Heute einmal wieder ein Post, der räumlich und thematisch über den Tellerrand des gewöhnlichen Albhöfos hinausgeht.

Nördlich der indonesischen Millionenstadt Bandung, Hauptstadt der Provinz Westjava, ragt der mächtige Vulkan „Tangkuban Perahu“ in den bewölkten Himmel. Der Name lässt sich in etwa mit „umgekipptes Boot“ übersetzen und spielt auf die Gestalt des Berges an, der wie ein kieloben schwimmendes Fischerboot aussieht.

Der deutsche Abenteurer und Schriftsteller Friedrich Gerstäcker, der im Dezember 1851 hier war, musste von dem bei Bandung gelegenen Dorf Lembang noch einen mehrstündigen Ausritt durch den dichten Bergwald unternehmen, um an den qualmenden Schlund des Vulkans zu gelangen. Heute ist Lembang zwar ländlich geprägt, aber kein Dorf mehr. Den Bergwald gibt es noch und heute reitet man an Bord seines Toyota zum Gipfel. Natürlich nicht, ohne am Eingang des Parks Geld abzudrücken. Dass Ausländer an Sehenswürdigkeiten mehr zahlen als Einheimische, ist fast überall in Südostasien üblich. Hier liegt der Langnasen-Aufschlag bei dem stolzen Faktor 10, was ganz schön frech ist. Allerdings sitze ich in unserem Auto hinten und das Fahrzeug hat stark getönte Scheiben, so dass ich als Indonesier durchgehe, ätsch.

Tangkuban Perahu, Blick in das dampfende Herz der Erde.
Tangkuban Perahu, Blick in das dampfende Herz der Erde.

Der Bergwald ist wirklich schön und an ein paar Stellen macht sich der vulkanische Untergrund bereits geruchlich bemerkbar. Meine Frau fragt mit Unschuldsmiene, ob ich ein bisschen Faulgas ausgestoßen habe, kann dies aber guten Gewissens verneinen. Kurze Zeit später erreichen wir die dafür zuständige Körperöffnung von Mutter Erde und parken das Auto kurz unter dem Kraterrand. Hier oben gibts zwei große Parkplätze, Souvenier- und Fressbuden und ein Stufenweg umrundet den Krater zu etwa der Hälfte.

Tangkuban Perahu, der Jahrmarkt.
Tangkuban Perahu, der Jahrmarkt.

Den Durchmesser und die Tiefe des Kraters kann ich schlecht schätzen, tippe aber, dass es von der niedrigeren Seite des Randes bis zum Boden hinunter etwa 100 m sind. Der tropische Regen hat das lockere Gestein des Kraterrandes tief ausgefurcht und steile Rinnen führen zum Grund hinab. Am Boden steht ein gelblicher See, in dem sich das Regenwasser gesammelt hat. An einer Stelle steigt unaufhörlich Dampf auf und rund um die Austrittstelle sind die Felsen mit gelbem Schwefel überzogen. Der faulige Geruch von Schwefelwasserstoff hängt in der Luft. Ein paar recht hübsche Büsche mit roten Blättern haben sich auf dem Vulkantuff am Kraterrand festgekrallt. Der Krater hört übrigens auf den Namen „Kawah Ratu“, was soviel heißt wie „Königinnen-Krater“. Der Tangkuban Perahu weist noch mehr Krater auf, von denen einer über einen sehr steilen Weg vom Parkplatz aus erreicht werden könnte, was wir aber aufgrund einer Unpässlichkeit meiner Gattin nicht machen. Dadurch verpassen wir heiße Quellen und vulkanische Gasaustritte.

Hier oben auf rund 1800 m über dem Meer ist es trotz Äquatornähe ganz schön kühl und der strenge, kalte Wind setzt meiner indonesischen Familie mehr zu als das nahe Feuer von unten, vor dem sich der gute Muslim eigentlich mehr fürchten sollte. Daher satteln wir nach ungefähr zwei Stunden das Auto und suchen das Weite.

Am Rande des Höllenschlundes