In Memoriam Herbert Daniel Gebauer

Mit großer Bestürzung habe ich heute vom Tode meines langjährigen Höhlenfreundes Herbert Daniel Gebauer erfahren.

An meine erste Begegnung mit Daniel erinnere ich mich noch genau: Das war am 26.12.1985. Ich war damals ein 15-jähriger Teenager, der erst ein paar Monate vorher zum Hobby „Höhlenforschung“ gefunden hatte. Zwei Tage zuvor hatte ich „meine erste Höhle“ entdeckt und weil in unserer Gruppe damals niemand vermessen konnte, baten wir Daniel und seine Freunde von der Höhlenarbeitsgruppe Schwäbisch Gmünd um Unterstützung bei der Dokumentation. Somit fand das erste Treffen mit Daniel stilecht in einer Höhle statt.

Im Gegensatz zu mir war Daniel damals schon seit zehn Jahren international als Höhlenforscher aktiv, hatte sein erstes Buch über die Höhlen in Indien und Nepal publiziert und sich eine exzellente Reputation als Spezialist für Höhlenvermessung und Kartografie erarbeitet. Ich hatte das Glück, von Daniel als Mentor betreut zu werden und von ihm die Anfangsgründe der Vermessung zu lernen. Auch meine ersten Schritte in der unverzichtbaren Einseiltechnik habe ich mit zitternden Händen an einem Kletterfelsen auf dem Rosenstein unter seiner Anleitung unternommen.

H. Daniel Gebauer als knackiger Mittdreißiger bei einer Vermessungstour. Markenzeichen: Unkaputtbarer Strickhelm und das gelbe Vermessungsbüchlein!

Noch häufiger saßen wir aber in Daniels Wohnung über den Dächern von Schwäbisch Gmünd zusammen, tranken Kaffee und er erzählte mir von seinen zahllosen Expeditionen in die Höhlen der Welt. Angefangen hatte alles auf der Schwäbischen Alb, schon bald ging es im Toten Gebirge in Österreich weiter und nur wenig später lenkte Daniel seine Schritte auf den indischen Subkontinent. Sein bereits erwähntes Buch bildete für viele Jahre das Standardwerk für alle, die sich mit Höhlen in Indien beschäftigen wollten. Daniel hat auch in China, Thailand, Kambodscha, Madagaskar und vielen weiteren Ländern Asiens und Afrikas geforscht und unzählige Schriften bis Buchstärke publiziert. Trotz dieser internationalen Erfolge war er sich aber auch nie zu schade, die kleinen und kleinsten Höhlen seiner schwäbischen Heimat zu untersuchen.

Daniel war auf seine Weise einer der wenigen Menschen in Deutschland, die ihr Leben ganz und gar der Höhlenforschung verschrieben haben. Daniel lebte Höhlenforschung. Dieser Lebensstil war für ihn sicher auf weite Strecken mit materiellem Verzicht verbunden, aber auf Geld, Ruhm und Ehre hatte Daniel immer gepfiffen. Er konnte in sanftem, fröhlichem Plauderton von seinen Expeditionen erzählen, wie andere Leute von ihrer Gartenarbeit! Obwohl er nie die Öffentlichkeit gesucht hatte, war er auch außerhalb der Höhlenforscherszene ein gefragter Fachmann für Unterirdisches. Sei es im Kleinen, wenn es um angebaggerte alte Bierkeller in Schwäbisch Gmünd ging, sei es im Großen, wenn er ein archäologisches Projekt in Nepal mit Rat und Tat unterstützte.

Leider aber war Daniels Gesundheit in den letzten Jahren so angegriffen, dass er die praktische Feldarbeit in seinen geliebten Höhlen aufgeben musste. Er stürzte sich dafür mit umso größerem Eifer auf das Sammeln, Auswerten und Zusammenfassen selbst exotischster Publikationen über Höhlen und Karst. Nur ein Beispiel aus jener Schaffensphase ist Daniels Beitrag über den Karst auf Sri Lanka.

Vor ein paar Monaten habe ich Daniel zum letzten Mal gesehen. Er sprühte vor Freude, als wir über Höhlen, Karst, Gott & die Welt gefachsimpelt haben. Umso herber die Überraschung, dass er am 18.11.2018 diese Welt für immer verlassen hat. Daniel Gebauer wurde 67 Jahre alt.

Ruhe in Frieden, alter Freund!

2 Antworten auf „In Memoriam Herbert Daniel Gebauer“

  1. Danke für diesen Nachruf. Ich lernte Daniel nie so gut kennen wie Du, schätzte ihn aber aber Höhlenforscherkollegen (wenn ich das mit meinen sehr überschaubaren Aktivitäten übehaupt so sagen darf) ebenso sehr wie als Mensch und werde besonders die Reise mit ihm nach Tansania und seine verständnisvolle, rücksichtsvolle Art dabei immer in ganz besonderer Erinnerung behalten.

  2. Auch ich danke für den Nachruf und lieben Dank Peter für Deine berührenden Zeilen. Es war 1968, als ich in der Nähe eines Lagerfeuers stand und keinen einzigen der Teilnehmer kannte. Doch als ich mich an die Dunkelheit gewöhnte, erkannte ich ihn ganz im stillen – ohne ihm zuvor begegnet zu sein. Und eines schönen Tages zog dieser für mich geheimnisvoll anmutende Mensch in die Land-WG ein in der ich bereits wohnte. Und da war er etwa 20 Jahre alt, genau wie ich. Er lebte dort zurückgezogen und beschäftigte sich mit Übersetzungen. Einmal las er mir aus der Hand und was er sagte, ist mir bis heute unvergesslich. Mit 23 Jahren zog ich dann in verschiedene andere Gegenden, doch sind wir uns von Zeit zu Zeit immer mal wieder zufällig begegnet und das hat uns riesig gefreut!

Kommentare sind geschlossen.