Vorträge (auch) über Höhlen

Wie schon einmal angekündigt, findet am übernächsten Samstag, dem 22.07.2017, die Albert-Magnus-Tagung in Heubach statt. Neben Beiträgen zur Botanik und Geschichte, wird es auch einen Vortrag über die Höhlen des Rosensteins geben, den ich halten werde. Hier findet ihr das Tagungsprogramm: Albertus-Magnus-Tagung 2017. Bitte nutzt die dort angegebene Telefonnummer für die Anmeldung bis zum 14.07.2017.

Wir sehen uns!

Das Pferd, die Frau und was es sonst noch gibt

Zur Zeit läuft in Heubach eine Veranstaltung der Uni Tübingen zum Thema „Das Magdalénien im Südwesten Deutschlands, im Elsass und in der Schweiz“. Für den Freitag Abend war die interessierte Öffentlichkeit zu einem Vortrag ins evangelische Gemeindehaus zu Heubach eingeladen. Auch ich hatte mich eingefunden und konnte dort den Worten von Herrn Prof. Dr. Bosinski lauschen. Er ist ein renommierter Experte für die Altsteinzeit und da wiederum für die steinzeitliche Kunst.

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Familientreffen

In der Brust eines jeden Höfos schlägt immer noch das Herz eines Neandertalers, was seine Vorliebe für bisweilen rustikale Auftritte erklärt. Wir hier sind ehrlich zu uns selbst und gestehen unsere paläolithische Prägung ein, weshalb wir an diesem schönen Tag einen Ausflug zu den Wohnhöhlen unserer Vorvätervorvätersväter ins Programm nehmen. Irene, Peter und meine Wenigkeit zischen um 13 Uhr los ins Lonetal. Bei der Vogelherdhöhle wimmelt es von Hominiden, die nur vortäuschen, Vertreter des modernen Menschen zu sein, indem sie statt auf Rentieren auf Konstruktionen aus Leichtmetallrohren herum reiten. In den vielen Jahren seit meinem letzten Besuch  (gefühlt Ende der Eiszeit) wurde hier inzwischen ein archäologischer Park mit Museum errichtet, dem die große und die kleine Vogelherdhöhle einverleibt wurden. Auf Neudeutsch: Zwischen der Höhle und dem von Heimweh geplagten Höfo wurde eine Pay Wall errichtet. Wir sind jedoch nicht blöd und suchen lieber andere Objekte in der Gegend auf, für die man nicht löhnen muss.

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Die Höhlenmalereien der Cueva de la Pileta (Andalusien)

Am Samstag, dem 16.06.2007 navigiere ich das Auto von der sonnigen Mittelmeerküste die lange, kurvenreiche Straße zwischen Marbella und Ronda hinauf. Die Wolken, der Nebel und der Nieselregen in den Bergen lassen mitten in Andalucía eine ganz und gar „älplerische“ Stimmung aufkommen.

Ich lasse Ronda aber links liegen und biege kurze Zeit später ab nach Benaoján. An einem Aussichtspunkt kurz hinter genanntem Ort mache ich ein paar Fotos, weil die Landschaft trotz dickem Gewölk gar nicht übel aussieht.

Landschaft bei der Cueva de la Pileta

Noch ein paar Meter weiter erreiche ich mein Ziel, die Cueva de la Pileta. Es geht rechts eine kleine Stichstraße hoch zu einem Parkplatz. Einige Höhenmeter müssen zudem über einen alpinen Pfad zu Fuß erklommen werden, dann stehe ich vor dem Eingang. Laut Google Earth sind seine Koordinaten 36°41’28.50″N und 5°16’12.06″W. Rechts davon ist ein kleiner, überdachter Platz und ein verschlossener Kiosk. Alles menschenleer. Hinter dem Gitter vor dem fast kreisrunden Eingang höre ich aber Stimmen und kann im Innern der Höhle ein paar Leute mit Lampen sehen. Ich mache mich bemerkbar und ein älterer Herr öffnet mir die Tür. Ich habe Glück und kann mich der abmarschbereiten Führungsgruppe anschließen! Rasch noch den Eintritt über sechs Euro geblecht und los gehts! Die Führung macht ein jüngerer Mann, der auf Spanisch und Englisch Wissenswertes über die Höhle berichtet und meine Präsenz nutzt, um sein deutsches höhlenkundliches Vokabular mit meinem abzugleichen.

Die Höhle ist nur sehr einfach erschlossen und als Lichtquellen dienen Petroleumlampen. Leider hat unsere ca. 20-köpfige Gruppe nur etwa vier Lampen dabei, so dass manche Leute mehr oder weniger im Dunkeln herumstolpern. Eine eigene Taschenlampe ist also nicht verkehrt, weil die Treppenstufen manchmal glitschig glatt abgetreten sind. Es geht ein paarmal über Treppen auf und ab. Überall stehen massige Stalagmiten herum, die teilweise über zehn Meter hoch in den schwarzen Höhlenhimmel ragen. Auch Stalaktiten gibt es ebenso wie viele Meter lange Sinterfahnen. Natürlich lässt es sich der Höhlenführer nicht nehmen, einer „Tropfsteinorgel“ einige Töne zu entlocken. In den meisten Räumen sind die Tropfsteine recht trocken und bis auf zwei kleine Höhlenseen weist das Loch nur wenig Getröpfel auf. Die Gänge erreichen stellenweise Raumhöhen von 14 m und bis auf eine nur seitwärts passierbare Klamm sind sie immer zwischen vier und zehn Metern breit. Das Auge des Fachmanns macht an der Decke ein phreatisches Deckenmäander aus.

Ein paar mal flitzen Fledermäuse lautlos wie fliegende Geister durch die tanzenden Lichtkegel der Petroleumlampen.

An einer Stelle führt ein Schacht in nicht ausgebaute Teile hinab, in denen menschliche Skelette aus der Steinzeit gefunden wurden. Überhaupt ist die Steinzeit für diese Höhle viel wichtiger als alle Sinterformationen zusammen! Schon kurz nach dem Eingang liegen in einer Nische rechts Scherben von Tongefäßen aus der Jungsteinzeit. Alsbald tauchen die wirklich bedeutenden Dinge auf: Höhlenmalereien! Meistens handelt es sich um mit roten und schwarzen Strichen ausgeführte Tierfiguren. Stiere sind zu erkennen, ebenso Ziegen und ähnliches Hornvieh. Andere Figuren dagegen sind nur mit viel Phantasie zu deuten. Die Tierfiguren stammen aus dem Jungpaläolithikum und sind bis zu 30.000 Jahre alt. Noch viel häufiger kommen stets schwarze kammartige Muster vor. O.k., wie wir alle wissen, waren die Steinzeitmenschen stark behaarte Burschen und um die ganze Haarpracht am verfilzen zu hindern, spielten in der Kultur des Homo sapiens praehistoriensis eben Kämme eine so existenzielle Rolle, dass die heiligen Geräte als Abbildungen in Höhlen angebetet wurden. Oh mächtige Kammgottheit, möge Dein Wille geschehen und viele Läuse gelöst werden ohne Ziepen! Ernsthaft weiter im Text. Richtig mystisch wird es bei einigen schachbrettartigen Mustern in Ockerrot, die aus jeweils vier Quadranten aufgebaut sind. Es soll sich um einen Mondkalender handeln. Ich hoffe, hier hat sich kein Meister der prähistorischen Wissenschaft in einem Deutungsmarathon verrannt… Ich bin aber begeistert, zum ersten Mal in meiner Höfo-Karriere „richtig echte“ Höhlenmalereien zu sehen.

Nach grob geschätzten 300 m endet die Führung in einem großen Saal, dessen Boden nur 15 cm dick sein soll. Wenn man mit dem Fuß aufstampft, dröhnt es hohl aus der darunter liegenden Etage herauf. Insgesamt ist die Cueva de la Pileta 2300 m lang. An der rechten Seite des Saales ist ein dicker, fetter, saftiger Fisch von den Steinzeitmenschen mit schwarzen Linien an die Wand gezeichnet worden. Die Zeichnung ist über einen Meter lang und in ihr befindet sich eine weitere Figur, die einen Seehund darstellen soll.

Eingang der Cueva de la Pileta

Eine Stunde später befinden sich alle wieder in der Eingangshalle. Leider ist das Fotografieren in der Höhle verboten, so dass nun einige rasch erworbene Fotopostkarten die Erinnerung ergänzen müssen. Der geneigte Leser kann aber mit einer Suchmaschine seiner Wahl problemlos im Internet Fotos aus dem Höhleninneren finden.

Die Cosquer-Höhle bei Marseille

Die außergewöhnlichen Malereien in zwei in letzter Zeit in Südfrankreich entdeckten Höhlen stellen die bisherigen Kenntnisse über die Entwicklung der Kunst in der Steinzeit in Frage. Die eine der Höhlen, die „Grotte Cosquer“ soll im Folgenden etwas näher besprochen werden1.

Schon 1985 entdeckte Henri Cosquer den Eingang zu der später nach ihm benannten Höhle, doch erst lange nachher wurde die ganze Bedeutung dieses Fundes erkannt. Im Sommer 1991 entdeckte er nämlich auf einem Dia den ersten negativen Handabdruck. Daraufhin fand im Juni 1992 die erste wissenschaftliche Befahrung der Höhle statt. Sie hatte zum Ziel die Wandmalereien in Augenschein zu nehmen, Kohlestückchen zur Datierung aufzufinden, die Objekte und Strukturen des Bodens aufzunehmen und erste geologische Untersuchungen anzustellen.

Die zweite Phase der wissenschaftlichen Erforschung zog sich wegen der ungünstigen Witterung von Herbst 1994 bis Ende Dezember 1994 hin. Der Zugang zur Höhle war ohnehin schon schwer genug. Ein 150 Meter langer Schlauchtunnel führt 37 Meter unter dem Meeresspiegel in die Höhle, deren Eingang sich etwa 50 Meter von der Küste entfernt im Meer befindet und inzwischen, um das einmalige Kulturdenkmal in der Höhle zu schützen, von Tauchern der französischen Marine zugemauert wurde2. Trotzdem konnten folgende Vorhaben durchgeführt werden:

  • Die Einrichtung einer automatischen meteorologischen Station.
  • Die photogrammetrische Aufnahme.
  • Die Aufnahme mit dem Laser-Scanner „Soisic“, die es erlaubte eine dreidimensionale virtuelle Rekonstruktion der Höhle zu erstellen.
  • Die vollständige photographische Dokumentation der Wandmalereien.
  • Parallel dazu fand die vollständige Kartierung auch der unter Wasser gelegenen Teile der Höhle durch die beiden Taucher Thierry Betton und Luc Vanrell statt.

Im Lauf der Erforschung stellte es sich heraus, dass der wahrscheinlich bedeutendste Teil der Wandmalereien unglücklicherweise durch den Anstieg des Meeresspiegels vernichtet wurde. Zur Entstehungszeit der älteren Malereien lag der Meeresspiegel etwa 120 Meter tiefer Der Wasserstand war in der Höhle nie höher als heute, dadurch wurden in den bisher noch nicht überschwemmten Teilen die Spuren des Menschen der Steinzeit in einzigartiger Weise erhalten. Zahlreiche Spuren lehmverschmutzer Finger an den Wänden, zu Kugeln geformte und durch mit den Fingern gezogene Linien verzierte, danach jedoch weggeworfene Lehmbatzen, Spuren von schmutzigen Fingern auf der Mondmilch, das alles erweckt den Eindruck als sei der Platz von den Künstlern erst vor wenigen Tagen verlassen worden, tatsächlich dürfte Henri Cosquer aber der erste Mensch seit tausenden von Jahren gewesen sein, der sich dort aufhielt.

Nach den bisherigen Erkenntnissen fand die künstlerische Gestaltung der Höhle im wesentlichen in zwei Zeiträumen statt. Der ersten Phase, vor etwa 27000 Jahren und von noch unbestimmter Dauer, werden die zahlreichen Fingerspuren an den Wänden und die negativen Handabdrücke zugeordnet. Es wird auch vermutet, dass einige Tiere, hauptsächlich Pferde, und verschiedene geometrische Figuren in diese Epoche gehören, gesicherte Erkenntnisse liegen darüber jedoch nicht vor. Der Großteil der Kunstwerke stammt jedoch aus der zweiten Phase, von vor 18500 bis 19200 Jahren. Dabei sind nur ein Drittel aller Werke Kohlezeichnungen, bei der Mehrzahl (125 Einzelbildern) handelt es sich um Ritzzeichnungen. Auf den ersten Blick dominieren Pferdedarstellungen, gefolgt von Steinböcken und Gemsen sowie Bisons, Aurochsen und Rentieren.

„Die Tierzeichnungen in roter und schwarzer Farbe sind zu Jagdszenen gruppiert. (…) Die Zeichnungen haben einen anderen künstlerischen Stil als die bisher bekannten Steinzeit-Höhlenmalereien in Südwestfrankreich und Nordspanien. Die Pferde sind mit wehender Mähne dargestellt. Hirsche und Wisente sind erstmals nicht nur im Profil gezeichnet. Vielmehr wenden sie ihren Kopf in einer Drei-Viertel-Drehung dem Betrachter zu.“3 Eine der Besonderheiten stellen die Zeichnungen von Seehunden und Pinguinen dar. Auffällig sind auch mehrere geometrische Formen – Rechtecke mit aufgesetzten Dreiecken – die uns bisher so nur aus einem Heiligtum im Ural, nämlich der Kapova-Höhle bekannt waren. Die dortigen Zeichnungen werden jedoch auf ein Alter von etwa 14.000 Jahren geschätzt4. Diese geometrischen Figuren werden als Symbole einer Religion der Steinzeit-Menschen interpretiert. Besonderes Aufsehen erregte auch die Figur eines Mannes, der von einem Pfeil durchbohrt wird. „Bislang war man sich unter Steinzeitexperten einig, dass ein Pfeil in einer Wandmalerei als Ausdruck der Lebenskraft der gezeichneten Wesen gilt. Doch dieses Bild aus der Cosquer-Höhle bei Marseille ist nach den Untersuchnungen der Archäologen Jean Courtin und Jean Clottes augenscheinlich eine sehr frühe Gewaltdarstellung …“5

Nachbemerkungen

Die für den Artikel verwendete Literatur ist ab sofort im Vereinsheim der Arge Rosenstein jedem noch näher Interessierten zugänglich. Vor gut einem halben Jahr erschien im Verlag LeSeuil das Buch „La Grotte Cosquer“, in dem die Höhle und ihre Malereien ausführlich dargestellt werden. Die deutsche Ausgabe erschien ebenfalls bei Thorbecke und kostet leider 86 Mark. In allen benutzen Artikeln finden sich Bilder der Höhlenmalereien, die Artikel können im Vereinsraum eingesehen werden. Bei Virginie Contamine bedanke ich mich herzlich für die Hilfe mit dem französischen Originaltext.

Fußnoten

  1. Dabei stütze ich mich im wesentlichen auf den Artikel von Jaques Colina-Girard: La grotte Cosquer et les sites paléolithiques du littorial marseillais (entre Carry-le-Rouet et Cassis), in: Méditerranée, Nr.3/4, 1995, S.7-19, S.8. Die andere bemerkenswerte Höhle wird in dem Buch „Grotte Chauvet“ von Jean-Marie Chauvet, Éliette Brunel Deschamps und Christian Hillaire aus dem Thorbecke-Verlag (ISBN 3-7995- 9001-3) ausführlich besprochen.
  2. Bartsch, Hans: Eine Felsengrotte voller Steinzeit-Kunst, in: Rems-Zeitung, 25.10.1991
  3. Schröder, Eggert: Die geheimnisvolle Grotte bei Marseille, in: Berliner Morgenpost, 3.11.1991, S.64
  4. Birchall, Jim: Prehistoric art of Kapova Cave, Russia, in: The International Caver Magazine, Heft 16/1996, S.12-14
    (Auch erschienen in Birchall, J. & Richardson, M.: Russian cave art.- Caves & Caving66. Anm. R. Schuster)
  5. Siefer, Werner: Graffiti aus der Steinzeit, in: Focus, Heft 21/1994, S.142-146, S.143