Ein Trip in den Karst von Barbados

Nachdem ich die letzten Urlaube richtig brav an der Heimatfront verbracht habe, war es dieses Jahr endlich einmal wieder an der Zeit, die große Sause zu machen und mich in irgend einer exotischen und aufregenden Ecke der Welt herum zu drücken. Also wurden kurzerhand ein paar Websites von Reiseveranstaltern aufgerufen und nach interessanten Angeboten für Kurzentschlossene gesucht. Die unmittelbar nächste Amtshandlung war, die in die engere Auswahl einbezogenen Gebiete per Internet-Recherche auf Karst und Höhlen zu überprüfen. Welcher Mensch mit einem Funken Restverstand fährt schließlich in eine Gegend, in der es keine Löcher gibt!

So landete ich am 20. Juni 2003 nach neun Stunden Flugzeit auf der malerischen Karibikinsel Barbados und stürzte mich zwei Tage später ins Höhlenabenteuer.

Barbados ist die östlichste Insel des karibischen Inselbogens, ein nicht einmal 40 km langes und 30 km breites Fitzelchen Land 400 km vor der Küste Venezuelas. Die Nachbarinseln, wie z.B. Martinique, St. Lucia oder Grenada, sind vulkanischen Ursprungs mit schroff aus dem Dschungel aufragenden Vulkankegeln. Barbados dagegen ist relativ flach (der höchste Berg erhebt sich gerade einmal 340 m aus dem Meer) und ausSedimentgesteinen aufgebaut. Das wichtigste Schichtglied ist dabei eine rund 100 m mächtige Folge von Korallenkalk, der fast überall auf der Insel aufgeschlossen ist. Die Insel liegt 13° nördlich des Äquators in der tropischen Klimazone. Was bedeutet das? Eine Landoberfläche, unter der reiner Kalk ansteht in Verbindung mit feuchtwarmen Klima, begünstigt im hohen Maße die Bildung von Karstformationen!

Der Süden und Westen der Insel ist ziemlich flach. Das angrenzende karibische Meer ist recht seicht und ruhig (und, nebenbei bemerkt, wirklich so unverschämt schön türkisfarben wie in den Prospekten der Reisebüros), weshalb sich dort die Touristenhochburgen und die Luxusvillen schwer reicher Ausländer befinden. Dieser Teil der Insel wird außerdem intensiv landwirtschaftlich genutzt; Zuckerrohr- und Bananenplantagen prägen das Bild. Der wilde, bergige Norden und Osten von Barbados dürfte eher dem Gemüt des mitteleuropäischen Durchschnittshöfos entgegen kommen. Gegen diesen Teil der Insel branden die ungestümen Wogen des Atlantik, weshalb hier fast überall Schwimmen verboten ist. Hier beherrschen unzählige Hügel und kleinere Berge die Landschaft, durch die sich halsbrecherisch schmale und kurvenreiche Sträßchen winden. Es gibt dort dichte Wälder von Mahagonibäumen. Bemerkenswert ist in diesem Bereich Hackleton’s Cliff, ein mehrere Kilometer langer Steilabbruch mit teilweise über 100 m hohen Felswänden, die zum Meer hin abfallen. Man kann an einigen Stellen gut die geologischen Falten des Gesteins erkennen.

Die Höhlen scheinen sich natürlich im bergigen Nordosten bzw. in der Inselmitte zu konzentrieren, obwohl es auch Hinweise auf Höhlen in den flacheren Landesteilen gibt.

Harrison’s Cave

Harrison’s Cave ist die bekannteste und wohl auch größte Höhle auf Barbados. Sie ist alsSchauhöhle erschlossen und zahlreiche örtliche Touristenbüros bieten Touren zu ihr an. Die Höhle liegt in der bergigen Inselmitte im Bezirk St. Thomas. In einem Besuchergebäude gibt eine Multimedia-Show Auskunft über die Entstehung und die Erforschung der Höhle. Der Höhleneingang ist als kleiner Park mit knorrigen Feigenbäumen gestaltet, von denen Luftwurzeln wie lange Bärte herabhängen.

Wahrscheinlich hat schon die indianische Urbevölkerung die Eingangsregion der Höhle besucht und dem weißen Mann ist sie seit dem 18. Jahrhundert bekannt. Die Harrison’s Cave ist nach dem Besitzer des Grundstücks benannt, auf dem sie sich befindet. Ab 1970 hat der dänische Höhlenforscher (ich weiß, das klingt wie ein Oxymoron) Ole Sorensen die Erkundung vorangetrieben. Seit 1981 ist die Höhle für den Publikumsverkehr eröffnet. Die Höhle ist insgesamt 3 Meilen lang, wovon rund ein Drittel zur Schauhöhle ausgebaut ist. Die Lufttemperatur liegt konstant bei 26° C, die Wassertemperatur ist ähnlich hoch. Ich frage mich ernsthaft, warum angesichts solcher Forschungsmöglichkeiten manche Höfos so versessen auf alpine Höhlen sind, in denen es arschkalt ist und es nicht den kleinsten Tropfstein zu sehen gibt!

Die Befahrung der Höhle ist in diesem Fall sogar eine „Befahrung“ im wahren Sinne des Wortes! Eine elektrische „Zugmaschine“ zieht mehrere Anhänger, in denen die Reisenden auf Bänken Platz nehmen. Da vier oder fünf Personen nebeneinander sitzen können, ist das Fahrzeug entsprechend breit – und die Höhle auch!

Anfangs führt die Fahrt durch einen geräumigen Stollen, der alsbald natürliche Hohlräume erreicht. Die Karsthohlräume wurden jedoch stellenweise ebenfalls brachial erweitert, um Platz für den „Zug“ zu schaffen. Die Gangsohlen sind natürlich auf ihrer gesamten Breite ausbetoniert, damit der Zug fahren kann. Bei dem Gedanken alleine kräuselt es demHöhlenschützer die Zehennägel… Die Höhle verzweigt sich nach dem Eingangstunnel in zwei Äste, die beide besucht werden. Da es keinen Rundgang gibt, werden beide Höhlenteile zweimal durchquert.

Die Höhle ist aber sehr wohl sehenswert. Die Raumhöhen erreichen stellenweise problemlos über 20 m und überall wimmelt es von Tropfsteinen. Manche gelblich, andere schneeweiß. Es gibt märchenhaft schöne Sinterbecken, durch die kristallklares, grünlich schimmerndes Wasser plätschert. Die elektrische Beleuchtung ist sehr gut gemacht und unterstreicht den Charakter der Höhle.

In einer Halle befindet sich ein geheimnisvoll grün schimmernder See, über den die Forscher vom natürlichen Eingang her vordrangen. Am Ufer liegt noch eines der alten Boote.

Es gibt am Ende des Schauteils eine andere Halle, wo ein 14 m hoher Wasserfall in einen tiefgrünen See stürzt.

Nicht nur von der Fortbewegungsweise her, sondern auch von den Raumformen, erinnert Harrison’s Cave ein wenig an die Postojnska Jama (Slowenien), obwohl letztere noch üppigeren Tropfsteinschmuck aufweist. Eine hohe Halle mit einem „Tropfsteinberg“ ähnelt dem „Kalvarienberg“ in der Postojnska.

Leider findet fast die gesamte Tour im Wagen statt, was es erheblich erschwert, während der Fahrt gut zu fotografieren. Fotografieren ist übrigens ausdrücklich erlaubt, während Videoaufnahmen explizit verboten sind. Natürlich ist das eingebaute Miniblitzlicht meiner Kamera zudem hoffnungslos mit den Dimensionen der Räume überfordert. Nur in zwei Hallen darf man kurz aussteigen und ein paar Minuten umhergehen.

Die Führung dauert ca. 45 Minuten. Trotz der angeschnittenen kleinen Schwachpunkte lohnt sich ein Besuch der Höhle auf jeden Fall.

Leider ist Harrison’s Cave die einzige Höhle, die ich selbst besuchen konnte. Nachfolgend noch ein paar Infos über weitere Höhlen und Karsterscheinungen, die ich anhand von Literaturangaben ausfindig gemacht habe.

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Harrison’s Cave

Harrison’s Cave

Harrison’s Cave

Harrison’s Cave

Harrison’s Cave

Harrison’s Cave

Cole’s Cave

Laut Seeliger-Mander (1997: 204) liegt diese Höhle in der Nähe der Harrison’s Cave und ist nicht erschlossen. Angeblich kann man einen einheimischen Führer anheuern, der einem die Höhle zeigt, doch leider wird nicht gesagt, wo man diesen Führer findet. Reil (2000)beschreibt auf seiner Webseite einen um ein Haar tödlich verlaufenen Tauchgang in einer Höhle, die zum Höhlensystem von Cole’s Cave gehört. Diesem Bericht nach, war das dänische Team von der Harrison’s auch hier aktiv. Weitere Informationen, vor allem zur Lage und Gestalt des Höhlensystems, waren auch im Internet nicht aufzutreiben.

In einem Artikel in der New York Times (Marcus (1994)) habe ich inzwischen ein paar Kontaktinformationen gefunden, die jedoch möglicherweise veraltet sind.

Animal Flower Cave

Die Animal Flower Cave ist wahrscheinlich noch berühmter als Harrison’s Cave. Sie liegt am North Point, dem Kap im äußersten Norden von Barbados im Bezirk St. Lucy. Es handelt sich um eine Brandungshöhle in der Steilküste, die von oben über eine in den Fels gehauene Treppe zugänglich ist. Für den Besuch der Höhle wird ein Eintrittsgeld fällig. Man hat aus dem Innern einen schönen Ausblick aufs Meer. In der Höhle gibt es mehrere Tümpel mit Meerwasser, in denen Seeanemonen leben. Diese Lebewesen nannte man früher auf Englisch „Animal Flowers“, die so zum Namenspatron der Höhle wurden.

Wie groß die Höhle ist, konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Es soll in den Klippen noch weitere Brandungshöhlen geben, die bei Ebbe mit Booten vom Meer her zugänglich sind. Laut Duckeck (2003) wurden die Sedimente in der Höhle von deutschen Wissenschaftlern untersucht und Rückschlüsse auf die Entstehung der Animal Flower Cave gezogen.

Auf den Webseiten von Mendes (2000) und Raphael (1998) gibt es ein paar hübsche Fotos zu sehen.

Welchman Hall Gully

Der Welchman Hall Gully liegt ebenfalls in der Mitte der Insel im Bezirk St. Thomas, etwas nördlich von der Harrison’s Cave. Es handelt sich um ein felsiges Tal mit üppiger tropischer Vegetation, in dem sich auch zahlreiche Höhleneingänge befinden. Offenbar ist der Welchman Hall Gully ein Trockental, das durch Verkarstung entstanden ist.

Auf einer meiner dürftigen Touristen- Karten ist in der Nähe noch ein „Jack In The Box Gully“ eingezeichnet. Ich habe keine Ahnung, was das ist und ob es sich auch um ein Karstphänomen handelt.

Weitere Hinweise auf Höhlen

Auf der Fahrt von dem Dorf Rock Hall zur Harrison’s Cave bewegt man sich durch eine wildromantische, intensiv verkarstete Landschaft. In den Felsen am Straßenrand gähnen überall dunkle Löcher und man kann regelrecht vom fahrenden Auto aus auf „Höhlenjagd“ gehen. Vor vielen Eingängen wachsen Palmen und Feigenbäume mit ihren ewig langen Luftwurzeln, was der Sache einen charmanten Dschungel- Touch verleiht. Dort hat es mich regelrecht gekribbelt, einen auf Indiana Jones zu machen und die ganzen Löcher im Dschungel der Reihe nach abzugrasen!

Auf der Karte sind mehrere Stellen eingezeichnet, die die Bezeichnung „Cave Hill“ tragen. Ob das Orts- oder Gebietsnamen sind, kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen, doch scheint es sich um deutliche Hinweise darauf zu handeln, dass da Hügel mit Höhlen sind. Einer dieser Plätze befindet sich im ersten Drittel der Strecke von der Inselhauptstadt Bridgetown nach Holetown, ein anderer an der Nordostküste nahe dem Aussichtspunkt Pico Teneriffe. An der Südostküste ist eine „Salt Cave“ in der Karte vermerkt, weiter im Norden (nördlich des heute als Hotel dienenden Piratenschlosses Sam Lord’s Castle) gibt es eine „Cave Bay“.

Da Barbados ein beliebtes Ziel für Reisende aus Großbritannien, aber auch aus den USA darstellt, also aus zwei Ländern, in denen Höhlenforschung Popularität genießt, kann man davon ausgehen, dass die Höhlen hier gut erforscht wurden. Die geringe Größe der Insel und die recht gute Infrastruktur erleichtern das natürlich noch.

Übrigens: Auf dem Heimflug gab es eine Zwischenlandung in der Dominikanischen Republik und dabei habe ich aus der Luft einen kurzen Blick auf einen Cañon im Dschungel erhascht. In diese Schlucht stürzt ein Wasserfall hinab und sie ist in ein eindeutig geschichtetes Gestein eingeschnitten – wenn das kein Indiz für einen künftigen Höfo- Urlaub ist… Wer geht mit?

Quellen

A.A. (o.J.): Harrison’s Cave, Barbados.- http://www.barbados.org/hcave.htm [Webseite über Harrison’s Cave].

A.A. (o.J.): HarrisonsCave.com.- http://harrisonscave.com/ [Offizielle Webseite der Harrison’s Cave].

Barbados Tourism Authority (2003): Karten.- http://www.barbados-karibik.de [anklickbare Landkarten].

Duckeck, J. (2003): Barbados.- http://www.showcaves.com/english/car/region/bb.html [Schauhöhlen in Barbados].

Marcus, F. F. (1994): Winter in the sun; the greening of the Caribbean.- Reisebericht in der New York Times [U.A. Kontaktinformationen für Cole’s Cave].

Mendes, S. E. (2000): Animal Flower Cave.- http://www.smendes.com/afc.htm [Fotos von der Animal Flower Cave].

Pinck, A. (1999): Barbados, St. Lucia, St. Vincent, Grenada.- DuMont- Reise- Taschenbücher; Bd. 2174, 237 S.; Köln (DuMont).

Raphael, A. (1998): Animal- Flower Cave.-http://www.vu.union.edu/~raphaela/barbados/fc.html [Webseite existiert nicht mehr].

Reil, R. (2000): Unlucky Dive #7.- http://ronreil.abana.org/dive.shtml [Tauchgang in Cole’s Cave].

Seeliger-Mander, E. (1997): Barbados, Insel unter dem Wind.- 264 S.; Bielefeld (Reise Know-How).

Grottes de Matata

Im Südwesten Frankreichs mündet die Gironde in einer breiten Mündungsbucht in den Atlantik. Kurz vor der Mündung, bei dem Örtchen Meschers, 13 Kilometer südöstlich von Royan, sind in der Kreideküste am rechten Ufer die Grottes de Matata zu finden. Es handelt sich dabei um vom Meer ausgespülte Höhlungen, die von Menschenhand später nachbearbeitet wurden. Da sie sich seit ihrer Entstehung im Zusammenhang mit der Auffaltung der Pyrenäen einige Meter gehoben haben, liegen sie heute in komfortabler Höhe über der breiten Flußmündung.

Mit der Ausrichtung nach Südwesten, der Trockenheit innerhalb der Höhlen und der unzugänglichen Lage dienten sie schon früh Menschen als Unterschlupf. Belegt sind die Besiedlung durch Araber um 730 unserer Zeitrechnung, die Verwendung als Zuflucht vor Wikingerangriffen um 844 und die Nutzung als Kultstätten durch die Protestanten, als deren Glaubensbekenntnis im katholischen Frankreich verboten war.

Heute besteht die Möglichkeit, in den Grotten zu übernachten, beziehungsweise eine 40-minütige Führung mitzumachen. Der Rundgang erschöpft sich hauptsächlich in kulturhistorischen Details, speläologische Neigungen werden nur am Rande befriedigt. Nicht uninteressant ist das ebenfalls in den Grotten untergebrachte Umweltmuseum der Flußmündung der Gironde. So war mir beispielsweise neu, dass in der Mündung der Gironde in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eifrig nach Stör gefischt wurde, aus dem man Kaviar gewinnt. Leider fischte man wohl etwas zu eifrig, und auch die industrielle Entwicklung in Städten wie Bordeaux, das etwas weiter flussaufwärts liegt, trug mit den dadurch in den Fluss geleiteten Abwässern dazu bei, dass die Störe kurz vor dem Aussterben standen. Heute erholt sich die Population gerade wieder etwas, und man ist guter Hoffnung, dass sich die Störe hier bald wieder ungestört vermehren können.

Wen´s interessiert: Die Grottes de Matata sind von Februar bis November geöffnet, das Grottenhotel ist unter der Telefonnummer 0033 (0) 546 02 70 02 zu erreichen.

Ein Trip in die Türkei, ober- und untertage

Seitdem ich als junger Höfo vor knapp 15 Jahren zum ersten mal G. E. Schmitts Buch „Ich war in der Unterwelt“ in den Händen gehalten und die phantastischen Fotos aus türkischen Höhlen gesehen habe, faszinierte mich die Vorstellung, einmal in das Land am Bosporus zu reisen und selbst zu schauen, was es mit dem dortigen Untergrund auf sich hat.

Zwischen Weihnachten und Silvester 2000 habe ich mir erlaubt, dem grauslichen deutschen Schmuddelwetter zu entfliehen und mir eine Woche Urlaub in der Türkei gegönnt. Mir war das Vergnügen zuteil, in Gesellschaft einer fabelhaften, jedoch nicht hypogäischen Interessen zugeneigten jungen Dame zu reisen, so dass Helm und Karbidlicht im heimischen Materialschrank weiter träumen durften. Trotzdem bin ich dem Vorsatz treu geblieben, meine Nase wenigstens in ein paar harmlose unterirdische Hohlräume zu stecken. Obwohl eine Woche natürlich bei weitem nicht ausreichte, auch nur alle wichtigsten Sehenswürdigkeiten dieses interessanten und abwechslungsreichen Landes zu besichtigen, konnte ich doch einige erste Eindrücke über Höhlen und Karst der Türkei gewinnen.

An zwei Tagen haben wir an einem so richtig dekadenten Touristen- Ausflug mit dem Bus ins Gebirge teilgenommen und an einem anderen Tag haben wir uns für eine eigene Erkundungstour einen Mietwagen besorgt. Die übrige Zeit verbrachten wir u.a. mit Streifzügen zu Fuß in der Umgebung des Hotels. Ausgangspunkt aller Touren war ein Dorf an der Küste ca. 60 km westlich von Antalya.

In der Türkei unterwegs zu sein, macht viel Spaß und wer Italien ohne Nervenzusammenbruch übersteht, ist auch reif für den türkischen Fahrstil. Mit zwei Problemen muss sich der Reisende in der Türkei jedoch auseinander setzen. Als eine Schwierigkeit stellte sich die recht mangelnde Genauigkeit der uns zur Verfügung stehenden Karte heraus, auf der kleinere Straßen und sogar Dörfer einfach fehlen. Damit waren diverse Irrfahrten automatisch vorprogrammiert, als wir uns ein wenig aus dem Touristengebiet ins Inland wagten. Es soll allerdings auch bessere Karten geben, die auf Luftbildaufnahmen beruhen, die jedoch nicht ganz einfach aufzutreiben sind. Bei der kleinen Irrfahrt wurden wir mit dem anderen Problem konfrontiert, das darin besteht, dass die Türken zwar generell überaus hilfsbereit und gastfreundlich sind, man aber außerhalb der größeren Städte kaum Leute trifft, die eine Fremdsprache beherrschen. Somit müsste eine Höhlenexpedition in die karstkundlich weniger erforschten Gebiete des Landes darauf bedacht sein, mindestens einen Teilnehmer mit wenigstens grundlegenden Kenntnissen der türkischen Sprache dabei zu haben.

Die Türkei ist ein überaus gebirgiges Land. Das Taurusgebirge reicht im Süden bis an die Mittelmeerküste heran und nur wenige Kilometer im Landesinnern befindet sich der Reisende bereits auf einer Höhe von über 1000 m ü. NN. Der höchste Punkt des Landes ist der Büyük Ağrı Dağı, besser bekannt als Ararat im Länderdreieck Türkei – Armenien – Iran. Er ist 5165 m hoch. Wenn ich jetzt noch erwähne, dass über 30 % der Landfläche mit Karbonatgesteinen bedeckt sind, dürfte es jedermann klar werden, dass in der Türkei mit imposanten Karsterscheinungen zu rechnen ist.

Höhlenforschung wird in der Türkei erst seit einigen Jahrzehnten in einem größeren Maßstab betrieben. Ab den 1950er Jahren waren es hauptsächlich Expeditionen aus Frankreich, Großbritannien und der Tschechoslowakei, die den türkischen Karst von seiner Unter- bzw. Innenseite studiert haben. Seit einer Reihe von Jahren haben sich, vor allem in den Universitätsstädten, aber auch schlagkräftige türkische Höhlenvereine formiert. Sie haben Ergebnisse erzielt, die sich sehen lassen können, z.B. die Erforschung einer mehr als 1400 m tiefen Schachthöhle. In dieser Höhle wurden übrigens vor kurzem (im August 2001) mehrere Höfos vom Hochwasser eingeschlossen.

In manchen Regionen kann man Höhlenforschung schon fast vom fahrenden Auto aus betreiben. Zum Beispiel an der Straße von Antalya nach Isparta, die sich ins Taurusgebirge hoch schlängelt, kann man vom Fahrzeug aus Dutzende dunkel gähnende Löcher in den Felswänden erspähen. An dieser Strecke liegt irgendwo rechterhand auch ein aktiver Steinbruch, in dessen oberem Wandteil offenbar eine Höhle relativ frisch angeschossen worden ist und man kann die Reste von Sinter im Eingang erkennen.

Im Folgenden will ich einige (mutmaßliche) Karsterscheinungen beschreiben, die wir auf unserer Reise mehr oder weniger gründlich in Augenschein genommen haben.

Der Acıgöl-See

Der Acıgöl-See liegt südlich der Straße von Isparta nach Denizli, ca. 140 km NW des bekannten Touristenortes Antalya. Der See befindet sich auf einem Hochplateau, das von mehr als 2000 m hohen Bergen umrahmt wird.

In dem grauen Winterwetter zum Zeitpunkt unseres Besuches hatte der See eine eigenartige, fast schon mystische Ausstrahlung. Seine silbergraue Wasseroberfläche, in der sich die schweren Schneewolken spiegelten, bildete einen merkwürdigen Kontrast zu dem braunen, dürren Gras- und Strauchwerk in seiner Umgebung und den schneebedeckten Bergen im Hintergrund.

Der See ist ziemlich flach und das Wasser ist salzhaltig. Im Sommer trocknet er zu einem großen Teil ein und am Seegrund kristallisieren die verschiedenen Mineralien aus. Laut Aussage unseres Reiseführers fahren die Türken dann mit Baggern in den ausgetrockneten See und bauen die Evaporite ab, die in einer Fabrik in der Nähe zu Waschmittel verarbeitet werden. Ich habe nur eine Literaturstelle [1] gefunden, laut der das Wasser einen großen Gehalt an Calcium- und Magnesiumhydrogencarbonat aufweist bei einem hohen Chlorid / Sulfat-Verhältnis. Das sind Substanzen, die man normalerweise nicht an seiner Wäsche haben möchte, sondern die eher in der Glas- und Lederwarenindustrie Verwendung finden. Möglicherweise lag unser Reiseführer mit seiner Information einfach falsch.

Informationen über die Herkunft des Sees und seiner Mineralsalze habe ich nicht gefunden und somit bin ich mir nicht sicher, ob ein Zusammenhang mit Karst besteht. Das Vorhandensein von Hydrogencarbonaten der Erdalkalimetalle Calcium und Magnesium ist in Karstwässern jedenfalls nicht ungewöhnlich, obwohl natürlich auch andere Ursachen denkbar sind, wie z.B. hydrothermale Prozesse.

Die Sinterterrassen von Pamukkale

Die Sinterterrassen von Pamukkale sind wahrscheinlich das touristisch bestbekannte Naturwunder der Türkei und natürlich konnten auch wir es unmöglich auslassen, dieses Phänomen Auge in Auge zu bestaunen. Dabei handelt es sich nicht einmal um eine Karsterscheinung im strengen Sinne, obwohl es kaum ein einführendes Buch über Höhlen und Karst gibt, in dem Pamukkale nicht Erwähnung findet…

 

Pamukkale im Winter. Als Größenvergleich siehe die Personen am linken Bildrand!

Die Sinterterrassen von Pamukkale befinden sich am Rand des gleichnamigen Dorfes, knapp 30 km von Denizli entfernt bzw. 180 km NW von Antalya. Die Sinterterrassen erstrecken sich über eine Länge von ungefähr drei Kilometern und über einen Höhenunterschied von 50 bis 60 m über einen das Umland dominierenden Berghang, der von unten fast aussieht wie eine weiße Wand. Die einzelnen Sinterbecken sind grob geschätzt zwischen 3 und 10 m breit.

Die chemischen Prozesse bei der Bildung dieser Sinterterrassen unterscheiden sich nicht wesentlich von der Genese von Sinterbecken in Höhlen. Das mit Calciumhydrogencarbonat gesättigte Wasser gibt Kohlendioxid an die Atmosphäre ab, das chemische Gleichgewicht verschiebt sich und Calciumcarbonat kristallisiert aus. Das Calciumcarbonat kristallisiert aufgrund der höheren Wassertemperatur allerdings nicht in Form des Minerals Calcit aus, welches die Tropfsteine in mitteleuropäischen Höhlen aufbaut, sondern als Aragonit. Aragonit und Calcit besitzen die gleiche chemische Summenformel, jedoch unterschiedliche Kristallstrukturen.

Der Unterschied zwischen Sinter in Höhlen und den Terrassen von Pamukkale besteht darin, dass in Höhlen nur der unterschiedliche Kohlendioxid-Partialdruck im Wasser und in der Höhlenatmosphäre für die Verschiebung des chemischen Gleichgewichts verantwortlich ist. Das Wasser von Pamukkale hingegen entspringt einer heißen Quelle. Gase sind in warmen Wasser schlechter löslich als in kaltem, daher scheidet sich das Aragonit rasch ab, sobald das heiße Wasser den Berg verlässt und es nicht mehr dem Druck des Deckgebirges unterliegt.

Das Wasser der heißen Quelle wird übrigens durch ein raffiniertes Kanalsystem auf die Sinterterrassen verteilt. Bereiche, die längere Zeit trocken liegen, verlieren bald ihre schneeweiße Farbe und färben sich unansehnlich braun. Sobald sie jedoch wieder einige Zeit „bewässert“ werden, werden die schmutzigen Schichten wieder mit frischem, weißen Sinter überzogen.

Die Thermalquellen und die Lage auf einem Berg, der eine weit reichende Aussicht über die vorgelagerte Ebene gewährt, ließen den Ort schon früh in den Blickpunkt menschlicher Interessen rücken. Die alten Griechen gründeten gleich bei den Sinterterrassen die Stadt Hierapolis, die später von den Römern weiter genutzt wurde. Die heutige Zufahrtstraße führt quer durch die Nekropole der antiken Stadt und links und rechts der Straße liegen zu tausenden die weißen Marmorsarkophage der hier bestatteten Einwohner. Ein Stückchen weiter oben am Berg befindet sich das ehemalige Theater der alten Stadt, das von Archäologen gut restauriert wurde. Es gibt außerdem ein archäologisches Museum, dessen Besuch sich lohnt.

Im 20. Jahrhundert entstanden direkt bei den Quellen Hotels, die die Gegend verschandelten und den Sinterterrassen das warme Wasser abgruben. Diese wurden inzwischen von der türkischen Regierung aufgekauft und abgerissen und das Gebiet unter Naturschutz gestellt. Nur ein Drittel ist für Touristen und Badegäste zugänglich. Ranger achten darauf, dass auch die zugänglichen Teile nur barfuß betreten werden, damit der weiche Sinter nicht zertrampelt wird. Dank des Thermalwassers ist das Plantschen sogar im Winter gemütlich, nur das Verlassen des Wassers hinterher nicht…

In den meisten Prospekten und Reiseführern sieht man unter dem Stichwort „Pamukkale“ die Sinterbecken mit fröhlichen, badenden Menschen unter strahlend blauem Himmel. Das Winterwetter eröffnete uns auch hier eine interessante und abweichende Perspektive. Das Land lag unter einer dünnen Schneedecke, die auch die trockenen Sinterbecken ausfüllte und alles in ein helles Weiß hüllte. Über den mit heißem Wasser gefüllten Becken standen durch den Temperaturkontrast enorme Dampf- und Nebelwolken, obwohl das Wasser nicht einmal sehr heiß ist. Der Boden schien regelrecht zu brennen.

Düden Şelalesi (Düden-Wasserfall)

Dieser reizvolle Ort liegt etwa 10 km landeinwärts und NE von Antalya und ist über ein schmales Rumpelsträßchen zu erreichen. Der Fluss Düden stürzt hier als Wasserfall in die Tiefe und hat große Kalktufflager gebildet, in denen sich eine richtige Tuffhöhle befindet.

Der Düden-Wasserfall ist ca. 15 m hoch und 20 m breit.

Man entrichtet ein geringes Eintrittgeld und besucht einen hübschen Park mit botanischem Garten, Wasserspielen und Bänken und Tischen, die bei schönerem Wetter zum Picknick einladen. Das Wasser des Düden-Flusses rauscht herrlich eisblau durch einen Taleinschnitt, in den man über Treppen hinabsteigen kann, um am Ufer entlang zu schlendern. Der Fluss erhält aus einigen kleineren Quellen zusätzliches Wasser. Auch diese kleinen Quellen, die von den Hängen des Tals herab plätschern, haben kräftig Kalktuff abgelagert. Ein solcher Mini-Wasserfall hat Tuffgebilde in der Form von Pseudo-Stalagmiten und -Stalaktiten gebildet, was das Herz des Speläologen natürlich höher schlagen läßt.

Ein kleiner Nebenfluss des Düden hat Pseudo-Stalaktiten und -Stalagmiten aus Kalktuff gebildet.

Der Höhepunkt ist natürlich der große Wasserfall, der schätzungsweise 15 m hoch und 20 bis 25 m breit ist. Der Clou an der Sache ist der, dass der Spazierweg hinter den Wasserfall in eine Tuffhöhle führt. Es handelt sich im wesentlichen um Felsdächer, die dadurch entstanden sind, dass sich die Kalktuffpolster horizontal immer weiter vorgebaut haben, so dass das Wasser nun in einigem Abstand von der Felswand herabstürzt. Die Höhle besteht aus mehreren Kammern, die durch kurze Gänge verbunden sind. Einige dieser Durchgänge wurden aber offensichtlich künstlich durchgebrochen. Man kann aus einigen Gangfenstern von hinten auf den Waserfall schauen, was sehr reizvoll aussieht. Ich habe mir sagen lassen, dass man im Sommer auch in der angenehmen Kühle der Höhle übernachten kann. Dürfte nur etwas laut sein… Man verlässt die Höhle durch eine eiserne Wendeltreppe, die in den oberen Bereich des Parks zurück führt. Die Gesamtlänge der Höhle dürfte ungefähr bei 40 m liegen.

In den Düden-Tuffhöhle. Durch ein Gangfenster schaut man von hinten auf den Wasserfall.

Quellen: [2]

Weitere Objekte

In der Umgegend von Antalya gibt es weitere karstkundlich interessante Objekte, die wir jedoch nicht mehr anschauen konnten, da uns die hierfür nötige Zeit fehlte. Die folgenden Informationen habe ich der Literatur entnommen.

Kurşunlu Şelalesi (Kurşunlu-Wasserfall)

Dieser Wasserfall liegt ca. 40 km NE von Antalya, nördlich der sehenswerten Ruinenstadt Perge. Er dürfte in den Dimensionen mit dem Wasserfall von Düden vergleichbar sein und auch er soll große Kalktufflager gebildet haben, in denen sich Hohlräume befinden.

Quellen: [2]

Karain Mağarası (Schwarze Höhle)

Diese Höhle ist eine echte Karsthöhle, die touristisch erschlossen wurde. Sie liegt ca. 30 km NW von Antalya. Die Höhle ist schon seit langer Zeit bekannt und war schon in prähistorischer Zeit besiedelt, wie die seit den 1940er Jahren durchgeführten Ausgrabungen gezeigt haben. Allein die Sedimentschichten aus dem mittleren Paläolithikum waren 11 m mächtig. Es wurden Knochen und Werkzeuge aus der Epoche des Neandertalers gefunden, die die ältesten menschlichen Fossilien darstellen, die bislang in der Türkei entdeckt worden sind. Es wurden außerdem die Überreste von Höhlenbären und Höhlenlöwen aus dem Pleistozän gefunden. Teile der Funde sind in dem Museum vor Ort ausgestellt, andere in der prähistorischen Abteilung des Museums in Antalya.

Über die Räumlichkeiten der Höhle sowie die Öffnungszeiten habe ich leider keine Informationen gefunden. Nach [3] besteht die Höhle aus sieben Kammern. Die verschiedenen Quellen belegen aber, dass die Höhle Sinterschmuck aufweist.

Quellen: [2], [3]

Damlataş Mağarası (Damlataş-Höhle)

Diese Höhle liegt etwas abseits der anderen hier geschilderten Objekte, in der Nähe von Alanya, einem anderen populären Touristenort an der türkischen Riviera. Auch sie ist touristisch ausgebaut und weist Tropfsteinschmuck auf. Entdeckt wurde die Höhle zufällig im Jahr 1948 und es wurde festgestellt, dass die feuchte, staubarme und leicht radioaktive Höhlenluft erfolgreich zur Linderung von Asthma genutzt werden kann. Die Höhle besteht aus zwei Räumen [2].

Zusammenfassend kann man sagen, dass mir der Trip sehr gut gefallen hat und dass es viel zu sehen und zu entdecken gibt. Wer sich motiviert fühlt, der Türkei ober- und untertage einen Besuch abzustatten, sollte dies unbedingt tun. Es lohnt sich.

Literatur

  1. Hydrochemical Results of the Lakes Burdur and Acygöl, Western Anatolia, Turkey.- Quelle im Internet: http://www.the-conference.com/JConfAbs/4/814.html
  2. Gillett, A. (1998): Süd-Türkei, Antalya und die ganze Umgebung.- 104 S., zahlr. farb. Abb.; Istanbul (Keskin Color).
  3. Karain Cave Excavations.- Quelle im Internet:http://www.geocities.com/levent_atici/karain_cave.html

Eine faszinierende Welt unter der Erde

Um mich herum ist es dunkler als in der schwärzesten Nacht, nur der Lichtstrahl meiner Helmlampe geistert über zerfurchte und feucht schimmernde Felswände. Unter mir verliert sich mein Licht in der gähnenden, finsteren Leere; über mir sehe ich einen kleinen Lichtflecken, der rasch kleiner und kleiner wird. Wie weit geht es noch hinab? Jeder Ruck des Seiles belastet die Nerven bis zum Zerspringen. Von der Decke abfallende Wassertropfen glitzern durch meine Lampe kurz auf wie Edelsteine und werden dann von dem düsteren Abgrund verschluckt. Endlich tauchen die schemenhaften Konturen des Felsbodens unter mir aus der Dunkelheit auf. Geschafft, ich bin unten!

So schildert sich der Abstieg in einen mehr als 40 m tiefen Höhlenschacht der Schwäbischen Alb, in den ich mich mit zwei Freunden abgeseilt habe, um dort Untersuchungen anzustellen. Wir entnehmen unseren Spezialrucksäcken, den sog. „Schleifsäcken“, Thermometer und Hygrometer, um die Temperatur und die Feuchtigkeit der Höhlenluft zu messen. Die Geräte zeigen 8,2 Grad und 89 % Luftfeuchte an, typische Werte für Albhöhlen.

Warum machen wir diese Messungen, welcher Sinn verbirgt sich dahinter?

Wir wollen herausfinden, ob schädliche, mit ungeklärten Abwässern an der Erdoberfläche versickernde Bakterien in Höhlen lebensfähig sind und zu einer Verseuchung des Grundwassers führen können. Da neben dem Nahrungsangebot die Wärme und die Feuchtigkeit Parameter für die Lebenstätigkeit von Mikroorganismen darstellen, müssen wir diese Werte kennen.

Durch unsere Untersuchungen stellt sich heraus, dass Bakterien in Höhlen lange nicht absterben und daher das Grundwasser verunreinigen können. Wenn in einem Karstgebiet eine Quelle zur Trinkwasserversorgung erschlossen werden soll, dann versuchen Höhlenforscher, ob sie den unterirdischen Bachlauf verfolgen können, um zu klären, ob es im Berg ausreichende Wasservorräte gibt und ob sie verschmutzungsgefährdet sind. Gerade im Bereich der Karsthydrologie ist die Höhlenkunde auch für die Allgemeinheit von wertvoller Bedeutung. Deshalb ist die Suche nach reinem Wasser, unser aller Lebenselement, sowie die Reinhaltung desselben eine wichtige Aufgabe der Höhlenforscher heute und in der Zukunft.

Häufig wird zur Erkundung unterirdischer Wasserläufe, die dem Menschen unzugänglich sind, die Technik der Tracermarkierung verwendet. Man gibt an der Stelle, an der das Wasser im Boden verschwindet, einen Stoff ein, der im Wasser leicht nachweisbar ist. Früher war dies Salz, das am Geschmack identifiziert wurde, heute benutzt man den intensiv gelbgrün schillernden Farbstoff Fluorescein. Dieser kann noch in einer Verdünnung von 1: 10 Millionen erkannt werden!

Aber nicht nur wegen der Trinkwasserversorgung ist es sinnvoll, die Lage und den Verlauf von Höhlen zu kennen. Auch bei Großbauten ist dieses Wissen von Nutzen. Als der Nil am Assuan-Stausee aufgestaut werden sollte, wurde bemerkt, dass ein erheblicher Teil des Wassers durch unbekannte Höhlen zum Roten Meer abfloss! Dies hatte zur Folge, dass das Nilwasser nur begrenzt genutzt werden konnte. In vielen Höhlengegenden, auch in Deutschland, werden beim Häuser- und Straßenbau oftmals Höhlen angeschnitten. Hier muss entschieden werden, ob das Gestein dadurch noch tragfähig genug ist, um überbaut werden zu können. Allerdings ist es nicht selten eine Fehlentscheidung, wenn man sich zur oft überflüssigen und kostenspieligen Zerstörung einer Höhle durch Verfüllung mit Beton entschließt.

Wir haben unsere Messungen beendet und bereiten uns auf den Rückweg vor. Als ich beim Packen der Schleifsäcke am Boden sitze, bemerke ich ein Tier auf den Felsen, das rasch zwischen den Steinen verschwinden will. Wir reagieren schnell, schon bald ist es gefangen. Es handelt sich um einen Laufkäfer, der vermutlich durch den Eingang herabgefallen ist. Nach einem kurzen Blitzlichtgewitter wird er wieder in seine dunkle Freiheit entlassen.

Keineswegs sind die dunklen Tiefen völlig lebensfeindlich. Die finsteren Regionen unseres Planeten bedeuten für die meisten Lebewesen den sicheren Tod, für andere aber, die sich im Laufe von Jahrhunderttausenden an die extremen Bedingungen angepasst haben, sind sie ein Paradies. Die Höhlenverhältnisse – Kälte, Dunkelheit und karges Nahrungsangebot – die für die allermeisten Organismen lebensbedrohend sind, sind für jene Lebenskünstler unter der Erde von Vorteil. Die Temperatur ist zwar niedrig, aber konstant. Weder extreme Hitze oder Kälte belasten den Organismus der Höhlentiere. Die Dunkelheit schützt einerseits vor vielen Fressfeinden und andererseits vor der gefährlichen ultravioletten Strahlung der Sonne, welche die Bewohner der Erdoberfläche mittels Fell, Federn oder Hautpigmenten abwehren müssen. Pigmente werden für Höhlenbewohner entbehrlich, weshalb echte Höhlentiere meist blass und fahl sind. Auch die Flügel verkümmern, da ohne Licht ein gezieltes Fliegen unmöglich ist.

Wie ist das dann mit den Fledermäusen, die eben doch bei Nacht fliegen?

Schon der im 18. Jahrhundert lebende italienische Biologe Spallanzani befasste sich mit Fledermäusen und schrieb deren Orientierungsvermögen einem unbekannten „7. Sinn“ zu. 1938 wurde das Rätsel gelöst: Die Fledermäuse benutzen eine Art Radarortung. Sie stoßen Schreie von dermaßen hoher Frequenz aus, dass sie für den Menschen unhörbar sind. Diese werden von Hindernissen reflektiert. Aus Art und Richtung des Echos können die wendigen Flieger auf die Entfernung des Hindernisses schließen und so auch bei Nacht sicher fliegen. Leider spuken auch heute noch absurde Vorstellungen durch die Köpfe der Menschen: Die Tiere seien ekelhaft und würden besonders Frauen nachts heimtückisch anfallen. Jeder, der einmal eine Fledermaus auf einem Foto gesehen hat, wird das erste Urteil widerrufen müssen, denn diese – mit den Spitzmäusen entfernt verwandten – Säuger zeichnen sich durch geradezu possierliche Gesichter aus. Die Gefährlichkeit der zu den Chiropteren (Armflügler) zählenden Tiere ist nicht nur übertrieben dargestellt, sie sind im Gegenteil völlig harmlos. Die vermeintlichen „Fledermausangriffe“ zeigen nur die Schwächen der Radarortung auf: Fülliges Frauenhaar schluckt den Ultraschallimpuls, so dass die Fledermaus den plötzlich in ihrem Weg auftauchenden „Fremdkörper“ wegen des fehlenden Echos „übersieht“. Übrigens müssten die Fledertiere eigentlich die Freunde aller Landwirte sein, da sie Unmengen von Schadinsekten vertilgen: Jedes Individuum verzehrt pro Nacht eine Insektenzahl, deren Masse dem eigenen Körpergewicht entspricht!

Das bekannteste Höhlentier ist der Grottenolm, ein blass-fleischfarbener, augenloser und kiementragender Molch, der nur in einigen bestimmten Höhlen Sloweniens und Bosniens vorkommt. In Deutschland gibt es nur wenige echte Höhlentiere, die – im Gegensatz etwa zu dem erwähnten Laufkäfer – voll an das Höhlenleben angepasst sind. Dazu zählen die bis zu zwei Zentimeter langen Brunnenkrebse und die gerade millimeterlangen Springschwänze.

Die Höhlentiere sind auf die Nahrung angewiesen, die vom Wasser eingespült oder vom Luftzug eingeweht wird. Diese Nahrung ist sehr knapp, doch wurde festgestellt, dass Grottenolme ein Jahr oder länger ohne zu fressen überleben können! So können sie die Pausen zwischen den frühjährlichen Hochwässern, bei denen viele organische Substanzen eingespült werden, überdauern.

Bisher war nur von Tieren die Rede. Dies ist nicht weiter verwunderlich, denn grüne, Photosynthese betreibende Pflanzen können in Höhlen nicht existieren. Sie besiedeln allenfalls die Dämmerungszone in Eingangsnähe in Form von Moos- und Algenüberzügen auf den Felsen. Die einzigen Höhlenpflanzen sind Pilze, die sich von totem organischen Material ernähren und dazu des Lichtes nicht bedürfen.

Daran muss ich denken, während meine Freunde nacheinander am Seil aufsteigen. Durch die Warterei ist mir kühl geworden, ich fröstle in meinen vom Tropfwasser durchfeuchteten Kleidern und sehe, wie das Flämmchen meiner Karbidlampe immer kleiner wird. Offenbar sind wir heute nicht mehr so gut an die Höhlen angepasst wie unser Vorfahr, der „Höhlenmensch“. Doch war dies jemals der Fall?

Der Mensch der Steinzeit, der keine geeigneten Hilfsmittel besaß, konnte kaum tiefer in den Berg eindringen. Was sollte er auch dort, wo es feucht, dunkel und schmutzig ist? Die Menschen bewohnten nur die Eingangsregion der Höhlen oder Felsnischen, die noch vom Tageslicht erhellt wurden. Diese boten in der Kindheit der Menschheitsgeschichte Schutz vor wilden Tieren, Kälte, Regen und Wind. Dort hausten die Menschen solange, wie in den umgebenden Wäldern oder Steppen noch genügend Wild zu finden war. Zogen die Tierherden weiter, mussten sie ihr zuhause verlassen und den Tieren auf ihrer Wanderung folgen.

Die von den Steinzeitmenschen hinterlassenen Relikte sind Jahrmillionen alt. Einige der ältesten Überreste, die vom Vormenschen Australopithecus hinterlassen wurden, fand man in südostafrikanischen Höhlen.

Da die Hohlräume gut vor Verwitterung schützen, haben sich die Überreste der Urmenschen sowie ihrer Werkzeuge und Beutetiere gut erhalten. Höhlen wurden so zu den Schatzkammern der Urgeschichtsforschung.

Während sich die Besiedlung der Höhleneingänge von der frühsten Menschheitsgeschichte vor zwei Millionen Jahren bis zum Ende der Mittleren Steinzeit, ca. 6000 v. Chr., nahezu kontinuierlich belegen lässt, bewohnte der Mensch das Höhleninnere nie. Und doch hinterließ er dort die wohl beeindruckendsten Zeugnisse seiner Kultur, die Höhlenmalereien. Bemalte Höhlen finden sich vor allem in Südfrankreich und Nordspanien. Die Malereien, die durch einen außerordentlichen Naturalismus gekennzeichnet sind, stammen hauptsächlich aus der jüngeren Altsteinzeit. Man ist der Meinung, dass die Höhlenmalereien eine kultische Funktion hatten. Es sollten die dargestellten Tiere durch einen Zauber gebannt und dadurch das Jagdglück erzwungen werden. Offenbar glaubte sich der Mensch in den Höhlen jenen Geistern und Dämonen näher, die er mit seinen Kulthandlungen beschwor. Allerdings lässt es sich schwer abstreiten, dass der Steinzeitmensch wahrscheinlich auch einem kreativen Drang folgte, als er seine unterirdischen Werke schuf. War die Höhle für ihn eine Basilika oder eine Kunstgalerie? Vermutlich von beidem etwas. Bezeichnenderweise endete die Höhlennutzung mit dem Beginn der Jungsteinzeit, als der Mensch durch die Erfindung von Ackerbau und Viehzucht sesshaft wurde. Jetzt konnte er es sich leisten, wohnliche Häuser zu bauen, da er nicht mehr dem Zyklus der Tierwanderungen unterworfen dazu gezwungen war, sein Heim alle paar Wochen aufzugeben.

Der Steinzeitmensch drang nie tiefer in Höhlen ein. Die „Befahrung“, wie das Begehen von Höhlen im Jargon heißt, ist ein Produkt unseres wissenschaftlichen Zeitalters. Die älteste bekannte Höhlenfahrt aus reiner Neugier führte der Assyrerkönig Salmanassar III. im Jahre 852 v. Chr. durch, der Höhlen im Quellgebiet des Tigris besuchte. Die älteste Beschreibung einer deutschen Höhle stammt von dem Dominikanerprior Felix Fabri, der von 1470 bis 1502 in Ulm lebte. Ein erstaunlich realistischer Bericht über eine Höhle der Fränkischen Alb ist aus dem Jahre 1535 erhalten. Um 1680 führte Freih. v. Valvasor in Jugoslawien regelrechte Expeditionen durch.

Trotz allem waren dies im wesentlichen Einzeltaten. Einen gewissen Aufschwung erhielt die Höhlenkunde in den Jahrzehnten nach der Aufklärung, als sich die Menschen einerseits wieder auf die Natur besannen und andererseits der Entwicklung der Naturwissenschaften ein enormer Vorschub geleistet wurde. Gelehrte und Künstler, Reisende und Dichter befassten sich mit Höhlen.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts beschrieb Rosenmüller ein bisher unbekanntes Urzeitwesen, den Höhlenbären, dessen Überreste man in fränkischen Höhlen gefunden hatte. 1812 formulierte Georges Cuvier eine Theorie über das Tropfsteinwachstum, die später durch den Chemiker Justus v. Liebig verbessert wurde. 1829 besuchte der Komponist Felix Mendelssohn-Bartholdy die Fingalshöhle auf der Hebrideninsel Staffa. Die Impressionen dieser Höhlenfahrt fanden ihren künstlerischen Niederschlag in der Overtüre „Die Hebriden“.

Ab 1880 machten einige Höhlenpioniere wie E.-A. Martel in Frankreich, F. Kraus in Österreich und K. Gussmann in Deutschland die Höhlenkunde populär. Vor über 100 Jahren, 1889, rief Gussmann mit dem „Schwäbischen Höhlenverein“ die erste höhlenkundliche Organisation Deutschlands ins Leben.

„Seil frei!“ Der Ruf hallt von den Felswänden wider. Endlich sind meine Freunde oben. Ich trete zum freihängenden Seil, klinke meine Steigklemmen ein und steige dann zügig und gleichmäßig nach oben, dem Licht entgegen. So leicht hatte man es vor 100 Jahren nicht! Ich stelle mir vor, wie damals die Höhlenfahrt abgelaufen wäre, die wir heute vollzogen haben. Fast zehn Mann hätte man gebraucht, um die sperrigen Strickleitern zu tragen, die aus Hanfseilen und Rundhölzern gefertigt waren. Da Hanfseile leicht abgenutzt werden und in der Nässe schnell faulen, war die Festigkeit der Leitern unberechenbar, weshalb jeder Kletterer, nachdem die Leitern endlich verknotet und in den Schacht abgelassen waren, zusätzlich über ein Seil gesichert wurde. Die Sicherungsleine musste vom Eingang aus von etwa zwei Leuten bedient werden, während der Rest der Mannschaft den Abstieg wagte. Kerzen spendeten Licht und mit Papier ausgestopfte Filzhüte schützten vor Steinschlag. Insgesamt waren die frühen Forscher sicher stundenlang unterwegs. Wie sind wir dagegen vorgegangen? Ein kurzer Fußmarsch brachte uns vom Parkplatz zur Höhle, wo sofort das etwa 10 mm starke Polyamidseil, das mit bis zu zweieinhalb Tonnen belastet werden kann, in die Tiefe abgelassen wurde. In die Höhlenoveralls gehüllt, die man kurz als „Schlaz“ bezeichnet, seilten wir uns nacheinander mit der Petzl-Bremse in den Schacht ab, wobei jeder Forscher unabhängig von seinen Kollegen operiert, da diese Einseiltechnik das Sicherungspersonal entbehrlich macht. Durch diese moderne Ausrüstung sind Expeditionen möglich, von denen man vor wenigen Jahren nur träumen konnte!

Beim Klettern bemerke ich eine Spalte, die das ganze Gestein zerrissen zu haben scheint. Es ist eine Störungszone, auf der sich die Höhle entwickelt hat.

Höhlen sind in vielen Gesteinen verbreitet, wirklich große Exemplare findet man aber nur in Gips, Kalk und Dolomit. Diese Gesteine besitzen eine besondere Eigenschaft: sie sind wasserlöslich und somit verkarstungsfähig. „Karst“, das ist der Name einer Landschaft im Grenzgebiet zwischen Slowenien und Italien, in der es viele Höhlen gibt. Von dort haben alle Gegenden der Welt, in denen vergleichbare Phänomene existieren, den Namen „Karstgebiete“ erhalten.

Mit wasserlöslichem Gestein ist natürlich nicht gemeint, dass sich ein Felsbrocken in Wasser löst wie ein Stück Würfelzucker, aber besonders Gips wird im Laufe von Jahrtausenden tatsächlich vom Regen gelöst und ausgelaugt. Bei Kalk und Dolomit müsste man eher von Korrosion sprechen, denn diese Gesteine sind in reinem Wasser fast unlöslich. Nun ist Regenwasser aber nicht rein, sondern es enthält eine schwache Säure, die Kohlensäure, welche aber mit dem „sauren Regen“ nichts zu tun hat. Sie entsteht dadurch, wenn Kohlendioxid aus der Luft mit Wasser reagiert. Obwohl die Säure sehr schwach ist – Mineralwasser, an dessen Bekömmlichkeit niemand etwas zu bemängeln hat, enthält mehr – ist sie in der Lage, in langen Zeiträumen mit Kalk und Dolomit zu reagieren. In Regenwasser lösen sich pro Liter etwa 13-14 mg Kalk. Wenn das Wasser aber durch den Humusboden sickert, der viel Kohlendioxid enthält, wird es mit Kohlensäure angereichert und vermag dann eine bis zu 100-fache Menge Kalk zu lösen.

Abermilliarden winziger Lebewesen mussten sterben, damit sich am Grunde der Urozeane mächtige Kalkschlammschichten ablagern konnten, die aus den Schalen und Gehäusen der Organismen bestanden. Die Schichten verfestigten sich durch den Druck der überlagernden Massen und wurden durch die Driftbewegungen der Kontinente angehoben und zu Gebirgen gefaltet. Durch die ungeheuren Kräfte bekam das Gestein unzählige Risse und Klüfte. Durch diese dringt das Wasser ins Gebirge ein und höhlt es von innen her aus.

Das Wasser sucht sich seinen Weg im Berg von der Erdoberfläche aus nach unten, wo es über der Talsohle wieder ans Tageslicht tritt.

In den völlig wassererfüllten Gängen, die auch als „phreatisch“ bezeichnet werden, wirkt die Gesteinsauflösung nach allen Seiten. Im Idealfall bilden sich röhrenförmige Gänge aus. Wenn der im Tal fließende Bach, der Vorfluter, die Talsohle immer tiefer eingräbt, muss sich dies auf den Wasserstand in der Höhle auswirken, der ständig absinkt. Der Höhlenbach schneidet sich immer mehr in den Höhlenboden ein und dadurch entstehen schließlich „vadose“ Schluchten und Canyons.

So entwickelten sich in langen Zeiträumen große Systeme. In der Tat sind die Dimensionen einiger großer Höhlen schlichtweg unvorstellbar. Die längste Höhle der Erde, die Mammoth Cave, USA, bildet ein gewaltiges System von 560 km Länge! Die tiefste Höhle, die Voronya-Höhle im Kaukasus, reicht 1710 m in die Tiefe. Auf der Insel Borneo existiert eine freitragende unterirdische Halle von mehr als 1000 m Länge! Die deutschen Höhlen bleiben hinter diesen Maßen weit zurück. Die längste Höhle Deutschlands, die Salzgrabenhöhle in Bayern, ist etwas über 9 km lang und die tiefste Höhle, der Geburtstagschacht, reicht 598 m in den Untergrund hinab.

Auch was den Tropfsteinschmuck anbetrifft, geben sich unsere Höhlen etwas bescheidener als jene anderer Länder. Wie entstehen die Tropfsteine mit ihren unzähligen Formen?

Die Tropfsteinbildung ist die Umkehrung der Höhlenentstehung. Auf seinem Weg durch die Klüfte hat sich das Wasser mit Kalk angereichert. Tritt es in einen Hohlraum ein, gibt es Kohlendioxid an die Umgebungsluft ab, was zur Folge hat, dass der gelöste Kalk als Tropfstein, oder allgemeiner, als „Sinter“ auskristallisiert. Die Art und Weise, wie der Wassertropfen in der Höhle abrinnt, entscheidet über die entstehende Tropfsteinform. Hängt der Tropfen, bevor er abfällt, längere Zeit an der Decke, scheidet sich der Kalk an der Oberfläche des Tropfens ab. Die Projektion eines Tropfens in die Ebene ist ein Kreis, weshalb sich der Kalk ringförmig an der Decke absetzt. Der nächste Tropfen tritt durch diesen Ring hindurch, lagert weiteren Kalk ab, so dass Ring auf Ring wächst. Ein Deckentropfstein, Stalaktit genannt, bildet sich. Die am Boden aufschlagenden Tropfen lagern eine Kalkkruste auf der anderen ab- ein Bodentropfstein, Stalagmit, wächst dem Stalaktiten entgegen und vereinigt sich manchmal mit ihm zu einer Säule.

Rinnen die Tropfen an der Wand ab, bildet sich eine Kalkspur. Durch fortschreitende Kalkablagerung bilden sich Sinterfahnen, die gelegentlich durchscheinend sind wie chinesisches Porzellan.

Eine seltene Tropfsteinart sind die „Excentriques“, die nicht einfach nach unten, sondern auch seitwärts oder nach oben wachsen und so Gebilde ausformen, die nicht der Gravitation zu gehorchen scheinen. Manchmal sehen diese extravaganten Gebilde aus wie versteinerte Wurzeln, häufig jedoch wie Korkenzieher. Ihre Entstehung ist noch nicht ganz gesichert, aber man vermutet, dass Verunreinigungen im Wasser die Kristallisation beeinflussen. Es lagert sich Schmutz in die wachsenden, mikroskopisch kleinen Kristalle ein, die dadurch verzerrt werden. Die Form der Kristalle bestimmt die Richtung des weiteren Wachstums.

Wir haben den Eingang erreicht und treten ins Freie, die Sonne blendet uns nach dem stundenlangen Aufenthalt in der dunklen Tiefe. Uns wurde wieder bewusst, dass Höhlen sehr empfindliche ökologische Systeme bilden und mitsamt ihrem Inhalt, den Tieren und den hunderttausende Jahre alten Tropfsteinen, dringend der Erhaltung und des Schutzes bedürfen.

Viele Höhlen wurden vom Tourismus zerstört und die Reaktion der staatlichen Naturschutzbehörden war stellenweise drastisch: In mehreren Gebieten der Schwäbischen Alb etwa dürfen Höhlen grundsätzlich nicht mehr betreten werden! Das wird leider eine Hemmung der seriösen Forschung bewirken. Der wirkliche Naturfreund betritt eine Höhle nie mit einer qualmenden Fackel, die alles verrußt, sondern mit einer Taschen- oder Karbidlampe. Ebenso wenig wird er Abfälle wegwerfen, Inschriften an den Wänden hinterlassen oder Tropfsteine abschlagen. Wegen der sehr empfindlichen, vom Aussterben bedrohten Fledermäuse, die um diese Zeit überwintern, sollen Höhlen zwischen dem 15. November und 15. April jeden Jahres nicht betreten werden. So kann jeder einen Beitrag dazu leisten, dass ein Teil der Natur, dem sonst wenig Beachtung geschenkt wird, den kommenden Generationen im Urzustand erhalten bleibt.

Folgende Bücher können aufgrund ihrer inhaltlichen Darstellung sowie ihrer exzellenten Fotos besonders als weiterführende Lektüre empfohlen werden:

Bauer, E. W. (1971): Höhlen. Welt ohne Sonne.- Esslingen (J. F. Schreiber)

Lalou, J.- C. & Wenger, R. (1991): In den Höhlen der Welt.- Lausanne (Mondo)

Wieviele Höhlen gibt es eigentlich am Rosenstein?

Schon lange habe ich mir überlegt, ob es möglich sein könnte, eine Vorhersage zu treffen, wieviele Höhlen es in einem bestimmten Gebiet insgesamt gibt, wenn einige dieser Höhlen schon bekannt und dokumentiert sind. Dies scheint mir insbesondere im Zusammenhang mit dem Rosenstein bei Heubach (Schwäbische Alb) von besonderem Interesse zu sein, denn wenn man sich die Mühe macht, die vermessenen Höhlensysteme maßstabs- und lagegetreu in eine Karte einzuzeichnen, dann sieht man nämlich, dass keine einzige der bisher erforschten Höhlen tiefer in den Berg eindringt. Es ist vielmehr so, dass unter dem Zentralplateau keine einzige Höhle bekannt ist! Alle Höhlen verlaufen -wie z.B. das Finstere Loch- entweder parallel zum Hang oder aber es handelt sich um mehr oder minder kurze Gangstummel, die rasch unschlufbar werden oder im Versturz enden.

In Abb. 1 ist eine »Gangrose« dargestellt, die also die bevorzugten Richtungen anzeigt, in denen die Höhlengänge am Rosenstein verlaufen. Es ist zu sehen, dass die Richtung NNE-SSW bevorzugt von Höhlen benutzt wird, was natürlich geologisch bedingt ist. Fast alle der bevorzugten Gangrichtungen fallen mit den vorherrschenden Streichrichtungen der Klüfte im Gebiet zusammen, die genannte NNW-Richtung korrespondiert beispielsweise mit der »rheinischen« Kluftrichtung.

Gangrichtungsrose

Viele der Rosenstein-Höhlen sind unverkennbar durch fließendes Wasser entstanden und man kann davon ausgehen, dass das Wasser, das auf der einen Seite in die Höhlen hineingeflossen ist, auch auf der anderen Seite des Berges herausgekommen sein muß. In manchen Höhlen kann man die ehemalige Fließrichtung der Höhlenbäche sogar noch erkennen, etwa anhand der Fließfacetten in der »Kleinen Scheuer« und auch in der »Heinrichshöhle«. Überall ging die ehemalige Entwässerung nach Süden, was ebenfalls eine geologische Ursache hat: Im Zusammenhang mit der Entstehung des »Schwäbischen Lineaments«, einer großen Störungszone in Südwestdeutschland, kam es südlich von Heubach zur Herausbildung einer flachen Muldenstruktur. Diese begünstigte sozusagen als lokaler »Tiefpunkt« die Entwässerung nach Süden. Doch wo zum Teufel sind die »missing links«, die Verbindungsstücke zwischen den Eintrittspunkten an der Nordseite und den Austrittsstellen im Süden?

Als Erklärung mag sich anbieten, dass die Hohlräume erst später durch die Talbildung angeschnitten und teilweise zerstört wurden . Durch die nahe der Erdoberfläche verstärkt wirksame Erosion, Frostsprengung, aber auch die Einlagerung von Verwitterungsschutt, Erde und Laub, wurden die eigentlich den ganzen Berg durchquerenden Höhlen nach kurzer Strecke verschlossen. Je näher die Höhle an der Erdoberfläche liegt, um so wahrscheinlicher ist es doch, dass sie von der Erosion mehrmals angeschnitten wurde, d.h. dass die Höhle mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit sogar mehrere Eingänge hat. Das wiederum erhöht die Chancen, dass die Höhle bereits entdeckt wurde. Kann man aber auch den Umkehrschluß wagen? Eine Höhle in größerer Tiefe hätte demnach keinen Eingang und wäre deshalb auch noch nicht entdeckt.

Die Brauchbarkeit dieses Ansatzes hat Curl (1966) bereits bewiesen, der aufgrund der Proportionen bekannter Höhlen auf die Zahl der unbekannten Löcher in einem Karstgebiet geschlossen hat.

Ich bin durch die Katasterliste für den Rosenstein gegangen und habe geprüft, welche Höhlen eine bestimmte Zahl von Eingängen aufweisen, das Ergebnis zeigt Tabelle 1:

Tabelle 1:

Eingänge 1 2 3 4
Höhlenzahl 27 4 2 2

Ich habe dabei nur echte Karsthöhlen berücksichtigt, tektonische Höhlen (z.B. die Rosenstein-Überdeckungshöhle 1 und 2) blieben ebenso außen vor wie reine Verwitterungshöhlen (z.B. Rosenstein-Felsdach). Natürlich ist es zu einem gewissen Grad Definitionssache, was man als »Eingang« zählen will und was nicht. Das Finstere Loch z.B. hat nur zwei natürliche Eingänge, der mittlere ist künstlich, damit zählt es zu den Höhlen mit zwei Eingängen. Die Große Scheuer hat neben den drei großen Eingangstoren auch noch einen vierten, flachen Eingang, deshalb ist diese Höhle in die Tabellenspalte mit den vier Eingängen eingeflossen.

Zur Aufbereitung der Daten habe ich ein relativ einfaches mathematisches Verfahren angewandt, die Interpolationsmethode nach Newton, die in der gängigen Mathe-Literatur ausführlich beschrieben ist. Für x Messwerte ergibt dieses Verfahren ein Polynom maximal (x-1)ten Grades.

Ich habe folgenden Zusammenhang zwischen der Höhlenzahl und der Eingangszahl ermittelt:

 

Man kann nun diese Kurve leicht nach »rückwärts« verlängern, d.h. feststellen, wieviele Höhlen es mit x = 0 Eingängen gibt. Klar, rechnerisch wären es 90 Höhlen, die es am »Stoi« noch zu entdecken gäbe. Oder anders ausgedrückt, sind gerade erst einmal 28 % des zu erwartenden Höhlenpotentials erforscht worden. Die Kurve ist in Abb. 2 dargestellt, wobei der Graph der besseren Anschaulichkeit durchgezogen ist. Streng genommen sind sowohl die Zahl der Eingänge als auch die Zahl der Höhlen nur nur für positive ganze Zahlen einschließlich der Null definiert, denn »halbe Höhlen« und »halbe Eingänge« sind schwer vorstellbar, ebenso »weniger als gar keine Höhle«. Es handelt sich also bei den Daten um diskrete Wertepaare und präzise müßte man obige Formel schreiben als

 

 

Höhlenzahl über Eingangszahl

Jetzt probieren wir mal etwas anderes, nämlich, die Zahl der Gangmeter gegen die Zahl der Höhleneingänge. Laut Katasterliste dienen folgende Zahlen als Grundlage (Tab. 2):

Tabelle 2:

Eingänge 1 2 3 4
Gangmeter 275,1 176 165 149

Ich wende wieder das Interpolationsverfahren an, um die nachfolgende Formel zu erhalten:

 

mit x als Element der positiven ganzen Zahlen und y als Element der reellen positiven Zahlen. Siehe Abb. 3. Hinter den Höhlen mit Null Eingängen verbergen sich rechnerisch noch 555,36 unerforschte Gangmeter. Bezogen auf das Gesamtpotential sind erst 57 % aller Gänge am Rosenstein erforscht.

Gangmeter über Eingangszahl

Bevor nun aber einer losrennt und verkündet »Der Roger hat berechnet, dass es noch 90 Höhlen am Rosenstein gibt«, muß klar gesagt werden, dass das bisher gesagte nur eine Statistik ist und obendrein nur eine ganz grobe. Bekanntermaßen soll man ja nur einer Statistik trauen, die man selber gefälscht hat, daher soll dieser Artikel nur einen Fingerzeig liefern über das noch nicht ausgeschöpfte Forschungspotential am Rosenstein, nicht mehr und nicht weniger. Ich denke, es ist klar geworden, dass für den Verein noch lange kein Grund vorliegt, die Forschung vor der Haustüre als abgeschlossen zu betrachten und sich aufs Altenteil zu begeben. Im Gegenteil, die Perspektiven für Entdeckungen sind nach wie vor gut!

Literatur

Curl, R.L. (1966): Caves as a Measure of Karst.- J. Geol., 74 (5): 798- 830.

Papula, L. (1990): Übungen zur Mathematik für Ingenieure.- 360 S., 310 Abb., Braunschweig (Vieweg).

Dokumentation zum Naturdenkmal 4/21 »Linsemerhöhle« bei Bartholomä (Blatt 7225 Heubach)

1 Einleitung

Diese Dokumentation setzt sich mit der als Naturdenkmal 4/21 ausgewiesenen »Linsemerhöhle« bei Bartholomä auseinander.

Verfaßt wurde dieser Bericht von der Höhlenkundlichen Arbeitsgemeinschaft Rosenstein / Heubach e.V. auf Veranlassung des Landratsamtes Ostalbkreis, dem die Zerstörung dieser bedeutenden Höhle mitgeteilt worden ist.

Die Dokumentationslage ist relativ dürftig, da die Höhle nur in den 1960er Jahren von Höhlenkundlern bearbeitet worden ist und die überlieferten Berichte lediglich den damaligen Kenntnisstand widerspiegeln.

Eine umfassende Untersuchung mit zeitgemäßen Methoden durch die Höhlenkundliche Arbeitsgemeinschaft Rosenstein / Heubach e.V. war nicht möglich, da bereits in den späten 80er Jahren die Verschüttung der Höhle so weit fortgeschritten war, dass ein Betreten der horizontalen Höhlenteile nicht mehr möglich war.

Auch ging die Dokumentation mittlerweile verloren, die von den Naturschutzbehörden um 1980 im Zusammenhang mit der Ausweisung zum Naturdenkmal erstellt worden ist.

Die verbliebenen Dokumente, bisher z.T. unveröffentlicht, sowie die Resultate der eigens durchgeführten Erhebungen, werden hiermit erstmals zusammengefaßt und sollen einen Überblick über die Linsemerhöhle und deren natur- und höhlenkundliche Bedeutung geben.

2 Lage

Die Linsemerhöhle liegt im Wald »Linsemer«, ca. 1,7 km W Rötenbach, westlich des Wanderweges von der »Rauhen Wiese« zu den »Drei Linden«. Etwa auf halber Wegstrecke liegt ein aufgelassener Steinbruch, neben dem eine verfallene Holzhütte steht. Dort führt ein undeutlicher Holzabfuhrweg nach SW den Hang hinauf, den man nach etwa 100 m Richtung S verlässt. Nahe eines weiteren Weges liegt der Eingang der Höhle, dessen Koordinaten lauten R: 3569 250, H:5400 275, NN: 715.

Die Linsemerhöhle ist unter der Nummer 7225/18 im Höhlenkataster Schwäbische Alb registriert.

Lageplan Linsemerhöhle

3 Beschreibung

Das Mundloch wird von einer trichterförmigen Doline gebildet, die an der Erdoberfläche einen Durchmesser von rund 2,5 m aufweist und die sich nach unten hin auf etwa 1,5-2 m verengt. Hier führte ein ursprünglich 12 m tiefer Schacht mit leicht elliptischem Profil senkrecht in die Tiefe, der sich nach unten erweiterte und etwa mittig die Decke eines Horizontalgangs durchbrach.

Dieser Gang wies eine horizontale Ausdehnung von 16 m auf und verlief in nahezu E-W-Richtung. Die Gangquerschnitte waren überwiegend durch ein Kastenprofil mit Weiten von 0,8 bis 2 m und Höhen von 1 bis 4 m gekennzeichnet.

Im westlichen Gangast führte ein Kamin 10 m nach oben, der fast die Erdoberfläche erreichte.

Bemerkenswert waren noch die schönen Kristallrasen in diesem Höhlenteil, die im Profil 3 des Höhlenplans eingetragen sind.

Die Bodenfüllung der Höhle bestand teilweise aus Felsblöcken, überwiegend aber offensichtlich aus lockerem, feinklastischen Material wie Höhlenlehm. Dieses Material verschloss anscheinend den Höhlengang an beiden Enden.

Diese Beschreibung stützt sich auf Bleich (1966) und Kreuz (1969-71).

Höhlenplan Linsemerhöhle

Höhlenplan (aus Bleich 1966, Taf. 2D).

4 Geologie und Mineralogie

Die Linsemerhöhle liegt im Massenkalk, in den zahlreiche Kieselknollen eingeschaltet sind, was für eine stratigraphische Zuordnung zum Malm epsilon (oberes Kimmeridgium) spricht. Soweit sich dies im heutigen Zustand beurteilen lässt, ist der Kalk teilweise dolomitisiert, was sich gut mit dem Befund von Merz (1969: 30) deckt.

Über die Genese der Höhle kann aufgrund der dürftigen Informationslage nur spekuliert werden. Aufgrund des Plans kann vermutet werden, dass es sich um eine trocken gefallene frühere Bachhöhle handelt, wofür auch der im Plan eingezeichnete Höhlenlehm spricht.

Der Horizontalgang der Höhle verläuft auf einer Meereshöhe von ziemlich genau 703 m ü. NN, womit die Höhle einem sehr alten Karstniveau zugerechnet werden muß. Dies ist insofern bemerkenswert, da nur rund ein Viertel aller erfaßten Höhlen im Blatt 7225 Heubach auf 700 oder mehr Metern Höhe liegen und dieser alten Höhlengeneration zugehören.

Gemäß Dongus (1962, Abb. 5) ist das Niveau der Höhle der »Hauptoberfläche B« zuzuordnen. In die Hauptoberfläche B hat sich im Mittleren Miozän (vor ca. 15 Mio. Jahren), in einer prä-riesischen Epoche, das Hochtalsystem der »Ochsenbergstufe« eingetieft. Die Linsemerhöhle wäre demnach spätestens in dieser Epoche trocken gefallen und weist ein bemerkenswert hohes Alter auf. Angesichts der in den letzten Jahren neu angefachten Diskussion um das Alter der tiefreichenden Verkarstung scheint eine sorgsame Untersuchung der Linsemerhöhle wünschenswert zu sein.

Zur Beantwortung der Frage nach dem Alter der Höhle kann auch der Höhlenlehm herangezogen werden, der häufig anhand der Korngrößenverteilung der Tonpartikel, des Schwermineralspektrums, des Anteils an Mikrofossilien und dem Gehalt an Pollen wertvolle Fingerzeige liefern kann. Exemplarisch sei zu diesem Themenblock auf die Arbeit vonHinkelbein et al. (1991) verwiesen.

Eine interessante Kleinformation waren auch die bereits angesprochenen Kristallbildungen im westlichen Höhlenteil.

5 Biologie

Keine Informationen vorhanden.

6 Sonstige Beobachtungen

Kreuz (1969-71) vermerkt in der Tagebuchnotiz zu seinem Besuch in der Linsemerhöhle am 27.05.1971 den Fund von acht Patronen MG-Leuchtspurmunition Kal. 7,62 am Schachtboden.

7 Höhlenschutz

7.1 Istzustand

Der 1966 publizierte Höhlenplan (Bleich 1966) zeigt an der Sohle des Schachts einen kleinen Versturzkegel, der wohl natürlich durch sich ablösende Steine im Bereich des Schachtmundes entstanden ist.

Bereits im Jahr 1971 aber erwähnt Kreuz zahlreiche Baumstämme und Holzstangen am Grunde des Schachts, die es den Forschern erschwerten, in den horizontalen Höhlengang hindurchzuschlüpfen.

Anfang der 1980er Jahre fanden Mitglieder der Höhlenkundlichen Arbeitsgemeinschaft Rosenstein / Heubach e.V. noch die gleiche Situation vor.

Bei einem erneuten Besuch im Herbst 1987 lag bereits soviel Holz und Erdreich (Bauaushub?) am Schachtgrund, dass der Durchstieg in den Horizontalgang vollständig blockiert war.

Abstieg in die Linsemerhöhle 1987

Eine weitere Ortsbesichtigung durch ein Team der Heubacher Höhlenforscher zeigte, dass sich an diesem Zustand bis 1994 wenig geändert hatte.

Am 03.10.1998 erlebten zwei Mitglieder der Höhlenkundlichen Arbeitsgemeinschaft Rosenstein / Heubach e.V. bei einer Kontrollbesichtigung eine böse Überraschung: Der Schacht war bis auf die Eingangsdoline vollständig mit Erdreich / Bauaushub aufgefüllt!

Die verbleibende Resttiefe des einstmals 12 m tiefen Schachts betrug zu diesem Zeitpunkt also nur noch 2 m!

Über die Zusammensetzung des Füllmaterials im Schacht kann keine konkrete Angabe gemacht werden, da zumindest die oberste Schicht sorgfältig mit Erdreich abgedeckt worden ist, aus dem einige Holzteile ragten. Vermutlich wurde der Schacht zur »Entsorgung« von Holzabfällen und Baustellenaushub benutzt, wobei natürlich nicht gesagt werden kann, ob doch auch toxische Materialien in die Höhle verbracht worden sind.

Anbetracht der Proportionen der Höhle kann davon ausgegangen werden, dass mindestens 24 m³ Abfall unbekannter Art und Herkunft in der Höhle lagern. Bei entsprechend feinteiligem Material ist es durchaus vorstellbar, dass auch der Horizontalgang ganz oder teilweise mit nachrutschendem Abfall verfüllt worden ist, wodurch das Volumen insgesamt 40 m³ und mehr betragen kann.

Die Zerstörung der Höhle befremdet insofern ganz besonders, da sie seit 1983 als Naturdenkmal ausgewiesen ist und unter besonderem Schutz steht. Wie bereits gezeigt, lag die Hauptphase der Zerstörung nach 1994, als auch die Neufassung des baden-württembergischen Landesnaturschutzgesetzes in kraft getreten war, das Höhlen explizit als schützenswürdige Lebensräume versteht.

Sehr wahrscheinlich wurden auch die Bestimmungen über Abfallbeseitigung bei der Auffüllung der Höhle übertreten.

7.2 Sollanalyse

Angesichts des hohen wissenschaftlichen Wertes der Höhle, der in den vorangestellten Abschnitten angedeutet wurde, und um die potentiellen Risiken zu klären, die von den eingebrachten Abfällen ausgehen können, fordert die Höhlenkundliche Arbeitsgemeinschaft Rosenstein / Heubach e.V. nachdrücklich die Sanierung der Linsemerhöhle!

Die Chancen, die Höhle in einen naturnahen Zustand überzuführen, stehen insgesamt relativ günstig, sofern sich unter den Verunreinigungen keine flüssigen bzw. die Höhlensedimente dauerhaft kontaminierenden Substanzen befinden. In diesem günstigen Fall können die eingebrachten Materialien manuell abgegraben und aus der Höhle geschafft werden.

Die Höhlenkundliche Arbeitsgemeinschaft Rosenstein / Heubach e.V. kann sich um die praktische Umsetzung dieser Aufgabe bemühen, wobei der Umfang der zu bewerkstelligenden Arbeit, die anfallenden Kosten und die technische Organisation am Besten vor Ort durch ein Gespräch mit allen Beteiligten geklärt wird.

Literatur

Bleich, K. E. (1966): Zur Altersfrage der Verkarstung und ihrer Phänomene.- Jh. Karst- u. Höhlenkde., 6: 29-50, 15 Abb., 1 Tab., 5 Taf.; München.

Dongus, H. (1962): Alte Landoberflächen der Ostalb.- Forsch. dt. Landeskde., 134: 1-71; Bad Godesberg.

Hinkelbein, K. & Papenfuß, K. & Ufrecht, W. & Wolff, G. (1991): Holozän umgelagerte Sedimente in der Falkensteiner Höhle – Stellungnahme zu einem Beitrag von HASENMAYER (1991).- Laichinger Höhlenfreund, 26 (2): 103-110; Laichingen.

Kreuz, R. (1969-71): Befahrungen und Vermessungen.- Unveröff. Tagebuch (Mskr.); Schwäbisch Gmünd.

Merz, E. (1969): Die Geologie des Blattes Heubach (Nr. 7225), östliche Hälfte (1: 25000).- Diplomarbeit Uni Stuttgart (Mskr.); Stuttgart.

Die „Schatzkammerhöhle“, wie es weiterging

Kurze Übersicht über die bisherigen Maßnahmen zum Schutz der Höhle.

Nach div. Telefongesprächen fand am 19.01.99 eine Ortsbesichtigung im Steinbruch statt, bei der zwei Mann von der Geschäftsleitung des Steinbruchs, der Bürgermeister der betroffenen Gemeinde, mehrere Leute vom Landratsamt, Dr. Schloz vom geologischen Landesamt (GLA) BaWü und zwei Vertreter der Höhlenkundlichen Arbeitsgemeinschaft Rosenstein / Heubach e.V. (Novak, Schuster) anwesend waren. Der gleichfalls geladene Vertreter des Landesverbandes für Höhlen- und Karstforschung e.V. konnte leider nicht teilnehmen. Obwohl die Heubacher Höfos schon 20 min. vor dem avisierten Termin am Schauplatz eintrafen, waren die anderen Teilnehmer noch früher da und hatten bereits in kleinen Grüppchen die Höhle befahren. Dadurch war der Anfang des „Meetings“ etwas unkoordiniert, trotzdem verlief das Gespräch dann aus Sicht des Höhlenschutzes sehr befriedigend.

Der Steinbruchbetrieb hat die Grenzen seines „Claims“ schon fast überall erreicht. Der weitere Vortrieb kann nur noch in einer Richtung erfolgen, d.h. die Abbaufront entfernt sich sogar wieder von der Höhle, so dass auch die Geschäftsleitung recht gute Chancen sieht, die Höhle zu schonen. Nach der Höhlenbefahrung äußerten sich sowohl die Repräsentanten der Naturschutzbehörde als auch des GLA positiv über den Wert der Höhle, die aufgrund ihres Sinterschmucks nicht alltäglich für die Region ist. Die Entscheidung, ob die Höhle als Naturdenkmal ausgewiesen werden kann/ muß, steht aber noch aus. Dr. Schloz pflichtete meiner Auffassung bei, dass eine radiometrische Altersbestimmung der beiden Tropfsteingenerationen erfolgen sollte und empfahl deshalb wenigstens die zeitweilige Erhaltung der Höhle, damit die weitere Dokumentation durchgeführt werden kann. Um die Schatzkammerhöhle vor dem Zugriff von Mineraliensammlern zu schützen und um die Luftdetonationen der Sprengungen abzudämmen, wird der Eingang erst einmal mit großen Blöcken zugeschoben, worum sich der Steinbruchbetreiber kümmern wird. Sobald der Abbau etwas weiter vom Loch weggewandert ist und das weitere Forschungsprogramm „steht“, wird die Höhle wieder aufgebuddelt und die nötigen abschließenden Arbeiten durchgeführt. Mit diesem provisorischen Maßnahmenkatalog konnten sich schließlich alle Anwesenden anfreunden.

Einen ziemlich bitteren Nachgeschmack hatte der Ortstermin aber dennoch. Es stellte sich heraus, dass am letzten Wochenende Mineraliensammler die Höhle gefunden haben müssen und so sah es darin auch aus. Der schöne Stalagmit am Eingang- spurlos verschollen. Die Säule rechts- plattgemacht. Die fast meterlangen Stalaktiten und Teile der glasklaren Sinterfahne- von der Decke geschlagen oder mit Steinen heruntergeworfen. Die „Tannenzapfen- Stalaktiten“ ganz hinten- es war einmal. Das war einer jener Augenblicke, an denen sich im Gehirn des Höhlenforschers fiese, aber herzerfrischende Folter- Phantasien abspielen.

Der Verschluß der Höhle mit Steinen soll Anfang nächster Woche stattfinden. Um aber am kommenden Wochenende weitere Besuche von Randalierern und Mineraliensammlern zu verhindern, werden Mitglieder der Arge Rosenstein den Höhleneingang bewachen; der Besitzer stattete uns mit den nötigen Vollmachten hierfür aus. Das auch als Warnung an die Horden von schwarzen Schafen, die diese eventuell diese Webseite lesen… 🙂

Sprengarbeiten im Steinbruch: Inwiefern die von den Sprengungen angeregten elastischen Wellen eine Gefahr für den Sinter darstellen, konnte uns auch der Sprengtechniker des Steinbruchs nicht sicher sagen. Bei der Entdeckung der aufgesprengten Höhle war der Sinter jedenfalls noch *völlig* intakt. Die hintere Sinterwand weist einen Querbruch auf, der jedoch vollständig mit Calcit verheilt ist und deshalb sicher ein höheres Alter aufweist, d.h. schwerlich anthropogen bedingt ist. Der Betrieb hat uns aber vorsichtshalber versprochen, die Höhe der Abbausäulen und damit die Dosis des Sprengstoffs zu verkleinern.

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Die „Schatzkammerhöhle“, ein akut gefährdeter Karsthohlraum

Vorbemerkung: Das nachfolgende Dokument stellt die leicht gekürzte Fassung des Dossiers dar, das dem Amt für Naturschutz im Landratsamt Ostalbkreis sowie dem Arbeitskreis Naturschutz Ostwürttemberg am 04.01.1999 vorgelegt worden ist. Wir bitten alle Höhlenforscher, die bereits Erfahrungen mit Höhlenschutzprojekten in Steinbrüchen gesammelt haben, um Informationsaustausch.

Am 02.01.1999 entdeckten Mitglieder der Höhlenkundlichen Arbeitsgemeinschaft Rosenstein / Heubach e.V. im Steinbruch am [Lageangabe gelöscht] eine neue Höhle, die nach Ansicht der Bearbeiter eine in der Umgebung einzigartige Naturbildung darstellt, deren Erhalt sichergestellt werden muß. Die Gründe werden nachfolgend dargelegt.

Lage:

[Lageangaben aus Höhlenschutzgründen gelöscht]

Beschreibung:

Das sieben Meter breite und rund zwei Meter hohe Portal der Höhle ist größtenteils mit Erde und Sprengschutt zugeschoben, so dass zwischen der Oberkante des Schutthaufens und dem First der Höhle nur noch rund ein Meter Raum verbleibt. Man muß deshalb von der Abbausohle zunächst einen Erdhügel von etwa drei Metern Höhe erklimmen, um in die Höhle zu gelangen. Im Innern der Höhle fällt der künstlich angehäufte Boden rasch ab, so dass nach wenigen Metern bereits Raumhöhen von bis zu vier Metern erreicht werden. Die Höhle besteht im wesentlichen aus einem hallenartigen Raum von zehn auf sieben Metern Grundfläche, der durch drei große Versturzblöcke sowie Tropfsteine zweigeteilt ist.

Bereits im Eingangsbereich ragen zahlreiche Stalagmiten von bis zu einem Meter Höhe aus dem künstlich aufgeschütteten Sediment. Nahe der südlichen Wand steht auch eine filigrane Tropfsteinsäule von beinahe zwei Metern Höhe. Die großen Versturzblöcke sind fast vollständig mit weißen Tropfsteinvorhängen überzogen, aus denen wiederum etliche Kerzenstalagmiten emporragen. Über den Versturzblöcken ist der First ausgebissen und die Raumhöhe weitet sich auf bis zu vier Meter. Zahlreiche weiße Stalaktiten und glasartig- durchsichtige Sinterfahnen verzieren in diesem Bereich die Decke. Die nördliche Wand ist vor den Versturzblöcken großflächig versintert und auch die natürliche Höhlensohle besteht aus einer bis zu 20 cm mächtigen Sinterplatte.

Die Versturzblöcke können vorsichtig an der Südseite passiert werden, was wegen der großflächigen Versinterung mit viel Umsicht geschehen muß. Im hinteren Raumteil weitet sich die Höhle nach einem kleinen Wandaufschwung alkovenartig. Eine „Tropfsteinorgel“ sowie Tannenzapfen- Stalaktiten und Knöpfchensinter schmücken diesen Abschnitt der Höhle. Höhepunkt sind aber zweifellos drei durchsichtige Tropfsteinfahnen.

Dokumentation:

Die Höhle wurde am 02.01.1999 entdeckt und am gleichen sowie am darauffolgenden Tag bearbeitet. Die Daten für einen Höhlenplan im Maßstab 1:100 (Grundriß und zwei Profile) wurden eingemessen und der Höhleninhalt auf ca. 50 Diapositiven festgehalten. Des weiteren wurde die biologische und geologische Situation beurteilt. Eine Kopie des Zeichnungsentwurfs ist beigefügt, da die Reinzeichnung noch nicht fertiggestellt werden konnte.

Name:

Nach den Richtlinien des Internationalen Speläologen- Verbandes liegt das „Taufrecht“ bei den Entdeckern der Höhle. Diese einigten sich darauf, die Höhle wegen der Vielfalt an Tropfsteinformen unter dem Namen „Schatzkammerhöhle“ in ihren Unterlagen zu führen und im Höhlenkataster Schwäbische Alb einzutragen.

Geologie:

Die Höhle liegt wenige Meter über der Glaukonitbank, einem wichtigen stratigraphischen Horizont im Oberen Jura Südwestdeutschlands. Somit liegt der Hohlraum vollständig im Malm δ 4 (Mittelkimmeridge- Kalke), und zwar in der Schichtfazies.

Bemerkenswert sind die großen Versturzblöcke in der Höhle, die mit flächenhaftem Wandsinter überzogen sind. Der schräge Verlauf des Sinters zeigt an, dass die Versturzblöcke nach der Versinterung gekippt sind. Die darauf stehenden Stalagmiten sind jedoch senkrecht, was anzeigt, dass nach der Kippung eine jüngere Tropfsteingeneration auf der älteren gewachsen ist. Das Kippen der Blöcke könnte der Indikator für ein paläoseismisches Ereignis sein, dessen Auftreten innerhalb der Erdgeschichte mittels radiometrischer Untersuchungen an den beiden Tropfsteingenerationen zeitlich eingegrenzt werden könnte.

Biologie:

Mehrere Exemplare der Zackeneule (Scoliopterix libatrix) wurden festgestellt, ebenso einige Weberknechte (Opilionidae). Außerdem fanden sich an zwei Stellen Kotreste eines größeren Säugetiers. Dies zeigt an, dass trotz der kurzen Zeitspanne, vor der die Höhle beim Abbau des Gesteins angeschnitten und geöffnet worden ist, bereits eine Zuwanderung troglophiler Tierarten und die Besiedlung der Höhle begonnen hat.

Forderung nach Höhlenschutz:

Die Höhle weist einen Reichtum an Tropfsteinen auf, der in der ganzen Region einzigartig ist. Porzellanartig- durchscheinende Stalagmiten und glasklare Sinterfahnen können in keiner anderen Höhle des Blattes [gelöscht] gefunden werden. Auf die Möglichkeit, erdgeschichtliche Ereignisse anhand der Tropfsteine zu datieren, wurde schon hingewiesen.

dass durch den Anschnitt der Höhle ein neuer Biotop geschaffen wurde, haben die Bearbeiter ebenfalls aufgezeigt. Es besteht die gute Chance, dass auch die vom Aussterben bedrohten Fledermäuse im Laufe der Zeit die Höhle als Winterquartier akzeptieren werden. In einer Höhle in einem anderen Teil des Steinbruchs, wurden im Winter 1998/99 Fledermäuse gefunden. Der Lärm der Maschinen und der Sprengungen scheint die Tiere also nicht zu stören.

Aus diesen Gründen ist es notwendig, die Höhle in einem möglichst naturnahen Zustand zu erhalten. Dazu gehört als erster Schritt die rechtliche Unterschutzstellung, um zu verhindern, dass die Höhle zu Straßenschotter verarbeitet wird. Wie die Sinterreste an der Felswand vor der Höhle anzeigen, wurden bereits mindestens zehn Meter des Hohlraums abgebaut!

Als nächste Sicherungsmaßnahme müßte sowohl das Höhlenklima wiederhergestellt und die Höhle vor dem Zugriff von Touristen und Tropfsteindieben geschützt werden. Durch den künstlich gesprengten Eingang dringt die trockene Tagluft bis in die hintersten Höhlenteile vor, d.h. die Tropfsteinformationen trocknen aus und hören auf zu wachsen. Das bis weit nach hinten einfallende Tageslicht wird bald Algenschleier auf den Wänden gedeihen lassen, was die Tropfsteine ebenfalls zerstört. Außerdem wurden bereits jetzt Tropfsteine mit Hämmern abgeschlagen sowie mit schmutzigen Stiefeln zertreten.

Beide Sicherungsmaßnahmen könnten dadurch erreicht werden, indem zunächst die eingeschobene Erde wieder abgegraben wird. Dann sollte im Eingang eine Mauer hochgezogen werden, die intensive Luftzirkulation, Lichteinfall sowie Tourismus verhindert. Damit aber die Besiedlung des Biotops durch Tiere weiterhin vollzogen werden kann, empfehlen wir die Anbringung eines ca. einen auf einen Meter messenden Gitters mit waagrechten Stäben von jeweils zehn Zentimetern Abstand. Dann können Fledermäuse ungehindert einfliegen. Eventuell sollte das Gitter nicht starr, sondern mit Scharnier und Schloß eingebaut werden, damit eine Betreuung des Biotops durch Höhlen- und Fledermausforscher erfolgen kann.

Wie es bisher mit dem Schutz der Höhle weiterging

Das war Heroldstatt!

Ein nicht ganz ernst gemeinter Bericht über „Speläo-Südwest“

Am Wochenende 23. bis 25. Oktober 1998 fand in Heroldstatt- Sontheim (das bei Blaubeuren, wo die Sontheimer Höhle liegt) die Tagung „Speläo- Südwest“ statt, die von fünf Mitgliedern der Arge Rosenstein besucht, oder besser: heimgesucht (zumindest aus der Perspektive von Michaels Parkplatznachbarn, gelle?) wurde.

Nach der fröhlichen und aufgrund diverser Um- und Irrwege etwas verlängerten Anfahrt von Michael, Jürgen, Peter und mir, trafen wir am Freitag Abend um 21 Uhr am Tagungsbüro zum „Check- in“ ein.

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