Der frühe Samstag Morgen grüßt mit tief hängenden Wolken und Nieselregen. Bei diesem Wetter schickt man nicht einmal einen Hund in die Höhle. Aber kein Problem, denn für eine Alternative ist gesorgt in Form von Speläo-Südwest. Diese alle zwei Jahre stattfindende Veranstaltung hat 2012 ihr Pforten in Schrozberg geöffnet.

Morgens um sieben Uhr verlasse ich Heubach und steuere in Richtung Hohenlohe, wo ich kurz nach acht ankomme. Nach dem ersten Händeschütteln und der Anmeldung im „Tagungsbüro“ dauert es noch ein bisschen, denn das Frühstück für die am Vorabend angereisten Höfos ist noch nicht abgeschlossen. Ich schaue mir derweil die ausgestellten Höhlenpläne einiger großer, um nicht zu sagen riesiger (ohne Ironie!) Muschelkalkhöhlen an. Auch ein paar Vitrinen mit Knochenfunden aus dem Muschelkalkkarst der Hohenloher Ebene wurden aufgebaut. 

Dann geht es aber auch schon los. Ralph Müller begrüßt die Gäste und gibt einen kurzen Überblick über mehr als 30 Jahre Speläo-Südwest. Er hebt dabei hervor, wie sich seither die Zusammenarbeit der Höhlenforscher verbessert hat und welchen Schub die moderne Höhlenforschung in den letzten Jahren durch neue Techniken erfahren hat.

Erich Knust berichtet kurz über den Höhlenkataster Rheinland-Pfalz, wo sich in den vergangenen Jahren nicht viel neues ergeben hat. Ungefähr dieselbe Situation herrscht im Höhlenkataster Südwestdeutschland, das von Thomas Rathgeber präsentiert wird. Nach meinem persönlichen Empfinden drückt das den inzwischen erreichten hohen Bearbeitungsstand aus. Es wird zunehmend schwieriger, neue Dinge zu finden, weil die einfacher zugänglichen Stellen schon x-mal abgegrast wurden.

Die Höhlenrettung Baden-Württemberg und die Malteser Höhlenrettung haben zum Glück wenig zu tun, was echte Rettungseinsätze betrifft. Dafür zeigen die Tätigkeitsberichte der beiden Organisationen, dass sie sich durch regelmäßige Übungen und nationalen und internationalen Erfahrungsaustausch sorgfältig fit halten.

Anschließend stellen die Arge Höhle & Karst Stuttgart, die Höhlenforschungsgruppe Ostalb-Kirchheim, der Höhlenverein Muschelkalkkarst und der Kahlensteiner Höhlenverein ihre Tätigkeiten in den vergangenen zwei Jahren vor. Ein roter (besser gesagt: grauer) Faden zieht sich quer durch diese und auch die vorangegangenen Vorträge: Nachwuchssorgen! Es kommen immer weniger junge Höfos nach bzw. sind bereit, sich in Vereinen oder losen Gruppen zu organisieren. Das ist ein echtes Problem, denn ein ein Blick in die Tagungshalle zeigt, dass tatsächlich überwiegend alte Säcke (und Säckinnen) anwesend sind, wovon ich mich nicht ausnehme.

Beim sehr schmackhaften Mittagsbuffet sind diese Sorgen vorerst vergessen.

Nach der Mittagspause folgen Fachvorträge zu verschiedenen höhlen- und karstkundlichen Themen:

  • Der Vitriolstollen bei Wittighausen.
  • Tierreste aus Karstspalten in Hohenlohe
  • Erforschung des Fuchslabyrinths
  • Das Schandtauberhöhlensystem

Auf Inhaltsangaben zu diesen Vorträgen verzichte ich, weil man diese in den „Beiträgen zur Höhlen- und Karstkunde in Südwestdeutschland“ (uff, was für ein Titel!) nachlesen kann. Genauer gesagt, in den Heften 47, 49 und 50. Meine unmittelbaren Höhlenkameraden können die Zeitschrift bei mir einsehen.

Ansonsten nutze ich die Gelegenheit zwischen den Vorträgen, um in den feil gebotenen Zeitschriften und Ausrüstungsgegenständen zu stöbern. Außerdem findet sich natürlich die Zeit, um mit bekannten und mir bislang unbekannten Höfos die eine oder andere Information auszutauschen. Einige bekannte Gesichter sind natürlich da, einige andere vermisse ich dagegen zu meinem Erstaunen. Am Vormittag schätze ich die Teilnehmerzahl auf etwa 30 bis 40 Personen.

Den Abendvortrag lasse ich sausen, obwohl das Thema gar nicht schlecht klingt. Der Grund ist banal: Ich halte einfach am frühen Abend das Sitzen auf den Holzstühlen nicht mehr aus und warm ist es in der Halle auch nicht gerade. So sage ich adé und reite in den Sonnenuntergang.

Trotzdem handelt es sich um eine gelungene Veranstaltung und ich freue mich aufs nächste Mal!

Speläo-Südwest in Schrozberg