Stephan ruht gelassen unter dem "Damoklesschwert".

Hasenhöhlenjagd

Kürzlich bekam Peter von einem aus Lautern stammenden Kollegen den Hinweis auf einen „Hasenfelsen“ und eine darin befindliche „Hasen(felsen)höhle“. Nach der Lagebeschreibung muss sich das Objekt in dem großen Bergsturz am Fuße des Rosensteins unterhalb der Großen Scheuer befinden. Der Bergsturz selbst ist – warum auch immer – im Höhlenkataster Südwestdeutschland hinterlegt und 1986 fanden Stephan und ich dort die „Versturzhöhle (bei) Lautern“, welche es dann selbst auch in den Kataster geschafft hat. Ein Foto von damals seht ihr als Titelbild dieses Beitrags. Peter hat am Wochenende sowieso in Heubach zu tun, weshalb wir uns kurzfristig dazu entschließen, die Hasenhöhle zu jagen und dabei auch in der Versturzhöhle nach dem Rechten zu sehen, in der ich seit über 30 Jahren nicht mehr war.

Peter und Florian holen mich kurz nach Vier ab und gemeinsam fahren wir hinüber nach Lautern. Nachdem in einem Wohngebiet unterhalb des Rosensteins ein Parkplatz aufgetan ist, stapfen wir gemeinsam an der Albvereinshütte vorbei und dringen hinter ihr in den Wald ein. Man kann an den Bodenwellen im Gelände erkennen, dass der in prähistorischer Zeit abgegangene Bergsturz sich über ein großes Gebiet ausdehnt und bis fast an den heutigen Ortsrand heran reicht. Da hat es ordentlich geklappert, als die riesige Felsmasse zu Tal ging!

Wir suchen zunächst nahe am Waldrand, wo sich laut Zugangsbeschreibung die Hasenhöhle befinden soll. Dort ist aber nichts, und die Felsbrocken sind zu klein, um einen Hohlraum darunter zu verbergen. Über einen Steilaufschwung hinauf gelangen wir in ein weitläufiges Meer von mit Moos bewachsenen Felsblöcken, die hier deutlich größere Dimensionen annehmen. Knorrige, teilweise abgestorbene Bäume verleihen der Szenerie einen unwirklichen Charakter. Wir gucken in jede Lücke zwischen den Felsblöcken und stoßen schließlich auf die bekannte Versturzhöhle. Sogar der alte Baum von damals steht noch am Eingang und hat wie die Höhlenforscher auch etwas an Umfang zugelegt.

Eingang der Versturzhöhle
Eingang der Versturzhöhle

Wir bereiten unser Geleucht vor und klettern in den schachtartigen Eingang hinunter in die erste Kammer. Warum eigentlich Versturzhöhle? Es geht bei diesem Objekt nicht um eine Karsthöhle, sondern es sind an dieser Stelle lediglich Felsblöcke so günstig übereinander zu liegen gekommen, dass unter und zwischen ihnen eine ca. 18 m lange Höhle frei geblieben ist. Naturgemäß gibt es allerlei Lücken, die nach draußen führen und Lichteinfall gewähren, doch im hinteren Höhlenteil ist es dunkel und man benötigt eine Lichtquelle. An einigen Felsen sind flächige Sinterbildungen und grobe Kalzitkristalle anzutreffen. Leider wurden sie von Mineraliensammlern beschädigt. Wir treffen jede Menge Höhlenspinnen an, die teilweise unglaublich fett sind (mit Eiern gefüllte weibliche Tiere?). Auch viele Kokons sind vorhanden. Leider wimmelt es in dem Loch von Stechmücken, die uns den einen oder anderen Aderlass bereiten. Daher verwerfen wir die Idee, die Versturzhöhle als Zuflucht bei der nächsten Pandemie zu nutzen. Naja, bei Regen suppt die Nässe ohnehin zwischen den Felsen nahezu ungehindert herein. Da gibt es doch bessere Wohnhöhlen. Wir durchstöbern alle Ecken und Winkel und Florian bemüht sich vergeblich, zwischen den Blöcken am Boden der anheimelnden „Damokleskammer“ in ein unteres Stockwerk einzudringen. Es ist selbst für einen beweglichen Junghöhlenforscher einfach zu eng. Wir überprüfen den alten Höhlenplan von 1986, den ich gezeichnet habe. Er ist wahrlich kein Muster an Genauigkeit und Detailreichtum aber gut genug, dass eine Neuvermessung nicht zwingend eingeplant werden muss. Ich mache ein paar Fotos und drehe einen kurzen Film.

Erste Kammer der Versturzhöhle
Erste Kammer der Versturzhöhle

In einem Loch auf der linken Seite finden wir eine Plastikplane und eine rostige Bettfeder und weiter hinten hat jemand Nägel in die Felsen geklopft. Das lässt vermuten, dass spielende Kinder in der Höhle ihr „Lägerle“ eingerichtet haben. Außerdem wurden Kalzitkristalle abgemeißelt. Diese Befunde und die Tatsache, dass die Versturzhöhle den einzigen für Menschen zugänglichen Hohlraum in dem Gebiet darstellt, lassen es als sehr wahrscheinlich erscheinen, dass es sich bei ihr um das von Peters Kollegen erwähnte Loch handelt. Den Müll nehmen wir mit und entsorgen ihn sachgerecht.

Wir klettern wieder raus, ich sammle die beiden GPS-Geräte ein, die, während wir in der Höhle waren, draußen schön Koordinaten geloggt haben und suchen den Rest des Blockmeeres nach weiteren Höhlen ab. Wir finden jedoch keine. Wir bahnen unseren Weg zwischen Brennnesseln und durch Brombeergebüsch hinaus aufs freie Feld, wo wir die herrliche Aussicht auf das Albvorland und das Dorf Lautern genießen. Ziemlich genau um Sieben endet die Tour in Heubach.

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