Ein Besuch in Wookey Hole

Ich gebe es lieber gleich am Anfang ganz unumwunden zu: Ja, ich war in einer Schauhöhle! Und ich stehe auch dazu, denn Wookey Hole ist nicht irgendeine Schauhöhle, es ist ein historischer Ort, der einige Besonderheiten aufzuweisen hat, die einen Besuch rechtfertigen, meine ich jedenfalls. Doch wo befindet sich eigentlich die Stätte meines unrühmlichen Treibens?

Wookey Hole liegt in den Mendip Hills in Somerset, in Südwestengland, ca. 20 Meilen südlich von Bristol. Während auf der Oberfläche freundliche Apfelbäume stehen, auf denen die Äpfel für den wohlschmeckenden Cider wachsen, der eine Spezialität dieser Gegend ist, gehen im Untergrund seit langer Zeit schon bedeutende Dinge vor. Etwas weiter südlich, aber noch im gleichen Höhenzug, liegt die bekannte Cheddar Gorge, nach der der berühmte, aber nicht bei allen beliebte, Käse benannt ist, und im Vergleich zu ihr wirkt der Eingang zu Wookey Hole eher bescheiden. Auch der Ausgang, der immerhin auch die Quelle des Flusses Axe ist, der sich von hier aus durch das nördliche Somerset schlängelt, bis er in den Bristol Channel und damit in den Atlantik mündet, wirkt auf den Besucher eher idyllisch.

Während die Kelten noch trockenen Fußes bis zur Kammer 4 kamen, um dort einige ihrer Toten zu beerdigen, bildete sich später zwischen Kammer 3 und 4 ein Siphon, der ein Durchkommen unmöglich machte. Doch 1935 passierte hier etwas ganz unerhörtes: Ungehemmter Entdeckergeist trieb zwei verwegene Gestalten zum ersten Höhlentauchgang der Geschichte! Was jedoch für die damalige Zeit noch viel unerhörter war: Der erste Höhlentaucher war zugleich auch die erste Höhlentaucherin! Sie hieß Penelope Powell, und muss sich ihres kühnen Vorhabens wohl bewußt gewesen sein, denn auf dem Foto, dass sie kurz vor dem Tauchgang zeigt, grinst sie keck in die Linse, während der Kollege Graham Balcombe mit doch reichlich banger Miene daneben sitzt. Sie schafften es damals bis Kammer 7.

Später, 1948 gelang es ihnen mit im Zweiten Weltkrieg entwickelter Ausrüstung bis Kammer 9 und kurz darauf bis Kammer 11 vorzustoßen. Mit der weiteren Verbesserung der Tauchausrüstung und der Entdeckung, dass die rechte Mischung von Sauerstoff und Stickstoff beziehungsweise Helium Tauchen in größeren Tiefen erlaubt, drangen mutige Höfos immer weiter vor. Robert Parker erreichte 1985 bei 220 Fuß (etwa 68 Meter), die bisher tiefste Stelle der Höhle.

Wookey Hole ist jedoch nicht nur ein Meilenstein in der Geschichte des Höhlentauchens, es birgt auch ein statisches Wunder. Die Kammer 3, die im Grunde genommen ein riesiger Kolk ist, ist die Halle mit der für die geringe Höhe ausgedehntesten freitragenden Decke der Welt. Nach Berechnungen von Statikern müßte sie eigentlich schon längst eingefallen sein. Der Besucher erschauert und huscht schnell in den unübersehbaren Seitengang weiter, der ein merkwürdiges rechteckiges Profil aufweist. Und tatsächlich ist er eine der zahlreichen Spuren, die der Mensch in Wookey Hole hinterlassen hat. Die Vielzahl dieser Spuren erstaunt kaum, wenn man weiß, dass die erste beurkundete und bezahlte Besichtigung der Höhle schon 1703 stattfand. In den folgenden Jahren gossen die Führer dann Öl über die Wände, das sie anschließend entflammten, um ihre Gäste zu beeindrucken. Der Gelehrte und Poet Alexander Pope war davon so beeindruckt, dass er einige Stalaktiten mit Musketen von der Decke schießen ließ, um die künstliche Grotte in seinem Garten in einem Vorort von London damit auszuschmücken. Natürlich wurde auch sonst noch kräftig gebohrt und gesprengt, um den Zugang für die Besucher zu erleichtern.

Doch die Höhle rächte sich auf ihre Weise: Zwei Höfos mussten bisher ihren Forscherdrang mit dem Leben bezahlen.

Weitere Informationen:

General Manager
Wookey Hole Caves Ltd.
Wells/ Somerset BA5 1BB

Anm. d. Red.: Ein brillanter Beitrag zur Geschichte von Wookey Hole ist soeben erschienen in

SHAW, T.R. (1996): Why some caves become famous- Wookey Hole, England.- Cave & Karst Science 23(1),17- 23; Bridgwater.

So bezieht sich eine in einer Handschrift von Clemens von Alexandria (200 n. Chr.) erwähnte Höhle möglicherweise auf Wookey. Die Berühmtheit der an sich eher unscheinbaren Höhle basiert wohl vor allem auf ihrer Lage an einer seit Römertagen viel benutzten Straße, die einen vergleichsweise einfachen Zugang gestattete.

Die Berichterstattung über die Blautopfbefahrungen im Herbst 1995 und Frühjahr 1996

Nein, hier soll nicht ein weiteres Kapitel einer unendlichen Geschichte geschrieben werden, und es soll auch nicht über geologische Fragen gefachsimpelt werden, die Frage ist vielmehr, wie stellte sich die Höhlenforschung in den letzten Monaten für einen außenstehenden aber interessierten Menschen dar? Welche Eindrücke wurden im Zusammenhang mit der Berichterstattung vermittelt? Und schließlich soll eine Bewertung versucht werden, welchen Nutzen diese ungewohnte Publizität für die Höhlenforschung vielleicht gehabt haben mag.

Dabei beschränkt sich diese kleine Untersuchung auf die Printmedien, versucht da aber ein möglichst breites Spektrum zu erfassen, wie aus der Liste der einbezogenen Artikel im Anhang hervorgeht. Sowohl lokale und regionale, wie auch bundesweit verbreitete Zeitschriften wurden einbezogen. Die Auswahl ist nicht willkürlich.

Im Nachhinein lässt sich die Berichterstattung in 4 Phasen gliedern:

  • Ende November/Anfang Dezember 1995, vor der geplanten ersten Tauchfahrt
  • Ende Dezember 1995, als Hasenmayer „Spuren eines Bachbetts mit scharfkantigem Rand“ entdeckte, die er als Argumente für seine Theorie heranzog.
  • Ende Februar/Anfang März, mit den erneuten Tauchgängen und der deutlichen Dokumentation des schon erwähnten Bachbettes
  • Ende April/Anfang Mai, mit der Berichterstattung über die Kritik an Jochen Hasenmayer

Die Fotos

Überschriften und Fotos sind in Zeitungen stets ein Blickfang, der die Aufmerksamkeit des Lesers auf sich zieht. Daher soll auch hier der erste Blick einmal den Fotos gelten.

Speleonaut wird zu Wasser gelassen 3
Speleonaut im Quelltopf 5
Hasenmayer im Speleonaut 5
Speleonaut in der Werkstatt 3
Hasenmayer und Rampe für den Speleonaut 3
Höhlenplan 8
Bachbett 5

Wenn man sich diese Tabelle mit den häufigsten Bildern anschaut, fällt schnell auf, dass die „technische“ Seite des Unternehmens sehr betont wird. 14 Bilder zeigen technische Vorgänge mit und um den Speleonaut, oder den Speleonaut im freien Wasser. Der andere Teil der Bilder konzentriert sich auf die „geologischen“ Aspekte des Themas, den Höhlenplan, oder das für die Argumentation benutzte Bachbett.

Das vermutete Thermalwasserreservoir

Ein meines Erachtens nach wichtiger Punkt für die Höhlenforschung ist, dass in Presseberichten auch deutlich wird, dass trotz der Abenteuerlichkeit der Unternehmungen und dem touristischen Interesse an der Schönheit der Höhlen, zumeist auch ein wissenschaftliches Interesse gegeben ist, dass der Befahrung ein tieferer Zweck zugrunde liegt. Wie immer man auch zur Theorie Hasenmayers stehen mag, so muß man doch zugeben, dass die Befahrungen zum Zwecke der Untermauerung seiner Theorie mit Argumenten und Indizien unternommen werden. dass eventuell auch manchmal ein wirtschaftlicher Aspekt eine Rolle spielt, und manche Aktionen vielleicht mit mehr spektakulärem Aufwand als nötig betrieben werden, ist „mittlerweile ein durchaus legitimes und übliches Mittel die Forschungskasse aufzubessern“1 .Wie dem auch sei, Hasenmayers Vision einer umweltfreundlichen Wärmeversorgung Süddeutschlands scheint einigen Aufwand zu rechtfertigen. Wird dieses, von Hasenmayer angenommene mögliche positive Ergebnis seiner Forschungen aber auch in den Presseberichten aufgegriffen?

Alter der Höhle 13
Energie für Süddeutschland 16
davon im 1. Drittel des Artikels 6
davon im 2. Drittel des Artikels 3
davon im letzten Drittel des Artikels 6
ganzer Artikel bezieht sich darauf 1
Zitat „Riesenrummel um nichts.“ 3
Hasenmayer ist Laie und spekuliert (sinngemäß) 4

Wie die Tabelle zeigt, wird das Thema häufig aufgegriffen, während kritische Stimmen, hauptsächlich des Geologischen Landesamtes Baden-Württemberg, wenig zu Wort kommen, und wenn, dann stets nur als zweiter Blick auf das Thema. Auch die Plazierung im Artikel ist günstig, haben Untersuchungen doch gezeigt, dass, wenn der Artikel nicht vollständig gelesen wird, Anfang und Ende eines Artikels häufiger gelesen werden als der Mittelteil. Den Lesern müßte dieser wissenschaftliche Aspekt der Befahrungen also eigentlich aufgefallen sein.

Ein Punkt, der in den Presseberichten oft nicht deutlich wurde, geht auch aus der Tabelle nicht hervor. Zwar wurde wiederholt über die Diskussion um das Alter der Höhle berichtet, aber die Verbindung zwischen diesem Punkt und den möglichen Energiereserven wurde meist nicht richtig hergestellt. Viele Artikel erwähnen entweder den einen oder den anderen Punkt, oder beide, aber ohne den Zusammenhang zu erklären. Dabei ist dieser Zusammenhang höchst bedeutsam. Ein Vertreter des Geologischen Landesamtes formulierte das so: „Ein Beweis für riesige Thermalwasservorkommen unter der Molasse im Alpenvorland oder für ein erheblich höheres Alter der Verkarstung der dortigen Oberjura-Gesteine (nämlich unter der Molasse im nördlichen Alpenvorland) ist schwer zu erbringen.“2Die Annahme Hasenmayers, dass sich die Blauhöhle bis zu den von ihm unter der Molasse vermuteten Systemen erstreckt, fußt aber darauf, dass beide zur gleichen Zeit verkarstet sind: „Im Gegensatz zur geologischen Lehrmeinung diagnostiziert Hasenmayer, gestützt auf seine karsttheoretischen Arbeiten, ein mindestens 25 Millionen Jahre altes Höhlensystem, das die gesamte Alb untertunnelt und nach Süden weiterlauft bis unter den „Fuß“ der Alpen. In den bis zu mehreren tausend Meter tief abgesunkenen Juraschichten erstreckt sich, von der Erdwärme aufgeheizt, ein Heißwasser- Höhlennetz über eine Fläche von 25000 bis 30000 Quadratkilometern“3

Vergleich Focus – Spiegel

Die beiden großen deutschen Nachrichtenmagazine ließen es sich nicht nehmen, über die neuerlichen Befahrungen der Blauhöhle zu berichten. Da diese beiden Artikel vielleicht das größte Publikum erreichten, soll auf sie hier noch etwas näher eingegangen werden, was besonders dadurch interessant wird, dass schon in der Überschrift die Unterschiede deutlich werden: „Trübe Wasser“ titelte der Spiegel, während Focus unter „Auf den Grund gegangen“ Hasenmayer selbst zu Wort kommen ließ.

Im Focus beschreibt Hasenmayer in einer Mischung aus Erlebnisbericht und Wissenschaftsjournalismus seinen Tauchgang in den Blautopf und anschließend seine Theorie in Kurzform. Eine Konstruktionszeichnung des Speleonaut und ausführliche Beschreibung der Sicherheitssysteme nehmen dem Erlebnisbericht ein wenig den Touch des abenteuerlichen. Das Foto vom Bachbett wird als lang gesuchter „Altersbeweis“ präsentiert.

Anders dagegen im Spiegel. Das bekannte Faible der dortigen Autoren für griffige Formulierungen nimmt es mit den Fachtermini nicht so genau: Wassergrotten, Kavernen, Süßwasser- Orkus, Felsschlauch, Uterus der Erdmutter sind nur einige der zahlreichen Variationen und auch der Höhlentaucher selbst muß nicht immer als solcher bezeichnet werden: Bebrillter Thermalsucher, Süßwasser- Akrobat und Hohlraum- Experte scheinen dem Spiegel angemessene Synonyme zu sein. Der Unterschied wird auch deutlich, wenn man sieht, dass im Focus im Anschluß an Hasenmayers eigenen Artikel ein Interview mit einem Geologen der Universität Tübingen abgedruckt ist, der meint, „die These von Herrn Hasenmayer ist durchaus denkbar und keinesfalls völlig abwegig“, während im Spiegel Herr Storch vom Geologischen Landesamt deutlicher wird: „von Geologie hat er aber keine Ahnung“.

Wie bewerte ich nun die beiden Artikel? In meinen Augen haben beide negative Seiten: Während im Focus durch die etwas oberflächliche Art der Argumentation Widerspruch leicht gemacht wird, und so zu schnell das Bild der fleißigen, aber intellektuell etwas beschränkten Autodidakten entsteht, die aufgrund irgendwelcher Hirngespinste durch Schlamm und Wasser kriechen, gibt der Spiegel durch pejorative Formulierungen die ganze Zunft der Höhlenforscher der Lächerlichkeit preis, das Ergebnis bleibt das selbe: Höhlenforscher werden nicht als kompetent in Höhlenfragen gesehen und daher auch nicht zu Rate gezogen, wenn Entscheidungen gefällt werden.

Während meiner Ansicht nach also die Artikel in diesen beiden großen Zeitschriften wenig förderlich waren, so muß doch gesagt werden, dass die Berichterstattung in den regionalen und lokalen Zeitungen recht umfangreich und auch recht fundiert war. Dazu haben sicher nicht zuletzt Verbandsmitglieder beigetragen, die als freie Mitarbeiter das Material lieferten. In diesem Zusammenhang muß ich mich vielleicht auch noch bei Herrn Rahnefeld entschuldigen, da ich in einem anderen Beitrag in Mitteilungen des Verbandes der deutschen Höhlen- und Karstforscher einen Artikel von ihm negativ erwähnte, wobei ich aber nun zugeben muß, dass dieses Beispiel schlecht gewählt war und nicht im richtigen Zusammenhang stand.

Mein Beitrag zur Diskussion soll der Anstoß sein, nun, da die Höhlenforschung durch die Blautopfbefahrungen einen gewissen Nachrichtenwert erhalten hat, diese Situation zu nutzen und fundierte Stellungnahmen besonders zu anderen, für die Höhlenforschung relevanter Themen an die Öffentlichkeit zu bringen.

Abschließend soll hier auch noch einmal die Pressemitteilung des Verbandes „Zum Thema Höhlentauchen und den Theorien von Jochen Hasenmayer“ abgedruckt werden, als Information aber auch als Leitlinie und Grundlage zur weiteren Diskussion.

Pressemitteilung

"Höhlentauchen gehört zu den schwierigsten Fachrichtungen der praktischen Höhlenforschung. Die Erforschung von Unterwasserhöhlen erfordert sehr viel Erfahrung und ein hohes Maß an Disziplin - ein Umstand, den sich viele ahnungslose Sporttaucher, die neuerdings in Unterwasserhöhlen drängen, nicht vor Augen führen. Jährlich verunglücken zahlreiche dieser unerfahrenen Sporttaucher in Höhlen. Jochen Hasenmayer hat mit seinen umsichtig und gut geplanten Unternehmungen auch internationale Maßstäbe gesetzt. Zudem zeichnet sich Hasenmayers Arbeit dadurch aus, dass er seine Entdeckungen in einen größeren theoretischen Rahmen stellt. Dies unterscheidet den Forscher vom Sportler. Es kann daher nicht im Sinne der deutschen Höhlenforscher sein, wenn Jochen Hasenmayer auf eine Stufe mit kriminellen Beweisfälschern wie Kujau - dem Fälscher der Hitler- Tagebücher - gestellt wird, wie dies neulich in einer privat gemachten Aussage des Geologen Bernd Krauthausen gegenüber der Presse geschehen ist.

Es wäre jedoch andererseits zu wünschen, dass die bisher nur mündlich vorgetragenen Theorien von Jochen Hasenmayer schnellstmöglich publiziert werden. Da es wissenschaftlicher Gepflogenheit entspricht, Forschungsergebnisse auch für andere Fachleute nachprüfbar zu machen, ist es weiterhin erforderlich, dass der Blautopf für andere qualifizierte, dem Verband angeschlossene Höhlentaucher zugänglich wird. Hier ist an die zuständigen Behörden zu appellieren, durch verantwortungsbewusstes Verhalten der augenblicklichen Kontroverse entgegenzuwirken.

Ein Beweis für riesige Thermalwasservorkommen unter der Voralpenmolasse oder für ein erheblich höheres Alter der Verkarstung der Schwäbischen Alb ist schwer zu erbringen. Es ist daher an der Zeit, weitere empirische Daten zu sammeln und diese in vertrauensvoller und unvoreingenommener Diskussion, z.B. mit den Fachleuten des Geologischen Landesamtes Baden-Württemberg, Stück für Stück zu einem neuen Wissensbild zusammenzutragen.

Eine neue Höhlentauchergeneration ist inzwischen dabei, Daten für eine unabhängige Neubeurteilung zu sammeln. Längst liegt hinter dem Blautopf nicht mehr die größte Wasserhöhle der Schwäbischen Alb. Mit mehr als 5 km erforschten Gängen ist dies eine Quellhöhle im oberen Donautal. Ihre systematische höhlenkundliche Dokumentation - übrigens von den Höhlentauchern ehrenamtlich in ihrer Freizeit erbracht - wird weitere wesentliche Erkenntnisse zu den o.ä. Fragestellungen liefern.

Um die Ausbildung und Zusammenarbeit zu gewährleisten, haben sich die deutschen Höhlentaucher im "Speläo-Aquanauten-Team" (SAT) zusammengeschlossen, einer Arbeitsgemeinschaft, die dem Verband angegliedert ist."

Fußnoten:

  1. Grimminger, Ralf: Exklusives aus den Höhlen, in: Südwest Presse Ulm, 16.12.1995, S. 29
  2. PD. Dr. D.H. Storch, in einem Brief an den Verbandsvorsitzenden vom 17.5.1995
  3. Hasenmayer, Jochen: Die heiße Spur im kalten Blautopf, in: Sonderdruck aus „Baden-Württemberg“ Heft 4/1986, S. 3-4

Untersuchte Artikel

Brueggen, Claudia: Es gibt noch ein zweites Labyrinth, in: Bild (Stuttgart) 27.2. 1996

Efler, Marcus: „Die These ist durchaus denkbar“, in Focus Heft 13/1996, S. 172

Hasenmayer, Jochen: Auf den Grund gegangen, in: Focus Heft 13/1996, S. 168-172

Kammgarn, Betina: Faszination Blautopf: Mit dem Mini-U-Boot ins Höhlenlabyrinth, in: Schwäbische Zeitung, 30.12. 1995

Kuehn, Dieter: Hasenmayer sucht Beweis für seine Theorie in der Tiefe, in Südwest Presse, 4.3.1996

Kurz, Tanja: Das Geheimnis des Blautopfs, in: Stuttgarter Nachrichten, 5.3.1996

N.N.: Taucherpech: Blautopf- Fotos verwackelt, in: Rems-Zeitung, 27.2. 1996

N.N.: Hasenmayer wieder im Blautopf unterwegs, in Rems-Zeitung, 27.2. 1996

N.N.: Hasenmayer nach Blautopffahrt: Beweis liegt auf dem Tisch, in: Reutlinger Generalanzeiger, 5.3.1996

N.N.: Hasenmayer ist sich sicher: Höhlen älter als angenommen, in: Geislinger Zeitung, 5.3.1996

N.N.: Blautopf-Fahrten für die Katz?, in: Reutlinger Generalanzeiger, 7.3.1996

N.N.: Hasenmayer erinnert den Wissenschaftler an von Däniken und Kujau, in: Schwäbische Zeitung, 22.3.1996

N.N.: Trübe Wasser, in: Der Spiegel, Heft 10/1996, S. 215-216

Rahnefeld, Michael: Höhlenforscher taucht ab, in: Schwarzwälder Bote, 24.4. 1996

N.N.: Höhlenfreunde kritisieren Hasenmayer: Schwäbische Zeitung, 26.4.1996

Rahnefeld, Michael: Verbandskritik an Hasenmayer, in Geislinger Zeitung, 29.4. 1996

Rahnefeld, Michael: Taucher Hasenmayer in der Kritik, in: Stuttgarter Nachrichten, 30.4.1996

Rahnefeld, Michael: Heftige Kritik an Hasenmayer, in Reutlinger Generalanzeiger, 2.5.1996

Rumbaur, Konrad: Höhlensucher Hasenmayer mit U-Boot abgetaucht, in: Stuttgarter Nachrichten, 26.2.1996

Rumbaur, Konrad: Höhlenforscher Hasenmayer machte vier Tauchgänge, in: Gmünder Tagespost, 26.2. 1996

Die Höhlen in den Matumbi Hills (Tanzania) und ihre Bedeutung für die Einheimischen

1. Vorbemerkungen

Die Matumbi Hills liegen im Südosten Tanzanias, im Bezirk Lindi unweit der Stadt Kilwa.Die dortigen Höhlen wurden kürzlich durch zwei Forschungsreisen untersucht. Zunächst 1994 durch eine kleine deutsch-türkische Gruppe1 und dann 1995 durch eine größere Gruppe mit vier deutschen und acht italienischen Teilnehmern2. Entstehung und Gestalt der Höhlen wurden dadurch weitgehend vollständig erfaßt und beschrieben.

Als Teilnehmer der zweiten Reise wurde ich von den Einheimischen wiederholt gefragt, warum ich mich mit diesen Höhlen beschäftige. Dadurch wiederum wurde ich angeregt mir Gedanken darüber zu machen, was für eine Bedeutung diese Höhlen im Leben der örtlichen Bevölkerung haben. Erste direkte Nachfragen blieben erfolglos, entweder wollte oder konnte man mich nicht verstehen. Langsam wurde es deutlich, dass die dortigen Menschen trotz ihrer auffallenden Höflichkeit und Freundlichkeit dem Fremden gegenüber doch eine gewisse Reserviertheit bewahren, sobald ihre Privatsphäre berührt wird. Trotzdem kristallisierten sich nach und nach einige Beziehungen der Einheimischen zu den Höhlen heraus.

2. Die Höhle als Schutz

2.1. Polizeiwachtmeister Thurmann und sein Interesse an den Höhlen

Über den Polizeiwachtmeister Thurmann wissen wir leider sehr wenig. Das, was wir wissen, verdanken wir kurzen offiziellen Mitteilungen im „Deutschen Kolonialblatt“. Wahrscheinlich im Zusammenhang mit den Unruhen 1905/1906 erhielt der Unteroffizier Thurmann das Militär-Ehrenzeichen 2.Klasse3. Von einem Heimaturlaub trat er am 11. Juli 1910 als Polizeiwachtmeister Thurmann die Wiederausreise von Deutschland nach Ostafrika an4. Nach seinen Höhlenerkundungen 1911 hielt er sich noch einmal in Deutschland auf, und reiste im November 1913 erneut nach Dar-es-Salaam aus5. Das letzte Mal hören wir von ihm, als er als kommissarischer Assistent 2. Klasse im März 1914 wieder im Schutzgebiet eintrifft6. Weitere Recherchen nach dem Verbleib Thurmanns brachten bedauerlicherweise kein Ergebnis. Das Familienarchiv der Thurmanns in Lippstadt, das dem dortigen Stadtarchiv durch den 1995 verstorbenen Dr. Erich Thurmann zur Verfügung gestellt wurde, enthält leider keine brauchbaren Hinweise. Einzig ein Heinrich Wilhelm Conrad Friedrich Thurmann käme den dortigen Aufzeichnungen zufolge überhaupt in Frage, aber er leistete seinen Militärdienst beim Braunschweigischen Husarenregiment No.17, 5. Eskadron von 1896-1897 ab7. Unveröffentlichte Aufzeichnungen Thurmanns, die möglicherweise weitere Höhlen betrafen, oder Details über das Verhältnis der Einheimischen zu den Höhlen offenbaren, konnten nicht gefunden werden.

2.2. Die Höhlen

Im Jahr 1910 schrieb der Missionar Ambros Mayer von der katholischen Mission Nambiligjain den Matumbi-Bergen an den Geheimen Bergrat Bornhardt einen ausführlichen Brief, in dem es heißt:

„Im August 1909 entdeckte Polizeiwachtmeister Weckauf von der Bezirksnebenstelle Kibata im Berge Nangoma, eine Stunde südwestlich von Nandembo, eine riesige Höhle, welche bisher allen das Land bereisenden Weißen, auch der Schutztruppe während des Aufstandes 1905/06, unbekannt geblieben war. In der Höhle konnten sich Tausende von Aufständischen mit Weibern, Kindern und genügenden Vorräten sicher verstecken, ohne von den rechts und links vorüberziehenden Truppen aufgestöbert zu werden“8.

Ende Februar 1910 besuchte Mayer die Höhle dann selbst, und fand in ihr auch noch Spuren des ehemaligen Lagers9.

Bei seiner „Bezirksbereisung“ 1911 kam der Polizeiwachtmeister Thurmann ebenfalls zurNangoma und er suchte überdies auch noch andere Höhlen in der Umgebung auf10. Das Hauptziel der auf dieser Reise angefertigten Lageskizzen der Höhlen war es wahrscheinlich, bei künftigen Unruhen einen schnellen Zugriff auf die Verstecke der Aufständischen zu ermöglichen, wie es Mayer schon in seinem Artikel 1910 andeutete:

„Je mehr man sich dem Höhlenberg Nangoma nähert, desto mehr tritt der unberürte Hochwald, eigentlich nur eine Parzelle hervor. Die Eingeborenen haben diese offenbar nur deshalb geschont, um den Eingang zur Höhle zu verdecken, tatsächlich dürfte die Höhle nicht einmal allen Matumbi-Leuten bekannt gewesen sein; wenigstens wurde sie vor allen Europäern streng geheim gehalten aus leicht erklärlichem Interesse, wie auch die Auffindung und Zugänglichmachung der Höhle für die Matumbi mehr bedeutet als eine empfindliche Niederlage, insofern als dadurch ein sicheres Versteck brachgelegt ist.“11

Wie wichtig die Aufdeckung dieses Verstecks für die Einheimischen gewesen ist, sieht man vielleicht auch daran, dass einige sich noch 1995 an Thurmann und Mayer erinnerten. So erzählte mir in Kipatimu der ungefähr 60 Jahre alte ehemalige Offizier Francis davon, dass ein gewisser Mayer über die Nangoma geschrieben habe, und die Einheimischen bei derNamaingo waren am ersten Tag äußerst mißtrauisch und unfreundlich, wie sich später herausstellte, weil sie Befürchtungen hegten, die Weißen würden irgendetwas im Schilde führen, und die Ausspionierung ihrer Höhlen sei nur ein erster Schritt. Sie erinnerten sich auch von selbst an den Namen Thurmanns, den sie als Thurmanni bezeichneten, und einer von ihnen kannte sogar noch die Überreste von angeblich durch Thurmanns Askaris angelegten Fallgruben, und erinnerte sich daran, dass Thurmann in Kibata gelebt habe.

3. Die Höhle als Jagdplatz und Wasserreservoir

In der Nangoma, ungefähr 200 Meter vom Eingang entfernt, fanden wir eine aufwendige Holzkonstruktion (vgl. Bild 1). Wir erfuhren, dass es sich dabei um eine Stachelschweinfalle handelte. Die Stacheln des Tieres spielen in weiten Teilen Afrikas eine bedeutende, aber mir nicht näher bekannte Rolle für Medizinmänner und Schamanen. Wir fanden sie in der nicht weit entfernten Chingya (lower cave) frei umherliegend. Die Einheimischen, die uns beim Vermessen in der Höhle begleiteten, sammelten sie fleißig auf und steckten sie sich dann in die Haare. Offensichtlich schien ihnen also etwas daran zu liegen, und wahrscheinlich wollte man sich aus gewissen Gründen nicht darauf verlassen, diese Stacheln immer nur zufällig zu finden.

Eine andere Höhle, die Wet Namaingo, dient der Bevölkerung als bis lang in die Trockenzeit hinein brauchbares Wasserreservoir. Normalerweise bedient man sich einfach an dem kleinen Bächlein, das etwas weiter hangaufwärts austritt und dann in der Höhle verschwindet. Nach und nach versiegt diese Quelle jedoch, und man muss sich ein Stück weit in die Höhle begeben. Der erste, wasserführende Teil ist aber nicht besonders lang, und somit musste man früher oder später doch noch auf die, auf der anderen Seite des Bergrückens liegendeKihangembembe-Quelle ausweichen. Mitte September 1995 hatte dieser Quelltopf eine Schüttung von ungefähr 30 Litern pro Sekunde12, die er, nach den Angaben der Einheimischen, über die gesamte Trockenzeit aufrecht erhält.

4. Metaphysische Bedeutung

Da dieser Aspekt der Höhlen wohl am meisten mit dem persönlichen Empfinden der Einheimischen verknüpft ist, war es hier auch am Schwersten Informationen zu bekommen. In einem sich zufällig ergebenden Gespräch unter vier Augen mit einem etwa 17/18 Jahre alten Einwohner von Nandete erfuhr ich jedoch soviel, dass der beeindruckende Eingang derNangoma für ihn ein Bild Gottes sei. Als ich ihn auf die zahlreichen Feuerstellen im Eingangsbereich ansprach, ließ er mich immerhin wissen, dass die Dorfbewohner, scheinbar vornehmlich jüngere Männer, sich gelegentlich dort aufhalten, um Feste zu feiern. Nun, sowas gibt es, sehr zum Ärger vieler Natur- und Höhlenschützer, auch in Deutschland, dennnoch handelt es sich dabei meiner Ansicht nach um eine andere Dimension. Während in den Industrie- und Freizeitgesellschaften Europas eher die Abenteuerlust13 oder auch die „romantischen“ Assoziationen und der lustvolle Schrecken14 beim Aufenthalt in der Höhle der Anreiz dazu sind, ist es in Tansania sicherlich eher die vermutete Manifestation des metaphysischen, die Höhle als heiliger Ort, der die Menschen dazu anregt, gerade dort bestimmte Feste zu feiern. Es ist auch bekannt, dass bei Tanga, im Norden des Landes, die Menschen Höhlen aufsuchen, um dort kleine Opfergaben zu deponieren15. Der Fund eines Tontopfes, der etwa zu zwei Dritteln im Lehmboden eines Seitenganges der Nangomasteckte, ist ein weiterer, wenn auch schwacher Hinweis auf eine sakrale Bedeutung der Höhle.

Überdies findet man in einem 1974 erschienen Artikel über Felszeichnungen in Tanzania16eine Liste dieser Felszeichnungen, in der drei von 18 Stellen mit dem Vermerk versehen sind, dass vor dem Betreten zunächst die örtliche Bevölkerung um Erlaubnis zu fragen sei. Darunter befinden sich auch die zwei der 18 Felszeichnungen, die an Höhlenwände gemalt wurden. Scheinbar verstärkt der Ort Höhle den sakralen Charakter der Zeichnungen.

Die Höhlennamen sind eher profan und zeigen keinesweg eine besondere kultische Bedeutung der Höhlen an. Den Namen der Nangoma leitete Mayer folgendermaßen her:

„Man glaubt plötzlich vor einem Portal zu stehen, dessen untere Hälfte verbarrikadiert ist von einem stehengebliebenen Stein, dessen Hinterseite in den Augen der Eingeborenen einer ngoma (Negertrommel) gleicht. Vielleicht hat von dieser den Neger besonders interessierenden Eigenheit die ganze Höhle mit ihrem Berge bzw. der ganze Berg mit seiner Höhle den Namen nangoma erhalten.“17

Der andere Höhlenname, dessen Bedeutung uns bekannt ist, der der Mampombo-Höhle. Wie uns einer unserer ortsansässigen Begleiter erzählte, sei dies der Name der Familie, die diese Höhle zuerst gefunden und gelegentlich benutzt habe, und der Familienname sei dann auf die Höhle übertragen worden. Die Namen der anderen Höhlen, so wurde mir von Abdallah Botori Mweyo (vgl. Kapitel 5) erklärt, seien einfach Namen, die keine weitere Bedeutung hätten.

5.Hoffnung auf Entwicklung durch Tourismus

5.1.Das Beispiel der Amboni Caves

Es gibt im Norden Tanzanias, in der Nähe der Küstenstadt Tanga, schon die Amboni Caves, die touristisch genutzt werden. Sie wurden ebenfalls durch die deutsch-türkische Gruppe 1994 kartiert18. Dabei stellte sich heraus, dass die Höhlen nicht, wie in so vielen Reiseführern angegeben, mehrere Kilometer lang sind, sondern eher bescheidene Dimensionen aufweisen: Amboni Cave 3B hat eine Länge von 112 m, Amboni Cave 2 von fast 900 m, und die hauptsächlich als Schauhöhle genutzte Amboni Cave 3A ist 620 m lang19. Die touristische Nutzung beschränkt sich hier auf einen befahrbaren Weg, der zu den Höhlen führt, einen offiziellen Höhlenführer und einige dauerhafte Einrichtungen im Eingangsbereich. Die Besucherzahl ist relativ klein, und in der Höhle gibt es kein elektrisches Licht, so dass ein ursprüngliches Gefühl von Höhlenbefahrung vermittelt wird.

5.2. Abdallah Botori Mweyo

Herr Mweyo wurde als Sohn eines nicht unbegüterten Bauers in der Nähe von Kipatimugeboren. Dort ging er auch zur Schule. Gerne hättte er eine weiterführende Schule besucht, da sein Vater jedoch schon eine Heirat für ihn vorgesehen hatte, war dies nicht möglich. Er bleib jedoch auch über seine Schulzeit hinaus an mehr als seinem direkten Lebenserhalt interessiert. Durch einen Zeitungsartikel über die Amboni Caves wurde sein Augenmerk auf die Höhlen in der Nachbarschaft Kipatimus gelenkt, und er versuchte darüber so viel Informationen wie möglich zu erlangen. Im Jahr 1985 schrieb er das erste Mal an das zuständige Ministerium, und ersuchte um Experten, die die Höhlen bearbeiten sollten, damit später eine touristische Nutzung der Höhlen erfolgen könnte. Davon erhofft er sich auch heute noch einen allgemeinen Aufschwung für die ganze Region.

Bei der zweiten der oben erwähnten Forschungsreisen stellte sich uns Herr Mweyo nach einigen Tagen vor. Danach war er uns eine wertvolle Hilfe beim Aufffinden einiger neuer Höhlen, wie den beiden Namaingo– und den beiden Chingya-Höhlen und durch seine immerhin ausreichenden Englischkenntnisse, bei der Verständigung mit den Einheimischen.

5.3. Pläne des Antiquities Unit

Der Leiter des Antiquities Unit, Dr. Waane, stand beiden Forschungsreisen aufgeschlossen und hilfreich zur Seite, wofür ihm an dieser Stelle nochmals gedankt sei. Selbstverständlich wurden ihm die jeweiligen Ergebnisse mitgeteilt. In einem Brief vom 1.12.1995 berichtete Dr. Waane dem Verfasser dann die aufgrund dieser Ergebnisse geplanten Schritte:

  • „Die Höhlen in dem Gebiet zu kartieren um verläßliche Karten über ihre Ausdehnung zu besitzen. (Dies wurde mit der Hilfe von Mr. Laumanns bewerkstelligt)
  • Maßnahmen einzuleiten, um das Gebiet unter den Schutz des „Antiquities Act“ von 1964 zu stellen
  • Touristen zu ermutigen, die Höhlen zu besuchen, und weiter zu erforschen.
  • Den Tanzania Tourist Board und die Tanzania Tourist Division anzuhalten diese Höhlen in den für den südlichen Bereich des Gesamtplanes für Tourismus in Tanzania geplanten Maßnahmen aufzunehmen, und anderweitig zu unterstützen.“20

Eine pessimistische Sicht dieser vagen Vorhaben lässt wahrscheinlich nicht mehr als die Erwähnung der Höhlen in irgendeinem Prospekt zu. Die schwer zugängliche Lage der Höhlen, und ihre vergleichsweise Schlichtheit, wird voraussichtlich kaum Besucher anziehen. Auch die Unterschutzstellung wird außer beschriebenem Papier wohl kaum Auswirkungen haben.

Selbst Optimisten können von diesen Aussagen wohl kaum auf die von Herrn Mweyo erhoffte Verbesserung der Anbindung Kipatimus an die Straße Dar-es-Salaam – Kilwa oder an dasSelous Game Reserve schließen, geschweige denn auf die touristische Vermarktung von ein oder zwei der Höhlen und die strenge Überwachung der Unterschutzstellung der übrigen Objekte. Alles was Geld kostet, wird dort vorerst wahrscheinlich unterbleiben.

Der umstrittene Ausgang21 der Präsidentenwahlen vom 29.10.1995 wird die schon vorher schwierige wirtschaftliche Lage22 nicht gerade verbessern. Im Gegenteil, die nun auftretenden Zweifel an der Stabilität der tansanianischen Gesellschaft23, werden ausländische Investoren, die gerade bei der eben erst angelaufenen großangelegten Privatisierung dringend gebraucht würden, eher abschrecken. Die Transportprobleme eines kleinen Dorfes in einer abgelegenen Provinz rangieren jetzt ganz weit unten.

Die Mitte der 70er Jahre in Tansania einsetzende Tendenz, von der auf Verkauf auf die auf Selbstversorgung ausgerichtete Landwirtschaft umzuschwenken, und die weitaus einfacheren Möglichkeiten der näher am städtischen Zentrum Dar-es-Salaam gelegenen Landwirte, den Schwarzmarkt zu beliefern24, wird die Notwendigkeit eines zweiten Erwerbszweiges, neben der Landwirtschaft, in Kipatimu aber noch erhöhen.

6. Schlußbemerkungen

Gerade als dieser Beitrag fertiggestellt war, erschien in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ein Bericht über den mit Hilfe der Europäischen Union erstellten Tourismus – Gesamtplan. Dort heißt es: „In den nördlichen Nationalparks entstehen jetzt für umgerechnet 50 Millionen Mark drei Lodges und ein Zeltcamp. Auf Sansibar wird ein neues Hotel gebaut. Zudem verhandelt das Tanzania Tourist Board mit mehreren internationalen Gruppen über den weiteren Bau von Hotels in Daressalam.“25 Der Süden liegt offensichtlich nicht im Blickfeld der Planer.

Meinen besonderen Dank möchte ich an dieser Stelle nochmals den Menschen aussprechen, die die Erstellung dieses Artikels ermöglicht haben: Michael Laumanns für die Organisation der Reise und verschiedene wertvolle Informationen, Herrn Mweyo für zahlreiche Hinweise und Anmerkungen, Roger Schuster für die kritische Durchsicht des Manuskripts, dem Personal des Stadtarchivs Lippstadt und Frau Christa Thurmann für die freundliche Hilfe, Daniel Gebauer für das Überlassen der Pläne und Herrn Dr. S.A.C. Waane für die bereitwillige Auskunft.

Fußnoten

  1. Laumanns, Michael: Tansania 1994, deutsch- türkische Expedition zu den Matumbi Hills und nach Tanga, in: Mitteilungen des Verbandes der deutschen Höhlen- und Karstforscher, Jahrg. 41, Heft 4/1991, S. 86- 94
  2. Laumanns, Michael: Tansania 1995. Deutsch- italienische Expedition in die Matumbi Hills, in: Mitteilungen des Verbandes der deutschen Höhlen- und Karstforscher, Jahrg. 42, Heft 1/1996, S. 2- 9
  3. vgl. Deutsches Kolonialblatt, Jahrg. 18, Nr. 18, 15.9.1907, S. 882
  4. vgl. Deutsches Kolonialblatt, Jahrg. 21, Nr. 15, 1.8.1910, S. 688
  5. vgl. Deutsches Kolonialblatt, Jahrg. 24, Nr. 23, 1.12.1913, S. 1027
  6. vgl. Deutsches Kolonialblatt, Jahrg. 25, Nr. 6, 15.3.1914, S. 216
  7. So zu lesen im Militärpaß von Wilhelm Thurmann, der sich im Band 2 der Stammtafeln des Dr. Erich Thurmann befindet
  8. Mayer, Ambros: Entdeckung einer großen Höhle in den Matumbi- Bergen, in: Deutsches Kolonialblatt, Nr. 21/ 1910, S. 654- 656, S. 654
  9. ebd., S. 656
  10. Thurmann: Weitere Höhlenforschungen in Deutsch- Ostafrica, in: Deutsches Kolonialblatt, Nr. 22/1911, S. 660- 661
  11. Mayer, Ambros: a.a.O., S. 654
  12. Schätzung durch Daniel Gebauer
  13. vgl. Cube, Felix von: Gefährliche Sicherheit. Verhaltensbiologie des Risikos, München u. Zürich 1990
  14. vgl. Röder, Sabine: Hinab in den Orkus, in: Luttringer, Klaus (Hrsg.): Zeit der Höhlen, Freiburg 1994, S. 57- 87
  15. Laumanns, Michael: a.a.O., 1994, S. 99
  16. Raa, Eric ten: A Record of some Pre- Historic and some recent Sandawe Rockpaintings, in: Tanzania Notes And Records, No. 75, 1974, p. 9- 27
  17. Mayer, Ambros: a.a.O., S. 655
  18. vgl. Laumanns, Michael: a.a.O., 1994
  19. vgl. Laumanns, Michael: Recent Explorations in the Caves of the Matumbi Hills & Tanga, Tanzania, in: The International Caver, Heft 11/ 1994, S. 29- 37, S. 34
  20. Brief von Dr. Waane, Direktor der Antiquities Unit des Ministry of Education and Culture, P.O.Box 2280, Dar- es- Salaam, Ref.- Nr.: UTV/DMK/3046/57 vom 1.12.1995 an Peter Marwan (Übersetzung durch den Verfasser)
  21. Birnbaum, Michael: Zurechtgebogen, nachgewählt, neu gezählt, in: Süddeutsche Zeitung, 24.11.1995, S. 4
  22. Birnbaum, Michael: Herrschen mit Hammer und Harke, in: Süddeutsche Zeitung, 27.10.1995, S. 3
  23. „Ethnicity and…“, in: The Economist, 11.11.1995, S. 56
  24. Lynch, Kenneth: Urban Fruit and Vegetable Supply in Dar es Salaam, in: The Geographical Journal, Jahrg. 160, Nr. 3/1994, S. 307- 318, S. 307- 308
  25. Frankfurter Allgemeine Zeitung: Ausbau in Tansania, 18.1.1996, S. 11 der Reisebeilage