Die „Schatzkammerhöhle“, wie es weiterging

Kurze Übersicht über die bisherigen Maßnahmen zum Schutz der Höhle.

Nach div. Telefongesprächen fand am 19.01.99 eine Ortsbesichtigung im Steinbruch statt, bei der zwei Mann von der Geschäftsleitung des Steinbruchs, der Bürgermeister der betroffenen Gemeinde, mehrere Leute vom Landratsamt, Dr. Schloz vom geologischen Landesamt (GLA) BaWü und zwei Vertreter der Höhlenkundlichen Arbeitsgemeinschaft Rosenstein / Heubach e.V. (Novak, Schuster) anwesend waren. Der gleichfalls geladene Vertreter des Landesverbandes für Höhlen- und Karstforschung e.V. konnte leider nicht teilnehmen. Obwohl die Heubacher Höfos schon 20 min. vor dem avisierten Termin am Schauplatz eintrafen, waren die anderen Teilnehmer noch früher da und hatten bereits in kleinen Grüppchen die Höhle befahren. Dadurch war der Anfang des „Meetings“ etwas unkoordiniert, trotzdem verlief das Gespräch dann aus Sicht des Höhlenschutzes sehr befriedigend.

Der Steinbruchbetrieb hat die Grenzen seines „Claims“ schon fast überall erreicht. Der weitere Vortrieb kann nur noch in einer Richtung erfolgen, d.h. die Abbaufront entfernt sich sogar wieder von der Höhle, so dass auch die Geschäftsleitung recht gute Chancen sieht, die Höhle zu schonen. Nach der Höhlenbefahrung äußerten sich sowohl die Repräsentanten der Naturschutzbehörde als auch des GLA positiv über den Wert der Höhle, die aufgrund ihres Sinterschmucks nicht alltäglich für die Region ist. Die Entscheidung, ob die Höhle als Naturdenkmal ausgewiesen werden kann/ muß, steht aber noch aus. Dr. Schloz pflichtete meiner Auffassung bei, dass eine radiometrische Altersbestimmung der beiden Tropfsteingenerationen erfolgen sollte und empfahl deshalb wenigstens die zeitweilige Erhaltung der Höhle, damit die weitere Dokumentation durchgeführt werden kann. Um die Schatzkammerhöhle vor dem Zugriff von Mineraliensammlern zu schützen und um die Luftdetonationen der Sprengungen abzudämmen, wird der Eingang erst einmal mit großen Blöcken zugeschoben, worum sich der Steinbruchbetreiber kümmern wird. Sobald der Abbau etwas weiter vom Loch weggewandert ist und das weitere Forschungsprogramm „steht“, wird die Höhle wieder aufgebuddelt und die nötigen abschließenden Arbeiten durchgeführt. Mit diesem provisorischen Maßnahmenkatalog konnten sich schließlich alle Anwesenden anfreunden.

Einen ziemlich bitteren Nachgeschmack hatte der Ortstermin aber dennoch. Es stellte sich heraus, dass am letzten Wochenende Mineraliensammler die Höhle gefunden haben müssen und so sah es darin auch aus. Der schöne Stalagmit am Eingang- spurlos verschollen. Die Säule rechts- plattgemacht. Die fast meterlangen Stalaktiten und Teile der glasklaren Sinterfahne- von der Decke geschlagen oder mit Steinen heruntergeworfen. Die „Tannenzapfen- Stalaktiten“ ganz hinten- es war einmal. Das war einer jener Augenblicke, an denen sich im Gehirn des Höhlenforschers fiese, aber herzerfrischende Folter- Phantasien abspielen.

Der Verschluß der Höhle mit Steinen soll Anfang nächster Woche stattfinden. Um aber am kommenden Wochenende weitere Besuche von Randalierern und Mineraliensammlern zu verhindern, werden Mitglieder der Arge Rosenstein den Höhleneingang bewachen; der Besitzer stattete uns mit den nötigen Vollmachten hierfür aus. Das auch als Warnung an die Horden von schwarzen Schafen, die diese eventuell diese Webseite lesen… 🙂

Sprengarbeiten im Steinbruch: Inwiefern die von den Sprengungen angeregten elastischen Wellen eine Gefahr für den Sinter darstellen, konnte uns auch der Sprengtechniker des Steinbruchs nicht sicher sagen. Bei der Entdeckung der aufgesprengten Höhle war der Sinter jedenfalls noch *völlig* intakt. Die hintere Sinterwand weist einen Querbruch auf, der jedoch vollständig mit Calcit verheilt ist und deshalb sicher ein höheres Alter aufweist, d.h. schwerlich anthropogen bedingt ist. Der Betrieb hat uns aber vorsichtshalber versprochen, die Höhe der Abbausäulen und damit die Dosis des Sprengstoffs zu verkleinern.

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Die „Schatzkammerhöhle“, ein akut gefährdeter Karsthohlraum

Vorbemerkung: Das nachfolgende Dokument stellt die leicht gekürzte Fassung des Dossiers dar, das dem Amt für Naturschutz im Landratsamt Ostalbkreis sowie dem Arbeitskreis Naturschutz Ostwürttemberg am 04.01.1999 vorgelegt worden ist. Wir bitten alle Höhlenforscher, die bereits Erfahrungen mit Höhlenschutzprojekten in Steinbrüchen gesammelt haben, um Informationsaustausch.

Am 02.01.1999 entdeckten Mitglieder der Höhlenkundlichen Arbeitsgemeinschaft Rosenstein / Heubach e.V. im Steinbruch am [Lageangabe gelöscht] eine neue Höhle, die nach Ansicht der Bearbeiter eine in der Umgebung einzigartige Naturbildung darstellt, deren Erhalt sichergestellt werden muß. Die Gründe werden nachfolgend dargelegt.

Lage:

[Lageangaben aus Höhlenschutzgründen gelöscht]

Beschreibung:

Das sieben Meter breite und rund zwei Meter hohe Portal der Höhle ist größtenteils mit Erde und Sprengschutt zugeschoben, so dass zwischen der Oberkante des Schutthaufens und dem First der Höhle nur noch rund ein Meter Raum verbleibt. Man muß deshalb von der Abbausohle zunächst einen Erdhügel von etwa drei Metern Höhe erklimmen, um in die Höhle zu gelangen. Im Innern der Höhle fällt der künstlich angehäufte Boden rasch ab, so dass nach wenigen Metern bereits Raumhöhen von bis zu vier Metern erreicht werden. Die Höhle besteht im wesentlichen aus einem hallenartigen Raum von zehn auf sieben Metern Grundfläche, der durch drei große Versturzblöcke sowie Tropfsteine zweigeteilt ist.

Bereits im Eingangsbereich ragen zahlreiche Stalagmiten von bis zu einem Meter Höhe aus dem künstlich aufgeschütteten Sediment. Nahe der südlichen Wand steht auch eine filigrane Tropfsteinsäule von beinahe zwei Metern Höhe. Die großen Versturzblöcke sind fast vollständig mit weißen Tropfsteinvorhängen überzogen, aus denen wiederum etliche Kerzenstalagmiten emporragen. Über den Versturzblöcken ist der First ausgebissen und die Raumhöhe weitet sich auf bis zu vier Meter. Zahlreiche weiße Stalaktiten und glasartig- durchsichtige Sinterfahnen verzieren in diesem Bereich die Decke. Die nördliche Wand ist vor den Versturzblöcken großflächig versintert und auch die natürliche Höhlensohle besteht aus einer bis zu 20 cm mächtigen Sinterplatte.

Die Versturzblöcke können vorsichtig an der Südseite passiert werden, was wegen der großflächigen Versinterung mit viel Umsicht geschehen muß. Im hinteren Raumteil weitet sich die Höhle nach einem kleinen Wandaufschwung alkovenartig. Eine „Tropfsteinorgel“ sowie Tannenzapfen- Stalaktiten und Knöpfchensinter schmücken diesen Abschnitt der Höhle. Höhepunkt sind aber zweifellos drei durchsichtige Tropfsteinfahnen.

Dokumentation:

Die Höhle wurde am 02.01.1999 entdeckt und am gleichen sowie am darauffolgenden Tag bearbeitet. Die Daten für einen Höhlenplan im Maßstab 1:100 (Grundriß und zwei Profile) wurden eingemessen und der Höhleninhalt auf ca. 50 Diapositiven festgehalten. Des weiteren wurde die biologische und geologische Situation beurteilt. Eine Kopie des Zeichnungsentwurfs ist beigefügt, da die Reinzeichnung noch nicht fertiggestellt werden konnte.

Name:

Nach den Richtlinien des Internationalen Speläologen- Verbandes liegt das „Taufrecht“ bei den Entdeckern der Höhle. Diese einigten sich darauf, die Höhle wegen der Vielfalt an Tropfsteinformen unter dem Namen „Schatzkammerhöhle“ in ihren Unterlagen zu führen und im Höhlenkataster Schwäbische Alb einzutragen.

Geologie:

Die Höhle liegt wenige Meter über der Glaukonitbank, einem wichtigen stratigraphischen Horizont im Oberen Jura Südwestdeutschlands. Somit liegt der Hohlraum vollständig im Malm δ 4 (Mittelkimmeridge- Kalke), und zwar in der Schichtfazies.

Bemerkenswert sind die großen Versturzblöcke in der Höhle, die mit flächenhaftem Wandsinter überzogen sind. Der schräge Verlauf des Sinters zeigt an, dass die Versturzblöcke nach der Versinterung gekippt sind. Die darauf stehenden Stalagmiten sind jedoch senkrecht, was anzeigt, dass nach der Kippung eine jüngere Tropfsteingeneration auf der älteren gewachsen ist. Das Kippen der Blöcke könnte der Indikator für ein paläoseismisches Ereignis sein, dessen Auftreten innerhalb der Erdgeschichte mittels radiometrischer Untersuchungen an den beiden Tropfsteingenerationen zeitlich eingegrenzt werden könnte.

Biologie:

Mehrere Exemplare der Zackeneule (Scoliopterix libatrix) wurden festgestellt, ebenso einige Weberknechte (Opilionidae). Außerdem fanden sich an zwei Stellen Kotreste eines größeren Säugetiers. Dies zeigt an, dass trotz der kurzen Zeitspanne, vor der die Höhle beim Abbau des Gesteins angeschnitten und geöffnet worden ist, bereits eine Zuwanderung troglophiler Tierarten und die Besiedlung der Höhle begonnen hat.

Forderung nach Höhlenschutz:

Die Höhle weist einen Reichtum an Tropfsteinen auf, der in der ganzen Region einzigartig ist. Porzellanartig- durchscheinende Stalagmiten und glasklare Sinterfahnen können in keiner anderen Höhle des Blattes [gelöscht] gefunden werden. Auf die Möglichkeit, erdgeschichtliche Ereignisse anhand der Tropfsteine zu datieren, wurde schon hingewiesen.

dass durch den Anschnitt der Höhle ein neuer Biotop geschaffen wurde, haben die Bearbeiter ebenfalls aufgezeigt. Es besteht die gute Chance, dass auch die vom Aussterben bedrohten Fledermäuse im Laufe der Zeit die Höhle als Winterquartier akzeptieren werden. In einer Höhle in einem anderen Teil des Steinbruchs, wurden im Winter 1998/99 Fledermäuse gefunden. Der Lärm der Maschinen und der Sprengungen scheint die Tiere also nicht zu stören.

Aus diesen Gründen ist es notwendig, die Höhle in einem möglichst naturnahen Zustand zu erhalten. Dazu gehört als erster Schritt die rechtliche Unterschutzstellung, um zu verhindern, dass die Höhle zu Straßenschotter verarbeitet wird. Wie die Sinterreste an der Felswand vor der Höhle anzeigen, wurden bereits mindestens zehn Meter des Hohlraums abgebaut!

Als nächste Sicherungsmaßnahme müßte sowohl das Höhlenklima wiederhergestellt und die Höhle vor dem Zugriff von Touristen und Tropfsteindieben geschützt werden. Durch den künstlich gesprengten Eingang dringt die trockene Tagluft bis in die hintersten Höhlenteile vor, d.h. die Tropfsteinformationen trocknen aus und hören auf zu wachsen. Das bis weit nach hinten einfallende Tageslicht wird bald Algenschleier auf den Wänden gedeihen lassen, was die Tropfsteine ebenfalls zerstört. Außerdem wurden bereits jetzt Tropfsteine mit Hämmern abgeschlagen sowie mit schmutzigen Stiefeln zertreten.

Beide Sicherungsmaßnahmen könnten dadurch erreicht werden, indem zunächst die eingeschobene Erde wieder abgegraben wird. Dann sollte im Eingang eine Mauer hochgezogen werden, die intensive Luftzirkulation, Lichteinfall sowie Tourismus verhindert. Damit aber die Besiedlung des Biotops durch Tiere weiterhin vollzogen werden kann, empfehlen wir die Anbringung eines ca. einen auf einen Meter messenden Gitters mit waagrechten Stäben von jeweils zehn Zentimetern Abstand. Dann können Fledermäuse ungehindert einfliegen. Eventuell sollte das Gitter nicht starr, sondern mit Scharnier und Schloß eingebaut werden, damit eine Betreuung des Biotops durch Höhlen- und Fledermausforscher erfolgen kann.

Wie es bisher mit dem Schutz der Höhle weiterging

Das war Heroldstatt!

Ein nicht ganz ernst gemeinter Bericht über „Speläo-Südwest“

Am Wochenende 23. bis 25. Oktober 1998 fand in Heroldstatt- Sontheim (das bei Blaubeuren, wo die Sontheimer Höhle liegt) die Tagung „Speläo- Südwest“ statt, die von fünf Mitgliedern der Arge Rosenstein besucht, oder besser: heimgesucht (zumindest aus der Perspektive von Michaels Parkplatznachbarn, gelle?) wurde.

Nach der fröhlichen und aufgrund diverser Um- und Irrwege etwas verlängerten Anfahrt von Michael, Jürgen, Peter und mir, trafen wir am Freitag Abend um 21 Uhr am Tagungsbüro zum „Check- in“ ein.

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Gedenken an Alfred Bögli

Prof. Dr. Alfred Bögli, eine der Leitfiguren der Höhlen- und Karstforschung, ist am 11. Februar 1998 im Alter von 86 Jahren verstorben. Seine Ideen, Beiträge und Untersuchungen zur Karst- und Höhlenkunde brachten die wissenschaftliche Forschung erheblich voran und ermöglichten den Weg zu einem besseren Verständnis der höhlenbildenden Vorgänge.

Besonders zu nennen ist dabei seine Entdeckung der Mischungskorrosion im Jahre 1963. Der Wirkungsgrad der Korrosion war lange Zeit heftig umstritten, da man davon ausging, daß das eindringende Wasser bald gesättigt und zur Korrosion kaum mehr fähig sei. Böglis Erkenntnisse über die Mischungskorrosion brachten hier ganz neue Anstöße.

Auch mit der Erforschung des Höllochs im Muotatal wird der Name Böglis für immer verbunden sein, deren Initiator und Motor er über Jahrzehnte hinweg gewesen ist.

Alfred Bögli wurde 1912 in Bern geboren, studierte an den Universitäten Bern und Fribourg und promovierte 1939. Seinen ersten Lehrauftrag für Karst- und Karsthydrographie erhielt er 1965 an der Universität Frankfurt am Main, erst nach seinen ersten aufsehenerregenden Veröffentlichungen.

Um sein Andenken zu ehren, und seine Arbeit zu würdigen, soll anschließend eine Auswahl seiner Arbeiten bibliographisch aufgeführt werden. Sie stehen zum größten Teil auch in der Vereinsbibliothek und können dort natürlich eingesehen oder ausgeliehen werden.

 

Werke und Aufsätze von Alfred Bögli

  1. Probleme der Karrenbildung, in: Geographica Helvetica 6, 1951, S. 191-204
  2. Karsthydrographische Untersuchungen im Muotatal, in: Regio Basiliensis 1, 1959/60, S. 68-79
  3. Der Chemismus des Lösungsprozesses und der Einfluß der Gesteinsbeschaffenheit auf die Entwicklung des Karstes, I.G.U.-Report, Comm. Karst Phenomena, New York 1956, S. 7-17
  4. Die Phasen der Kalklösung, in: Geographica Helvetica 12, 1957, S. 244-245
  5. Kalklösung und Karrenbildung, in: Zeitschrift für Geomorphologie, Suppl.- Bd. 2, 1960, S. 4-21
  6. Karrentische, ein Beitrag zur Karstmorphologie, in: Zeitschrift für Geomorphologie, Neue Folge 5, 1961, S. 185-193
  7. Un exemple de complexe glacio-karstique: Le „Schichtrippenkarst“, in: Revue Belge Geographique, No. spec., Karst et climat froid, Brüssel 1964
  8. Mischungskorrosion, ein Beitrag zum Verkarstungsproblem, in: Erdkunde 18, 1964, S. 83-92
  9. Leuchtende Finsternis, Bern 1965 (zusammen mit H.W. Franke)
  10. Karstwasserfläche und unterirdische Karstwasserniveaus, in: Erdkunde 20, 1966, S. 11-19
  11. Präglazial und Präglaziale Verkarstung im hinteren Muotatal, in: Regio Basiliensis 9, 1968, S. 135-153
  12. Neue Anschauungen über die Rolle von Schichtfugen und Klüften in der karsthydrographischen Entwicklung, in: Geologische Rundschau 58, 1969, S. 395-408
  13. Das Hölloch und sein Karst, in: Stalactite, Suppl. 4a, Neuchâtel 1970
  14. Kalkabtrag in den nördlichen Kalkalpen, in: Actes du 4 Congrès national de spéléologie, Neuchâtel 1970, und Stalactite, Suppl. 6a, Neuchâtel 1971
  15. Karsthydrographie und physische Speläologie, Berlin 1978 (Springer)

Nachträge zur Mineralogie der Todsburger Höhle (Kat.- Nr. 7423/11), Schwäbische Alb

Vorbemerkung

Der vorliegende Artikel war ursprünglich als Nachtrag zu bereits veröffentlichten mineralogischen Untersuchungen (SCHUSTER 1992) in der Todsburger Höhle geplant. Er basiert auf Geländearbeiten, die schon im Sommer 1992 durchgeführt und zur Veröffentlichung in einer süddeutschen karstkundlichen Schriftenreihe eingereicht worden waren. Diese Zeitschrift ist jedoch nie erschienen und um zu verhindern, dass die gewonnenen Erkenntnisse verloren gehen, legt der Verfasser den Bericht nun hier der Öffentlichkeit vor. Leider fielen die Originale der beiden Infrarot- Spektren, auf die im Text bezug genommen wird, der Redaktion jener ursprünglichen Zeitschrift zum Opfer und können nicht mehr ohne weiteres rekonstruiert werden. Der Text enthält jedoch glücklicherweise eine schriftliche Auswertung, so dass der Verlust verschmerzbar ist.

Zum besseren Verständnis werden außerdem einige Hinweise aus dem bereits publizierten ersten Teil (SCHUSTER 1992) kurz wiederholt.

1. Einleitung

1990 und 1991 waren aus der Todsburger Höhle Mineralproben entnommen und analysiert worden. Besonders musste ein Mineralgemenge hervorgehoben werden, das in Form eines schwarzen, pastösen Überzuges an einer Stelle der Höhle auf der Bodensinterschicht aufsitzt. Naßchemische Untersuchungen wiesen in diesem Gemenge Calcit und Eisenoxidhydrate nach. Dazu kommen unlösliche Bestandteile, die zunächst als Quarz und Korund angesprochen wurden, mengenmäßig jedoch nicht mehr quantifiziert werden konnten.

Mit rund 37 % stellen organische Stoffe unbekannter Zusammensetzung einen weiteren erheblichen Massenanteil dar. In der Anhand der Analyse hergeleiteten Theorie zur Entstehung dieses Mineralgemischs, spielt die organische Komponente eine zentrale Rolle, nach der dreiwertiges Eisen durch diese Substanzen zu einer zweiwertigen, wasserlöslichen Form reduziert wurde (SCHUSTER 1992).

Am 18.07.1992 zogen M. Feth und der Verfasser in der Todsburger Höhle letztmalig eine kleine Probe der mineralischen Substanz. Die Ergebnisse der Auswertung vermögen einige der Lücken zu schließen und auch die Entstehungstheorie kann an einigen Punkten verfeinert werden.

2. Entnahmepunkt

Die Fundstelle des Mineralgemenges liegt in einem der niedrigen Seitenteile, die den Hauptgang der Todsburger Höhle über weite Strecken begleiten. Etwa auf der Höhe der ersten Wasserpfütze nach der Eingangshalle, kann man rechts (S) in eine solche nischenartige Seitenpassage hineinschlufen, die sich auf einer Querkluft entwickelt hat. Hier überzieht der schwarze Belag mehrere Quadratmeter Bodenfläche.

Im ersten Augenblick wurde dieser Überzug spontan als Fackelruß interpretiert, jedoch nach der Überlegung, warum das Material nur den Boden bedeckt, die Decke aber sauber ist, wurde die Neugier der Bearbeiter geweckt und Probensubstanz entnommen.

3. Labormethoden

3.1. Frühere Untersuchungen

1991 wurden bereits Tests durchgeführt und deren Ergebnisse als erster Zwischenbericht 1992 von SCHUSTER publiziert. Dabei stellte sich heraus, dass ein großer prozentualer Anteil der Probenmasse in Mineralsäuren löslich ist. In der Lösung wurde Calcium durch komplexometrische Titration bestimmt, dreiwertiges Eisen durch Spektralphotometrie und gleichfalls komplexometrisch der Versuch geführt, Magnesium nachzuweisen. Letzteres verlief negativ. Die Titrationstechniken sind in A.A. (o.J.) detailliert beschrieben.

Die schwarzen, farbgebenden Massen jedoch stellten sich als säureunlöslich heraus und wurden zur Weiterverarbeitung abfiltriert und bei rd. 900°C und Zutritt von Luftsauerstoff geglüht. Die Rückstände verflüchtigten sich dabei fast vollständig und zurück blieben kleine Mengen weißer und hellgrauer Mineralkörnchen mit z.T. großer Härte. Daraus folgt, dass die schwarze Substanz offensichtlich eine Kohlenstoffverbindung organischer Natur ist.

Aufgrund der Tatsache, dass die Probe Eisen enthält, das in seiner vorliegenden, dreiwertigen Form sehr schwer in Wasser löslich ist und also ein spezieller Transportmechanismus vorgelegen haben muss, damit das Eisen dennoch in das Höhlensediment gelangen konnte, wurde darüber nachgedacht, ob ein Zusammenhang mit der organischen Substanz bestehen könnte. Die späteren Untersuchungen, die der eigentliche Bestandteil dieses Aufsatzes sind, scheinen dies zu belegen.

3.2. Aktuelle Untersuchungen

Um detaillierten Aufschluß über den Mineralbestand in der Probe zu erhalten, fiel die Wahl des Analysenverfahrens auf die infrarotspektroskopische Standardmethode für Feststoffe.

Die z.T. chemisch aufbereiteten Proben, bei rd. 100°C getrocknet, wurden jeweils mit einem etwa zehnfachen Massenüberschuß von trockenem Kaliumbromid p.a. in einer hydraulischen Presse unter Vakuum zu klaren Tabletten verdichtet. Diese Preßlinge konnten dann teilweise in herkömmlichen IR-Spektrometern durchgemessen werden, wozu die erhaltenen Spektren manuell auf Übereinstimmung mit Vergleichsspektren von Reinsubstanzen geprüft wurden; teilweise war es auch möglich, die Probanden auf dem Laser-IR aufzuscannen und die Transmissionskurven per Computerdatenbank automatisch mit Vergleichsmaterial zu überlagern.

Zur Feinuntersuchung der organischen Stoffe, wobei besonderes Interesse dem Nachweis funktioneller Gruppen galt, die Eisenverbindungen reduzieren können, kam versuchsweise die Dünnschichtchromatographie zum Einsatz.

Als Elutionsmittel kamen drei verschiedene Gemische mit unterschiedlich ausgeprägter Polarität zur Anwendung:

  • Toluol/ Ethanol/ Ammoniak- Gemisch
  • Toluol/ Ameisensäure/ Diethylether- Gemisch
  • Petrolether/ Diethylether- Gemisch

Nachdem die Proben auf die DC- Platten aufgetragen waren, ließ man im Entwicklungstank, z.T. mehrmals, das Fließmittel bis knapp unter die Oberkante aufsteigen und nach dem Trocknen wurden die Chromatogramme zur Detektion der evtl. vorhandenen Spots mit den Sprühreagenzien Platinat, Ninhydrin, Echtblau B und Diethylaminobenzaldehyd behandelt (TREIBER 1984).

Eine Identifizierung einzelner Verbindungen ist nach dieser Methode unmöglich, jedoch konnte prinzipiell durch die unterschiedlichen Rf– Werte eine Auftrennung in verschiedene Substanzzonen erwartet werden, in denen sich funktionelle Gruppen besser als in der Mischung, mit ihren sich gegenseitig störenden Komponenten, nachweisen lassen.

4. Ergebnisse

4.1. Auswertung der IR-Spektrogramme

Es wurde zunächst von einer unbehandelten Probe ein Spektrogramm aufgezeichnet, das die Werte der IR- Transmission gegenüber der Wellenzahl (cm-1) wiedergibt. Schon die chemische Analyse hatte für Calcit einen Massenanteil von knapp zwei Dritteln in der Mineralmischung ausgewiesen (SCHUSTER 1992: 70); dieser Sachverhalt findet im Spektrum seinen Niederschlag in Form der sehr intensiven Absorptionsbanden des Calciumcarbonats.

Als charakteristisch sind die Peaks bei den Wellenzahlen 3400 cm-1, 2900 cm-1, 2500 cm-1, 1790 cm-1, 870 cm-1, 710 cm-1 und ganz besonders bei 1430 cm-1 hervorzuheben. Damit wird unverkennbar Calcit angezeigt.

Daneben tritt jedoch auch Absorption im Bereich 3500- 3700 cm-1 und vor allem bei 1040 cm-1 auf, die nicht dem Kalkspat zuzuschreiben ist.

Da die CaCO3– Banden die übrigen Peaks zu stark überdecken, wurde in einer weiteren Probe der Calcitanteil durch milde Säurebehandlung entfernt und nur der unlösliche Rückstand spektroskopiert. Das hieraus resultierende Spektrum konnte in der Mehrheit aller Punkte mit einem Vergleichsspektrum des SiO2 (Quarzsand) aus der Datenbank in Einklang gebracht werden. Als Charakteristika gelten die Peaks bei 3500 cm-1, 2950 cm-1, 2880 cm-1(schwach ausgeprägt), 2350 cm-1, 1650 cm-1 1040 cm-1 (hier handelt es sich um den sehr intensiven Peak, der auch im Spektrum der unbehandelten Probe auftritt) und 700 cm-1. Damit ist das bereits vermutete Vorkommen von Quarz gesichert.

Allerdings treten im Verlauf der Spektralkurve der Probe zusätzliche Peaks auf, die sich im Quarz- Vergleichsspektrum nicht wiederfinden lassen. Es handelt sich um die Absorptionslinien bei 3700 cm-1, 3600 cm-1, 900 cm-1 und 800 cm-1. Durch ein entsprechendes Vergleichsspektrum konnte damit darüber hinaus noch Kaolinit identifiziert werden.

4.2. Auswertung der Dünnschichtchromatogramme

Die in die Dünnschichtchromatographie gesetzten Erwartungen haben sich nicht erfüllt. Der Versuch, die organischen Komponenten aus der Probe abzutrennen und über Dünnschichtchromatographie weiter aufzuschließen, scheiterte an deren mangelhaften bzw. fehlenden Löslichkeit in den benutzten Elutionsmitteln. Darum brachte auch die Behandlung der entwickelten Platten mit Sprühreagenzien keine positiven Resultate.

5. Diskussion

Die IR-Spektroskopie konnte die Zusammensetzung der anorganischen, mineralischen Komponenten des Mineralaggregats, wie diese bereits aus den chemischen Analysenergebnissen schlußfolgert worden war, in praktisch allen Punkten bestätigen.

Während das Vorhandensein von Calcit schon nach der naßchemischen Untersuchung feststand, brachte erst die Spektralanalytik den gesicherten Quarz- Nachweis. Dieses Mineral war bislang nur aufgrund von extrem hitze- und säurebeständigen Kristallen, die in der Probe gefunden worden waren, vermutet worden. Dagegen stellte sich der Verdacht, dass auch Al2O3 mit enthalten sein könnte, als Irrtum heraus. Die IR- Spektroskopie lieferte keinerlei Anzeichen für Korund, dafür aber eindeutig für Kaolinit.

Kaolinit ist ein Vertreter der Tonminerale, ein Zweischichtsilikat mit der Zusammensetzung Al2Si2O5(OH)4. Es geht z.B. aus der Verwitterung von Feldspat hervor, wobei dieser Abbauprozeß in zwei Stufen abläuft:

Zunächst erfolgt durch die Einwirkung von Hydroxoniumionen die sogenannte „Entbasung“:

2 KAlSi3O8 + 2 H3O+ —> 2 HAlSi3O8 + 2 H2O + 2 K+

Durch Wasseranlagerung entstehen Kaolinit und Kieselsäure.

2 HAlSi3O8 + 5 H2O —> Al2Si2O5(OH)4 + 4 H2SiO3

Indes gilt es die Abhängigkeit der Löslichkeit von SiO2 und Al3+ vom pH- Wert zu beachten (Abb. 1). Im pH- Bereich 5- 9 liegt unlösliches Al(OH)3 vor, das bei Prozessen innerhalb dieser Grenzen der Mineralneubildung somit nicht zur Verfügung steht. Bei pH < 5 geht Al3+als Hexaquokomplex in Lösung, bei pH > 9 geht es in den löslichen Tetrahydroxoaluminat- Komplex über.

Löslichkeitskurven

Die Löslichkeit des SiO2 nimmt dagegen mit steigendem pH-Wert annähernd linear zu. Daher entstehen Si-ärmere Zweischichtsilikate wie Kaolinit bevorzugt bei tiefen pH- Werten, wo zwar viel Al3+ in der Lösung zur Verfügung steht, aber im Vergleich dazu ein SiO2– Unterschuß herrscht.

In diesem Zusammenhang ist auf die erste Reaktionsgleichung zu verweisen, aus der ersichtlich ist, dass die Feldspatverwitterung in Gegenwart von H3O+, also im sauren Bereich, abläuft. ZIECHMANN & MÜLLER- WEGENER (1990: 218) benennen einen „Silikat- Pufferbereich“, der zwischen dem Carbonat- Pufferbereich und dem Austauscher- Bereich liegt, also bei einem pH- Wert von ca. 5.

Darüber hinaus ist der Verwitterungsprozeß klimagesteuert; Kaolinit bildet sich bevorzugt unter feuchten und kühlen Bedingungen (siallitische Verwitterung). Leider liegen keine zuverlässigen Angaben vor, so dass es nicht möglich ist, anhand von bekannten Klimadaten eine Altersabschätzung zu treffen. Am ehesten kommt das Ende des Würm- Glazials als Entstehungszeitraum für diese Mineralmixtur in Frage (kühle bis kalte Witterung, jedoch genügend flüssiges Wasser, um die Verwitterung und Umlagerung in die Höhle zu bewerkstelligen). Diese Beobachtung deckt sich gut mit den radiometrisch gewonnenen Altersangaben des Sinters aus der Todsburger Höhle, der sich im Postglazial gebildet hat (FRANKE, MÜNNICH & VOGEL 1959): Das auf dem Bodensinter liegende Material mussjünger sein als der Sinter.

Bereits früher (SCHUSTER 1992) wurden in dem Mineralaggregat basische Eisenoxide durch naßchemisch- photometrische Untersuchungen nachgewiesen. Eine exakte Strukturanalyse war nicht möglich. Definitionsgemäß wurden die Eisenminerale als Limonitangesprochen. „Limonit“ ist ein Sammelbegriff für diverse Eisenoxide und -Hydrate wechselnder Konstitution. Meistens wird er mit der Formel FeOOH bzw. Fe(OH)3zusammengefaßt, was streng genommen nicht ganz richtig ist.

Von FeOOH sind zwei verschiedene Modifikationen bekannt: alpha – FeOOH oder Goethit und gamma – FeOOH oder Lepidokrokit. Ersteres ist auch als „Nadeleisenerz“, letzteres als „Rubinglimmer“ bekannt. Die Kristallformen beider Modifikationen sind aus den Abb. 2 und 3 (nach KLOCKMANN 1980: 553/ 554) ersichtlich. Lepidokrokit ist bei normalen Temperaturen metastabil und wandelt sich langsam in den weitaus häufigeren Goethit um. KLOCKMANN (1980 :553) teilt mit:
"Goethit mit seinen Varietäten ist ein typisches Produkt der Verwitterungszone (...) unter Einfluß von Humussäuren, gelöstes Eisen wird in dieser Form gefällt. (...) Limonit oder 'Brauneisenerz' schlechthin (...) besteht überwiegend aus Goethit."

Kristallform des Goethit

 

Kristallform des Lepidokrokit

Zur Erklärung der Entstehung der FeOOH-Ablagerungen wurde die Theorie herangezogen, dass Huminstoffe mit elektrophoben Gruppen (z.B. die Carbonyl- Gruppe) das Eisen des FeOOH zur zweiwertigen Form reduzieren, die durch das größere Löslichkeitsprodukt eine höhere Mobilität in Wasser besitzt und deshalb zur Umlagerung von der Erdoberfläche in die Höhle in Betracht kommt. Aus Abb. 1 geht hervor, dass die Löslichkeit von Eisen bei pH- Werten über 3 rapide abnimmt (Ausfällung von schwerlöslichem Fe(OH)3).

Die Analyse von Tropfwässern aus Höhlen ergab aber einen durchschnittlichen pH 7,4 (SIMMLEIT 1987: 31). Auch Karstgrundwasser aus dem Karbonatkarst hat einen annähernd neutralen pH- Wert; im Frankendolomit z.B. von 7,4 (FREVERT ET AL. 1982: 65). Das Löslichkeitsprodukt von FeOOH liegt bei diesem Wert nur bei 2,5 10-42 mol4 l-4 (nach KÜSTER 1985), so dass praktisch kein Transport von gelöstem Eisen stattfindet.

Die Kohlensäure alleine reicht keinesfalls aus, um pH 3 oder tiefer zu erreichen, auch dann nicht, wenn man den in der Bodenluft erhöhten CO2– Partialdruck berücksichtigt. Der Humusboden in Karbonatkarstgebieten enthält viel Kalk, welcher mit Kohlensäure ein leistungsfähiges Puffersystem bildet. ZIECHMANN & MÜLLER- WEGENER (1990: 216) berechnen den tiefsten möglichen pH- Wert des Bodenwassers mit 6,2. Die hier wiedergegebene Tabelle der beiden Autoren zeigt jedoch, dass durch die Pufferwirkung des CaCO3 die pH- Werte i.d.R. noch deutlich höher liegen.

Tabelle 1: pH- Werte in Abhängigkeit vom CO2– Partialdruck (aus ZIECHMANN & MÜLLER- WEGENER 1990: 216)

Böden CO2– Partialdruck [hPa]
0,3 1 10 100
Natriumboden 9,0 8,6 7,9 7,2
Boden mit 9 % CaCO3 8,3 8,0 7,4 6,7
CaCO3– freier Boden 6,9 6,7 6,4 6,0
dest. Wasser 5,7 5,4 4,9 4,4

Neben der Kohlensäure muss im Erdreich ein weiterer Protonendonator vorhanden sein, um die für die Eisenlösung idealen Säurewerte zu erreichen. Auch die Feldspatverwitterung läuft in saurem Milieu ab. "Durch das Überwiegen von Phenol- und Carbonylgruppen sind Huminsäuren echte Säuren, die einer Salzbildung fähig sind (Humate)"(ZIECHMANN & MÜLLER- WEGENER 1990: 52).

Dies verdeutlicht, dass die organischen Stoffe, deren Reste noch in dem Mineralgemenge mit einem Massenanteil von 37 % vorhanden sind, eine wesentlich bedeutendere Rolle für die Mineralbildung spielen, als ursprünglich angenommen. Sie sind nicht nurReduktionsmittel, sondern auch Puffersubstanz für die Eisenlösung und die Feldspatverwitterung.

Die nachgewiesenen Überreste im Mineralgemenge passen ganz ins Bild, denn derartige Zersetzungsprozesse sind in der Literatur beschrieben: "...doch ist ihre Wirkung begrenzt, da sie allmählich durch Mikroorganismen und Luftsauerstoffeinwirkung in CO2 und H2O umgewandelt werden" (RÖMPP, S. 1521).

Huminstoffe sind ausgeprägte Chelatbildner; d.h. sie bilden besonders mit Nebengruppenmetallen wie z.B. Eisen, lösliche Komplexverbindungen. In dieser Form können die Metalle leicht als Lösung transportiert werden. Die Inkohlungsprozesse nach der Ablagerung in der Höhle setzen das Metalloxid/ -hydroxid durch oxidative Zerstörung des Chelats wieder frei.

Zusammenfassend lässt sich formulieren, dass

  • die Existenz der Minerale Calcit, Quarz, Kaolinit und Limonit/ Goethit in einem sedimentären Mineralgemenge in der Todsburger Höhle als gesichert gelten kann.
  • Huminsäuren eine entscheidende Rolle bei der Mineralgenese spielten, da sie einerseits die H3O+– Ionen für die Feldspatverwitterung und die Fe- Lösung liefern und andererseits als Komplexbildner und Reduktionsmittel für den Transport in die Höhle sorgen.
  • die Entstehung des Materials vermutlich nach dem Ende der letzten Eiszeit erfolgte.

Nachbemerkung

Aufgrund der vorliegenden Befunde werden die Vorgänge, die zur Bildung der Mineralisation in der Todsburger Höhle geführt haben, als rein abiotische Prozesse gewertet. Sowohl die Umsetzung der Minerale an der Erdoberfläche als auch die oxidative Ausfällung im Höhleninnern können durch Redoxreaktionen aus der organischen und anorganischen Chemie erklärt werden. Jedoch, seit einer ganzen Reihe von Jahren, mehren sich die Hinweise darauf, dass erhebliche Teile der Eisen- und Manganerze in sedimentären Lagerstätten als direkte Lebensäußerungen von Mikroorganismen (vor allem Bakterien, aber auch Eukarioten) zu deuten sind. Aktuelle Ergebnisse sind in MENNE (1996) und in SKINNER & FITZPATRICK (1992) dokumentiert.

Inwiefern dies auch auf die hier besprochenen Minerale aus der Todsburger Höhle anzuwenden ist, kann beim gegenwärtigen Untersuchungsstand nicht entschieden werden. Die Oxidation der Fe+II– haltigen Lösung in der Höhle kann durch Beteiligung von Mikroorganismen erfolgen, muss jedoch nicht. Ebenso wahrscheinlich ist die in diesem Aufsatz zur Diskussion gestellte abiotische Fällung der Minerale durch die pH- und eH- Änderung in der Lösung, nachdem diese in den lufterfüllten Hohlraum eingetreten ist. Die in den Augen des Verfassers viel interessantere Frage, welche Vorgänge im einzelnen im Boden über der Höhle die Lösung des dreiwertigen Eisens herbeigeführt haben, bleibt durch die Mikrobiologie vorerst unbeantwortet. Die Reduktion und Mobilisierung des Eisens erfordert Energie- warum sollte ein Mikroorganismus Energie für einen für ihn nutzlosen, ja sogar schädlichen Vorgang aufbringen? Eisen ist in höheren Konzentrationen toxisch, also müsste ein Bakterium „Interesse“ daran haben, dieses Element durch Fällung aus seiner Umwelt zu beseitigen, statt die Konzentration durch Auflösung noch zu erhöhen. Sicherlich richtig ist aber die indirekte Beteiligung von Organismen an der Eisenreduktion durch die Bereitstellung von reduzierenden organischen Stoffwechselprodukten.

Dank

Ein besonderes Wort des Dankes möchte ich MARTIN FETH aussprechen, der die zeitraubenden IR- spektroskopischen Aufnahmen durchführte und somit die Realisierung dieses Berichts überhaupt erst ermöglicht hat.

Literatur

A.A. (o.J.): Komplexometrische Bestimmungsmethoden mit Titriplex.- 111 S.; Darmstadt.-[Analysensammlung, herausgegeben von Fa. E. Merck].

FRANKE, H.W. & MÜNNICH, K.O. & VOGEL, J.C. (1959): Erste Ergebnisse von Kohlenstoff- Isotopenmessungen an Kalksinter.- Die Höhle, 10(2): 17- 22; Wien.

FREVERT, T. & SCHRIMPFF, E. & BAUMGARTNER, I. (1982): Kalk- Kohlensäure- Gleichgewicht in oberflächennahen Grundwässern NO- Bayerns.- Z. Wasser Abwasser Forsch., 15(2): 58- 69, 1 Abb., 3 Tab.; Weinheim.

KLOCKMANN, F. (1980): Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie.- 16. Aufl., 876 + 55 S., 631 Abb.; Stuttgart (Enke).

KÜSTER, W.F. (1985): Rechentafeln für die chemische Analytik.- 103. Aufl., 310 S.; Berlin (de Gruyter).

MENNE, B. (1996): Manganhaltige Ablagerungen in der Rettenbachhöhle (Kat.Nr. 1651/1, Oberösterreich) und ihre Zusammenhänge mit mikrobiologischen Prozessen.- Die Höhle, 47(3): 69- 74, 2 Tab.; Wien.

RÖMPPs Chemie- Lexikon.- 7. Aufl.; Stuttgart (Franckh).

SCHUSTER, R. (1992): Mineralogie.- Wiss. Berichte der Karstspeläologischen Arbeitsgemeinschaft Karlsruhe, 1: 68- 80, 1 Tab.; Karlsruhe.

SIMMLEIT, N. (1987): Klassifizierung und hydrochemische Charakterisierung von Tropfwässern am Beispiel zweier oberfränkischen Karsthöhlen.- Mitt. Verb. dt. Höhlen- u. Karstforsch., 33(2): 28- 31, 1 Abb., 3 Tab.; München.

SKINNER, H.C.W. & FITZPATRICK, R.W. [Hrsg.] (1992): Biomineralization, Processes of Iron and Manganese, Modern and Ancient Environments.- Catena Suppl., 21, 432 S.; Cremlingen.

TREIBER, D. (1984): Chemisches Praktikum, Technische Analyse, Versuche, Erläuterungen.- 104 S., Stuttgart (Selbstverlag).

ZIECHMANN, W. & MÜLLER- WEGENER, U. (1990): Bodenchemie.- 326 S.; Mannheim (B.I. Wissenschaftsverlag).

Chiroptorium in Texas erbaut

Gut, wo Texas ist, wissen wir alle. Was aber ist bitteschön ein Chiroptorium? Nun, das Wort setzt sich zusammen aus Chiroptera, dem lateinischen Gattungsnamen für die Fledermäuse und Auditorium (Hörsaal). Bauen ließ es der texanische Millionär J. David Bamberger, und im Prinzip ist es nichts anderes als eine riesige künstliche Höhle. Die in Texas verbreitetste Art von Fledermäusen, Tadarida brasiliensis (Guana-Fledermaus) wandert im Winter ins Winterquartier nach Mexiko, und wenn sie dann so ab April wieder nach Texas zurück kommen, finden sie oft keine geeigneten Wohnmöglichkeiten mehr vor. So nisten jedes Jahr über 1 Millionen der nächtlichen Jäger an einer großen Brücke in Austin, der Hauptstadt von Texas. Dieser Wohnungsnot will Bamberger mit seinem Chiroptorium nun abhelfen. Es sind dies drei miteinander verbundene kuppelförmige Hohlräume, jeweils mit einem Durchmesser von 12 Metern, sechs Metern Höhe und insgesamt 280 Quadratmetern Grundfläche. Da Fledermäuse bekanntlich recht wählerisch bei der Wohnungssuche sind, bewässerte und bepflanzte Bamberger in der Nähe des Chiroptorium sein Farmland mit Pflanzenarten, die das Wasser halten, damit die Fledermäusen durch die Mücken auch ein reichliches Nahrungsangebot vorfinden. In die künstlichen Höhlen integriert ist ein Beobachtungsstand für Wissenschaftler, der mit Solarzellen, Infrarotlicht Kameras und ähnlichen technischen Schikanen ausgerüstet ist. Was jetzt noch fehlt sind die Fledermäuse …

Tom Sawyers Höhlenabenteuer

Wer hat es nicht mehr im Gedächtnis, das Jugendbuch „Tom Sawyers Abenteuer“ des amerikanischen Schriftstellers Mark Twain? Hier hast Du die Gelegenheit, Deine Erinnerung aufzufrischen! Was das soll, ein Artikel über ein Jugendbuch in einer renommierten Höhlenzeitschrift, wirst Du vielleicht fragen, falls Du das Buch noch nie gelesen hast. Nun, lasse Dich überraschen!

Anläßlich eines von der Familie Thatcher veranstalteten Picknicks, besucht Tom Sawyer, ebenso wie die anderen Jungen und Mädchen aus der Stadt, die an dem Picknick teilnahmen, eine ausgedehnte Höhle. Wohl eine halbe Stunde konnte man durch den bekannten Teil der Höhle streifen, ohne auf jemanden anderen zu treffen, dennoch stieß man, aus den Nebengängen kommend, immer wieder auf die Hauptgruppe, die lärmend und fröhlich, mit Kerzen in der Hand, durch die Höhle zog. Tom, der ein Auge auf Becky Thatcher geworfen hat, sondert sich mit ihr etwas von den anderen ab…

„Tom und Becky waren durch die finsteren Gänge gewandert und hatten die bekannten Wunder der Höhle betrachtet, die Kathedrale, Aladins Palast, und so weiter. Daraufhin waren sie eine enge gewundene Felsgasse hinunterspaziert und hatten mit hochgehaltenen Kerzen die halb von Spinnweben verdeckten Namen, Daten und Sinnsprüche entziffert. Schließlich merkten sie, dass sie sich in einem Teil der Höhle befanden, dessen Wände keine Inschriften mehr aufwiesen. Da schrieben sie ihre eigenen Namen mit Kerzenruß unter einen Felsvorsprung und spazierten weiter. Bald darauf erreichten sie eine Quelle, deren Wasser so viel Kalk mit sich führte, dass im Laufe der Jahrhunderte sich ein kleiner Niagarafall aus weißem Tropfstein gebildet hatte. Tom zwängte seinen Körper hinter den Tropfstein, um den Wasserfall von hinten zu beleuchten. Dabei fand er heraus, dass von hier aus eine natürliche Treppe in die Tiefe führte. Sofort ergriff ihn das Entdeckerfieber. Auch Becky war gleich Feuer und Flamme. Zur Vorsicht machten sie ein Rußzeichen an die Wand, und traten dann ihre Forschungsreise an. Sie verfolgten diesen Weg bis in die tiefsten Abgründe der Höhle, brachten noch mehrere solcher Zeichen an und waren von dem Wunsche beseelt, Dinge zu entdecken, mit denen sie die Leute in der Oberwelt verblüffen konnten. Irgendwo stießen sie auf eine große Höhle, von deren Wölbung eine Unzahl in allen Farben schimmernder Tropfsteine herunterhingen. Staunend sahen sie sich um und verließen sie dann durch einen engen Gang. Der führte zu einem Springbrunnen, dessen Becken mit einer Schicht phantastisch geformter Kristalle bedeckt war. Er befand sich in der Mitte eines hallenartigen Raumes, dessen Wände von einer Reihe schlanker Tropfsteinsäulen gebildet wurde. Ganze Klumpen Fledermäuse klebten unter der Wölbung. Es mussten Tausende von diesen Tieren sein. Von den Lichtern erschreckt, flatterten sie quickend herunter und stürzten sich auf die Flammen zu. Sofort erkannte Tom die Gefahr. Er zog Becky in den ersten sich auftuenden Gang. Keine Sekunde zu früh! Eine Fledermaus hatte schon mit ihrem Flügel Beckys Licht ausgelöscht. Noch eine kurze Strecke verfolgten die Tiere die beiden, aber Becky und Tom stürzten sich sofort in jeden Gang, der abzweigte, und entgingen so der gefährlichen Situation.“

 

Bald darauf entdeckte Tom einen unterirdischen See, der anscheinend abgrundtief war. Er wollte ihn umwandern, überlegte aber, dass es wohl besser sei, wenn man sich erst ein wenig ausruhe. Jetzt, da die tiefe Stille sich wie ein Tuch über sie legte, griff zum ersten Mal Angst nach dem Herzen der Kinder. Um nicht wieder an den Fledermäusen vorbei zu müssen, beschließen sie einen anderen Weg zu suchen. Dabei verlaufen sie sich dann völlig, und schließlich wird auch Becky klar, dass Toms Zuversicht, den richtigen Weg doch noch zu finden, eigentlich nur gespielt ist.

„Wir sind verloren, Tom. Nie wieder finden wir aus dieser Höhle ´raus! Warum sind wir nur nicht bei den anderen geblieben!‘ Und sie setzte sich auf den Boden und weinte herzzerreißend. Tom schien es, sie könnte den Verstand verlieren. Tröstend setzte er sich neben sie, legte seinen Arm um sie und zog ihr Gesicht an seine Brust, und sie weinte sich aus. Selbst das Weinen gab das Echo zurück, und es klang wie höhnisches Gelächter. Tom bettelte, sie solle doch wieder Mut fassen. Und als sie sagte, das könne sie nicht, fing er an, sich selber anzuklagen, dass er sie in diese fürchterliche Lage gebracht habe. Da sie das hörte, versprach sie, wieder Hoffnung zu fassen. Sie wolle ihm folgen, wohin immer er sie führte … So wanderten sie also ziellos weiter. Was blieb ihnen auch anderes übrig?“

Nach einer Pause, in der Becky ein wenig schlief, und weiterem langen, ziellosen Umherwandern, kommen sie schließlich an eine Quelle, wo sie abermals rasten. Sie essen das Stück Kuchen, das sich Tom beim Picknick eingesteckt hat. Da Becky so gestärkt, nun mit frischem Mut weiter nach einem Ausgang suchen will, eröffnet ihr Tom, dass ihr Vorrat an Kerzen zu Ende gegangen ist.

„Still und nachdenklich saßen sie da. Sie beobachteten den Rest der Kerze, der erbarmungslos kleiner wurde. Schließlich war nur noch ein Zentimeter Docht übrig. Die Flamme wurde kleiner und kleiner, und dann stieg ein kleiner Rauchfaden empor. Das Licht war erloschen. Tiefe Finsternis breitete sich aus.“

„Stunde um Stunde verrann. Wieder stellte sich quälender Hunger ein. Tom teilte den Rest seines Stückchens vom Kuchen, und sie aßen. Sie wurden aber nicht satt, schienen vielmehr hungriger zu werden. Plötzlich rief Tom: ‚Du, Becky, hörst Du nichts?‘ Mit angehaltenem Atem lauschten beide. Ein Ruf drang von weither an ihr Ohr. Tom antwortete sofort und lief dem Laut entgegen, Becky hinter sich herziehend. Sie blieben stehen und lauschten wieder. Und wieder hörten sie den Ton und waren ihm anscheinend näher gekommen. ‚Sie kommen!‘ jubelte Tom. ‚Jetzt wird alles gut‘. Die Freude überwältigte sie fast. Indessen wurde das Vorwärtskommen immer schwieriger, weil es zahlreiche Risse und Spalten im Boden gab. Bald mussten sie anhalten. Ein unüberwindlicher Spalt tat sich vor ihnen auf“.

Tom konnte in der Dunkelheit nicht erfühlen, wie breit und tief er war. So warteten sie eine Weile, aber als sich die Rufe nicht wiederholten, tasteten sie sich entmutigt zur Quelle zurück.

„Die Untätigkeit lastete furchtbar auf Ihnen. Da kam Tom der Gedanke, es sei doch immerhin besser, einige Seitengänge zu untersuchen, als mutlos herumzusitzen. In der Tasche hatte er noch eine Drachenleine. Die befestigte er an einer Felsnase und tastete sich behutsam vorwärts, wobei sich die Leine allmählich abwickelte. Er war noch keine zwanzig Schritte gegangen, als der Gang steil nach unten abfiel. Er versuchte, so weit wie möglich mit der Hand um den Felsen herumzukommen. Da sah er, keine zwanzig Meter entfernt, eine menschliche Hand, die ein Licht hielt. Er stieß ein Triumphgeschrei aus. Als er aber das Gesicht des Menschen sah, erstarrte er. Es war der Indianer-Joe.“ (Wir erinnern uns: Tom hatte die Untaten des Indianer-Joe damals beobachtet, und überraschend vor Gericht gegen ihn ausgesagt. Nur durch einen beherzten Sprung aus dem Fenster war der Bösewicht der gerechten Strafe entgangen.) „Im nächsten Moment war er überrascht, dass Joe sich Hals über Kopf davonmachte, anstatt ihm den Hals abzuschneiden, wegen seiner Aussage vor Gericht. Der Widerhall muss wohl meine Stimme unkenntlich gemacht haben, dachte er. Er nahm seine ganze Kraft zusammen und kehrte zur Quelle zurück. Becky erzählte er nichts von seinem Zusammentreffen. Er sagte nur, er habe es auf gut Glück noch einmal mit einem Ruf versucht. … Nach langem Schlaf schlug er vor einen anderen Gang zu versuchen. Aber Becky war zu schwach. Sie nahm ihm das Versprechen ab, dass er ab und zu zurückkehre, um nach ihr zu sehen. Und wenn dann die Todesstunde gekommen sei, dann solle er ganz nahe bei ihr sitzen und ihre Hand halten. Tom küßte sie zärtlich und hatte dabei ein Gefühl, als müsse er ersticken. Aber er zeigte seine Angst nicht, sondern redete zuversichtlich auf das Mädchen ein. Dann nahm er seine Drachenleine und kroch auf Händen und Füßen davon, von Hunger gequält und von trüben Ahnungen beschwert.“

Doch trotz seiner trüben Ahnungen findet Tom zufällig einen Ausgang aus der Höhle. Er ist wieder einmal der Held des ganzen Städtchens. Seine Dummheit verzeiht man ihm, da man froh ist, ihn wieder gefunden zu haben (Übrigens: Heutzutage sind Versicherungen und Rettungsdienste an ganz andere Aufregungen gewöhnt, nur durch die glückliche Rettung eines Menschleins verzichten die noch lange nicht auf ihr wohlverdientes Bares). Und die ganze Geschichte stimmt genau so, wie sie hier abgedruckt war, denn sie steht auch schwarz auf weiß in: Tom Sawyer Huckleberry Finn, in der deutschen Bearbeitung von Rudolf Herrmann, erschienen im Spectrum Verlag Stuttgart 1976.

Ich habe Euch jetzt über die Höhlenabenteuer von Tom Sawyer berichtet und nun stellt sich für uns als wißbegierige Höfos die Frage: Gibt es die Höhle, in der Tom Sawyer und Becky beinahe ihr frühes Ende fanden, wirklich?

Ein paar Recherchen im Internet ergaben Kontakt zu auskunftswilligen amerikanischen Höfos, so dass sich diese Frage mit einem klaren „Ja!“ beantworten lässt. Jedenfalls gibt es eine Höhle, deren Lage den Beschreibungen in Twains Buch ziemlich genau entspricht. Nahe der Stadt Hannibal, im Osten des Bundesstaates Missouri, in der der Schriftsteller Mark Twain seine Kindheit verbrachte, liegen zwei Höhlen, die heute touristisch erschlossen sind: Die Cameron Cave und die Mark Twain Cave. Beide Höhlen sind – ganz wie die McDougal’s Höhle aus dem Buch – als verwinkelte Labyrinthe entwickelt, in denen sich wohl ein neugieriger Mensch verirren kann. Zwar sind beide Höhlen nicht so feucht und reich versintert, wie jene aus dem Roman, aber man muss diesbezüglich wohl annehmen, dass die künstlerische Freiheit und die verklärten Jugenderinnerungen der Höhle in der Literatur zu einem wesentlich besseren Aussehen verhalfen, als in der Wirklichkeit.

Rußspuren und Werkzeugreste zeigen an, dass schon die indianische Urbevölkerung die Mark Twain Cave kannte und als Zuflucht benutzte. Im Winter 1819/20 entdeckten bei einer Pantherjagd die Brüder Sims als erste Weiße die Höhle und schon kurze Zeit später folgten die ersten Erforscher. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts unternahm ein Zeitgenosse Mark Twains, der am Rande des Wahns wandelnde berühmte Chirurg McDowell (die Ähnlichkeit mit dem von Twain gewählten Phantasienamen für die Höhle, McDougal, ist offensichtlich), den Versuch, den Körper seiner 14- jährigen Tochter in einem mit Alkohol gefüllten Kupferzylinder in dem trockenen Höhlenklima zu mumifizieren. Resultat war, dass das makabere Experiment Horden von Touristen in die Höhle lockte, die mit dem toten Körper allerlei derben Schabernack trieben. Die Metallhaken, mit denen der Zylinder aufgehängt war, wurden noch Jahre später in der Mark Twain Cave gezeigt. Noch einen berüchtigten Mann zog die Höhle an: Am 22. September 1879 verewigte sich Jesse James mit seiner Signatur an der Höhlenwand.

Heute sind die beiden Höhlen Cameron Cave und Mark Twain Cave mit elektrischer Beleuchtung und gemauerten Wegen versehen und seit 1972 als Naturdenkmal geschützt.

In den 1830er Jahren zog die Familie Clemens nach Hannibal, deren Sohn Samuel Langhorne Clemens später unter dem Pseudonym Mark Twain (1835- 1910) schriftstellerischen Weltruhm erlangte. In den 40er und 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts, dürfte er, wie viele andere Jugendliche aus seiner Stadt, auf Entdeckungsfahrt in die später nach ihm benannte Höhle aufgebrochen sein. Er schrieb in seiner Autobiographie dann auch tatsächlich:

„Ich habe mich selbst in Begleitung einer Dame in ihr verirrt und unsere Kerzen brannten fast vollständig herunter, bevor wir das Licht eines Suchtrupps erspähten, der sich in der Ferne wand.“

Man sieht, dass ganz offensichtlich auch Tom Sawyers Höhlenfahrt einen realen Hintergrund hatte, den Twain später in seinem Roman verarbeitete. Auch der schurkische Indianer-Joe, den wir aus dem Buch kennen und der in der fiktiven Handlung den Hungertod in der Höhle starb, war eine reale Person, sofern wir Twains Biographie Glauben schenken dürfen. Der „echte“ Joe aber überlebte die Irrfahrt in der Höhle, indem er Fledermäuse fing und verzehrte.

Aus Twains Autobiographie ist uns aber überliefert, dass er als Heranwachsender die Höhle oft besuchte, ja dass er sogar seine Mutter mit mitgebrachten Fledermäusen zu erschrecken pflegte.

Jedenfalls ist es heute eine Schauhöhle, die mit dem Namen von Mark Twain ziemlich bekannt geworden ist. An Besucher ist die Höhle schon gewöhnt gewesen, denn das im Buch beschriebene Picknick gründet sich auf zahllose historische Vorlagen, wie es die zahlreichen Rußflecken an den Höhlenwänden heute noch belegen. Twain war übrigens später nochmal dort, denn dem Buch „Adventures in Mark Twain Cave“ von H. Dwight Weaver kann man entnehmen, dass sich Mark Twain, Tom Sawyer und Becky Thatcher in das Besucherbuch eintrugen.

Für die ausführlichen und freundlichen Auskünfte, die diesen Artikel ermöglichten, danke ich herzlich: Blaze Cunningham, John Lyles, Mark Minton, Ethan Scarl, und Jo Schaper sowie der Verwaltung der Mark Twain Cave, die mir den Höhlenplan und einen kleinen Höhlenführer überließ, der demnächst der Vereinsbibliothek einverleibt wird.

Literaturhinweise

Bogart, R.C. (o.J.): A visit to Mark Twain Cave and Mark Twain Country.- Hannibal. [Broschüre der Schauhöhlenverwaltung].

Bretz, J.H. (1956): Caves of Missouri.

Weaver, H.D. & Johnson, P.A. (1980): Missouri, the Cave State.

Die Schreiberhöhle (7226/06) bei Steinheim

Auch auf die Gefahr hin, dass die permanenten Lobs in dieser Ausgabe den Lesern zu Kopfe steigen, sei auch dieser Artikel den aktiven Forschungen der Arge Rosenstein gewidmet. Es soll auch gezeigt werden, dass auf der Schwäbischen Alb noch ein großes speläologisches Forschungspotential besteht, sofern man die Geduld zur Feinarbeit mitbringt.

Im Vorfeld des Forschungslagers auf der Charetalp galt es, eine Vermessungsübung zu organisieren, mit der besonders den Jung- Höfos im Haufen die subterrane Topographie nahegebracht werden sollte. Die Wahl fiel auf die Schreiberhöhle, weil diese durch Verzweigungen, Rundgänge, kleine Schächte etc. besonders gut geeignet schien, das Vermessen unter nicht allzu einfachen Bedingungen zu üben. Außerdem gab es bisher von dem Loch keinen exakten Höhlenplan. Auch der örtliche Verein hatte es in seiner 20-jährigen Geschichte nicht geschafft, die Schreiberhöhle aufzunehmen. Außerdem wuchs das Interesse an der Höhle nach dem Besuch unserer Bamberger Kollegen bei uns im Frühjahr, die uns berichteten, dass sie bei der touristischen Befahrung auf einen frisch ausgegrabenen neuen Teil gestoßen waren, der sich durch hübsche Versinterung auszeichnet.

Also schlug die Arge Rosenstein zu und ein eigenes Forschungsprojekt war geboren, das noch immer läuft und dieser Artikel ist als erster Zwischenbericht zu werten!

Bisher fanden drei Befahrungen am 19.07., 26.07. und 06.09.1997 statt, an der die Heubacher Höfos S. Bader, M. Dieth, J. Friedel, M. Gallasch, I. Sachsenmaier und R. Schuster teilgenommen haben. Die Höhle ist nun komplett mit dem Messzug, der sozusagen das „Skelett“ der Höhle bildet, erfaßt. Die Gesamtlänge aller unterirdischen Messstrecken beträgt 200,4 m und der tiefste Punkt liegt 8,3 m unter dem Eingangsniveau. Dieser Messzug ist als Anlage dem Bericht beigefügt (1 Grundriß im Maßstab 1 : 250 mit Tiefenangaben und ein Blockbild in isometrischer Darstellung), wobei die Nummern an den Messpunkten die relative Tiefenlage unter dem Koordinatenursprung (Messpunkt c1 an der Kante des Eingangsschachts) ausdrücken. Natürlich müssen von der Gesamtmessstrecke Ganganschnitte und halbe Hallenrundzüge subtrahiert werden, dafür kommen aber kleine Nischen und Ecken, in die keine Messlinien gelegt wurden, hinzu, so dass die Gesamtlänge der Höhlengänge ebenfalls bei etwa 200 Metern liegen wird.

Die Gangumrisse und der Höhleninhalt (Blockwerk, Tropfsteine etc.) müssen noch aufgenommen werden und ich hoffe, es finden sich auch hieran Interessierte.

Ein kleiner Ausflug in die Erforschungsgeschichte.

Entdeckt wurde die Höhle 1960, als die beiden hohen Schlote im Bereich der Eingangshalle bei Abbauarbeiten in dem kleinen Steinbruch angeschnitten wurden. Die Höhle wurde posthum nach dem Heidenheimer Höhlenforscher Walter Schreiber benannt (Binder, Frank & Müller 1960: 35- 37). Ein erster, freilich sehr skizzenhafter Plan entstand schon damals, der jedoch die Darstellung fast aller Seitenteile vermissen lässt.

Anfang der 70er Jahre trieb sich der Schwäbisch Gmünder Höfo Reinhold Kreuz in der Höhle herum, bewältigte den großen Versturz und entdeckte die Bisonhalle, die nach den Knochenresten der Urkuh benannt ist, die Kreuz dort fand. Ein weiterer Plan entstand, der alle damals bekannten Höhlenteile zeigt, jedoch deutliche Richtungsabweichungen aufweist (Kreuz 1974).

Wegen dieser Fehler vermaßen zwei Studenten der FHT Stuttgart im Jahr 1979 die Höhle erneut, wobei die Richtungsfehler ausgemerzt, jedoch die Nebenstrecken unsauber erfaßt wurden (Ruess 1986: 68).

1996 oder 1997 haben uns unbekannte Personen den Eingangsschluf in den nun „Makkaroniquetsche“ genannten neuen Teil freigelegt, in den von der InGO ein Messzug gelegt wurde. Es schien uns jedoch riskant zu sein, die Vermessung des neuen Teils an die bestehenden, fehlerhaften Pläne anzuhängen, weshalb nach einem Gedankenaustausch mit M. Ruess von der InGO, ein weiterer Grund gefunden war, die Liste der Pläne nun auch um einen von der Arge Rosenstein zu ergänzen. Mal sehen, wieviel Nachfolger wir finden werden…

Erster Überblick über die gewonnenen Forschungsergebnisse.

Die neuen Räume.

Nach dem Abstieg in den Eingangsschacht und dem Durchqueren der Eingangshalle, biegt man im Hauptgang links ab (Richtung N), bis nach einem kurzen Steilanstieg der Gangsohle, sich rechts (E) ein flacher, an einer Schichtfuge orientierter Schluf öffnet. Dieser leitet nach rund 3 m an eine Verzweigung. Rechts geht es nur durch einen kurzen Schluf zu einem Möchtegernschacht (harte 3 m tief), während links die eigentliche Fortsetzung der Höhle folgt. Nach einem neuerlichen Gangknick nach rechts, erreicht man die Grabungsstelle. Die Raumhöhe sinkt kurzfristig auf etwa 30 cm ab, aber man kommt noch mit dem Helm auf der Birne durch… Zum Glück kann man nach kurzer Strecke das Gesicht wieder aus dem Lehm- Verbruch- Gemisch auf der Gangsohle erheben und kommt dadurch in den Genuß, nun auch sehen zu können, wie der Schluf 4 m weit schräg nach oben führt und in eine Halle einmündet, die mindestens satte 7 m breit und deren 10 lang ist, wobei die Raumhöhe als Besonderheit nirgendwo auf mehr als 70 cm steigt. Zahlreiche der für die Schreiberhöhle typischen schneeweißen bis hellgelben Makkaronis und Sinterröhrchen bilden einen lebhaften Kontrast zu dem bräunlichen Gestein, nur dass in diesem neu entdeckten Raum die Sintergebilde sich noch in einem unverschmutzten und unbeschädigten Zustand präsentieren. Auf jeden Fall dürfte nun klar sein, warum diese neue Halle „Makkaroniquetsche“ heißt!

Makkaroniquetsche

 

An der westlichen Raumbegrenzung zieht ein niedriger Gang mit rechteckigem Inkasionsprofil Richtung NNE, der uns lebhaft an das Transportbehältnis des Heubacher Höfo- Treibstoffs erinnerte und deswegen „Bierkastenprofil“ heißt… Er endet im Sediment. Am Anfang des Ganges öffnet sich ein enges Loch zwischen Versturzblöcken, das steil abwärts Richtung W führt, nach knapp 3 m ebenfalls in die Hauptkluftrichtung NNE einschwenkt und nach einer Engstelle in einer winzigen Kammer endet. Die Engstelle wurde von uns am 26.07.97 höflich mit dem Geologenhämmerchen „überredet“, M. Gallasch als heldenhaften Erstbefahrer passieren zu lassen, der seinen Triumph mit einer in diesem Raum in pränataler Hockstellung konsumierten Kippe feierte!

Geologie.

Die Schreiberhöhle verspricht gute Informationen über die Karstentwicklung der Region zu liefern. Durch die Arbeiten von Dongus (1962, 1974) im Bereich Geomorphologie und vonBayer (1982) auf dem Gebiet der Tektonik, ist eine gute geowissenschaftliche Datenbasis vorhanden, die in Kürze mit eigenen Erhebungen korreliert werden soll. Eine ganz knappe Vorschau soll aber bereits zu diesem Zeitpunkt mit der dem augenblicklichen Forschungsstand gebührenden Vorsicht erfolgen. Es sei explizit betont, dass der Verfasser zum Zeitpunkt der Niederschrift dieses Textes noch keine strukturgeologische Aufnahme in der Höhle und ihrem Umfeld vorgenommen hat, die zur definitiven Beurteilung der Entwicklungsgeschichte erforderlich ist!

Die Höhlengänge der Schreiberhöhle werden überwiegend von Klüften geführt. Ich habe daher die Gänge als geologische Lineare aufgefaßt und die Richtungs- und Neigungswinkel der Messzüge, die in erster Näherung mit den Gangachsen zusammenfallen, in Richtungs- und Abtauchwerte der Lineare umgerechnet und graphisch dargestellt.

Gangrose

 

Aus der Gefügerose werden so die Gangrichtungshäufigkeiten besser ersichtlich als aus den Höhlenplänen und gut zu erkennen ist die Hauptrichtung NNE- SSW. Diese fällt offensichtlich mit dem rund 30° streichenden „rheinischen“ Kluftsystem (Streichen +/- parallel zum Rheingraben) zusammen. Orthogonal dazu steht das „herzynische“ Kluftsystem (parallel zur Südrandstörung des Harzes; ca. 120°), das sich auch in der Gangrose wiederfindet. Das dritte wichtige Kluftsystem in SW- Deutschland ist das „schwäbische“, dessen Streichrichtung bei rund 70° liegt und das auch in das Richtungsinventar der Höhle eingeflossen ist. Daneben tauchen aber auch noch weitere dominante Gangrichtungen auf, die sich nicht mit den drei großen Kluftsystemen decken. Es wird hier schon deutlich, wie wichtig die geplante strukturgeologische Feinaufnahme des Umfeldes um die Höhle ist. Zum Beispiel wäre es reizvoll, herauszufinden, inwiefern sich die Auswirkungen des Meteoriteneinschlags im Steinheimer Becken (an dessen Rand die Schreiberhöhle liegt) im Kluftspektrum bemerkbar machen.

Die drei „großen“ Kluftsysteme rheinisch- schwäbisch- herzynisch wurden, wie die Gangrose aufzeigt, vom Wasser benutzt, um die Höhle anzulegen. Demnach ist die Höhle jünger als die jüngste Kluftrichtung, was aufgrund der erhöhten Wasserwegsamkeit im Bereich von Klüften/ Störungen einleuchtend ist. Meine Untersuchungen im Bereich des Rosensteins haben gezeigt, dass das rheinische Kluftsystem älter ist als die beiden anderen (Musteraufschluß ist übrigens die Kleine Scheuer). Es entstand durch die Ausdünnung der Lithosphäre und die beginnende Öffnung des Rheingrabens durch ein WNW- ENE orientiertes extensionales Streßfeld. Die Extension begann im Eozän (in Zahlen: vor rund 40 Mio. Jahren). Durch plattentektonische Prozesse rotierte das Streßfeld im Laufe des Tertiärs und ab dem Miozän (vor 25 Mio. Jahren beginnend) kam es zur Herausbildung des herzynischen Kluftsystems. Das schwäbische System verdankt seine Entstehung anderen Ursachen: Es handelt sich um Durchpausungen alter Reliefstrukturen des variszischen Grundgebirges (Geyer & Gwinner1991: 249), denen demnach ein hohes, möglicherweise mesozoisches Alter zukommen könnte.

Jedoch, das jüngste datierbare Kluftsystem ist demnach das herzynische mit rund 25 Mio. Jahren, woraus folgt, dass dies das Höchstalter für die Höhlenbildung sein muß.

Die Höhle gliedert sich in zwei deutlich verschiedene Raumformen: Nahezu horizontale, Nord- Süd- orientierte Gänge mit stellenweise deutlichem Flußhöhlenprofil und davon abgegrenzte vertikale Schächte mit bis zu 6-7 m Tiefe. Letztere weisen deutliche Wasserstands- bzw. Korrosionsmarken auf. Das lässt auf eine signifikante Altersgliederung der Höhlenbildung schließen mit einer alten, fluviatilen- phreatischen Phase, bei der die Horizontalgänge ausgeräumt wurden und einer jüngeren vadosen Phase im Schwankungsbereich des Karstwasserspiegels.

Davon abzugrenzen sind die beiden Eingangsschächte (der östliche ist mit Balken abgedeckt und durchstößt die Erdoberfläche ca. 7 m vom Haupteingang entfernt auf halber Höhe der Steinbruchwand), die durch Durchschlagen des Hohlraums durch die zum Nachbruch neigenden dünnbankigen Kalke des Weißjura Zeta entstanden sind. Die von Kreuz gefundenen Wisent- Knochen zeigen an, dass die Höhle im Pleistozän bereits zur Erdoberfläche geöffnet war.

Die Horizontalgänge deuten auf eine Entwässerung nach Süden hin, in Richtung zur Tethys. Dies erfordert jedoch kein hohes Alter, dauerte doch die danubisch orientierte Entwässerung auf der Ostalb bis ins Altpleistozän an ( Geyer & Gwinner 1991: 252). Nach Dongus (1974: 60) erfolgte die Kappung des lokalen Vorfluters, der Ur- Brenz, durch den Kocher erst vor umgerechnet 150.000 Jahren. Die Höhle liegt aber hoch über der Kocher- Brenz- Talwasserscheide, ist also deutlich älter. Es wurde schon angedeutet, dass die Schächte zu einer Zeit entstanden, als der Karstwasserspiegel im Bereich der Höhle lag, also bei 615 m ü. NN und sich das Paläoflußsystem bereits in die Hauptoberfläche des nördlichen Albuchs eingetieft hatte. Das entspricht der „Ochsenbergstufe“ von Dongus (1962: 22). Dieses Flußsystem war ab dem unteren Torton aktiv und korreliert mit dem Horizontalgängen der Schreiberhöhle. An der Wende Torton/ Sarmat tiefte sich die nächste Talgeneration um ca. 30 m in das Hochtalsystem der Ochsenbergstufe ein und die Höhle begann trockenzufallen, die Bildung der Innenschächte der Höhle setzte ein. Um dem Leser den Genuß absoluter Jahreszahlen zu verschaffen: Das war vor rund 15 Mio. Jahren.

Weitere Untersuchungen müssen sich noch anschließen! Ich hoffe, die Forschungsaktivitäten erhalten weiterhin den regen Zuspruch wie bisher.

Literaturverzeichnis

Albrecht, R. (1980): Höhlen, Felsen und Ruinen.- 120 S., 89 Abb., 1 Tab.; Esslingen (Fleischmann).

Bayer, H.- J. (1982): Bruchtektonische Bestandsaufnahme der Schwäbischen Ostalb (Geländeuntersuchungen, Luftbild- und Satellitenbildauswertungen).- Diss. TU Clausthal; Clausthal- Zellerfeld.

Binder, H., & Frank, H., & Müller, K. (1960): Die Höhlen der Heidenheimer und der Ulmer Alb.- Jh. Karst- u. Höhlenkde 1: 35- 55, 27 Abb., 1 Tab.; Stuttgart.

Dongus, H. (1962): Alte Landoberflächen der Ostalb.- Forsch. dt. Landeskde. 134: 1- 71; Bad Godesberg.

Dongus, H. (1974): Die Oberflächenformen der Schwäbischen Ostalb.- Abh. Karst- u. Höhlenkde. A 11: 1- 114, 1 Taf.; München.

Eisbacher, G.H. (1996): Einführung in die Tektonik.- 2. Aufl., 374 S., 329 Abb.; Stuttgart (Enke).

Geyer, O.F. & Gwinner, M.P. (1991): Geologie von Baden- Württemberg.- 4. Aufl., 482 S., 255 Abb., 26 Tab.; Stuttgart (Schweizerbart).

Kreuz, R. (1974): Neuvermessung der Schreiberhöhle im Doschental (Schwäbische Alb, 7226/06).- Mitt. Verb. dt. Höhlen- u. Karstf. 20 (1): 11- 14, 1 Abb.; München.

Ruess, M. (1986): Exkursion B: Heuchstetter- und Schreiberhöhle.- Materialh. Karst- u. Höhlenkde. 4: 66- 71, 4 Abb.; Heidenheim. -[Enthält gute Beschreibung der Schreiberhöhle]

Ufrecht, W. (1980): Die Höhlen des Kartenblatts 1: 25000 7226 Oberkochen (Ostalb).- Laichinger Höhlenfreund 1980 (2); Laichingen.

Die Cosquer-Höhle bei Marseille

Die außergewöhnlichen Malereien in zwei in letzter Zeit in Südfrankreich entdeckten Höhlen stellen die bisherigen Kenntnisse über die Entwicklung der Kunst in der Steinzeit in Frage. Die eine der Höhlen, die „Grotte Cosquer“ soll im Folgenden etwas näher besprochen werden1.

Schon 1985 entdeckte Henri Cosquer den Eingang zu der später nach ihm benannten Höhle, doch erst lange nachher wurde die ganze Bedeutung dieses Fundes erkannt. Im Sommer 1991 entdeckte er nämlich auf einem Dia den ersten negativen Handabdruck. Daraufhin fand im Juni 1992 die erste wissenschaftliche Befahrung der Höhle statt. Sie hatte zum Ziel die Wandmalereien in Augenschein zu nehmen, Kohlestückchen zur Datierung aufzufinden, die Objekte und Strukturen des Bodens aufzunehmen und erste geologische Untersuchungen anzustellen.

Die zweite Phase der wissenschaftlichen Erforschung zog sich wegen der ungünstigen Witterung von Herbst 1994 bis Ende Dezember 1994 hin. Der Zugang zur Höhle war ohnehin schon schwer genug. Ein 150 Meter langer Schlauchtunnel führt 37 Meter unter dem Meeresspiegel in die Höhle, deren Eingang sich etwa 50 Meter von der Küste entfernt im Meer befindet und inzwischen, um das einmalige Kulturdenkmal in der Höhle zu schützen, von Tauchern der französischen Marine zugemauert wurde2. Trotzdem konnten folgende Vorhaben durchgeführt werden:

  • Die Einrichtung einer automatischen meteorologischen Station.
  • Die photogrammetrische Aufnahme.
  • Die Aufnahme mit dem Laser-Scanner „Soisic“, die es erlaubte eine dreidimensionale virtuelle Rekonstruktion der Höhle zu erstellen.
  • Die vollständige photographische Dokumentation der Wandmalereien.
  • Parallel dazu fand die vollständige Kartierung auch der unter Wasser gelegenen Teile der Höhle durch die beiden Taucher Thierry Betton und Luc Vanrell statt.

Im Lauf der Erforschung stellte es sich heraus, dass der wahrscheinlich bedeutendste Teil der Wandmalereien unglücklicherweise durch den Anstieg des Meeresspiegels vernichtet wurde. Zur Entstehungszeit der älteren Malereien lag der Meeresspiegel etwa 120 Meter tiefer Der Wasserstand war in der Höhle nie höher als heute, dadurch wurden in den bisher noch nicht überschwemmten Teilen die Spuren des Menschen der Steinzeit in einzigartiger Weise erhalten. Zahlreiche Spuren lehmverschmutzer Finger an den Wänden, zu Kugeln geformte und durch mit den Fingern gezogene Linien verzierte, danach jedoch weggeworfene Lehmbatzen, Spuren von schmutzigen Fingern auf der Mondmilch, das alles erweckt den Eindruck als sei der Platz von den Künstlern erst vor wenigen Tagen verlassen worden, tatsächlich dürfte Henri Cosquer aber der erste Mensch seit tausenden von Jahren gewesen sein, der sich dort aufhielt.

Nach den bisherigen Erkenntnissen fand die künstlerische Gestaltung der Höhle im wesentlichen in zwei Zeiträumen statt. Der ersten Phase, vor etwa 27000 Jahren und von noch unbestimmter Dauer, werden die zahlreichen Fingerspuren an den Wänden und die negativen Handabdrücke zugeordnet. Es wird auch vermutet, dass einige Tiere, hauptsächlich Pferde, und verschiedene geometrische Figuren in diese Epoche gehören, gesicherte Erkenntnisse liegen darüber jedoch nicht vor. Der Großteil der Kunstwerke stammt jedoch aus der zweiten Phase, von vor 18500 bis 19200 Jahren. Dabei sind nur ein Drittel aller Werke Kohlezeichnungen, bei der Mehrzahl (125 Einzelbildern) handelt es sich um Ritzzeichnungen. Auf den ersten Blick dominieren Pferdedarstellungen, gefolgt von Steinböcken und Gemsen sowie Bisons, Aurochsen und Rentieren.

„Die Tierzeichnungen in roter und schwarzer Farbe sind zu Jagdszenen gruppiert. (…) Die Zeichnungen haben einen anderen künstlerischen Stil als die bisher bekannten Steinzeit-Höhlenmalereien in Südwestfrankreich und Nordspanien. Die Pferde sind mit wehender Mähne dargestellt. Hirsche und Wisente sind erstmals nicht nur im Profil gezeichnet. Vielmehr wenden sie ihren Kopf in einer Drei-Viertel-Drehung dem Betrachter zu.“3 Eine der Besonderheiten stellen die Zeichnungen von Seehunden und Pinguinen dar. Auffällig sind auch mehrere geometrische Formen – Rechtecke mit aufgesetzten Dreiecken – die uns bisher so nur aus einem Heiligtum im Ural, nämlich der Kapova-Höhle bekannt waren. Die dortigen Zeichnungen werden jedoch auf ein Alter von etwa 14.000 Jahren geschätzt4. Diese geometrischen Figuren werden als Symbole einer Religion der Steinzeit-Menschen interpretiert. Besonderes Aufsehen erregte auch die Figur eines Mannes, der von einem Pfeil durchbohrt wird. „Bislang war man sich unter Steinzeitexperten einig, dass ein Pfeil in einer Wandmalerei als Ausdruck der Lebenskraft der gezeichneten Wesen gilt. Doch dieses Bild aus der Cosquer-Höhle bei Marseille ist nach den Untersuchnungen der Archäologen Jean Courtin und Jean Clottes augenscheinlich eine sehr frühe Gewaltdarstellung …“5

Nachbemerkungen

Die für den Artikel verwendete Literatur ist ab sofort im Vereinsheim der Arge Rosenstein jedem noch näher Interessierten zugänglich. Vor gut einem halben Jahr erschien im Verlag LeSeuil das Buch „La Grotte Cosquer“, in dem die Höhle und ihre Malereien ausführlich dargestellt werden. Die deutsche Ausgabe erschien ebenfalls bei Thorbecke und kostet leider 86 Mark. In allen benutzen Artikeln finden sich Bilder der Höhlenmalereien, die Artikel können im Vereinsraum eingesehen werden. Bei Virginie Contamine bedanke ich mich herzlich für die Hilfe mit dem französischen Originaltext.

Fußnoten

  1. Dabei stütze ich mich im wesentlichen auf den Artikel von Jaques Colina-Girard: La grotte Cosquer et les sites paléolithiques du littorial marseillais (entre Carry-le-Rouet et Cassis), in: Méditerranée, Nr.3/4, 1995, S.7-19, S.8. Die andere bemerkenswerte Höhle wird in dem Buch „Grotte Chauvet“ von Jean-Marie Chauvet, Éliette Brunel Deschamps und Christian Hillaire aus dem Thorbecke-Verlag (ISBN 3-7995- 9001-3) ausführlich besprochen.
  2. Bartsch, Hans: Eine Felsengrotte voller Steinzeit-Kunst, in: Rems-Zeitung, 25.10.1991
  3. Schröder, Eggert: Die geheimnisvolle Grotte bei Marseille, in: Berliner Morgenpost, 3.11.1991, S.64
  4. Birchall, Jim: Prehistoric art of Kapova Cave, Russia, in: The International Caver Magazine, Heft 16/1996, S.12-14
    (Auch erschienen in Birchall, J. & Richardson, M.: Russian cave art.- Caves & Caving66. Anm. R. Schuster)
  5. Siefer, Werner: Graffiti aus der Steinzeit, in: Focus, Heft 21/1994, S.142-146, S.143

Gericht beendet Streit um ein „Loch in der Landschaft“

Der folgende Zeitungsartikel1 fiel mir vor einigen Wochen in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung auf, und ich finde alle Höhlenfreunde sollten dabei hellhörig werden. Zunächst aber einmal der Artikel im Wortlaut:

Gericht beendet Streit um ein „Loch in der Landschaft“

Sigmaringen, 26. November (dpa).

Im Streit um ein „Loch in der Landschaft“ hat jetzt ein schwäbischer Bauer gesiegt. Das Verwaltungsgericht Sigmaringen in Baden-Württemberg entschied: Das „Loch“ darf zugeschüttet bleiben. Dies berichtete Richter Otto-Paul Bitzer am Dienstag. Verloren hat den Rechtsstreit das Landratsamt Ravensburg. Der Bauer aus Wolfegg im Allgäu hatte ein 30 Meter breites , 60 Meter langes und 7,5 Meter tiefes Loch – eigentlich eher eine Mulde – auf seiner Wiese mit Erde zugeschüttet. Vom Landratsamt erhielt er die Aufforderung, die „unerlaubt in das Loch geschütteten 2000 Kubikmeter Erde“ wieder zu entfernen – es handle sich um ein „geologisches Denkmal“. Der Bauer wehrte sich. Er hatte das Loch – der besseren Bewirtschaftung wegen – zugeschüttet, und dabei sollte es auch bleiben. Das Landratsamt sah durch die Auffüllung die oberschwäbische Hügellandschaft gefährdet. Zu ihr gehören nach Auffassung der Behörde jene aus der Eiszeit stammenden „Löcher“.. Sie seien entstanden, als unterirdische Eismassen schmolzen und die Erde eingesackt sei, hieß es. In diesen „Toteis-Löchern“ bilden sich häufig Biotope mit seltenen Tieren und Pflanzen. Das Gericht nannte es in Anbetracht des enormen finanziellen Aufwandes „unverhältnismäßig“, von dem Bauern zu verlangen, das „Loch“ wieder freizulegen.

Soweit der Artikel aus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Die indirekte Rede, in der das Gericht zitiert wird, erweckt ein bißchen das Gefühl, dass die Zeitung der Justiz in diesem Punkt nicht so ganz traut. Also schauen wir doch mal in einem einschlägigen Handbuch2 nach, was da so über „Toteis“ steht. Dort heißt es:

Toteis: 1. größere oder kleinere Eismassenreste eines Gletschers oder Inlandeises, die beim Eisrückzug und Zerfall des Gletschers bzw. Inlandeises von der Haupteismasse abgetrennt worden sind und oberflächlich lagernd oder unter Moränenmaterial verschüttet sich noch längere zeit halten können. Im Gefolge ihres Abschmelzens entstehen die Toteisformen.

Toteisformen: … oder aus kleineren Toteiskörpern, die unter Moränenschutt lagern, später auftauen und an der Oberfläche zu einem unruhigen Kesselrelief führen. Die dabei gebildeten unregelmäßigen gestalteten Hohlformen füllen sich mit Schmelz- und/oder Niederschlagswasser und bilden dann Seen bzw. Moore…

Na, scheint doch zu stimmen, was das Gericht gesagt hat. Aber welche Schlüsse ziehen wir daraus für die Speläologie? Das ist nicht allzu schwer. Man vergleiche doch mal das oben beschriebene „Loch“ mit, na sagen wir mal einer großen Doline. Die Doline ist zwar etwas tiefer, aber sonst sind doch verblüffende Ähnlichkeiten da, oder? Und auch ein ähnliches Schicksal ist nicht ausgeschlossen, klagten doch erst vor etwa eineinhalb Jahren noch offizielle Stellen über das immer noch immer wieder vorkommende Verfüllen von Dolinen auf der Alb. Dem oder den Bauern sei dabei gar nicht immer böse Absicht unterstellt. Wenn diese Objekte aber alle kartiert wären, wenn die Grundstückseigentümer von der Schutz- oder zumindest Erhaltungswürdigkeit ihres Objektes wüßten, dann würden viele doch sorgfältiger damit umgehen. Also, raus auf die Alb, die lange geplante und immer wieder verschobene Dolinenkartierung ruft!

Literaturhinweise

  1. FAZ, 27.11.1996, S.13
  2. Leser, Hartmut u.a.: DIERCKE Wörterbuch der Allgemeinen Geographie, Band 2, N-Z, München, 5. Aufl. 1991, S. 300