Wasser und Steine am Bröller

Am Karfreitag-Nachmittag hüpfe ich ins Auto und steuere „unseren“ Bröller an. Ich beabsichtige, mir die geologischen Verhältnisse etwas genauer anzuschauen und möchte herausfinden, ob in der Klinge die Schichtgrenze zwischen der Impressamergel-Formation und der Wohlgeschichtete-Kalke-Formation ermittelt werden kann. Das Wetter war in den vergangenen Tagen nicht besonders gut, aber auch nicht mit sehr viel Regen verbunden. Daher hoffe ich, dass der Bröller nicht schüttet und ich trockenen Fußes in der Klinge herumturnen kann. An meinem üblichen Parkplatz angekommen sehe ich jedoch, dass die dortige Quelle mit ordentlichem Druck schüttet.

Es zeigt sich bald, dass auch die Höhle selbst aktiv ist und ein munteres Bächlein mit geschätzten 10l/s aus ihr heraus plätschert. So wie es aussieht, müsste man hier eher von einer Wasserhöhle sprechen, die nur manchmal trocken fällt als von einem Bröller, der nur gelegentlich Wasser führt. Wir haben das Loch jedenfalls öfter aktiv als trocken angetroffen. Weil ich heute eigentlich Geologie machen will, habe ich weder eine Lampe noch einen Blitz für den Fotoapparat dabei. Ich fische schließlich das Smartphone aus der Tasche und benutze dessen LED als Taschenlampe. Ich mache damit auch ein paar ganz passable Fotos und Videos im Eingangsbereich der Höhle. Es ist klar zu erkennen, dass das Wasser ausschließlich aus dem Hauptgang von rechts kommt und dort über die kleine Felsstufe Richtung Eingang strömt. Wie es im Gang selbst aussieht bzw. wie hoch dort das Wasser steht, kann ich nicht erkennen. Dazu müsste ich mich komplett in den eiskalten Höhlenbach legen – brrrr!

Nach dem Wasser wende ich meine Aufmerksamkeit den Steinen zu. In der Felswand mit dem Höhleneingang und dem Bachbett unterhalb der Höhle bis zur ersten Stufe ist geradezu lehrbuchhaft die Wohlgeschichtete-Kalke-Formation (Weißjura beta hat man früher dazu gesagt) aufgeschlossen. Wie in einer Mauer sind die etwa 30 bis 40cm, manchmal auch nur 10cm mächtigen Kalksteinbänke aufgeschichtet. Mergelschichten fehlen oder sind allenfalls wenige Millimeter mächtig. Das Gestein verwittert gelblich, die frischen Bruchflächen sind grau und brechen muschelig. Ein paar Ammoniten finde ich auch, jedoch viel zu wenige und zu fragmentarisch, als dass man damit etwas sinnvolles anfangen könnte.

Das Bild ändert sich ein wenig, nachdem ich die oberste, etwa zwei Meter hohe Wasserfallstufe hinunter geklettert bin. Auch hier sind die Schichten zwar immer noch überwiegend kalkig, jedoch nimmt die Häufigkeit und Mächtigkeit von Mergellagen deutlich zu. Oberhalb der nächsten Wasserfallstufe ist an der nördlichen Klingenseite ein etwas über einen Meter mächtiger Mergelhorizont aufgeschlossen. Auf der Südseite ist er unter Blockwerk begraben und nicht zu sehen. Fukoiden (Grabspuren von Tieren, die im Boden des damaligen Jurameeres gelebt haben) finde ich keine. Unterhalb des Mergels kann man nochmals über eine rund eineinhalb Meter hohe Stufe abklettern, die überwiegend kalkig ist. Danach ist der Felsgrund praktisch nicht mehr aufgeschlossen und die Hangformen werden etwas rundlicher. Wahrscheinlich liegt darunter weiches Gestein in Form von Mergel. Aufgrund der Beobachtungen folgere ich, dass die gesamten Gesteine, die in der Klinge aufgeschlossen sind, zur Wohlgeschichtete-Kalke-Formation zählen. Die Schichtgrenze zur Impressamergelformation liegt tiefer und ist nicht aufgeschlossen.

Schichtlagerung in der Klinge
Schichtlagerung in der Klinge

Interessant ist noch die Schichtlagerung auf der Höhe der oberen Wasserfallstufe. An der nördlichen Seite der Klinge bilden die Gesteine eine flache Muldenstruktur, die ihr auf dem obigen Foto seht.

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