Höhlentouren

Ein Trip in die Türkei, ober- und untertage

Seitdem ich als junger Höfo vor knapp 15 Jahren zum ersten mal G. E. Schmitts Buch „Ich war in der Unterwelt“ in den Händen gehalten und die phantastischen Fotos aus türkischen Höhlen gesehen habe, faszinierte mich die Vorstellung, einmal in das Land am Bosporus zu reisen und selbst zu schauen, was es mit dem dortigen Untergrund auf sich hat.

Zwischen Weihnachten und Silvester 2000 habe ich mir erlaubt, dem grauslichen deutschen Schmuddelwetter zu entfliehen und mir eine Woche Urlaub in der Türkei gegönnt. Mir war das Vergnügen zuteil, in Gesellschaft einer fabelhaften, jedoch nicht hypogäischen Interessen zugeneigten jungen Dame zu reisen, so dass Helm und Karbidlicht im heimischen Materialschrank weiter träumen durften. Trotzdem bin ich dem Vorsatz treu geblieben, meine Nase wenigstens in ein paar harmlose unterirdische Hohlräume zu stecken. Obwohl eine Woche natürlich bei weitem nicht ausreichte, auch nur alle wichtigsten Sehenswürdigkeiten dieses interessanten und abwechslungsreichen Landes zu besichtigen, konnte ich doch einige erste Eindrücke über Höhlen und Karst der Türkei gewinnen.

An zwei Tagen haben wir an einem so richtig dekadenten Touristen- Ausflug mit dem Bus ins Gebirge teilgenommen und an einem anderen Tag haben wir uns für eine eigene Erkundungstour einen Mietwagen besorgt. Die übrige Zeit verbrachten wir u.a. mit Streifzügen zu Fuß in der Umgebung des Hotels. Ausgangspunkt aller Touren war ein Dorf an der Küste ca. 60 km westlich von Antalya.

In der Türkei unterwegs zu sein, macht viel Spaß und wer Italien ohne Nervenzusammenbruch übersteht, ist auch reif für den türkischen Fahrstil. Mit zwei Problemen muss sich der Reisende in der Türkei jedoch auseinander setzen. Als eine Schwierigkeit stellte sich die recht mangelnde Genauigkeit der uns zur Verfügung stehenden Karte heraus, auf der kleinere Straßen und sogar Dörfer einfach fehlen. Damit waren diverse Irrfahrten automatisch vorprogrammiert, als wir uns ein wenig aus dem Touristengebiet ins Inland wagten. Es soll allerdings auch bessere Karten geben, die auf Luftbildaufnahmen beruhen, die jedoch nicht ganz einfach aufzutreiben sind. Bei der kleinen Irrfahrt wurden wir mit dem anderen Problem konfrontiert, das darin besteht, dass die Türken zwar generell überaus hilfsbereit und gastfreundlich sind, man aber außerhalb der größeren Städte kaum Leute trifft, die eine Fremdsprache beherrschen. Somit müsste eine Höhlenexpedition in die karstkundlich weniger erforschten Gebiete des Landes darauf bedacht sein, mindestens einen Teilnehmer mit wenigstens grundlegenden Kenntnissen der türkischen Sprache dabei zu haben.

Die Türkei ist ein überaus gebirgiges Land. Das Taurusgebirge reicht im Süden bis an die Mittelmeerküste heran und nur wenige Kilometer im Landesinnern befindet sich der Reisende bereits auf einer Höhe von über 1000 m ü. NN. Der höchste Punkt des Landes ist der Büyük Ağrı Dağı, besser bekannt als Ararat im Länderdreieck Türkei – Armenien – Iran. Er ist 5165 m hoch. Wenn ich jetzt noch erwähne, dass über 30 % der Landfläche mit Karbonatgesteinen bedeckt sind, dürfte es jedermann klar werden, dass in der Türkei mit imposanten Karsterscheinungen zu rechnen ist.

Höhlenforschung wird in der Türkei erst seit einigen Jahrzehnten in einem größeren Maßstab betrieben. Ab den 1950er Jahren waren es hauptsächlich Expeditionen aus Frankreich, Großbritannien und der Tschechoslowakei, die den türkischen Karst von seiner Unter- bzw. Innenseite studiert haben. Seit einer Reihe von Jahren haben sich, vor allem in den Universitätsstädten, aber auch schlagkräftige türkische Höhlenvereine formiert. Sie haben Ergebnisse erzielt, die sich sehen lassen können, z.B. die Erforschung einer mehr als 1400 m tiefen Schachthöhle. In dieser Höhle wurden übrigens vor kurzem (im August 2001) mehrere Höfos vom Hochwasser eingeschlossen.

In manchen Regionen kann man Höhlenforschung schon fast vom fahrenden Auto aus betreiben. Zum Beispiel an der Straße von Antalya nach Isparta, die sich ins Taurusgebirge hoch schlängelt, kann man vom Fahrzeug aus Dutzende dunkel gähnende Löcher in den Felswänden erspähen. An dieser Strecke liegt irgendwo rechterhand auch ein aktiver Steinbruch, in dessen oberem Wandteil offenbar eine Höhle relativ frisch angeschossen worden ist und man kann die Reste von Sinter im Eingang erkennen.

Im Folgenden will ich einige (mutmaßliche) Karsterscheinungen beschreiben, die wir auf unserer Reise mehr oder weniger gründlich in Augenschein genommen haben.

Der Acıgöl-See

Der Acıgöl-See liegt südlich der Straße von Isparta nach Denizli, ca. 140 km NW des bekannten Touristenortes Antalya. Der See befindet sich auf einem Hochplateau, das von mehr als 2000 m hohen Bergen umrahmt wird.

In dem grauen Winterwetter zum Zeitpunkt unseres Besuches hatte der See eine eigenartige, fast schon mystische Ausstrahlung. Seine silbergraue Wasseroberfläche, in der sich die schweren Schneewolken spiegelten, bildete einen merkwürdigen Kontrast zu dem braunen, dürren Gras- und Strauchwerk in seiner Umgebung und den schneebedeckten Bergen im Hintergrund.

Der See ist ziemlich flach und das Wasser ist salzhaltig. Im Sommer trocknet er zu einem großen Teil ein und am Seegrund kristallisieren die verschiedenen Mineralien aus. Laut Aussage unseres Reiseführers fahren die Türken dann mit Baggern in den ausgetrockneten See und bauen die Evaporite ab, die in einer Fabrik in der Nähe zu Waschmittel verarbeitet werden. Ich habe nur eine Literaturstelle [1] gefunden, laut der das Wasser einen großen Gehalt an Calcium- und Magnesiumhydrogencarbonat aufweist bei einem hohen Chlorid / Sulfat-Verhältnis. Das sind Substanzen, die man normalerweise nicht an seiner Wäsche haben möchte, sondern die eher in der Glas- und Lederwarenindustrie Verwendung finden. Möglicherweise lag unser Reiseführer mit seiner Information einfach falsch.

Informationen über die Herkunft des Sees und seiner Mineralsalze habe ich nicht gefunden und somit bin ich mir nicht sicher, ob ein Zusammenhang mit Karst besteht. Das Vorhandensein von Hydrogencarbonaten der Erdalkalimetalle Calcium und Magnesium ist in Karstwässern jedenfalls nicht ungewöhnlich, obwohl natürlich auch andere Ursachen denkbar sind, wie z.B. hydrothermale Prozesse.

Die Sinterterrassen von Pamukkale

Die Sinterterrassen von Pamukkale sind wahrscheinlich das touristisch bestbekannte Naturwunder der Türkei und natürlich konnten auch wir es unmöglich auslassen, dieses Phänomen Auge in Auge zu bestaunen. Dabei handelt es sich nicht einmal um eine Karsterscheinung im strengen Sinne, obwohl es kaum ein einführendes Buch über Höhlen und Karst gibt, in dem Pamukkale nicht Erwähnung findet…

 

Pamukkale im Winter. Als Größenvergleich siehe die Personen am linken Bildrand!

Die Sinterterrassen von Pamukkale befinden sich am Rand des gleichnamigen Dorfes, knapp 30 km von Denizli entfernt bzw. 180 km NW von Antalya. Die Sinterterrassen erstrecken sich über eine Länge von ungefähr drei Kilometern und über einen Höhenunterschied von 50 bis 60 m über einen das Umland dominierenden Berghang, der von unten fast aussieht wie eine weiße Wand. Die einzelnen Sinterbecken sind grob geschätzt zwischen 3 und 10 m breit.

Die chemischen Prozesse bei der Bildung dieser Sinterterrassen unterscheiden sich nicht wesentlich von der Genese von Sinterbecken in Höhlen. Das mit Calciumhydrogencarbonat gesättigte Wasser gibt Kohlendioxid an die Atmosphäre ab, das chemische Gleichgewicht verschiebt sich und Calciumcarbonat kristallisiert aus. Das Calciumcarbonat kristallisiert aufgrund der höheren Wassertemperatur allerdings nicht in Form des Minerals Calcit aus, welches die Tropfsteine in mitteleuropäischen Höhlen aufbaut, sondern als Aragonit. Aragonit und Calcit besitzen die gleiche chemische Summenformel, jedoch unterschiedliche Kristallstrukturen.

Der Unterschied zwischen Sinter in Höhlen und den Terrassen von Pamukkale besteht darin, dass in Höhlen nur der unterschiedliche Kohlendioxid-Partialdruck im Wasser und in der Höhlenatmosphäre für die Verschiebung des chemischen Gleichgewichts verantwortlich ist. Das Wasser von Pamukkale hingegen entspringt einer heißen Quelle. Gase sind in warmen Wasser schlechter löslich als in kaltem, daher scheidet sich das Aragonit rasch ab, sobald das heiße Wasser den Berg verlässt und es nicht mehr dem Druck des Deckgebirges unterliegt.

Das Wasser der heißen Quelle wird übrigens durch ein raffiniertes Kanalsystem auf die Sinterterrassen verteilt. Bereiche, die längere Zeit trocken liegen, verlieren bald ihre schneeweiße Farbe und färben sich unansehnlich braun. Sobald sie jedoch wieder einige Zeit „bewässert“ werden, werden die schmutzigen Schichten wieder mit frischem, weißen Sinter überzogen.

Die Thermalquellen und die Lage auf einem Berg, der eine weit reichende Aussicht über die vorgelagerte Ebene gewährt, ließen den Ort schon früh in den Blickpunkt menschlicher Interessen rücken. Die alten Griechen gründeten gleich bei den Sinterterrassen die Stadt Hierapolis, die später von den Römern weiter genutzt wurde. Die heutige Zufahrtstraße führt quer durch die Nekropole der antiken Stadt und links und rechts der Straße liegen zu tausenden die weißen Marmorsarkophage der hier bestatteten Einwohner. Ein Stückchen weiter oben am Berg befindet sich das ehemalige Theater der alten Stadt, das von Archäologen gut restauriert wurde. Es gibt außerdem ein archäologisches Museum, dessen Besuch sich lohnt.

Im 20. Jahrhundert entstanden direkt bei den Quellen Hotels, die die Gegend verschandelten und den Sinterterrassen das warme Wasser abgruben. Diese wurden inzwischen von der türkischen Regierung aufgekauft und abgerissen und das Gebiet unter Naturschutz gestellt. Nur ein Drittel ist für Touristen und Badegäste zugänglich. Ranger achten darauf, dass auch die zugänglichen Teile nur barfuß betreten werden, damit der weiche Sinter nicht zertrampelt wird. Dank des Thermalwassers ist das Plantschen sogar im Winter gemütlich, nur das Verlassen des Wassers hinterher nicht…

In den meisten Prospekten und Reiseführern sieht man unter dem Stichwort „Pamukkale“ die Sinterbecken mit fröhlichen, badenden Menschen unter strahlend blauem Himmel. Das Winterwetter eröffnete uns auch hier eine interessante und abweichende Perspektive. Das Land lag unter einer dünnen Schneedecke, die auch die trockenen Sinterbecken ausfüllte und alles in ein helles Weiß hüllte. Über den mit heißem Wasser gefüllten Becken standen durch den Temperaturkontrast enorme Dampf- und Nebelwolken, obwohl das Wasser nicht einmal sehr heiß ist. Der Boden schien regelrecht zu brennen.

Düden Şelalesi (Düden-Wasserfall)

Dieser reizvolle Ort liegt etwa 10 km landeinwärts und NE von Antalya und ist über ein schmales Rumpelsträßchen zu erreichen. Der Fluss Düden stürzt hier als Wasserfall in die Tiefe und hat große Kalktufflager gebildet, in denen sich eine richtige Tuffhöhle befindet.

Der Düden-Wasserfall ist ca. 15 m hoch und 20 m breit.

Man entrichtet ein geringes Eintrittgeld und besucht einen hübschen Park mit botanischem Garten, Wasserspielen und Bänken und Tischen, die bei schönerem Wetter zum Picknick einladen. Das Wasser des Düden-Flusses rauscht herrlich eisblau durch einen Taleinschnitt, in den man über Treppen hinabsteigen kann, um am Ufer entlang zu schlendern. Der Fluss erhält aus einigen kleineren Quellen zusätzliches Wasser. Auch diese kleinen Quellen, die von den Hängen des Tals herab plätschern, haben kräftig Kalktuff abgelagert. Ein solcher Mini-Wasserfall hat Tuffgebilde in der Form von Pseudo-Stalagmiten und -Stalaktiten gebildet, was das Herz des Speläologen natürlich höher schlagen läßt.

Ein kleiner Nebenfluss des Düden hat Pseudo-Stalaktiten und -Stalagmiten aus Kalktuff gebildet.

Der Höhepunkt ist natürlich der große Wasserfall, der schätzungsweise 15 m hoch und 20 bis 25 m breit ist. Der Clou an der Sache ist der, dass der Spazierweg hinter den Wasserfall in eine Tuffhöhle führt. Es handelt sich im wesentlichen um Felsdächer, die dadurch entstanden sind, dass sich die Kalktuffpolster horizontal immer weiter vorgebaut haben, so dass das Wasser nun in einigem Abstand von der Felswand herabstürzt. Die Höhle besteht aus mehreren Kammern, die durch kurze Gänge verbunden sind. Einige dieser Durchgänge wurden aber offensichtlich künstlich durchgebrochen. Man kann aus einigen Gangfenstern von hinten auf den Waserfall schauen, was sehr reizvoll aussieht. Ich habe mir sagen lassen, dass man im Sommer auch in der angenehmen Kühle der Höhle übernachten kann. Dürfte nur etwas laut sein… Man verlässt die Höhle durch eine eiserne Wendeltreppe, die in den oberen Bereich des Parks zurück führt. Die Gesamtlänge der Höhle dürfte ungefähr bei 40 m liegen.

In den Düden-Tuffhöhle. Durch ein Gangfenster schaut man von hinten auf den Wasserfall.

Quellen: [2]

Weitere Objekte

In der Umgegend von Antalya gibt es weitere karstkundlich interessante Objekte, die wir jedoch nicht mehr anschauen konnten, da uns die hierfür nötige Zeit fehlte. Die folgenden Informationen habe ich der Literatur entnommen.

Kurşunlu Şelalesi (Kurşunlu-Wasserfall)

Dieser Wasserfall liegt ca. 40 km NE von Antalya, nördlich der sehenswerten Ruinenstadt Perge. Er dürfte in den Dimensionen mit dem Wasserfall von Düden vergleichbar sein und auch er soll große Kalktufflager gebildet haben, in denen sich Hohlräume befinden.

Quellen: [2]

Karain Mağarası (Schwarze Höhle)

Diese Höhle ist eine echte Karsthöhle, die touristisch erschlossen wurde. Sie liegt ca. 30 km NW von Antalya. Die Höhle ist schon seit langer Zeit bekannt und war schon in prähistorischer Zeit besiedelt, wie die seit den 1940er Jahren durchgeführten Ausgrabungen gezeigt haben. Allein die Sedimentschichten aus dem mittleren Paläolithikum waren 11 m mächtig. Es wurden Knochen und Werkzeuge aus der Epoche des Neandertalers gefunden, die die ältesten menschlichen Fossilien darstellen, die bislang in der Türkei entdeckt worden sind. Es wurden außerdem die Überreste von Höhlenbären und Höhlenlöwen aus dem Pleistozän gefunden. Teile der Funde sind in dem Museum vor Ort ausgestellt, andere in der prähistorischen Abteilung des Museums in Antalya.

Über die Räumlichkeiten der Höhle sowie die Öffnungszeiten habe ich leider keine Informationen gefunden. Nach [3] besteht die Höhle aus sieben Kammern. Die verschiedenen Quellen belegen aber, dass die Höhle Sinterschmuck aufweist.

Quellen: [2], [3]

Damlataş Mağarası (Damlataş-Höhle)

Diese Höhle liegt etwas abseits der anderen hier geschilderten Objekte, in der Nähe von Alanya, einem anderen populären Touristenort an der türkischen Riviera. Auch sie ist touristisch ausgebaut und weist Tropfsteinschmuck auf. Entdeckt wurde die Höhle zufällig im Jahr 1948 und es wurde festgestellt, dass die feuchte, staubarme und leicht radioaktive Höhlenluft erfolgreich zur Linderung von Asthma genutzt werden kann. Die Höhle besteht aus zwei Räumen [2].

Zusammenfassend kann man sagen, dass mir der Trip sehr gut gefallen hat und dass es viel zu sehen und zu entdecken gibt. Wer sich motiviert fühlt, der Türkei ober- und untertage einen Besuch abzustatten, sollte dies unbedingt tun. Es lohnt sich.

Literatur

  1. Hydrochemical Results of the Lakes Burdur and Acygöl, Western Anatolia, Turkey.- Quelle im Internet: http://www.the-conference.com/JConfAbs/4/814.html
  2. Gillett, A. (1998): Süd-Türkei, Antalya und die ganze Umgebung.- 104 S., zahlr. farb. Abb.; Istanbul (Keskin Color).
  3. Karain Cave Excavations.- Quelle im Internet:http://www.geocities.com/levent_atici/karain_cave.html

Die „Schatzkammerhöhle“, wie es weiterging

Kurze Übersicht über die bisherigen Maßnahmen zum Schutz der Höhle.

Nach div. Telefongesprächen fand am 19.01.99 eine Ortsbesichtigung im Steinbruch statt, bei der zwei Mann von der Geschäftsleitung des Steinbruchs, der Bürgermeister der betroffenen Gemeinde, mehrere Leute vom Landratsamt, Dr. Schloz vom geologischen Landesamt (GLA) BaWü und zwei Vertreter der Höhlenkundlichen Arbeitsgemeinschaft Rosenstein / Heubach e.V. (Novak, Schuster) anwesend waren. Der gleichfalls geladene Vertreter des Landesverbandes für Höhlen- und Karstforschung e.V. konnte leider nicht teilnehmen. Obwohl die Heubacher Höfos schon 20 min. vor dem avisierten Termin am Schauplatz eintrafen, waren die anderen Teilnehmer noch früher da und hatten bereits in kleinen Grüppchen die Höhle befahren. Dadurch war der Anfang des „Meetings“ etwas unkoordiniert, trotzdem verlief das Gespräch dann aus Sicht des Höhlenschutzes sehr befriedigend.

Der Steinbruchbetrieb hat die Grenzen seines „Claims“ schon fast überall erreicht. Der weitere Vortrieb kann nur noch in einer Richtung erfolgen, d.h. die Abbaufront entfernt sich sogar wieder von der Höhle, so dass auch die Geschäftsleitung recht gute Chancen sieht, die Höhle zu schonen. Nach der Höhlenbefahrung äußerten sich sowohl die Repräsentanten der Naturschutzbehörde als auch des GLA positiv über den Wert der Höhle, die aufgrund ihres Sinterschmucks nicht alltäglich für die Region ist. Die Entscheidung, ob die Höhle als Naturdenkmal ausgewiesen werden kann/ muß, steht aber noch aus. Dr. Schloz pflichtete meiner Auffassung bei, dass eine radiometrische Altersbestimmung der beiden Tropfsteingenerationen erfolgen sollte und empfahl deshalb wenigstens die zeitweilige Erhaltung der Höhle, damit die weitere Dokumentation durchgeführt werden kann. Um die Schatzkammerhöhle vor dem Zugriff von Mineraliensammlern zu schützen und um die Luftdetonationen der Sprengungen abzudämmen, wird der Eingang erst einmal mit großen Blöcken zugeschoben, worum sich der Steinbruchbetreiber kümmern wird. Sobald der Abbau etwas weiter vom Loch weggewandert ist und das weitere Forschungsprogramm „steht“, wird die Höhle wieder aufgebuddelt und die nötigen abschließenden Arbeiten durchgeführt. Mit diesem provisorischen Maßnahmenkatalog konnten sich schließlich alle Anwesenden anfreunden.

Einen ziemlich bitteren Nachgeschmack hatte der Ortstermin aber dennoch. Es stellte sich heraus, dass am letzten Wochenende Mineraliensammler die Höhle gefunden haben müssen und so sah es darin auch aus. Der schöne Stalagmit am Eingang- spurlos verschollen. Die Säule rechts- plattgemacht. Die fast meterlangen Stalaktiten und Teile der glasklaren Sinterfahne- von der Decke geschlagen oder mit Steinen heruntergeworfen. Die „Tannenzapfen- Stalaktiten“ ganz hinten- es war einmal. Das war einer jener Augenblicke, an denen sich im Gehirn des Höhlenforschers fiese, aber herzerfrischende Folter- Phantasien abspielen.

Der Verschluß der Höhle mit Steinen soll Anfang nächster Woche stattfinden. Um aber am kommenden Wochenende weitere Besuche von Randalierern und Mineraliensammlern zu verhindern, werden Mitglieder der Arge Rosenstein den Höhleneingang bewachen; der Besitzer stattete uns mit den nötigen Vollmachten hierfür aus. Das auch als Warnung an die Horden von schwarzen Schafen, die diese eventuell diese Webseite lesen… :-)

Sprengarbeiten im Steinbruch: Inwiefern die von den Sprengungen angeregten elastischen Wellen eine Gefahr für den Sinter darstellen, konnte uns auch der Sprengtechniker des Steinbruchs nicht sicher sagen. Bei der Entdeckung der aufgesprengten Höhle war der Sinter jedenfalls noch *völlig* intakt. Die hintere Sinterwand weist einen Querbruch auf, der jedoch vollständig mit Calcit verheilt ist und deshalb sicher ein höheres Alter aufweist, d.h. schwerlich anthropogen bedingt ist. Der Betrieb hat uns aber vorsichtshalber versprochen, die Höhe der Abbausäulen und damit die Dosis des Sprengstoffs zu verkleinern.

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Die „Schatzkammerhöhle“, ein akut gefährdeter Karsthohlraum

Vorbemerkung: Das nachfolgende Dokument stellt die leicht gekürzte Fassung des Dossiers dar, das dem Amt für Naturschutz im Landratsamt Ostalbkreis sowie dem Arbeitskreis Naturschutz Ostwürttemberg am 04.01.1999 vorgelegt worden ist. Wir bitten alle Höhlenforscher, die bereits Erfahrungen mit Höhlenschutzprojekten in Steinbrüchen gesammelt haben, um Informationsaustausch.

Am 02.01.1999 entdeckten Mitglieder der Höhlenkundlichen Arbeitsgemeinschaft Rosenstein / Heubach e.V. im Steinbruch am [Lageangabe gelöscht] eine neue Höhle, die nach Ansicht der Bearbeiter eine in der Umgebung einzigartige Naturbildung darstellt, deren Erhalt sichergestellt werden muß. Die Gründe werden nachfolgend dargelegt.

Lage:

[Lageangaben aus Höhlenschutzgründen gelöscht]

Beschreibung:

Das sieben Meter breite und rund zwei Meter hohe Portal der Höhle ist größtenteils mit Erde und Sprengschutt zugeschoben, so dass zwischen der Oberkante des Schutthaufens und dem First der Höhle nur noch rund ein Meter Raum verbleibt. Man muß deshalb von der Abbausohle zunächst einen Erdhügel von etwa drei Metern Höhe erklimmen, um in die Höhle zu gelangen. Im Innern der Höhle fällt der künstlich angehäufte Boden rasch ab, so dass nach wenigen Metern bereits Raumhöhen von bis zu vier Metern erreicht werden. Die Höhle besteht im wesentlichen aus einem hallenartigen Raum von zehn auf sieben Metern Grundfläche, der durch drei große Versturzblöcke sowie Tropfsteine zweigeteilt ist.

Bereits im Eingangsbereich ragen zahlreiche Stalagmiten von bis zu einem Meter Höhe aus dem künstlich aufgeschütteten Sediment. Nahe der südlichen Wand steht auch eine filigrane Tropfsteinsäule von beinahe zwei Metern Höhe. Die großen Versturzblöcke sind fast vollständig mit weißen Tropfsteinvorhängen überzogen, aus denen wiederum etliche Kerzenstalagmiten emporragen. Über den Versturzblöcken ist der First ausgebissen und die Raumhöhe weitet sich auf bis zu vier Meter. Zahlreiche weiße Stalaktiten und glasartig- durchsichtige Sinterfahnen verzieren in diesem Bereich die Decke. Die nördliche Wand ist vor den Versturzblöcken großflächig versintert und auch die natürliche Höhlensohle besteht aus einer bis zu 20 cm mächtigen Sinterplatte.

Die Versturzblöcke können vorsichtig an der Südseite passiert werden, was wegen der großflächigen Versinterung mit viel Umsicht geschehen muß. Im hinteren Raumteil weitet sich die Höhle nach einem kleinen Wandaufschwung alkovenartig. Eine „Tropfsteinorgel“ sowie Tannenzapfen- Stalaktiten und Knöpfchensinter schmücken diesen Abschnitt der Höhle. Höhepunkt sind aber zweifellos drei durchsichtige Tropfsteinfahnen.

Dokumentation:

Die Höhle wurde am 02.01.1999 entdeckt und am gleichen sowie am darauffolgenden Tag bearbeitet. Die Daten für einen Höhlenplan im Maßstab 1:100 (Grundriß und zwei Profile) wurden eingemessen und der Höhleninhalt auf ca. 50 Diapositiven festgehalten. Des weiteren wurde die biologische und geologische Situation beurteilt. Eine Kopie des Zeichnungsentwurfs ist beigefügt, da die Reinzeichnung noch nicht fertiggestellt werden konnte.

Name:

Nach den Richtlinien des Internationalen Speläologen- Verbandes liegt das „Taufrecht“ bei den Entdeckern der Höhle. Diese einigten sich darauf, die Höhle wegen der Vielfalt an Tropfsteinformen unter dem Namen „Schatzkammerhöhle“ in ihren Unterlagen zu führen und im Höhlenkataster Schwäbische Alb einzutragen.

Geologie:

Die Höhle liegt wenige Meter über der Glaukonitbank, einem wichtigen stratigraphischen Horizont im Oberen Jura Südwestdeutschlands. Somit liegt der Hohlraum vollständig im Malm δ 4 (Mittelkimmeridge- Kalke), und zwar in der Schichtfazies.

Bemerkenswert sind die großen Versturzblöcke in der Höhle, die mit flächenhaftem Wandsinter überzogen sind. Der schräge Verlauf des Sinters zeigt an, dass die Versturzblöcke nach der Versinterung gekippt sind. Die darauf stehenden Stalagmiten sind jedoch senkrecht, was anzeigt, dass nach der Kippung eine jüngere Tropfsteingeneration auf der älteren gewachsen ist. Das Kippen der Blöcke könnte der Indikator für ein paläoseismisches Ereignis sein, dessen Auftreten innerhalb der Erdgeschichte mittels radiometrischer Untersuchungen an den beiden Tropfsteingenerationen zeitlich eingegrenzt werden könnte.

Biologie:

Mehrere Exemplare der Zackeneule (Scoliopterix libatrix) wurden festgestellt, ebenso einige Weberknechte (Opilionidae). Außerdem fanden sich an zwei Stellen Kotreste eines größeren Säugetiers. Dies zeigt an, dass trotz der kurzen Zeitspanne, vor der die Höhle beim Abbau des Gesteins angeschnitten und geöffnet worden ist, bereits eine Zuwanderung troglophiler Tierarten und die Besiedlung der Höhle begonnen hat.

Forderung nach Höhlenschutz:

Die Höhle weist einen Reichtum an Tropfsteinen auf, der in der ganzen Region einzigartig ist. Porzellanartig- durchscheinende Stalagmiten und glasklare Sinterfahnen können in keiner anderen Höhle des Blattes [gelöscht] gefunden werden. Auf die Möglichkeit, erdgeschichtliche Ereignisse anhand der Tropfsteine zu datieren, wurde schon hingewiesen.

dass durch den Anschnitt der Höhle ein neuer Biotop geschaffen wurde, haben die Bearbeiter ebenfalls aufgezeigt. Es besteht die gute Chance, dass auch die vom Aussterben bedrohten Fledermäuse im Laufe der Zeit die Höhle als Winterquartier akzeptieren werden. In einer Höhle in einem anderen Teil des Steinbruchs, wurden im Winter 1998/99 Fledermäuse gefunden. Der Lärm der Maschinen und der Sprengungen scheint die Tiere also nicht zu stören.

Aus diesen Gründen ist es notwendig, die Höhle in einem möglichst naturnahen Zustand zu erhalten. Dazu gehört als erster Schritt die rechtliche Unterschutzstellung, um zu verhindern, dass die Höhle zu Straßenschotter verarbeitet wird. Wie die Sinterreste an der Felswand vor der Höhle anzeigen, wurden bereits mindestens zehn Meter des Hohlraums abgebaut!

Als nächste Sicherungsmaßnahme müßte sowohl das Höhlenklima wiederhergestellt und die Höhle vor dem Zugriff von Touristen und Tropfsteindieben geschützt werden. Durch den künstlich gesprengten Eingang dringt die trockene Tagluft bis in die hintersten Höhlenteile vor, d.h. die Tropfsteinformationen trocknen aus und hören auf zu wachsen. Das bis weit nach hinten einfallende Tageslicht wird bald Algenschleier auf den Wänden gedeihen lassen, was die Tropfsteine ebenfalls zerstört. Außerdem wurden bereits jetzt Tropfsteine mit Hämmern abgeschlagen sowie mit schmutzigen Stiefeln zertreten.

Beide Sicherungsmaßnahmen könnten dadurch erreicht werden, indem zunächst die eingeschobene Erde wieder abgegraben wird. Dann sollte im Eingang eine Mauer hochgezogen werden, die intensive Luftzirkulation, Lichteinfall sowie Tourismus verhindert. Damit aber die Besiedlung des Biotops durch Tiere weiterhin vollzogen werden kann, empfehlen wir die Anbringung eines ca. einen auf einen Meter messenden Gitters mit waagrechten Stäben von jeweils zehn Zentimetern Abstand. Dann können Fledermäuse ungehindert einfliegen. Eventuell sollte das Gitter nicht starr, sondern mit Scharnier und Schloß eingebaut werden, damit eine Betreuung des Biotops durch Höhlen- und Fledermausforscher erfolgen kann.

Wie es bisher mit dem Schutz der Höhle weiterging

Die Schreiberhöhle (7226/06) bei Steinheim

Auch auf die Gefahr hin, dass die permanenten Lobs in dieser Ausgabe den Lesern zu Kopfe steigen, sei auch dieser Artikel den aktiven Forschungen der Arge Rosenstein gewidmet. Es soll auch gezeigt werden, dass auf der Schwäbischen Alb noch ein großes speläologisches Forschungspotential besteht, sofern man die Geduld zur Feinarbeit mitbringt.

Im Vorfeld des Forschungslagers auf der Charetalp galt es, eine Vermessungsübung zu organisieren, mit der besonders den Jung- Höfos im Haufen die subterrane Topographie nahegebracht werden sollte. Die Wahl fiel auf die Schreiberhöhle, weil diese durch Verzweigungen, Rundgänge, kleine Schächte etc. besonders gut geeignet schien, das Vermessen unter nicht allzu einfachen Bedingungen zu üben. Außerdem gab es bisher von dem Loch keinen exakten Höhlenplan. Auch der örtliche Verein hatte es in seiner 20-jährigen Geschichte nicht geschafft, die Schreiberhöhle aufzunehmen. Außerdem wuchs das Interesse an der Höhle nach dem Besuch unserer Bamberger Kollegen bei uns im Frühjahr, die uns berichteten, dass sie bei der touristischen Befahrung auf einen frisch ausgegrabenen neuen Teil gestoßen waren, der sich durch hübsche Versinterung auszeichnet.

Also schlug die Arge Rosenstein zu und ein eigenes Forschungsprojekt war geboren, das noch immer läuft und dieser Artikel ist als erster Zwischenbericht zu werten!

Bisher fanden drei Befahrungen am 19.07., 26.07. und 06.09.1997 statt, an der die Heubacher Höfos S. Bader, M. Dieth, J. Friedel, M. Gallasch, I. Sachsenmaier und R. Schuster teilgenommen haben. Die Höhle ist nun komplett mit dem Messzug, der sozusagen das „Skelett“ der Höhle bildet, erfaßt. Die Gesamtlänge aller unterirdischen Messstrecken beträgt 200,4 m und der tiefste Punkt liegt 8,3 m unter dem Eingangsniveau. Dieser Messzug ist als Anlage dem Bericht beigefügt (1 Grundriß im Maßstab 1 : 250 mit Tiefenangaben und ein Blockbild in isometrischer Darstellung), wobei die Nummern an den Messpunkten die relative Tiefenlage unter dem Koordinatenursprung (Messpunkt c1 an der Kante des Eingangsschachts) ausdrücken. Natürlich müssen von der Gesamtmessstrecke Ganganschnitte und halbe Hallenrundzüge subtrahiert werden, dafür kommen aber kleine Nischen und Ecken, in die keine Messlinien gelegt wurden, hinzu, so dass die Gesamtlänge der Höhlengänge ebenfalls bei etwa 200 Metern liegen wird.

Die Gangumrisse und der Höhleninhalt (Blockwerk, Tropfsteine etc.) müssen noch aufgenommen werden und ich hoffe, es finden sich auch hieran Interessierte.

Ein kleiner Ausflug in die Erforschungsgeschichte.

Entdeckt wurde die Höhle 1960, als die beiden hohen Schlote im Bereich der Eingangshalle bei Abbauarbeiten in dem kleinen Steinbruch angeschnitten wurden. Die Höhle wurde posthum nach dem Heidenheimer Höhlenforscher Walter Schreiber benannt (Binder, Frank & Müller 1960: 35- 37). Ein erster, freilich sehr skizzenhafter Plan entstand schon damals, der jedoch die Darstellung fast aller Seitenteile vermissen lässt.

Anfang der 70er Jahre trieb sich der Schwäbisch Gmünder Höfo Reinhold Kreuz in der Höhle herum, bewältigte den großen Versturz und entdeckte die Bisonhalle, die nach den Knochenresten der Urkuh benannt ist, die Kreuz dort fand. Ein weiterer Plan entstand, der alle damals bekannten Höhlenteile zeigt, jedoch deutliche Richtungsabweichungen aufweist (Kreuz 1974).

Wegen dieser Fehler vermaßen zwei Studenten der FHT Stuttgart im Jahr 1979 die Höhle erneut, wobei die Richtungsfehler ausgemerzt, jedoch die Nebenstrecken unsauber erfaßt wurden (Ruess 1986: 68).

1996 oder 1997 haben uns unbekannte Personen den Eingangsschluf in den nun „Makkaroniquetsche“ genannten neuen Teil freigelegt, in den von der InGO ein Messzug gelegt wurde. Es schien uns jedoch riskant zu sein, die Vermessung des neuen Teils an die bestehenden, fehlerhaften Pläne anzuhängen, weshalb nach einem Gedankenaustausch mit M. Ruess von der InGO, ein weiterer Grund gefunden war, die Liste der Pläne nun auch um einen von der Arge Rosenstein zu ergänzen. Mal sehen, wieviel Nachfolger wir finden werden…

Erster Überblick über die gewonnenen Forschungsergebnisse.

Die neuen Räume.

Nach dem Abstieg in den Eingangsschacht und dem Durchqueren der Eingangshalle, biegt man im Hauptgang links ab (Richtung N), bis nach einem kurzen Steilanstieg der Gangsohle, sich rechts (E) ein flacher, an einer Schichtfuge orientierter Schluf öffnet. Dieser leitet nach rund 3 m an eine Verzweigung. Rechts geht es nur durch einen kurzen Schluf zu einem Möchtegernschacht (harte 3 m tief), während links die eigentliche Fortsetzung der Höhle folgt. Nach einem neuerlichen Gangknick nach rechts, erreicht man die Grabungsstelle. Die Raumhöhe sinkt kurzfristig auf etwa 30 cm ab, aber man kommt noch mit dem Helm auf der Birne durch… Zum Glück kann man nach kurzer Strecke das Gesicht wieder aus dem Lehm- Verbruch- Gemisch auf der Gangsohle erheben und kommt dadurch in den Genuß, nun auch sehen zu können, wie der Schluf 4 m weit schräg nach oben führt und in eine Halle einmündet, die mindestens satte 7 m breit und deren 10 lang ist, wobei die Raumhöhe als Besonderheit nirgendwo auf mehr als 70 cm steigt. Zahlreiche der für die Schreiberhöhle typischen schneeweißen bis hellgelben Makkaronis und Sinterröhrchen bilden einen lebhaften Kontrast zu dem bräunlichen Gestein, nur dass in diesem neu entdeckten Raum die Sintergebilde sich noch in einem unverschmutzten und unbeschädigten Zustand präsentieren. Auf jeden Fall dürfte nun klar sein, warum diese neue Halle „Makkaroniquetsche“ heißt!

Makkaroniquetsche

 

An der westlichen Raumbegrenzung zieht ein niedriger Gang mit rechteckigem Inkasionsprofil Richtung NNE, der uns lebhaft an das Transportbehältnis des Heubacher Höfo- Treibstoffs erinnerte und deswegen „Bierkastenprofil“ heißt… Er endet im Sediment. Am Anfang des Ganges öffnet sich ein enges Loch zwischen Versturzblöcken, das steil abwärts Richtung W führt, nach knapp 3 m ebenfalls in die Hauptkluftrichtung NNE einschwenkt und nach einer Engstelle in einer winzigen Kammer endet. Die Engstelle wurde von uns am 26.07.97 höflich mit dem Geologenhämmerchen „überredet“, M. Gallasch als heldenhaften Erstbefahrer passieren zu lassen, der seinen Triumph mit einer in diesem Raum in pränataler Hockstellung konsumierten Kippe feierte!

Geologie.

Die Schreiberhöhle verspricht gute Informationen über die Karstentwicklung der Region zu liefern. Durch die Arbeiten von Dongus (1962, 1974) im Bereich Geomorphologie und vonBayer (1982) auf dem Gebiet der Tektonik, ist eine gute geowissenschaftliche Datenbasis vorhanden, die in Kürze mit eigenen Erhebungen korreliert werden soll. Eine ganz knappe Vorschau soll aber bereits zu diesem Zeitpunkt mit der dem augenblicklichen Forschungsstand gebührenden Vorsicht erfolgen. Es sei explizit betont, dass der Verfasser zum Zeitpunkt der Niederschrift dieses Textes noch keine strukturgeologische Aufnahme in der Höhle und ihrem Umfeld vorgenommen hat, die zur definitiven Beurteilung der Entwicklungsgeschichte erforderlich ist!

Die Höhlengänge der Schreiberhöhle werden überwiegend von Klüften geführt. Ich habe daher die Gänge als geologische Lineare aufgefaßt und die Richtungs- und Neigungswinkel der Messzüge, die in erster Näherung mit den Gangachsen zusammenfallen, in Richtungs- und Abtauchwerte der Lineare umgerechnet und graphisch dargestellt.

Gangrose

 

Aus der Gefügerose werden so die Gangrichtungshäufigkeiten besser ersichtlich als aus den Höhlenplänen und gut zu erkennen ist die Hauptrichtung NNE- SSW. Diese fällt offensichtlich mit dem rund 30° streichenden „rheinischen“ Kluftsystem (Streichen +/- parallel zum Rheingraben) zusammen. Orthogonal dazu steht das „herzynische“ Kluftsystem (parallel zur Südrandstörung des Harzes; ca. 120°), das sich auch in der Gangrose wiederfindet. Das dritte wichtige Kluftsystem in SW- Deutschland ist das „schwäbische“, dessen Streichrichtung bei rund 70° liegt und das auch in das Richtungsinventar der Höhle eingeflossen ist. Daneben tauchen aber auch noch weitere dominante Gangrichtungen auf, die sich nicht mit den drei großen Kluftsystemen decken. Es wird hier schon deutlich, wie wichtig die geplante strukturgeologische Feinaufnahme des Umfeldes um die Höhle ist. Zum Beispiel wäre es reizvoll, herauszufinden, inwiefern sich die Auswirkungen des Meteoriteneinschlags im Steinheimer Becken (an dessen Rand die Schreiberhöhle liegt) im Kluftspektrum bemerkbar machen.

Die drei „großen“ Kluftsysteme rheinisch- schwäbisch- herzynisch wurden, wie die Gangrose aufzeigt, vom Wasser benutzt, um die Höhle anzulegen. Demnach ist die Höhle jünger als die jüngste Kluftrichtung, was aufgrund der erhöhten Wasserwegsamkeit im Bereich von Klüften/ Störungen einleuchtend ist. Meine Untersuchungen im Bereich des Rosensteins haben gezeigt, dass das rheinische Kluftsystem älter ist als die beiden anderen (Musteraufschluß ist übrigens die Kleine Scheuer). Es entstand durch die Ausdünnung der Lithosphäre und die beginnende Öffnung des Rheingrabens durch ein WNW- ENE orientiertes extensionales Streßfeld. Die Extension begann im Eozän (in Zahlen: vor rund 40 Mio. Jahren). Durch plattentektonische Prozesse rotierte das Streßfeld im Laufe des Tertiärs und ab dem Miozän (vor 25 Mio. Jahren beginnend) kam es zur Herausbildung des herzynischen Kluftsystems. Das schwäbische System verdankt seine Entstehung anderen Ursachen: Es handelt sich um Durchpausungen alter Reliefstrukturen des variszischen Grundgebirges (Geyer & Gwinner1991: 249), denen demnach ein hohes, möglicherweise mesozoisches Alter zukommen könnte.

Jedoch, das jüngste datierbare Kluftsystem ist demnach das herzynische mit rund 25 Mio. Jahren, woraus folgt, dass dies das Höchstalter für die Höhlenbildung sein muß.

Die Höhle gliedert sich in zwei deutlich verschiedene Raumformen: Nahezu horizontale, Nord- Süd- orientierte Gänge mit stellenweise deutlichem Flußhöhlenprofil und davon abgegrenzte vertikale Schächte mit bis zu 6-7 m Tiefe. Letztere weisen deutliche Wasserstands- bzw. Korrosionsmarken auf. Das lässt auf eine signifikante Altersgliederung der Höhlenbildung schließen mit einer alten, fluviatilen- phreatischen Phase, bei der die Horizontalgänge ausgeräumt wurden und einer jüngeren vadosen Phase im Schwankungsbereich des Karstwasserspiegels.

Davon abzugrenzen sind die beiden Eingangsschächte (der östliche ist mit Balken abgedeckt und durchstößt die Erdoberfläche ca. 7 m vom Haupteingang entfernt auf halber Höhe der Steinbruchwand), die durch Durchschlagen des Hohlraums durch die zum Nachbruch neigenden dünnbankigen Kalke des Weißjura Zeta entstanden sind. Die von Kreuz gefundenen Wisent- Knochen zeigen an, dass die Höhle im Pleistozän bereits zur Erdoberfläche geöffnet war.

Die Horizontalgänge deuten auf eine Entwässerung nach Süden hin, in Richtung zur Tethys. Dies erfordert jedoch kein hohes Alter, dauerte doch die danubisch orientierte Entwässerung auf der Ostalb bis ins Altpleistozän an ( Geyer & Gwinner 1991: 252). Nach Dongus (1974: 60) erfolgte die Kappung des lokalen Vorfluters, der Ur- Brenz, durch den Kocher erst vor umgerechnet 150.000 Jahren. Die Höhle liegt aber hoch über der Kocher- Brenz- Talwasserscheide, ist also deutlich älter. Es wurde schon angedeutet, dass die Schächte zu einer Zeit entstanden, als der Karstwasserspiegel im Bereich der Höhle lag, also bei 615 m ü. NN und sich das Paläoflußsystem bereits in die Hauptoberfläche des nördlichen Albuchs eingetieft hatte. Das entspricht der „Ochsenbergstufe“ von Dongus (1962: 22). Dieses Flußsystem war ab dem unteren Torton aktiv und korreliert mit dem Horizontalgängen der Schreiberhöhle. An der Wende Torton/ Sarmat tiefte sich die nächste Talgeneration um ca. 30 m in das Hochtalsystem der Ochsenbergstufe ein und die Höhle begann trockenzufallen, die Bildung der Innenschächte der Höhle setzte ein. Um dem Leser den Genuß absoluter Jahreszahlen zu verschaffen: Das war vor rund 15 Mio. Jahren.

Weitere Untersuchungen müssen sich noch anschließen! Ich hoffe, die Forschungsaktivitäten erhalten weiterhin den regen Zuspruch wie bisher.

Literaturverzeichnis

Albrecht, R. (1980): Höhlen, Felsen und Ruinen.- 120 S., 89 Abb., 1 Tab.; Esslingen (Fleischmann).

Bayer, H.- J. (1982): Bruchtektonische Bestandsaufnahme der Schwäbischen Ostalb (Geländeuntersuchungen, Luftbild- und Satellitenbildauswertungen).- Diss. TU Clausthal; Clausthal- Zellerfeld.

Binder, H., & Frank, H., & Müller, K. (1960): Die Höhlen der Heidenheimer und der Ulmer Alb.- Jh. Karst- u. Höhlenkde 1: 35- 55, 27 Abb., 1 Tab.; Stuttgart.

Dongus, H. (1962): Alte Landoberflächen der Ostalb.- Forsch. dt. Landeskde. 134: 1- 71; Bad Godesberg.

Dongus, H. (1974): Die Oberflächenformen der Schwäbischen Ostalb.- Abh. Karst- u. Höhlenkde. A 11: 1- 114, 1 Taf.; München.

Eisbacher, G.H. (1996): Einführung in die Tektonik.- 2. Aufl., 374 S., 329 Abb.; Stuttgart (Enke).

Geyer, O.F. & Gwinner, M.P. (1991): Geologie von Baden- Württemberg.- 4. Aufl., 482 S., 255 Abb., 26 Tab.; Stuttgart (Schweizerbart).

Kreuz, R. (1974): Neuvermessung der Schreiberhöhle im Doschental (Schwäbische Alb, 7226/06).- Mitt. Verb. dt. Höhlen- u. Karstf. 20 (1): 11- 14, 1 Abb.; München.

Ruess, M. (1986): Exkursion B: Heuchstetter- und Schreiberhöhle.- Materialh. Karst- u. Höhlenkde. 4: 66- 71, 4 Abb.; Heidenheim. -[Enthält gute Beschreibung der Schreiberhöhle]

Ufrecht, W. (1980): Die Höhlen des Kartenblatts 1: 25000 7226 Oberkochen (Ostalb).- Laichinger Höhlenfreund 1980 (2); Laichingen.

Übersicht über höhlenkundliche Forschungen auf Mallorca in den Jahren 1993 bis 1996

Anmerkung

Dieser Artikel wurde nach der bislang letzten Forschungstour im Herbst 1996 niedergeschrieben.

Beschreibung der bisherigen Aktivitäten

Vor kurzem kehrte eine Gruppe süddeutscher Speläologen von einem Forschungsaufenthalt auf der beliebten Ferieninsel Mallorca zurück.

Seit 1993 fanden in Zusammenarbeit verschiedener Gruppen alljährlich im Herbst einwöchige Reisen nach Mallorca statt, deren Zweck speläologische und karstkundliche Arbeiten in den Höhlen der Insel waren.

In den vergangenen Jahren fokussierten die Forscher ihre Aufmerksamkeit auf die bekannte Schauhöhle Cueva de Artá im Gemeindebezirk Capdepera, die sich in der Steilküste im Südosten nur 35m über dem Meeresspiegel öffnet, die in Etappen neu vermessen und fotodokumentiert wurde. Die Länge dieses komplexen Systems beläuft sich nun auf 978 m, nachdem 1994 in der unteren Etage, dem „Inferno“, noch weitere Gänge entdeckt werden konnten.

Ein Teil des Teams befasste sich mit strukturgeologischen Aufnahmen, die Licht in die komplizierte tektonische Entwicklung der Region bringen konnte und anhand denen die Speläogenese rekonstruiert wurde. Während der alpidischen Orogenese kam es zu subaquatischen Translationsvorgängen, Faltenbildung und Überschiebungen, die die geologische Situation prägen. Die Cueva de Artá liegt nach augenblicklichen Erkenntnissen in einer isolierten, gefalteten Jura-Scholle. Das Scharnier der Antiklinalen lässt sich an der Decke der 80m langen Eingangshalle der Höhle ohne Schwierigkeiten erkennen. Wesentlicher Motor der Hohlraumbildung war die „Brackwasserkorrosion“, eine Sonderform der bekannten Mischungskorrosion, die ihre Ursache in der Vereinigung von Meerwasser (das im Normalfall stets mit gelöstem Kalk gesättigt ist) mit dem Karstgrundwasser hat. Durch die auch noch rezent andauernde Krustenhebung folgte die sukzessive Heraushebung des Karstkörpers mit der Höhle und eine Verlagerung der Hohlraumbildung von den oberen in die unteren Etagen der Cueva de Artá, die in einem schachtartigen Seitengang bis auf nur noch zwei Meter über dem Meeresspiegel befahren werden konnte, wo die Hohlraumerweiterung noch weiter fortschreitet.

Im Rahmen der Forschungen wurden auch mineralogisch-geochemische Analysen durchgeführt. So zeigen zahlreiche Sintergebilde durch den Kontakt mit Brandungsaerosolen chemische Alteration und sekundäre Mineralneubildungen. Im rasterelektronenmikroskopischen Bild fallen z.B. bizarr zerfressene Calcitkristalle auf, aus denen Gipskristalle und andere Evaporite erblühen. Intensiv rot und braun gefärbte Sinter wurden analytisch auf Eisen und andere Metalle untersucht, die aufgrund der Farbe darin erwartet wurden. Es wurden jedoch keine Elemente, die „farbige“ Ionen liefern, entdeckt, weshalb die Sinterfärbung auf Kristallgitterdefekte zurückgeführt wird.

Bei der aktuellen Forschungsreise 1996 widmeten sich die Teilnehmer neben einigen Schauhöhlen der Cova Tancada, die nicht vollständig vermessen werden konnte. Die Länge der Höhle jedoch liegt bei etwa 200 m und auch sie öffnet sich in einer Steilküste bei etwa 8 m ü. NN. Erschwert wurde die Erforschung durch die schweißtreibende Hitze in der Höhle und offensichtlich herabgesetzte Sauerstoffgehalte in den unteren Räumen. Die Untersuchungsergebnisse der geologischen Aufnahme unterstützen die Schlüsse, die aus den Arbeiten in der Artá gezogen worden waren. Tektonisches Leitelement ist hier die Abrisskante zwischen einer Antiklinalen und einer Verwerfung. Sehr schön kann die Entstehung durch Brackwasserkorrosion erkannt werden, da sich neben den geräumigen Höhlenteilen mit Korrosionsformen kleine Seitengänge mit Erosionsprofilen finden, die offenbar frisches Karstgrundwasser zugeführt haben. Die Cova Tancada liegt in einer triassischen Brekzie, bestehend aus Kalksteinklasten von etwa zwei Zentimetern Durchmesser (vereinzelt auch faustgroß) in einem carbonatischen Bindemittel.

Weitere Unternehmungen im reizvollen, jedoch aufgrund der Besitzverhältnisse teilweise schwer zugänglichen Karst Mallorcas sollen folgen.

Ein Besuch in Wookey Hole

Ich gebe es lieber gleich am Anfang ganz unumwunden zu: Ja, ich war in einer Schauhöhle! Und ich stehe auch dazu, denn Wookey Hole ist nicht irgendeine Schauhöhle, es ist ein historischer Ort, der einige Besonderheiten aufzuweisen hat, die einen Besuch rechtfertigen, meine ich jedenfalls. Doch wo befindet sich eigentlich die Stätte meines unrühmlichen Treibens?

Wookey Hole liegt in den Mendip Hills in Somerset, in Südwestengland, ca. 20 Meilen südlich von Bristol. Während auf der Oberfläche freundliche Apfelbäume stehen, auf denen die Äpfel für den wohlschmeckenden Cider wachsen, der eine Spezialität dieser Gegend ist, gehen im Untergrund seit langer Zeit schon bedeutende Dinge vor. Etwas weiter südlich, aber noch im gleichen Höhenzug, liegt die bekannte Cheddar Gorge, nach der der berühmte, aber nicht bei allen beliebte, Käse benannt ist, und im Vergleich zu ihr wirkt der Eingang zu Wookey Hole eher bescheiden. Auch der Ausgang, der immerhin auch die Quelle des Flusses Axe ist, der sich von hier aus durch das nördliche Somerset schlängelt, bis er in den Bristol Channel und damit in den Atlantik mündet, wirkt auf den Besucher eher idyllisch.

Während die Kelten noch trockenen Fußes bis zur Kammer 4 kamen, um dort einige ihrer Toten zu beerdigen, bildete sich später zwischen Kammer 3 und 4 ein Siphon, der ein Durchkommen unmöglich machte. Doch 1935 passierte hier etwas ganz unerhörtes: Ungehemmter Entdeckergeist trieb zwei verwegene Gestalten zum ersten Höhlentauchgang der Geschichte! Was jedoch für die damalige Zeit noch viel unerhörter war: Der erste Höhlentaucher war zugleich auch die erste Höhlentaucherin! Sie hieß Penelope Powell, und muss sich ihres kühnen Vorhabens wohl bewußt gewesen sein, denn auf dem Foto, dass sie kurz vor dem Tauchgang zeigt, grinst sie keck in die Linse, während der Kollege Graham Balcombe mit doch reichlich banger Miene daneben sitzt. Sie schafften es damals bis Kammer 7.

Später, 1948 gelang es ihnen mit im Zweiten Weltkrieg entwickelter Ausrüstung bis Kammer 9 und kurz darauf bis Kammer 11 vorzustoßen. Mit der weiteren Verbesserung der Tauchausrüstung und der Entdeckung, dass die rechte Mischung von Sauerstoff und Stickstoff beziehungsweise Helium Tauchen in größeren Tiefen erlaubt, drangen mutige Höfos immer weiter vor. Robert Parker erreichte 1985 bei 220 Fuß (etwa 68 Meter), die bisher tiefste Stelle der Höhle.

Wookey Hole ist jedoch nicht nur ein Meilenstein in der Geschichte des Höhlentauchens, es birgt auch ein statisches Wunder. Die Kammer 3, die im Grunde genommen ein riesiger Kolk ist, ist die Halle mit der für die geringe Höhe ausgedehntesten freitragenden Decke der Welt. Nach Berechnungen von Statikern müßte sie eigentlich schon längst eingefallen sein. Der Besucher erschauert und huscht schnell in den unübersehbaren Seitengang weiter, der ein merkwürdiges rechteckiges Profil aufweist. Und tatsächlich ist er eine der zahlreichen Spuren, die der Mensch in Wookey Hole hinterlassen hat. Die Vielzahl dieser Spuren erstaunt kaum, wenn man weiß, dass die erste beurkundete und bezahlte Besichtigung der Höhle schon 1703 stattfand. In den folgenden Jahren gossen die Führer dann Öl über die Wände, das sie anschließend entflammten, um ihre Gäste zu beeindrucken. Der Gelehrte und Poet Alexander Pope war davon so beeindruckt, dass er einige Stalaktiten mit Musketen von der Decke schießen ließ, um die künstliche Grotte in seinem Garten in einem Vorort von London damit auszuschmücken. Natürlich wurde auch sonst noch kräftig gebohrt und gesprengt, um den Zugang für die Besucher zu erleichtern.

Doch die Höhle rächte sich auf ihre Weise: Zwei Höfos mussten bisher ihren Forscherdrang mit dem Leben bezahlen.

Weitere Informationen:

General Manager
Wookey Hole Caves Ltd.
Wells/ Somerset BA5 1BB

Anm. d. Red.: Ein brillanter Beitrag zur Geschichte von Wookey Hole ist soeben erschienen in

SHAW, T.R. (1996): Why some caves become famous- Wookey Hole, England.- Cave & Karst Science 23(1),17- 23; Bridgwater.

So bezieht sich eine in einer Handschrift von Clemens von Alexandria (200 n. Chr.) erwähnte Höhle möglicherweise auf Wookey. Die Berühmtheit der an sich eher unscheinbaren Höhle basiert wohl vor allem auf ihrer Lage an einer seit Römertagen viel benutzten Straße, die einen vergleichsweise einfachen Zugang gestattete.

Die Höhlen in den Matumbi Hills (Tanzania) und ihre Bedeutung für die Einheimischen

1. Vorbemerkungen

Die Matumbi Hills liegen im Südosten Tanzanias, im Bezirk Lindi unweit der Stadt Kilwa.Die dortigen Höhlen wurden kürzlich durch zwei Forschungsreisen untersucht. Zunächst 1994 durch eine kleine deutsch-türkische Gruppe1 und dann 1995 durch eine größere Gruppe mit vier deutschen und acht italienischen Teilnehmern2. Entstehung und Gestalt der Höhlen wurden dadurch weitgehend vollständig erfaßt und beschrieben.

Als Teilnehmer der zweiten Reise wurde ich von den Einheimischen wiederholt gefragt, warum ich mich mit diesen Höhlen beschäftige. Dadurch wiederum wurde ich angeregt mir Gedanken darüber zu machen, was für eine Bedeutung diese Höhlen im Leben der örtlichen Bevölkerung haben. Erste direkte Nachfragen blieben erfolglos, entweder wollte oder konnte man mich nicht verstehen. Langsam wurde es deutlich, dass die dortigen Menschen trotz ihrer auffallenden Höflichkeit und Freundlichkeit dem Fremden gegenüber doch eine gewisse Reserviertheit bewahren, sobald ihre Privatsphäre berührt wird. Trotzdem kristallisierten sich nach und nach einige Beziehungen der Einheimischen zu den Höhlen heraus.

2. Die Höhle als Schutz

2.1. Polizeiwachtmeister Thurmann und sein Interesse an den Höhlen

Über den Polizeiwachtmeister Thurmann wissen wir leider sehr wenig. Das, was wir wissen, verdanken wir kurzen offiziellen Mitteilungen im „Deutschen Kolonialblatt“. Wahrscheinlich im Zusammenhang mit den Unruhen 1905/1906 erhielt der Unteroffizier Thurmann das Militär-Ehrenzeichen 2.Klasse3. Von einem Heimaturlaub trat er am 11. Juli 1910 als Polizeiwachtmeister Thurmann die Wiederausreise von Deutschland nach Ostafrika an4. Nach seinen Höhlenerkundungen 1911 hielt er sich noch einmal in Deutschland auf, und reiste im November 1913 erneut nach Dar-es-Salaam aus5. Das letzte Mal hören wir von ihm, als er als kommissarischer Assistent 2. Klasse im März 1914 wieder im Schutzgebiet eintrifft6. Weitere Recherchen nach dem Verbleib Thurmanns brachten bedauerlicherweise kein Ergebnis. Das Familienarchiv der Thurmanns in Lippstadt, das dem dortigen Stadtarchiv durch den 1995 verstorbenen Dr. Erich Thurmann zur Verfügung gestellt wurde, enthält leider keine brauchbaren Hinweise. Einzig ein Heinrich Wilhelm Conrad Friedrich Thurmann käme den dortigen Aufzeichnungen zufolge überhaupt in Frage, aber er leistete seinen Militärdienst beim Braunschweigischen Husarenregiment No.17, 5. Eskadron von 1896-1897 ab7. Unveröffentlichte Aufzeichnungen Thurmanns, die möglicherweise weitere Höhlen betrafen, oder Details über das Verhältnis der Einheimischen zu den Höhlen offenbaren, konnten nicht gefunden werden.

2.2. Die Höhlen

Im Jahr 1910 schrieb der Missionar Ambros Mayer von der katholischen Mission Nambiligjain den Matumbi-Bergen an den Geheimen Bergrat Bornhardt einen ausführlichen Brief, in dem es heißt:

„Im August 1909 entdeckte Polizeiwachtmeister Weckauf von der Bezirksnebenstelle Kibata im Berge Nangoma, eine Stunde südwestlich von Nandembo, eine riesige Höhle, welche bisher allen das Land bereisenden Weißen, auch der Schutztruppe während des Aufstandes 1905/06, unbekannt geblieben war. In der Höhle konnten sich Tausende von Aufständischen mit Weibern, Kindern und genügenden Vorräten sicher verstecken, ohne von den rechts und links vorüberziehenden Truppen aufgestöbert zu werden“8.

Ende Februar 1910 besuchte Mayer die Höhle dann selbst, und fand in ihr auch noch Spuren des ehemaligen Lagers9.

Bei seiner „Bezirksbereisung“ 1911 kam der Polizeiwachtmeister Thurmann ebenfalls zurNangoma und er suchte überdies auch noch andere Höhlen in der Umgebung auf10. Das Hauptziel der auf dieser Reise angefertigten Lageskizzen der Höhlen war es wahrscheinlich, bei künftigen Unruhen einen schnellen Zugriff auf die Verstecke der Aufständischen zu ermöglichen, wie es Mayer schon in seinem Artikel 1910 andeutete:

„Je mehr man sich dem Höhlenberg Nangoma nähert, desto mehr tritt der unberürte Hochwald, eigentlich nur eine Parzelle hervor. Die Eingeborenen haben diese offenbar nur deshalb geschont, um den Eingang zur Höhle zu verdecken, tatsächlich dürfte die Höhle nicht einmal allen Matumbi-Leuten bekannt gewesen sein; wenigstens wurde sie vor allen Europäern streng geheim gehalten aus leicht erklärlichem Interesse, wie auch die Auffindung und Zugänglichmachung der Höhle für die Matumbi mehr bedeutet als eine empfindliche Niederlage, insofern als dadurch ein sicheres Versteck brachgelegt ist.“11

Wie wichtig die Aufdeckung dieses Verstecks für die Einheimischen gewesen ist, sieht man vielleicht auch daran, dass einige sich noch 1995 an Thurmann und Mayer erinnerten. So erzählte mir in Kipatimu der ungefähr 60 Jahre alte ehemalige Offizier Francis davon, dass ein gewisser Mayer über die Nangoma geschrieben habe, und die Einheimischen bei derNamaingo waren am ersten Tag äußerst mißtrauisch und unfreundlich, wie sich später herausstellte, weil sie Befürchtungen hegten, die Weißen würden irgendetwas im Schilde führen, und die Ausspionierung ihrer Höhlen sei nur ein erster Schritt. Sie erinnerten sich auch von selbst an den Namen Thurmanns, den sie als Thurmanni bezeichneten, und einer von ihnen kannte sogar noch die Überreste von angeblich durch Thurmanns Askaris angelegten Fallgruben, und erinnerte sich daran, dass Thurmann in Kibata gelebt habe.

3. Die Höhle als Jagdplatz und Wasserreservoir

In der Nangoma, ungefähr 200 Meter vom Eingang entfernt, fanden wir eine aufwendige Holzkonstruktion (vgl. Bild 1). Wir erfuhren, dass es sich dabei um eine Stachelschweinfalle handelte. Die Stacheln des Tieres spielen in weiten Teilen Afrikas eine bedeutende, aber mir nicht näher bekannte Rolle für Medizinmänner und Schamanen. Wir fanden sie in der nicht weit entfernten Chingya (lower cave) frei umherliegend. Die Einheimischen, die uns beim Vermessen in der Höhle begleiteten, sammelten sie fleißig auf und steckten sie sich dann in die Haare. Offensichtlich schien ihnen also etwas daran zu liegen, und wahrscheinlich wollte man sich aus gewissen Gründen nicht darauf verlassen, diese Stacheln immer nur zufällig zu finden.

Eine andere Höhle, die Wet Namaingo, dient der Bevölkerung als bis lang in die Trockenzeit hinein brauchbares Wasserreservoir. Normalerweise bedient man sich einfach an dem kleinen Bächlein, das etwas weiter hangaufwärts austritt und dann in der Höhle verschwindet. Nach und nach versiegt diese Quelle jedoch, und man muss sich ein Stück weit in die Höhle begeben. Der erste, wasserführende Teil ist aber nicht besonders lang, und somit musste man früher oder später doch noch auf die, auf der anderen Seite des Bergrückens liegendeKihangembembe-Quelle ausweichen. Mitte September 1995 hatte dieser Quelltopf eine Schüttung von ungefähr 30 Litern pro Sekunde12, die er, nach den Angaben der Einheimischen, über die gesamte Trockenzeit aufrecht erhält.

4. Metaphysische Bedeutung

Da dieser Aspekt der Höhlen wohl am meisten mit dem persönlichen Empfinden der Einheimischen verknüpft ist, war es hier auch am Schwersten Informationen zu bekommen. In einem sich zufällig ergebenden Gespräch unter vier Augen mit einem etwa 17/18 Jahre alten Einwohner von Nandete erfuhr ich jedoch soviel, dass der beeindruckende Eingang derNangoma für ihn ein Bild Gottes sei. Als ich ihn auf die zahlreichen Feuerstellen im Eingangsbereich ansprach, ließ er mich immerhin wissen, dass die Dorfbewohner, scheinbar vornehmlich jüngere Männer, sich gelegentlich dort aufhalten, um Feste zu feiern. Nun, sowas gibt es, sehr zum Ärger vieler Natur- und Höhlenschützer, auch in Deutschland, dennnoch handelt es sich dabei meiner Ansicht nach um eine andere Dimension. Während in den Industrie- und Freizeitgesellschaften Europas eher die Abenteuerlust13 oder auch die „romantischen“ Assoziationen und der lustvolle Schrecken14 beim Aufenthalt in der Höhle der Anreiz dazu sind, ist es in Tansania sicherlich eher die vermutete Manifestation des metaphysischen, die Höhle als heiliger Ort, der die Menschen dazu anregt, gerade dort bestimmte Feste zu feiern. Es ist auch bekannt, dass bei Tanga, im Norden des Landes, die Menschen Höhlen aufsuchen, um dort kleine Opfergaben zu deponieren15. Der Fund eines Tontopfes, der etwa zu zwei Dritteln im Lehmboden eines Seitenganges der Nangomasteckte, ist ein weiterer, wenn auch schwacher Hinweis auf eine sakrale Bedeutung der Höhle.

Überdies findet man in einem 1974 erschienen Artikel über Felszeichnungen in Tanzania16eine Liste dieser Felszeichnungen, in der drei von 18 Stellen mit dem Vermerk versehen sind, dass vor dem Betreten zunächst die örtliche Bevölkerung um Erlaubnis zu fragen sei. Darunter befinden sich auch die zwei der 18 Felszeichnungen, die an Höhlenwände gemalt wurden. Scheinbar verstärkt der Ort Höhle den sakralen Charakter der Zeichnungen.

Die Höhlennamen sind eher profan und zeigen keinesweg eine besondere kultische Bedeutung der Höhlen an. Den Namen der Nangoma leitete Mayer folgendermaßen her:

„Man glaubt plötzlich vor einem Portal zu stehen, dessen untere Hälfte verbarrikadiert ist von einem stehengebliebenen Stein, dessen Hinterseite in den Augen der Eingeborenen einer ngoma (Negertrommel) gleicht. Vielleicht hat von dieser den Neger besonders interessierenden Eigenheit die ganze Höhle mit ihrem Berge bzw. der ganze Berg mit seiner Höhle den Namen nangoma erhalten.“17

Der andere Höhlenname, dessen Bedeutung uns bekannt ist, der der Mampombo-Höhle. Wie uns einer unserer ortsansässigen Begleiter erzählte, sei dies der Name der Familie, die diese Höhle zuerst gefunden und gelegentlich benutzt habe, und der Familienname sei dann auf die Höhle übertragen worden. Die Namen der anderen Höhlen, so wurde mir von Abdallah Botori Mweyo (vgl. Kapitel 5) erklärt, seien einfach Namen, die keine weitere Bedeutung hätten.

5.Hoffnung auf Entwicklung durch Tourismus

5.1.Das Beispiel der Amboni Caves

Es gibt im Norden Tanzanias, in der Nähe der Küstenstadt Tanga, schon die Amboni Caves, die touristisch genutzt werden. Sie wurden ebenfalls durch die deutsch-türkische Gruppe 1994 kartiert18. Dabei stellte sich heraus, dass die Höhlen nicht, wie in so vielen Reiseführern angegeben, mehrere Kilometer lang sind, sondern eher bescheidene Dimensionen aufweisen: Amboni Cave 3B hat eine Länge von 112 m, Amboni Cave 2 von fast 900 m, und die hauptsächlich als Schauhöhle genutzte Amboni Cave 3A ist 620 m lang19. Die touristische Nutzung beschränkt sich hier auf einen befahrbaren Weg, der zu den Höhlen führt, einen offiziellen Höhlenführer und einige dauerhafte Einrichtungen im Eingangsbereich. Die Besucherzahl ist relativ klein, und in der Höhle gibt es kein elektrisches Licht, so dass ein ursprüngliches Gefühl von Höhlenbefahrung vermittelt wird.

5.2. Abdallah Botori Mweyo

Herr Mweyo wurde als Sohn eines nicht unbegüterten Bauers in der Nähe von Kipatimugeboren. Dort ging er auch zur Schule. Gerne hättte er eine weiterführende Schule besucht, da sein Vater jedoch schon eine Heirat für ihn vorgesehen hatte, war dies nicht möglich. Er bleib jedoch auch über seine Schulzeit hinaus an mehr als seinem direkten Lebenserhalt interessiert. Durch einen Zeitungsartikel über die Amboni Caves wurde sein Augenmerk auf die Höhlen in der Nachbarschaft Kipatimus gelenkt, und er versuchte darüber so viel Informationen wie möglich zu erlangen. Im Jahr 1985 schrieb er das erste Mal an das zuständige Ministerium, und ersuchte um Experten, die die Höhlen bearbeiten sollten, damit später eine touristische Nutzung der Höhlen erfolgen könnte. Davon erhofft er sich auch heute noch einen allgemeinen Aufschwung für die ganze Region.

Bei der zweiten der oben erwähnten Forschungsreisen stellte sich uns Herr Mweyo nach einigen Tagen vor. Danach war er uns eine wertvolle Hilfe beim Aufffinden einiger neuer Höhlen, wie den beiden Namaingo– und den beiden Chingya-Höhlen und durch seine immerhin ausreichenden Englischkenntnisse, bei der Verständigung mit den Einheimischen.

5.3. Pläne des Antiquities Unit

Der Leiter des Antiquities Unit, Dr. Waane, stand beiden Forschungsreisen aufgeschlossen und hilfreich zur Seite, wofür ihm an dieser Stelle nochmals gedankt sei. Selbstverständlich wurden ihm die jeweiligen Ergebnisse mitgeteilt. In einem Brief vom 1.12.1995 berichtete Dr. Waane dem Verfasser dann die aufgrund dieser Ergebnisse geplanten Schritte:

  • „Die Höhlen in dem Gebiet zu kartieren um verläßliche Karten über ihre Ausdehnung zu besitzen. (Dies wurde mit der Hilfe von Mr. Laumanns bewerkstelligt)
  • Maßnahmen einzuleiten, um das Gebiet unter den Schutz des „Antiquities Act“ von 1964 zu stellen
  • Touristen zu ermutigen, die Höhlen zu besuchen, und weiter zu erforschen.
  • Den Tanzania Tourist Board und die Tanzania Tourist Division anzuhalten diese Höhlen in den für den südlichen Bereich des Gesamtplanes für Tourismus in Tanzania geplanten Maßnahmen aufzunehmen, und anderweitig zu unterstützen.“20

Eine pessimistische Sicht dieser vagen Vorhaben lässt wahrscheinlich nicht mehr als die Erwähnung der Höhlen in irgendeinem Prospekt zu. Die schwer zugängliche Lage der Höhlen, und ihre vergleichsweise Schlichtheit, wird voraussichtlich kaum Besucher anziehen. Auch die Unterschutzstellung wird außer beschriebenem Papier wohl kaum Auswirkungen haben.

Selbst Optimisten können von diesen Aussagen wohl kaum auf die von Herrn Mweyo erhoffte Verbesserung der Anbindung Kipatimus an die Straße Dar-es-Salaam – Kilwa oder an dasSelous Game Reserve schließen, geschweige denn auf die touristische Vermarktung von ein oder zwei der Höhlen und die strenge Überwachung der Unterschutzstellung der übrigen Objekte. Alles was Geld kostet, wird dort vorerst wahrscheinlich unterbleiben.

Der umstrittene Ausgang21 der Präsidentenwahlen vom 29.10.1995 wird die schon vorher schwierige wirtschaftliche Lage22 nicht gerade verbessern. Im Gegenteil, die nun auftretenden Zweifel an der Stabilität der tansanianischen Gesellschaft23, werden ausländische Investoren, die gerade bei der eben erst angelaufenen großangelegten Privatisierung dringend gebraucht würden, eher abschrecken. Die Transportprobleme eines kleinen Dorfes in einer abgelegenen Provinz rangieren jetzt ganz weit unten.

Die Mitte der 70er Jahre in Tansania einsetzende Tendenz, von der auf Verkauf auf die auf Selbstversorgung ausgerichtete Landwirtschaft umzuschwenken, und die weitaus einfacheren Möglichkeiten der näher am städtischen Zentrum Dar-es-Salaam gelegenen Landwirte, den Schwarzmarkt zu beliefern24, wird die Notwendigkeit eines zweiten Erwerbszweiges, neben der Landwirtschaft, in Kipatimu aber noch erhöhen.

6. Schlußbemerkungen

Gerade als dieser Beitrag fertiggestellt war, erschien in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ein Bericht über den mit Hilfe der Europäischen Union erstellten Tourismus – Gesamtplan. Dort heißt es: „In den nördlichen Nationalparks entstehen jetzt für umgerechnet 50 Millionen Mark drei Lodges und ein Zeltcamp. Auf Sansibar wird ein neues Hotel gebaut. Zudem verhandelt das Tanzania Tourist Board mit mehreren internationalen Gruppen über den weiteren Bau von Hotels in Daressalam.“25 Der Süden liegt offensichtlich nicht im Blickfeld der Planer.

Meinen besonderen Dank möchte ich an dieser Stelle nochmals den Menschen aussprechen, die die Erstellung dieses Artikels ermöglicht haben: Michael Laumanns für die Organisation der Reise und verschiedene wertvolle Informationen, Herrn Mweyo für zahlreiche Hinweise und Anmerkungen, Roger Schuster für die kritische Durchsicht des Manuskripts, dem Personal des Stadtarchivs Lippstadt und Frau Christa Thurmann für die freundliche Hilfe, Daniel Gebauer für das Überlassen der Pläne und Herrn Dr. S.A.C. Waane für die bereitwillige Auskunft.

Fußnoten

  1. Laumanns, Michael: Tansania 1994, deutsch- türkische Expedition zu den Matumbi Hills und nach Tanga, in: Mitteilungen des Verbandes der deutschen Höhlen- und Karstforscher, Jahrg. 41, Heft 4/1991, S. 86- 94
  2. Laumanns, Michael: Tansania 1995. Deutsch- italienische Expedition in die Matumbi Hills, in: Mitteilungen des Verbandes der deutschen Höhlen- und Karstforscher, Jahrg. 42, Heft 1/1996, S. 2- 9
  3. vgl. Deutsches Kolonialblatt, Jahrg. 18, Nr. 18, 15.9.1907, S. 882
  4. vgl. Deutsches Kolonialblatt, Jahrg. 21, Nr. 15, 1.8.1910, S. 688
  5. vgl. Deutsches Kolonialblatt, Jahrg. 24, Nr. 23, 1.12.1913, S. 1027
  6. vgl. Deutsches Kolonialblatt, Jahrg. 25, Nr. 6, 15.3.1914, S. 216
  7. So zu lesen im Militärpaß von Wilhelm Thurmann, der sich im Band 2 der Stammtafeln des Dr. Erich Thurmann befindet
  8. Mayer, Ambros: Entdeckung einer großen Höhle in den Matumbi- Bergen, in: Deutsches Kolonialblatt, Nr. 21/ 1910, S. 654- 656, S. 654
  9. ebd., S. 656
  10. Thurmann: Weitere Höhlenforschungen in Deutsch- Ostafrica, in: Deutsches Kolonialblatt, Nr. 22/1911, S. 660- 661
  11. Mayer, Ambros: a.a.O., S. 654
  12. Schätzung durch Daniel Gebauer
  13. vgl. Cube, Felix von: Gefährliche Sicherheit. Verhaltensbiologie des Risikos, München u. Zürich 1990
  14. vgl. Röder, Sabine: Hinab in den Orkus, in: Luttringer, Klaus (Hrsg.): Zeit der Höhlen, Freiburg 1994, S. 57- 87
  15. Laumanns, Michael: a.a.O., 1994, S. 99
  16. Raa, Eric ten: A Record of some Pre- Historic and some recent Sandawe Rockpaintings, in: Tanzania Notes And Records, No. 75, 1974, p. 9- 27
  17. Mayer, Ambros: a.a.O., S. 655
  18. vgl. Laumanns, Michael: a.a.O., 1994
  19. vgl. Laumanns, Michael: Recent Explorations in the Caves of the Matumbi Hills & Tanga, Tanzania, in: The International Caver, Heft 11/ 1994, S. 29- 37, S. 34
  20. Brief von Dr. Waane, Direktor der Antiquities Unit des Ministry of Education and Culture, P.O.Box 2280, Dar- es- Salaam, Ref.- Nr.: UTV/DMK/3046/57 vom 1.12.1995 an Peter Marwan (Übersetzung durch den Verfasser)
  21. Birnbaum, Michael: Zurechtgebogen, nachgewählt, neu gezählt, in: Süddeutsche Zeitung, 24.11.1995, S. 4
  22. Birnbaum, Michael: Herrschen mit Hammer und Harke, in: Süddeutsche Zeitung, 27.10.1995, S. 3
  23. „Ethnicity and…“, in: The Economist, 11.11.1995, S. 56
  24. Lynch, Kenneth: Urban Fruit and Vegetable Supply in Dar es Salaam, in: The Geographical Journal, Jahrg. 160, Nr. 3/1994, S. 307- 318, S. 307- 308
  25. Frankfurter Allgemeine Zeitung: Ausbau in Tansania, 18.1.1996, S. 11 der Reisebeilage