Spanien

Die Höhle in der Wüste der Farben

An diesem warmen Tag sind Okvin und ich unterwegs im Nationalpark Pico del Teide auf der schönen Insel Teneriffa. Der Park umfasst im Wesentlichen die Caldera mit rund 17km Durchmesser, in der sich neben dem Teide weitere, teilweise über 3000m hohe Berge erheben. Wir haben heute bereits eine schöne, wenn auch schweißtreibende Wanderung durch die bizarre Felsenlandschaft der Roques de García hinter uns gebracht und uns an der Farbenpracht der Vulkanwüste erfreut. Vom tiefsten Schwarz, über Dunkelbraun, knalliges Rot bis hin zu den verschiedensten Grüntönen, sind fast alle Farben vertreten. Wirklich unglaublich! Diesen gelungenen Tag will ich mit dem Besuch einer vulkanischen Höhle abschließen: Die Cueva de Samara wartet!

Stollen im Gebüsch

Eine Wanderung führt uns heute in den oberen Teil des Orotavatales im Norden von Teneriffa. Von dem Grillplatz „La Caldera“ beim Dorf Aguamansa, der, wie der Name schon sagt, in einem erloschenen Vulkankrater angelegt wurde, führt ein gemütlicher Wanderweg zu dem ehemaligen Wasserhaus „Casa del Agua“. Während wir ganz gelassen vor uns hin spazieren, fällt mir aus dem Augenwinkel heraus ein Loch im Gebüsch auf.

Die Höhle als Kultraum

Beim Wandern entlang der Nordküste von Teneriffa stießen meine Gattin und ich heute auf diese Halbhöhle:

Nischenhöhle mit Kreuzen

Von den Maßen her sicher nicht beeindruckend, spielt der kleine Hohlraum bei den Einheimischen offensichtlich eine gewisse Rolle. Die ganze Höhle ist vollgestellt und -gehängt mit selbst gebastelten Kreuzen. Der Hintergrund ist mir nicht bekannt. Paradoxerweise befindet sich dieser religiöse Ort genau an dem Abstieg zu einem beliebten Badestrand (Playa el Bollullo).

Die Höhlenmalereien der Cueva de la Pileta (Andalusien)

Am Samstag, dem 16.06.2007 navigiere ich das Auto von der sonnigen Mittelmeerküste die lange, kurvenreiche Straße zwischen Marbella und Ronda hinauf. Die Wolken, der Nebel und der Nieselregen in den Bergen lassen mitten in Andalucía eine ganz und gar „älplerische“ Stimmung aufkommen.

Ich lasse Ronda aber links liegen und biege kurze Zeit später ab nach Benaoján. An einem Aussichtspunkt kurz hinter genanntem Ort mache ich ein paar Fotos, weil die Landschaft trotz dickem Gewölk gar nicht übel aussieht.

Landschaft bei der Cueva de la Pileta

Noch ein paar Meter weiter erreiche ich mein Ziel, die Cueva de la Pileta. Es geht rechts eine kleine Stichstraße hoch zu einem Parkplatz. Einige Höhenmeter müssen zudem über einen alpinen Pfad zu Fuß erklommen werden, dann stehe ich vor dem Eingang. Laut Google Earth sind seine Koordinaten 36°41’28.50″N und 5°16’12.06″W. Rechts davon ist ein kleiner, überdachter Platz und ein verschlossener Kiosk. Alles menschenleer. Hinter dem Gitter vor dem fast kreisrunden Eingang höre ich aber Stimmen und kann im Innern der Höhle ein paar Leute mit Lampen sehen. Ich mache mich bemerkbar und ein älterer Herr öffnet mir die Tür. Ich habe Glück und kann mich der abmarschbereiten Führungsgruppe anschließen! Rasch noch den Eintritt über sechs Euro geblecht und los gehts! Die Führung macht ein jüngerer Mann, der auf Spanisch und Englisch Wissenswertes über die Höhle berichtet und meine Präsenz nutzt, um sein deutsches höhlenkundliches Vokabular mit meinem abzugleichen.

Die Höhle ist nur sehr einfach erschlossen und als Lichtquellen dienen Petroleumlampen. Leider hat unsere ca. 20-köpfige Gruppe nur etwa vier Lampen dabei, so dass manche Leute mehr oder weniger im Dunkeln herumstolpern. Eine eigene Taschenlampe ist also nicht verkehrt, weil die Treppenstufen manchmal glitschig glatt abgetreten sind. Es geht ein paarmal über Treppen auf und ab. Überall stehen massige Stalagmiten herum, die teilweise über zehn Meter hoch in den schwarzen Höhlenhimmel ragen. Auch Stalaktiten gibt es ebenso wie viele Meter lange Sinterfahnen. Natürlich lässt es sich der Höhlenführer nicht nehmen, einer „Tropfsteinorgel“ einige Töne zu entlocken. In den meisten Räumen sind die Tropfsteine recht trocken und bis auf zwei kleine Höhlenseen weist das Loch nur wenig Getröpfel auf. Die Gänge erreichen stellenweise Raumhöhen von 14 m und bis auf eine nur seitwärts passierbare Klamm sind sie immer zwischen vier und zehn Metern breit. Das Auge des Fachmanns macht an der Decke ein phreatisches Deckenmäander aus.

Ein paar mal flitzen Fledermäuse lautlos wie fliegende Geister durch die tanzenden Lichtkegel der Petroleumlampen.

An einer Stelle führt ein Schacht in nicht ausgebaute Teile hinab, in denen menschliche Skelette aus der Steinzeit gefunden wurden. Überhaupt ist die Steinzeit für diese Höhle viel wichtiger als alle Sinterformationen zusammen! Schon kurz nach dem Eingang liegen in einer Nische rechts Scherben von Tongefäßen aus der Jungsteinzeit. Alsbald tauchen die wirklich bedeutenden Dinge auf: Höhlenmalereien! Meistens handelt es sich um mit roten und schwarzen Strichen ausgeführte Tierfiguren. Stiere sind zu erkennen, ebenso Ziegen und ähnliches Hornvieh. Andere Figuren dagegen sind nur mit viel Phantasie zu deuten. Die Tierfiguren stammen aus dem Jungpaläolithikum und sind bis zu 30.000 Jahre alt. Noch viel häufiger kommen stets schwarze kammartige Muster vor. O.k., wie wir alle wissen, waren die Steinzeitmenschen stark behaarte Burschen und um die ganze Haarpracht am verfilzen zu hindern, spielten in der Kultur des Homo sapiens praehistoriensis eben Kämme eine so existenzielle Rolle, dass die heiligen Geräte als Abbildungen in Höhlen angebetet wurden. Oh mächtige Kammgottheit, möge Dein Wille geschehen und viele Läuse gelöst werden ohne Ziepen! Ernsthaft weiter im Text. Richtig mystisch wird es bei einigen schachbrettartigen Mustern in Ockerrot, die aus jeweils vier Quadranten aufgebaut sind. Es soll sich um einen Mondkalender handeln. Ich hoffe, hier hat sich kein Meister der prähistorischen Wissenschaft in einem Deutungsmarathon verrannt… Ich bin aber begeistert, zum ersten Mal in meiner Höfo-Karriere „richtig echte“ Höhlenmalereien zu sehen.

Nach grob geschätzten 300 m endet die Führung in einem großen Saal, dessen Boden nur 15 cm dick sein soll. Wenn man mit dem Fuß aufstampft, dröhnt es hohl aus der darunter liegenden Etage herauf. Insgesamt ist die Cueva de la Pileta 2300 m lang. An der rechten Seite des Saales ist ein dicker, fetter, saftiger Fisch von den Steinzeitmenschen mit schwarzen Linien an die Wand gezeichnet worden. Die Zeichnung ist über einen Meter lang und in ihr befindet sich eine weitere Figur, die einen Seehund darstellen soll.

Eingang der Cueva de la Pileta

Eine Stunde später befinden sich alle wieder in der Eingangshalle. Leider ist das Fotografieren in der Höhle verboten, so dass nun einige rasch erworbene Fotopostkarten die Erinnerung ergänzen müssen. Der geneigte Leser kann aber mit einer Suchmaschine seiner Wahl problemlos im Internet Fotos aus dem Höhleninneren finden.

Übersicht über höhlenkundliche Forschungen auf Mallorca in den Jahren 1993 bis 1996

Anmerkung

Dieser Artikel wurde nach der bislang letzten Forschungstour im Herbst 1996 niedergeschrieben.

Beschreibung der bisherigen Aktivitäten

Vor kurzem kehrte eine Gruppe süddeutscher Speläologen von einem Forschungsaufenthalt auf der beliebten Ferieninsel Mallorca zurück.

Seit 1993 fanden in Zusammenarbeit verschiedener Gruppen alljährlich im Herbst einwöchige Reisen nach Mallorca statt, deren Zweck speläologische und karstkundliche Arbeiten in den Höhlen der Insel waren.

In den vergangenen Jahren fokussierten die Forscher ihre Aufmerksamkeit auf die bekannte Schauhöhle Cueva de Artá im Gemeindebezirk Capdepera, die sich in der Steilküste im Südosten nur 35m über dem Meeresspiegel öffnet, die in Etappen neu vermessen und fotodokumentiert wurde. Die Länge dieses komplexen Systems beläuft sich nun auf 978 m, nachdem 1994 in der unteren Etage, dem „Inferno“, noch weitere Gänge entdeckt werden konnten.

Ein Teil des Teams befasste sich mit strukturgeologischen Aufnahmen, die Licht in die komplizierte tektonische Entwicklung der Region bringen konnte und anhand denen die Speläogenese rekonstruiert wurde. Während der alpidischen Orogenese kam es zu subaquatischen Translationsvorgängen, Faltenbildung und Überschiebungen, die die geologische Situation prägen. Die Cueva de Artá liegt nach augenblicklichen Erkenntnissen in einer isolierten, gefalteten Jura-Scholle. Das Scharnier der Antiklinalen lässt sich an der Decke der 80m langen Eingangshalle der Höhle ohne Schwierigkeiten erkennen. Wesentlicher Motor der Hohlraumbildung war die „Brackwasserkorrosion“, eine Sonderform der bekannten Mischungskorrosion, die ihre Ursache in der Vereinigung von Meerwasser (das im Normalfall stets mit gelöstem Kalk gesättigt ist) mit dem Karstgrundwasser hat. Durch die auch noch rezent andauernde Krustenhebung folgte die sukzessive Heraushebung des Karstkörpers mit der Höhle und eine Verlagerung der Hohlraumbildung von den oberen in die unteren Etagen der Cueva de Artá, die in einem schachtartigen Seitengang bis auf nur noch zwei Meter über dem Meeresspiegel befahren werden konnte, wo die Hohlraumerweiterung noch weiter fortschreitet.

Im Rahmen der Forschungen wurden auch mineralogisch-geochemische Analysen durchgeführt. So zeigen zahlreiche Sintergebilde durch den Kontakt mit Brandungsaerosolen chemische Alteration und sekundäre Mineralneubildungen. Im rasterelektronenmikroskopischen Bild fallen z.B. bizarr zerfressene Calcitkristalle auf, aus denen Gipskristalle und andere Evaporite erblühen. Intensiv rot und braun gefärbte Sinter wurden analytisch auf Eisen und andere Metalle untersucht, die aufgrund der Farbe darin erwartet wurden. Es wurden jedoch keine Elemente, die „farbige“ Ionen liefern, entdeckt, weshalb die Sinterfärbung auf Kristallgitterdefekte zurückgeführt wird.

Bei der aktuellen Forschungsreise 1996 widmeten sich die Teilnehmer neben einigen Schauhöhlen der Cova Tancada, die nicht vollständig vermessen werden konnte. Die Länge der Höhle jedoch liegt bei etwa 200 m und auch sie öffnet sich in einer Steilküste bei etwa 8 m ü. NN. Erschwert wurde die Erforschung durch die schweißtreibende Hitze in der Höhle und offensichtlich herabgesetzte Sauerstoffgehalte in den unteren Räumen. Die Untersuchungsergebnisse der geologischen Aufnahme unterstützen die Schlüsse, die aus den Arbeiten in der Artá gezogen worden waren. Tektonisches Leitelement ist hier die Abrisskante zwischen einer Antiklinalen und einer Verwerfung. Sehr schön kann die Entstehung durch Brackwasserkorrosion erkannt werden, da sich neben den geräumigen Höhlenteilen mit Korrosionsformen kleine Seitengänge mit Erosionsprofilen finden, die offenbar frisches Karstgrundwasser zugeführt haben. Die Cova Tancada liegt in einer triassischen Brekzie, bestehend aus Kalksteinklasten von etwa zwei Zentimetern Durchmesser (vereinzelt auch faustgroß) in einem carbonatischen Bindemittel.

Weitere Unternehmungen im reizvollen, jedoch aufgrund der Besitzverhältnisse teilweise schwer zugänglichen Karst Mallorcas sollen folgen.