Der Adlerkeller (Katasternummer 7224/17K) in Eislingen

Zusammenfassung

Beim Adlerkeller (Katasternummer 7224/17K) handelt es sich um einen rund 35 m langen ehemaligen Bierkeller in Eislingen/Fils. Er wurde ab dem Jahr 1825 erbaut. Neben seiner Bedeutung als potenzielles Baudenkmal, ist der Keller wegen seines intensiv gefärbten Sinters interessant.

Lage und Zugang

Das Untersuchungsgebiet befindet sich innerhalb der Stadt Eislingen/Fils im Landkreis Göppingen, Baden‐Württemberg. Es wird von Blatt 7224 Schwäbisch Gmünd-Süd der topografischen Karte 1 : 25.000 abgedeckt. [Zugangsbeschreibung aus Diskretionsgründen gelöscht.] Sein Eingang öffnet sich vor einem Mehrfamilienhaus wenige Schritte neben der Straße in einer mit Natursteinen ausgemauerten Böschung. Der Eingang ist verschlossen.

Beschreibung

Bei den Forschungen im Herbst 2012 war der Eingang des Adlerkellers noch bis auf eine kleine Öffnung zugemauert, hinter der man sich etwas mehr als einen Meter in die Tiefe rutschen lassen musste. Inzwischen wurde ein bequem aufrecht begehbarer Eingang angelegt, der mit einem Gitter verschlossen ist. Dieser erste Teil des Kellers ist mit Kalktuffsteinen ausgemauert und führt über eine in zwei parallelen Teilen angelegte Treppe abwärts. Dabei werden rund zweieinhalb Höhenmeter überwunden. Durch einen Torbogen, der bis auf eine türgroße Öffnung mit Ziegelsteinen zugemauert ist, betritt man den ersten großen Raum des Kellers. Er stellt den tiefsten Punkt des Kellers dar. Diese Halle ist ebenfalls komplett mit Tuffsteinen ausgemauert und weist ein druckstabiles Tonnengewölbe auf. Sie ist 8 m lang, 5,5 m breit und 2,7 m hoch. Auf dem untersten Meter sind die Seitenwände leicht nach außen geneigt, um den Druck des Gewölbes aufzunehmen, das die Seiten und die Decke des Raumes bildet. Der Boden ist mit Steinplatten belegt, die teilweise schon fehlen. An den fehlenden Stellen nimmt Lehm den Grund ein. Ganz vorne links (W) befindet sich direkt auf Bodenniveau eine Öffnung, die wahrscheinlich einen Abfluss für Sicker- bzw. Schmelzwasser darstellt. An der rechten (E) Wand kommt flächiger Wandsinter vor, der kräftig gelb-orange gefärbt ist. Auf halber Länge des Raumes führen an der linken und der rechten Wand Luftschächte nach oben, die mit Eisengittern verschlossen sind. Das gilt im übrigen auch für die folgenden drei Räume. Auch diese weisen immer auf halber Länge links und rechts Luftschächte auf.

Erster Raum, Blick Richtung zweitem Raum.
Erster Raum, Blick Richtung zweitem Raum.

Vom ersten Raum führt ein gewölbter Durchgang durch eine 2 m dicke Mauer in den nächsten Raum des Kellers. Die Mauer besteht auf der nördlichen Seite unten aus Tuffsteinen und oben aus Ziegelsteinen. Auf der südlichen Seite ist sie aus einem Mix von Tuffsteinen, Ziegelsteinen und braunen Lias-Steinen (Angulatensandstein?) ausgeführt. Links von dem Durchgang wurde vor den Fuß der Wand ein viertelkreisförmiger „Wulst“ gemauert. Vermutlich sollte dieser den Bergdruck aufnehmen, der die Mauer trotz ihrer Dicke überlastet hat. Der zweite Raum ist 4,5 m lang, 6,5 m breit und 4 m hoch. Teilweise ist der Boden mit Steinplatten belegt, teilweise tritt der lehmige Untergrund zutage. Nahezu die gesamte linke Wand ist mit gelbem Wandsinter bedeckt. In der linken Wand, neben dem „Wulst“, befindet sich auf Bodenhöhe ein Abfluss.

Zweiter Raum, Blick Richtung erstem Raum. Links der gemauerte „Wulst“ am Fuße der Trennwand.
Zweiter Raum, Blick Richtung erstem Raum. Links der gemauerte „Wulst“ am Fuße der Trennwand.

Ein teilweise mit Ziegelsteinen verschlossener Durchgang leitet den Besucher in den dritten Raum, der 5,5 m lang, 6,5 m breit und 4 m hoch ist. Von seiner Decke baumeln die Reste der früheren elektrischen Beleuchtung. Hier sind keine Bodenplatten mehr zu finden, dafür ist deutlich mehr Versturz vorhanden als in den vorderen Räumen. Vor der rechten Wand liegt eine große, zerbrochene Betonplatte. In der linken Wand ist auf Bodenhöhe wieder ein Abfluss, der vollständig mit gelbem Sinter ausgekleidet ist. Sogar kleine Sinterbecken sind zu erblicken. In diesem Raum wurde mehr Lias-Gestein vermauert als in den beiden ersten.

Dritter Raum, Blick Richtung zweitem Raum. Links gelber Wandsinter und Abflussöffnung auf Bodenhöhe.
Dritter Raum, Blick Richtung zweitem Raum. Links gelber Wandsinter und Abflussöffnung auf Bodenhöhe.

Wieder gibt es einen türartigen Durchgang, der in die hinterste Halle führt. Sie ist 4,5 m lang, 6,5 m breit und knapp 4 m hoch. Dieser Raum weist mit Abstand den stärksten Tropfenfall des gesamten Kellers auf. Nahezu der gesamte Boden vor der abschließenden Wand ist flächig versintert. Sogar Kronkorken und ein Steinblock wurden vom Sinter überzogen. In einer Ecke liegt eine vermoderte Holztür. Unter der Decke mündet ein komplett mit Müll zugestopfter Luftschacht in der hinteren Wand ein.

Zur Zeit unserer Erforschung öffnete sich in der Decke der letzten Kammer ein Loch, durch das man auf einer Aluminiumleiter in einen höher liegenden Kellerraum aufsteigen konnte, dessen Decke bereits abgerissen war. Seine Abmessungen betrugen 3 m Länge, 6 m Breite und etwa 4 m Höhe. Der Boden dieses oberen Raumes lag 5 m höher als der tiefste Punkt des unteren Kellers. Der obere Raum dürfte inzwischen nicht mehr existieren.

Vierter Raum, Deckenloch mit Verbindung zu einem höher gelegenen Kellerraum.
Vierter Raum, Deckenloch mit Verbindung zu einem höher gelegenen Kellerraum.

Insgesamt ist der Adlerkeller 35 m lang.

Die Anlage des Kellers spricht für einen ehemaligen Bier- oder Eiskeller, was auch durch die historischen Quellen belegt ist. Die tiefsten Teile sind mit Kalktuffsteinen ausgemauert, die vermutlich aus größerer Entfernung beschafft werden mussten. Tuff weist eine gute Wärmeisolation auf, was ein vorzeitiges Abschmelzen des zur Kühlung dienenden Eises verhindern sollte. Über die Abflüsse am Boden wurde das anfallende Schmelzwasser nach draußen abgeführt. Die hinteren Räume sind mit Liassteinen ausgemauert, welche wahrscheinlich kostengünstiger waren. Ziegelsteine wurden in allen Räumen später als „Flickmaterial“ benutzt.

Geschichte

Die Geschichte des Adlerkellers ist gut dokumentiert. Den Quellen nach wurde er 1825 als Bierkeller des Gasthauses „Ritter“ erbaut. 1833 ging er samt Gebäude in den Besitz des „Adlerwirtes“ über und wurde vor 1867 erweitert. Im Jahr 1910 ist von zwei gewölbten Weinkellern im Untergeschoss und einer gewölbten Bierlagerhalle die Rede (Weiler, 2002). Die Kühlung des Bieres erfolgte mit Eis, das im Winter in kleinen Eisweihern in der Umgebung und auf dem Flüsschen Krumm gewonnen wurde (Weiler, 1983). Die Kälte war so intensiv, dass sich an der Straßenböschung außen im Sommer Eiszapfen bildeten (E-Mail von Bernhard Nuding an den Verfasser vom 07.10.2012). Ende der 1970er Jahre wurde der Eingang des Kellers zugemauert (aus derselben E-Mail).

In den Folgejahren verwahrlosten die Gebäude über dem Keller zunehmend und wechselten den Eigentümer (Grupp, 2012).

Im Herbst 2012 wurden die Gebäude über dem Adlerkeller abgerissen. Dabei wurde auch ein Loch in die Mauer im Eingang gebrochen. Höhlenkamerad Bernhard Nuding wurde auf die Öffnung aufmerksam und organisierte die Erforschung des Kellers aus höhlenkundlicher Perspektive. Im Oktober 2012 untersuchte unsere Gruppe den Adlerkeller, wobei nicht nur zahlreiche Fotos aufgenommen wurden, sondern am 27.10.2012 auch von Bernhard Nuding, Irene Sachsenmaier und Roger Schuster die Vermessung durchgeführt wurde.

Grundriss Adlerkeller
Grundriss Adlerkeller
Längsschnitt Adlerkeller
Längsschnitt Adlerkeller

Entgegen anfänglicher Befürchtungen wurde der Keller in der Folgezeit nicht abgerissen, sondern saniert und stabilisiert. Dabei wurde die Wand zwischen dem ersten und dem zweiten Raum entfernt, Stahlstreben eingezogen und eine Betonplatte über den von oben freigebaggerten Keller gelegt. Danach wurde über dem Keller ein Mehrfamilienhaus errichtet. Inwiefern die Sanierung den intensiv gefärbten Sinter in Mitleidenschaft gezogen hat, ist uns nicht bekannt.

Im Mai 2017 wurde der Adlerkeller auf einer Immobilienplattform im Internet für 56.000 Euro zum Verkauf angeboten. Aus dem Inserat geht hervor, dass der Keller mit einer LED-Beleuchtung versehen und an die Kanalisation angeschlossen wurde.

Literaturverzeichnis

Grupp, D. (2012): Adler droht Bruchlandung.– Südwest Presse Göppingen / Neue Württembergische Zeitung, 15.09.2012.; Ulm.

Weiler, R. (1983): Eislingen – Im Wandel der Zeiten.– 231 S.; Eislingen.

Weiler, R. [Hrsg.] (2002): Das alte Eislingen: Häuser und Erinnerungen.– 63 S.; Eislingen.

Der Adlerkeller (Katasternummer 7224/17K) in Eislingen

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