 Lage

Die Tischhöhle liegt in der südlichen Flanke des oberen Remstales bei Lorch. Sie befindet sich damit im Ostalbkreis, und zwar im Gebiet des Kartenblatts 7224 Schwäbisch Gmünd- Süd der Topographischen Karte 1:25.000. Diese Region zählt zum Teilgebiet 5.4 Keuper- Lias-Land des Höhlenkatasters Südwestdeutschland.

Um mit dem Auto aus dem Remstal zur Höhle zu gelangen, folgt man von Lorch aus der Bundesstraße 297 in Richtung Göppingen. Die Straße führt im Wald mit mehreren scharfen Kurven am südlichen Hang des Remstals hinauf. Kurz nachdem die Straße oben aus dem Wald hinausführt, kann man rechts an einem einzelnen Bauernhof (Trudelhöfle) parken. Man geht dort auf einem Feldweg parallel zur Straße zurück bis zum Waldrand und folgt diesem nach Westen. Nach einer Strecke von etwa 600 m dringt man nach rechts weglos in den Wald ein, wo man auf mehrere, von kleinen Bächen durchflossene Klingen trifft. Die Tischhöhle befindet sich in einem kleinen Felsen am linken, westlichen Rand der größten dieser Klingen, etwa 250 m vom Waldrand entfernt. Das Gelände ist sehr matschig und weist eine dichte Vegetation auf. Am bequemsten ist der Zugang zur Höhle daher im Winter bei gefrorenem Boden.

2 Beschreibung

Die Tischhöhle besteht im Wesentlichen aus einem Durchgang durch den kleinen Felsen, aus einem diesen Felsen fast umspannenden Felsdach sowie aus einem Tagschacht beziehungsweise -schlot. Der Durchgang und der Schacht trennen den mittleren Teil des Felsens von der Felswand ab, wodurch dieser mit etwas Fantasie die Gestalt eines einbeinigen Tisches aufweist.

Tischhöhle von Südosten

Zum südlichen Eingang der Höhle muss man wenige Schritte durch den Steilhang aufsteigen. Das Felsdach ist dort ca. 1,5 m hoch, der Deckenverlauf horizontal. Der Boden fällt nach Osten steil ab, so dass die Raumhöhe unter dem Felsdach in diese Richtung zunimmt. Auf der westlichen Seite ist die Höhlendecke bis zur Oberseite des Felsens durchgebrochen. Zwischen der Felswand und der „Tischplatte“ ist aber ein Klemmblock stecken geblieben, der den Durchbruch nach Süden hin begrenzt. Dadurch weist der frei gebliebene Teil des Durchbruchs den Charakter eines Tagschachts auf. Der Höhenunterschied beträgt knapp 4 m.

Südlicher Eingang der Tischhöhle

Am höchsten und westlichsten Punkt des Felsdachs führt ein rasch enger werdender Gang nach Nordnordosten. Sein Profil hat die Gestalt eines nahezu rechtwinkligen Dreiecks. Die Gangsohle besteht aus Sand und Laub. Nach 4 m läuft der Hohlraum geradeaus in einer unschlufbaren Spalte aus, zudem ist er verstürzt. Unmittelbar vor diesem Ende knickt der Gang aber hart nach Osten ab und mündet nach weiteren 3 m in den östlichen Teil des Felsdachs aus. Bemerkenswert ist der Deckenmäander dieses östlichen Gangteils, welcher hier ein breites, niedriges und gerundetes Profil aufweist. Über eine ca. 1 m tiefe Bodenstufe steigt man ins Freie ab. Das Felsdach führt nach Süden um den Felsen herum und findet dort Anschluss an den eingangs beschriebenen Höhlenteil.

Der Durchgang, der Schacht und das Felsdach bringen es auf eine Messzuglänge von insgesamt etwas über 17 m bei einer Niveaudifferenz von knapp über 4 m. Bei einem Felsdach ist es natürlich zu einem gewissen Grad Ansichtssache, welche Gesamtlänge man aus diesen Werten ableitet. 11 bis 13 m sind für die Gesamtlänge der Tischhöhle sicher eine realistische Größe.

3 Geologie

Die Tischhöhle befindet sich in einem gelblichbraunen bis rostroten, feinkörnigen Sandstein. Im Bereich der Höhle verschwindet die Eigenfarbe des Gesteins jedoch großflächig unter einem grünen Algenschleier. Das Gestein weist eine große Härte auf, gewährt aufgrund seiner Porosität jedoch dem Wasser Einlass und verwittert leicht. Rund um den Felsen ist der Humusboden des Waldes sehr stark mit Sand durchmischt, der als Resultat der Verwitterung angefallen ist.

Die Wiesen südlich des Waldstücks mit der Höhle sind selbst im Sommer sehr nass und morastig. Das Gelände weist zugewachsene, verheilte Rutschungen auf, und die Bäume zeigen teilweise deutlichen Säbelwuchs. Dies ist ein Indiz auf die dort anstehenden Knollenmergel.

Vom Erscheinungsbild und der stratigraphischen Situation her – der Albtrauf mit den ihm vorgelagerten Lias-Flächen ist nicht weit entfernt – kann man den Felsen mit der Höhle mit größter Wahrscheinlichkeit dem oberen Stubensandstein zuordnen.

Die Entstehung des Tagschachtes durch teilweisen Einsturz der Höhlendecke ist eindeutig zu erkennen, ebenso die Genese des Felsdachs durch Verwitterung bzw. die Arbeit am Prallhang des heute nur wenig unterhalb der Höhle fließenden Baches. Die seitliche Entwicklung setzte sichtbar an einer Schichtgrenze an.

Kopfzerbrechen bereitet dagegen der Durchgang durch den Felsen. Vor allem das an ein Schlüssellochprofil erinnernde Gangprofil des östlichen Teils drängt einen Vergleich mit einer Karsthöhle geradezu auf. Bei näherer Betrachtung erkennt man, dass der „Deckenmäander“ auf einer kleinen Störung verläuft und sich der Gang hier durch die verringerte Verwitterungsresistenz des Gesteins in der Vertikalen vergrößert hat. Die Genese des Deckenmäanders durch unter hydrostatischem Druck stehende Luftblasen zu erklären, wie dies in den Höhlen des Jura-Karstes üblich ist, hält der Verfasser hier für unwahrscheinlich. Die Entstehung des südlichen Gangabschnitts wurde durch eine hangparallele Kluft initiiert, die Richtung NNE streicht.

Schlüssellochprofil

Die Entwicklung des Ganges in ihrer Hauptsache kann aber nicht durch Abrutschen des Felsens am Hang oder durch Verwitterung erklärt werden. Das passt von den Profilen her nicht. Eine Hohlraumentstehung durch fließendes Wasser erklärt die Morphologie am besten. Physikalische Lösung und/oder Korrosion zerstörten dabei das Bindemittel des Sandsteins, und die Strömung des Wassers transportierte den Sand fort. Man kann daher den Vorgang durchaus als Verkarstung bezeichnen. Die Klinge mit der Höhle ist bis heute wasserführend, wobei der Wasserspiegel jetzt nur wenige Höhenmeter unter der Höhle liegt. Das Felsdach beweist, dass der Wasserstand früher das Niveau der Höhle erreichte.

4 Erforschung

Wie in den Fels geritzte Namen und Bretter im Eingang belegen, ist die Tischhöhle der einheimischen Bevölkerung schon seit langer Zeit bekannt. Für die organisierte Höhlenforschung „entdeckt“ wurde die Höhle am 29.01.2006 bei einer Suchtour durch R. Schuster, nachdem dieser die Gegend anhand des Kartenbildes als vielversprechend eingestuft hatte. Am 26.02.2006 nahmen P. Marwan und R. Schuster die Vermessung und Fotodokumentation vor. Zur Beseitigung eines Messfehlers kehrte R. Schuster am 11.08.2007 nochmals zur Tischhöhle zurück. Bei der Auswertung der Messdaten und der Reinzeichnung des Höhlenplans fand das Softwarepaket Therion Verwendung.

Tischhöhle Höhlenplan

Literatur

Geyer, O. F. & Gwinner, M. P. (1986): Geologie von Baden-Württemberg. — 3. Auflage. 472 Seiten, 254 Abb., 26 Tab.; Stuttgart (Schweizerbart).

Hinweis: Der vorliegende Artikel erschien auch gedruckt in:

Schuster, R. (2008): Die Tischhöhle (Kat.-Nr. 7224/15) bei Lorch (Ostalbkreis), eine Stubensandsteinhöhle im Keuper-Lias-Land. — Beitr. zur Höhlen- u. Karstkunde in SW- Deutschland,. 46, S. 20-22, 1 Abb., 1 Taf.; Stuttgart.

Die Engelsgrotte (Kat.-Nr. 7024/10) bei Gschwend, eine Sandsteinhöhle im Welzheimer Wald (Baden-Württemberg)

1 Lage und Zugang

Die Engelsgrotte liegt nördlich der Straße von Gschwend nach Sulzbach-Laufen, 0,5 km östlich des zur Gemeinde Gschwend gehörenden Weilers Rotenhar im Ostalbkreis. Das Gebiet wird von der Topographischen Karte im Maßstab 1:50.000, Blatt L 7124 Schwäbisch Gmünd, bzw. der Topographischen Karte im Maßstab 1:25.000, Blatt 7024 Gschwend, abgedeckt. Die Gauß-Krüger-Koordinaten lauten R 3558050, H 5422987. Die Höhe über Normalnull beträgt 485 m. Die Koordinaten wurden mit dem Lineal auf der TK abgemessen und sind daher mit gewissen Fehlern behaftet.

In Rotenhar hält man sich in östliche Richtung und benutzt die Straße nach Sulzbach. Wenige hundert Meter, nachdem die Straße in den Wald eingetreten ist, kann man rechts in einer Parkbucht das Fahrzeug abstellen. Man geht ein paar Meter zurück und steigt über die Leitplanke am nördlichen Fahrbahnrand. Drei Klingen ziehen in diesem Bereich den Abhang hinab. In der mittleren befindet sich die Engelsgrotte, und zwar etwa 20 Höhenmeter unterhalb der Straße.

2 Beschreibung der Höhle

Bei der Engelsgrotte handelt es sich um eine der typischen Halbhöhlen im Stubensandstein des Welzheimer Waldes. Dieser Höhlentyp wurde wiederholt in der Literatur beschrieben (Jantschke 1985, Kreuz 1983).

Plan von der Engelsgrotte

Die Engelsgrotte ist im Bereich der Traufkante ca. 20 m weit und bis zu 3,8 m hoch, wobei die Trauflinie einen ganz grob halbkreisförmigen Verlauf aufweist. Das Felsdach der Höhle kragt bis zu 5 m weit über. In den meisten Bereichen der Höhle ist die Raumhöhe so groß, dass ein Mensch aufrecht stehen kann.

Am südöstlichen Ende stürzt, zumindest bei feuchter Witterung, über die Traufkante ein Wasserfall herab, der ein Tosbecken in den lockeren, lehmig-sandigen Grund gegraben hat. Von hier aus nimmt nicht alles Wasser den kürzesten Weg am Grunde der Klinge, sondern ein Teil fließt 12 m weit als kleines Gerinne entlang der südlichen Höhlenwand nach Westen. Dort versickert es in dem lockeren Boden. Dieses Wasser tritt 5 m entfernt am Grund der Klinge wieder aus und vereinigt sich mit dem Wasser, das direkt vom Wasserfall die Klinge hinunter fließt. Am 29.09.2002 war der Wasserfall bis auf ein leichtes Getröpfel versiegt, am 02.11.2002 dagegen lag die Schüttung geschätzt bei einem knappen Liter pro Sekunde.

Der Wasserfall

An zwei Stellen im östlichen und südlichen Teil der Höhle, sind Erdreich und Versturzblöcke aus dem Steilhang oberhalb der Traufkante herabgerutscht und als große Schuttkegel vor dem Eingang liegen geblieben. Die Kegel reichen bis an die Höhlendecke heran. Der südliche Höhlenteil ist dadurch auf ca. 5 m Länge von der Außenwelt abgeschnitten und weist einen nahezu aphotischen Bereich auf. Hier fühlt sich auch der eingefleischte Höhlenforscher wie in einer „richtigen“ Höhle!

Höhlengang

Auffällig sind außerdem mehrere, teilweise kubikmetergroße Versturzblöcke, die sich entlang von Schichtfugen abgelöst haben.

3 Entdeckung und Erforschung

Die Engelsgrotte wurde von Roger Schuster am 29.09.2002 zufällig gefunden, als er sich auf der Suche nach der Höhle „Teufelskanzel“ (Kat.-Nr. 7024/04, siehe Jantschke 1985:34) befand. Nach Rücksprache mit dem Führer des Höhlenkatasters Südwestdeutschland, Thomas Rathgeber, und dem früheren Bearbeiter des Gebiets, Herbert Jantschke, stand fest, dass es sich um eine Neuentdeckung handelte. Am 02.11.2002 vermaßen Daniel Gebauer und Roger Schuster die Engelsgrotte und fertigten eine Serie von Fotos.

In Anspielung auf die weiter oben am gleichen Hang gelegene Teufelskanzel wurde als Name für das neue Objekt ein gegensätzlicher Begriff gesucht und schließlich in „Engelsgrotte“ gefunden. Unter diesem Namen und der Nummer 7024/10 wurde die Höhle in das Höhlenkataster Südwestdeutschland aufgenommen.

4 Geologie

Die Engelsgrotte liegt im Stubensandstein (Mittlerer Keuper). Eine genauere stratigraphische Einordnung ist aufgrund der Aufschlussverhältnisse nicht möglich. Das Gestein wirkt kompakt und weist eine grau-grünliche Farbe auf mit Einschaltungen zahlreicher millimeterdicker rot-brauner Schichten.

Außenansicht Engelsgrotte

Interessant ist die Genese der Höhle, die eine Mischform aus Klingensohlen- und Klingenrandhöhle darstellt (Nomenklatur nach Gebauer 1987). In der Südostecke der Höhle ist ein Wasserfall zeitweilig aktiv, der sich ein Stück weit in das Höhlendach eingekerbt hat. Dies sowie die kesselartige Anlage der Höhle, die sich über die ganze Breite der Klinge ausdehnt und das Bachbett kreuzt, lassen die Engelsgrotte zunächst wie eine typische Klingensohlenhöhle erscheinen. Treibende Kraft der Speläogenese ist in diesem Fall die Erosion und Korrosion im Einflussbereich des Spritzwassers des Wasserfalls.

Auf der anderen Seite fällt die Wirkung des durch die Höhle fließenden Bachs auf, die eine deutliche Breitenentwicklung des Hohlraums verursacht hat. Dies ist das charakteristische Merkmal einer Klingenrandhöhle, die durch die Erosion am Prallhang eines Baches geschaffen wurde.

Setzt man die Portalbreite der Höhle (16 bis 20 m, je nach Messweise) in Relation zur Kragung von 5 m, landet die Engelsgrotte auf jeden Fall unterhalb der Trennline zwischen Nische und Kehle (Gebauer 1987: 28). Dies ist ein deutliches Anzeichen dafür, dass die Erosionsleistung am Prallhang des Bachs jene des Wasserfalls deutlich übertrifft. Von den aktuellen Proportionen her überwiegt also eher die Klingenrandhöhlen-Charakteristik.

Betrachtet man aber die Raumanlage der Höhle im Kontext der Landschaftsmorphologie, ist sofort klar, dass der Wasserfall das auslösende Moment bei der Speläogenese war. Dieser hat erst die Geländestufe geschaffen, an deren Fuß der Bach den größten Teil der Höhle herausnagen konnte. Die Entwicklung der Engelsgrotte begann also als Klingensohlenhöhle, bis die laterale Erosion durch den Bach die Kontrolle übernahm und die Höhle zur Klingenrandhöhle umgestaltet wurde.

Literatur

Gebauer, D. (1987): Sandsteinhöhlen im Kartenblatt 7124 (Schwäbisch Gmünd-Nord).–Der Abseiler, 7, S. 25-35, 12 Abb.; Schwäbisch Gmünd.

Jantschke, H. (1985): Höhlen und Stollen im Sandstein des Welzheimer Waldes. — Beitr. zur Höhlen- u. Karstkunde in SW- Deutschland,. 28, S. 3-64, 28 Abb.; Stuttgart.

Kreuz, R. (1983): Natürliche und künstliche Höhlen und Hohlräume in der Keuperberglandschaft im Raum Schwäbisch Gmünd. — Einhorn-Jahrbuch, 1983, S. 210-223, 8 Abb.; Schwäbisch Gmünd.

Hinweis: Der vorliegende Artikel erschien auch gedruckt in:

Schuster, R. (2004): Die Engelsgrotte (Kat.-Nr. 7024/10) bei Gschwend (Ostalbkreis), eine Sandsteinhöhle im Welzheimer Wald. — Beitr. zur Höhlen- u. Karstkunde in SW- Deutschland,. 44, S. 16-18, 1 Abb., 1 Taf.; Stuttgart.