Definition: Die Wetterführung ist die zu beobachtende Fluktuation des Höhlenwetters, wobei unter diesem Oberbegriff jedoch nicht nur der Höhlenwind verstanden werden soll, sondern auch die auslösenden Momente der Luftbewegung sind in die Betrachtung mit einbezogen.Die Wetterführung hängt ursächlich mit der Morphologie der betrachteten Höhle und den klimatologischen Kenngrößen Temperatur, Feuchte und Druck zusammen. Natürlich beeinflußt der Luftaustausch wiederum diese Zustandsvariablen der Höhlenatmosphäre, weshalb eine sorgfältige Trennung zwischen Ursache und Wirkung bei der Beobachtung speläometeorologischer Effekte gewährleistet sein muss, bzw. es ist ins Bewußtsein zu rücken, dass der Wind und die übrigen Faktoren miteinander im Gleichgewicht stehen (Rückkoppelung).
Temperatur, Feuchte und Druck sind die Zustandsvariablen der Höhlenatmosphäre, deren kurzfristige Änderung (Zustandsänderung) durch die Speläometeorologie untersucht und beschrieben wird. Hiervon abgetrennt werden müßte die Speläoklimatologie, die sich mit der statistischen Verteilung der Kenngrößen und ihren langfristigen Änderungen befaßt:
,,Strictly speaking, the term meteorology applies to the dynamic and rapidly changing aspects of the atmospheric variables, while climatology is concerned with their average values and long-term changes in these averages`` (WIGLEY & BROWN 1976: 330).Jedoch erfolgen sowohl die raschen als auch die langzeitigen Zustandsänderungen in der Höhle gleichermaßen moderat, weshalb eine strikte Trennung nicht möglich und sinnvoll ist:
,,Inside caves, where the variables remain more nearly constant than in the outside atmosphere, this distinction is less valuable`` (WIGLEY & BROWN 1976: 330).Schon hier macht sich der wesentliche Motor aller Luftbewegungen in Höhlen bemerkbar: Während sich die Höhlenwetter weitgehend im internen Gleichgewicht befinden (geringe Variabilität der Kenngrößen), weicht der Zustand der freien Atmosphäre meist stark ab, wobei aber Höhlen- und Außenluft über die Tagöffnungen der Höhle miteinander korrespondieren und daher bestrebt sind, ein neues Gleichgewicht einzustellen. Diese Gleichgewichtseinstellung initiiert, vereinfacht gesprochen, den Höhlenwind.
Es ist jedoch ein Unterschied, wo diese Induktion der Wetterführung stattfindet, weshalb die Ursachen zweckmäßig in exogene Faktoren (Anregung unmittelbar durch die äußeren Verhältnisse) und endogene Faktoren (Anregung durch Kräfte in der Höhle selbst) separiert werden. Die Grenzziehung ist von Prämissen, die der Thermodynamik entlehnt sind, abhängig. Die exakten Definitionen der beiden unterschiedlichen Abteilungen werden in den nachfolgenden Unterkapiteln entwickelt.