Tiere suchen im Bröller

Heute bin ich mit Hannes verabredet, seines Zeichens Sammler, Kartierer und Katalogisierer aller Arten von Krabbeltieren, die man in Höhlen antreffen kann. Nur wenn man weiß, was in einer bestimmten Höhle kreucht und fleucht, kann man den Hohlraum angemessen schützen. Gegen 11 Uhr treffen wir uns auf dem Parkplatz in der Nähe „unseres“ Bröllers. Nach einer kurzen Begrüßung laden wir das Ausrüstungsmaterial auf und stapfen hinunter in die Klinge mit dem Höhleneingang.

Dort angekommen, stellen wir erfreut fest, dass die Höhle heute nicht schüttet und das Bachbett knochentrocken ist. Zuerst kraxeln wir in die Klinge hinunter, um uns die Geologie zu Gemüte zu führen. Während ich bei der letzten Tour nicht sicher war, ob in der Klinge die Schichtgrenze zwischen der Wohlgeschichtete-Kalke-Formation und der Impressamergel-Formation überhaupt aufgeschlossen ist, vertritt Hannes die Meinung, dass man die Grenze wohl in dem Bereich ziehen könne, wo der erste, rund einen Meter mächtige Mergelhorizont anzutreffen ist. Das ist kurz unterhalb der obersten Stufe.

Nun widmen wir uns aber der Fauna der Jetztzeit! Hannes erklärt mir kurz das weitere Vorgehen und drückt mir Probenbehältnisse und eine Federstahlpinzette in die Hand. Während er die Wände in der Eingangsregion der Höhle abgrast, packe ich ein paar Handvoll Lockersediment in eine Schüssel und klaube alles heraus, was sich bewegt. Die Funde werden in den mit Alkohol gefüllten Probenbehältern versenkt. Ausgenommen sind höhere Tiere bzw. Geschöpfe, die auf Sicht bestimmt werden können. Die beiden Grasfrösche, die im Eingangsbereich herum hüpfen, bleiben natürlich am Leben. Die Proben wird Hannes vorsortieren und zur weiteren Untersuchung an Fachleute weitergeben. Allerdings kann es sein, dass es mehrere Jahre dauert, bis die Rückmeldungen vorliegen.

Langsam dringen wir tiefer in das dunkle Innere des Bröllers ein. Dort wartet eine nicht so nette Überraschung auf uns: Kaum fließt kein Wasser aus dem Loch, macht sich der verd… Fuchs darin breit und lässt auf Schritt und Tritt seine Fäkalien auf das Höhlenparkett fallen! Heute ist es noch schlimmer als bei unseren früheren Besuchen. Wir müssen die Befahrung noch vor der Rückstauzone mit dem Lehmboden abbrechen. Allerdings können wir uns nicht beklagen, denn die Probenliste umfasst zum Schluss auch ohne den Besuch am Höhlenende immerhin 28 Positionen.

Wir packen unsere Siebensachen und lassen die Befahrung in einem nahe gelegenen Biergarten ausklingen. Hannes ist nicht nur so nett, mir die Verwendung seines Fotos von den Stelzmücken hier im Blog zu gestatten, sondern er gibt mir einen Sack voll Probenbehältern mit, damit wir selbst weitersammeln können. Dafür sage ich nochmals vielen Dank!

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