Fledermäuse

Chiroptorium in Texas erbaut

Gut, wo Texas ist, wissen wir alle. Was aber ist bitteschön ein Chiroptorium? Nun, das Wort setzt sich zusammen aus Chiroptera, dem lateinischen Gattungsnamen für die Fledermäuse und Auditorium (Hörsaal). Bauen ließ es der texanische Millionär J. David Bamberger, und im Prinzip ist es nichts anderes als eine riesige künstliche Höhle. Die in Texas verbreitetste Art von Fledermäusen, Tadarida brasiliensis (Guana-Fledermaus) wandert im Winter ins Winterquartier nach Mexiko, und wenn sie dann so ab April wieder nach Texas zurück kommen, finden sie oft keine geeigneten Wohnmöglichkeiten mehr vor. So nisten jedes Jahr über 1 Millionen der nächtlichen Jäger an einer großen Brücke in Austin, der Hauptstadt von Texas. Dieser Wohnungsnot will Bamberger mit seinem Chiroptorium nun abhelfen. Es sind dies drei miteinander verbundene kuppelförmige Hohlräume, jeweils mit einem Durchmesser von 12 Metern, sechs Metern Höhe und insgesamt 280 Quadratmetern Grundfläche. Da Fledermäuse bekanntlich recht wählerisch bei der Wohnungssuche sind, bewässerte und bepflanzte Bamberger in der Nähe des Chiroptorium sein Farmland mit Pflanzenarten, die das Wasser halten, damit die Fledermäusen durch die Mücken auch ein reichliches Nahrungsangebot vorfinden. In die künstlichen Höhlen integriert ist ein Beobachtungsstand für Wissenschaftler, der mit Solarzellen, Infrarotlicht Kameras und ähnlichen technischen Schikanen ausgerüstet ist. Was jetzt noch fehlt sind die Fledermäuse …

Felsendome werden zur bizarren Wunderwelt

Altes Bergwerk: Fledermäuse überwintern mit Eiskruste

Die eiskalte Witterung der letzten zwei Wochen hat die Rabensteiner Felsendome bei Chemnitz in eine bizarre Wunderwelt verwandelt. Überdimensionale Eiszapfen in dem alten Kalksteinwerk verzaubern groß und klein gleichermaßen: Das von den Decken und Wänden laufende Tropfwasser gefriert im frostigen Luftzug der Gänge sofort zu Eis. So wachsen von oben und von unten meterlange Säulen. „Zwar hatten wir im vergangenen Jahr ähnliches zu bieten, aber nicht schon so zeitig im Winter und schon gar nicht in diesem Ausmaß“, erinnert sich Bergwerksführer Bernd Hartwig. „Kurz vor Weihnachten ging’s los“.

Jeden Morgen müssen er und seine Kollegen derzeit den Weg in das alte Schaubergwerk, das 1936 für Besucher öffnete, vom Eis befreien – mit Spitzhacken, etwas Salz und viel Muskelkraft. Den Besuchern zeigt der Bergwerksführer auch gern ein kleines biologisches Wunder: Zahlreiche Fledermäuse nutzen die Felsendome für ihren Winterschlaf. Aufgrund des frostigen Luftzuges im Eingangsbereich der Höhle sind in diesem Jahr selbst einige der kleinen Säugetiere der Spezies Braunes und Großes Langohr sowie Wasserfledermaus mit dünnen Eiskristallen übersät. „Das macht ihnen aber nichts aus“, versichert Hartwig. Die Fledermäuse passen in der kalten Jahreszeit wie viele Winterschläfer ihre Körpertemperatur der Umgebung an. Diese sinkt Ende Oktober, wenn die Fledermäuse ihre Winterquartiere aufsuchen, von rund 38 Grad Celsius auf drei bis neun Grad. Auf Sparflamme verbrauchen sie weniger Fettreserven. Im Inneren der Felsendome herrschen konstante Temperaturen von vier bis sechs Grad. Die Felsendome sind jedoch nicht nur im Winter ein beliebtes Ausflugsziel. Die 40000 Besucher des letzten Jahres interessierten sich auch für die Geschichte des Kalksteinabbaus. 1375 wurde der Kalkabbau erstmals urkundlich erwähnt. Der hier gewonnene Kalkstein wurde über die Jahrhunderte nicht nur als Baustoff, sondern auch als Farbstoff und Dünger genutzt. Höhepunkt ist der Besuch eines unterirdischen Sees in einer riesigen Halle. Der sogenannte Marmorsaal mit einer Deckenhöhe von 15 Metern wird nur von natürlichen Pfeilern abgestützt. Das Bergwerk ist seit Oktober 1995 wieder in Familienbesitz. Der neue und alte Eigentümer Robert Sallmann hatte die Felsendome zurückerhalten.

(dpa, nach Westfälische Nachrichten, Reisebeilage vom 11.1.1997, S.1)