Geologie

Windiger Wald

Um Zehn treffen Irene, Rudi und ich auf einem Parkplatz bei Weißenstein zusammen. Wir wollen uns ein paar Stellen im Wald anschauen, an denen einmal Windräder für den geplanten Windpark Lauterstein stehen sollen. Unsere Idee ist, an einigen der angedachten Standorte nach Karstformationen zu suchen und auch nachzuschauen, ob man noch etwas von den geologischen Sondierbohrungen sieht.

Oma und Opa fahren in die Grube

Das Wetter ist kalt, also muss man an einen Platz, wo es spürbar wärmer ist. Was bietet sich hier mehr an als das Schaubergwerk „Tiefer Stollen“ in Aalen? Dieses soll nämlich eine Durchschnittstemperatur von 11°C aufweisen. Im Vergleich zur aktuellen Tagestemperatur ist das geradezu mollig warm! …

Der heiße Atem der Unterwelt

Der folgende Artikel hat mit Höhle und Karst nichts zu tun, widmet sich dafür aber einem geologischen Phänomen, das man als Alb-Höfo normalerweise nicht zu sehen bekommt.

Am Vorabend bin ich mit meiner „indonesischen Familie“ an der Südküste der schönen Insel Java eingetroffen. Eine Gesäß zermürbende Autofahrt über die Berge brachte uns in den bei innerindonesischen Urlaubern beliebten Ferienort Pelabuhan Ratu. …

Höhlenentstehung im Jura

Am heutigen Abend hielt ich einen Vortrag über die „Höhlenentstehung im Jura“. Zuhörer und -Seher waren ungefähr 20 Mitglieder der Geologie-AG des Naturkundevereins Schwäbisch Gmünd. Mit Fotos und Diagrammen gab ich im Rahmen der etwa einstündigen Veranstaltung zunächst einen Überblick über den Karst und seine Formen, bevor ich mich den einzelnen Höhlentypen und ihrer Entstehung zuwandte. Einen besonderen Schwerpunkt nahmen natürlich die Karsthöhlen ein. Aber auch die Höhlen, die ihre Ursache in Massenbewegungen haben, wurden genauso erwähnt wie Tuffhöhlen.

Die Resonanz des Publikums war positiv. Nicht einmal eine Folie mit Formeln und ein Schaubild mit den Sättigungsgrenzen CO2-beladenen Wassers führte zu einer Massenflucht!

Möglicherweise gibt es nächstes Jahr auch eine kleine Exkursion.

Symposium Verkarstung in Süddeutschland

Nach der Fußball-WM im letzten Jahr und den olympischen Sommerspielen im kommenden Jahr, fiel ein auch im Vierjahresrhythmus stattfindendes Ereignis auf 2007: Das Symposium Verkarstung in Süddeutschland. Statt in teuer erbauten Stadien fand es im bewährten Saal des „Rössle“ in Laichingen statt. Über den Daumen gepeilt, fanden 100 Höfos und Geologen trotz Nebel ihren Weg in die heimliche schwäbische Höhlenforscher-Hauptstadt. …

Tag des Geotops an der Teufelsklinge

Am Vormittag um zehn Uhr begann die vom Naturkundeverein Schwäbisch Gmünd im Zusammenhang mit dem „Tag des Geotops“ organisierte geologische Wanderung auf die Alb. Dadurch, dass das Ereignis zuvor in der Presse gebührend angekündigt worden war, fanden sich beinahe 100 Teilnehmer am Startpunkt, dem Parkplatz bei der Teufelsklinge, ein.

Die überraschend große Teilnehmerzahl forderte insofern ihren Tribut, als dass wir uns an der Teufelsklinge aus Platz- und Sicherheitsgründen in drei Gruppen aufteilen mussten, was Wartezeit bedeutete. Herr Mayer gab Ausführungen zur Geologie, Rudi stellte die Ausrüstung der Höhlenforscher vor und gab einen kurzen Abriss zu den früheren Forschungen. Ich berichtete, wie es in den mir bekannten Räumen der Höhle aussieht und stellte den Höhlenplan vor. Unsere Gäste waren wissbegierig, so dass anschließend noch einige Frage gestellt und beantwortet wurden.

Nach diesem Höhepunkt der Wanderung, ging es stracks bergan und weiter zum Griesbrunnen. Unterwegs machten wir die Teilnehmer auf den Übergang vom Malm in die tertiären Feuersteinlehme aufmerksam. An dem Wurzelballen eines umgestürzten Baumes wurde ein Einblick in den Aufbau der oberen Schichten des Erdreichs gegeben und erklärt, was es mit den Kieselknollen auf sich hat.

Die Exkursionsgruppe im Gelände

 

Neben der Erdgeschichte sollte auch die menschliche Historie nicht zu kurz kommen, weshalb wir zunächst einen interessanten, alten Grenzstein im Dickicht ansteuerten. Am Bargauer Kreuz schauten wir uns die Fortifikationen aus der Zeit des spanischen Erbfolgekrieges an, dessen historische Rahmenbedingungen von Herrn Mayer erläutert wurden.

Wir gingen weiter Richtung Himmelreich, wo wir uns in eine Gruppe teilten, die hoffte, im Naturfreundehaus noch Essbares zu ergattern und in eine Gruppe, die gemütlich zu Tale und zurück zu den Fahrzeugen wanderte. Kurz nach 14 Uhr überschritt ich die heimatliche Türschwelle, zufrieden mit dem Tag.

Geologische Betrachtungen in der Teufelsklinge

Am Samstag Nachmittag machte sich eine kleine, muntere Mann- und Frauschaft, bestehend aus Leuten vom Naturkundeverein, den Naturfreunden sowie Höfos und Zaungästen auf, um eine geologische Exkursion vorzubereiten.

An der Teufelsklinge wurden einige erste, wissenschaftlichen Ansprüchen sicher (noch!) nicht genügende Messungen durchgeführt. Mit einem kleinen Entfernungsmesser wurde die Höhe der Felswand über dem Mundloch des Bröllers mit 21 m ermittelt. Prinzipbedingt wurde leicht schräg gemessen, das heißt also, dass die Mächtigkeit der Schichten bis zur Geländeoberkante etwas geringer ist. Da die Oxford-Kimmeridge-Grenze sehr wahrscheinlich mit der GOK zusammen fällt und die Oxford-Kalke auf der Ostalb ziemlich konstant 22 m mächtig sind, kann man schon sicher sein, dass der Teufelsklingenbröller vollständig in den Oxford-Kalken verläuft. Ein Artikel von Petersen & Quoss (1992), der die Höhle teilweise in den kalkigen Schichten der Oxford-Mergel verortet, kann somit höchstwahrscheinlich widerlegt werden. Wir werden wiederkommen und am Seil in der Felswand hängend Jagd auf die Fucoiden und den Idoceras machen!

Wir stiegen sodann zur Hochfläche auf und querten nach Westen, bis wir in die kräftig überwucherte Klinge des Griesbrunnens absteigen konnten. Die stark verstürzte Quelle schüttete schätzungsweise 2 l/s. Ich komme zwar nur selten hier her, kann mich aber nicht erinnern, jemals eine wesentlich größere oder geringere Schüttung beobachtet zu haben.

Hier sonderten Regine und ich uns ab und kehrten nach Hause zurück, während die anderen noch zum Bargauer Horn weiter wanderten und verschiedene Phänomene der Erdkruste bewunderten.

Doline im Lias: 20 Jahre später

Eine Diskussion im Mühlbach-Forum über Dolinen im Lias bei Göppingen erinnerte mich daran, dass mir vor 20 Jahren mein damaliger Vereinskamerad Peter eine Doline bei Böbingen gezeigt hatte, die auch im Lias lag. Er hatte mir erzählt, dass ihm das Objekt schon länger bekannt war. Es sei wiederholt von den Bauern zugeschüttet worden und doch stets wieder nachgebrochen. Als wir im Dezember 1987 dort waren, war das Loch laut meinen Notizen einen Meter tief bei einem Durchmesser von zwei Metern. Fotos hatte ich leider keine gemacht und auch die Koordinaten nicht aufgenommen. Meine Erinnerung gaukelt mir nach zwei Jahrzehnten vor, dass die Doline frische Abbruchkanten und senkrechte Wände hatte. …

Neue Doline bei Lauterburg (Ostalbkreis)

Sonntag, der 26.09.2004: Die Schwäbische Alb ist in graue Wolken gehüllt, aus denen unentwegt Nieselregen zur Erde niederfällt. Trotz dieser trüben Herbststimmung prescht der böhmische Silberpfeil des Autors, bestückt mit einschlägigen Höhlen-Utensilien im Kofferraum, die Bartholomäer Steige hinauf auf die Albhochfläche. Es ist gegen 14 Uhr. Hinter Bartholomä findet das Fahrzeug einen Stellplatz an dem ersten Wanderparkplatz links der Straße nach Lauterburg. Der einsame Höhlenforscher schnürt die Trekkingstiefel, schwingt den Schleifsack mit der Schutzkleidung und der Lampe auf die Schultern und wandert, der Fotokoffer pendelt am rechten Arm, in die neblige Trübe hinein.

Nebel

Zwei Wochen zuvor hatten sich merkwürdige Ereignisse in der verschlafenen Gemeinde abgespielt. Am Abend des 08.09.2004 erschütterte ein Knall die Gegend und am nächsten Tag fanden verdutzte Anwohner ein unheimliches Loch in einem Acker im Gewann „Faißtäcker“ südlich von Lauterburg vor. Wilde Spekulationen machten die Runde. Meteoriteneinschlag? Illegale Sprengung? Einsturz einer Schatzkammer? Immerhin wurde ein Geologe vom Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau zu der Lokalität gelockt, der ernüchternd feststellte, dass es sich bei dem Loch um eine ganz ordinäre Doline handle. Am 18.09.2004 berichtete die „Gmünder Tagespost“ mit einem Artikel und zwei Fotos über das Vorkommnis. Weil der Geologe auf dem einen Foto in Sakko und Hemd posiert, ist er wahrscheinlich nicht selbst in das Loch hinunter geklettert.

Das ist also der Zweck der sonntäglichen Forschungsreise: Der Doline, im wahrsten Sinne des Wortes, aus der Perspektive des Höhlenkundlers auf den Grund zu gehen!

Der asphaltierte Wanderweg führt am Waldrand entlang westwärts auf eine leichte Anhöhe hinauf, die als nördlicher Ausläufer des Bärenberges zu verstehen ist. Nach einigen hundert Metern stößt er auf eine Wegkreuzung bei einem auf der Karte als „Sportplatz“ verzeichneten Spiel- und Grillplatz. Nur noch ein kleines Stück weiter Richtung Westen gerät eine mit rot-weißen Trassierbändern abgeschrankte Stelle rechts des Wanderweges ins Blickfeld des Höhlenforschers. Sofort springt der auf die Erschnüffelung unterirdischer Hohlräume trainierte 7. Sinn des Speläologen an! Ca. 20 Schritte durch den Acker und die Sache ist klar: Da ist es, das geheimnisvolle Loch! Es liegt fast senkrecht (ein kleines Stückchen nach Norden versetzt) unter der Überlandleitung.

Abgeschrankte Doline

Der aufdringliche Freund der subterranen Welt hebt zwei Bretter zur Seite, die über dem Höllenschlund liegen.

Bretter auf der Doline

Das Loch hat einen Durchmesser von etwas weniger als einem Meter, ist nahezu perfekt kreisrund und führt an der tiefsten Stelleknapp drei Meter in den älblerischen Untergrund. Die Wände des Zylinders sind senkrecht, teilweise durch Nachbruch auch schon leicht überhängend. Am Boden, an der tiefsten Stelle, führt ein kurzerSchluf Richtung NNW, der aber sofort endet. Diesen Fortsatz kann man auch auf dem Zeitungsfoto erahnen, also hat seit dem Ortstermin durch die Presse bis heute kein großer Nachsturz von Wandmaterial stattgefunden. Apropos Wand: Gewachsener Fels ist nirgendwo aufgeschlossen. Die Doline liegt vollständig im lehmigen, mit Steinen durchsetzten Bodengrund. Dies schmälert ungemein die Aussicht, hier eine Pforte zur Unterwelt aufzustoßen.

Inzwischen hat sich der GPS-Empfänger mit den Satelliten im Orbit dahingehend geeinigt, dass die Doline bei den UTM-Koordinaten (WGS 84) E 571638, N 5402590 und NN 709 liegt.

Blick in die Doline

Einige Fotos später kann sich der Höhlenforscher wieder auf den Weg nach Hause machen, leider ohne spektakuläre Neuigkeiten im Gepäck!

Nachbemerkung: Nur wenige Wochen später war die Doline wieder vollständig aufgefüllt.