Die meteorologischen Phänomene sind in der Salzgrabenhöhle sehr ausgeprägt; so lässt sich der im Sommer bergauswärts gerichtete Höhlenwind schon 20 m vom Portal entfernt als kühler Hauch verspüren, ohne dass etwa der Nachweis nur mit empfindlichen Thermometern möglich wäre. In Engstellen nimmt der Wind eine unangenehme Intensität an, der sich im Gaudischluf fast zum Sturm steigern kann und durch aufgewirbelten Staub und ausgelöschte Lampen die Befahrung erschwert. Und im Winter enthalten die ersten hundert Höhlenmeter ausgedehnte Eislager. In diesem Zusammenhang verwundert es nicht mehr, dass sich schon ab 1984 bei den meisten Befahrungen der Salzgrabenhöhle meteorologische Messgeräte im Gepäck der Arge Rosenstein befanden und die Aufsammlung von Daten begonnen wurde.
Die Speläometeorologie ist ein wenig beliebter Zweig der physischen Höhlenkunde, was durch die wenigen Titel, die pro Jahr in internationale Bibliographien einfließen, belegt wird. Ein anderer Indikator hierfür ist das jedem Höhlenforscher bekannte Werk ,,Höhlenkunde`` von H. TRIMMEL (1968), das im entsprechenden Kapitel im wesentlichen nur eine Kompilation einer mehr als vierzig Jahre älteren Arbeit von KYRLE (1923: 203-229) anführt, die ohnehin in einigen Punkten nicht unwidersprochen bleiben kann.
Dies werten die Autoren als unmißverständlichen Hinweis darauf, dass grundlegende Kenntnisse über die Bewetterung von Höhlen nicht von allen Höhlenforschern auf Anhieb erwartet werden können. Es erschien daher sinnvoll, nicht einfach eine Wertetabelle und eine kurze Diskussion über das Zustandekommen der betrachteten Effekte zu veröffentlichen, sondern auch plausible Erklärungen zu liefern, die auf den elementarsten Grundlagen der Physik beruhen.
Auch die Autoren hatten ursprünglich mit den genannten Schwierigkeiten zu kämpfen, weshalb die Messungen in der Höhle anfangs mehr ein wildes Datensammeln als ein geplantes Messprogramm waren! Vieles muss vorerst unvollständig bleiben, da das verfügbare Material quantitativ und qualitativ nicht ausreichend ist, doch können die Wissenslücken hoffentlich in Zukunft geschlossen werden.
Darum halten es die Verfasser für das oberste Gebot, den zahlreichen Personen und Institutionen, die die Forschungen in der Salzgrabenhöhle auf vielfältige Weise unterstützt haben, den herzlichsten Dank auszusprechen! In zwangloser Reihenfolge genannt werden müssen:

Abbildung: Lage der Salzgrabenhöhle im Nationalpark
Berchtesgaden
Vom Dank ausdrücklich ausgeklammert werden muss die Karstspeläologische Arbeitsgemeinschaft Karlsruhe e. V., in deren Schriftenreihe ,,Wissenschaftliche Berichte`` diese Abhandlung bereits 1992 hätte publiziert werden sollen. Nachdem die Autoren im Frühjahr 1998 endlich ihr Material zurückforderten, stellte sich heraus, dass die Schriftleitung der Wissenschaftlichen Berichte sämtliche Abbildungen und Teile der Datenblätter verloren hatte! Die Abbildungen konnten von den Verfassern mühsam rekonstruiert werden, wohingegen die Resultate von vier Jahren Messarbeit in der Höhle großteils endgültig vernichtet sind. Mögen die Leser diesen Verlust bei der Beurteilung dieses Dokuments berücksichtigen!