Wider die Schlufdynamik!

Schon wieder ist ein Jahr vorbei gerauscht und die errungenen Erfolge verdienen gebührend zelebriert zu werden! Fast alle Mitstreiterinnen und Mitstreiter folgen gerne der Einladung zur Weihnachtsfeier im Palais Irene an den Gestaden der lauter fließenden Rems. Kurz nach 18 Uhr treffen die Heldinnen und Helden Schlag auf Schlag ein und tragen körbe- und kistenweise Speis und Trank ins Haus.

„Wie, der Salat ist für alle da?“

Die gemeinschaftliche Vernichtung der mitgebrachten Fressalien und Getränke stellt den ersten Tagesordnungspunkt dar. Man muss ja etwas gegen die schlanke Linie tun, damit man im kommenden Jahr dazu gezwungen wird, nur noch Groß- und Riesenhöhlen zu entdecken. Die engen Röhren sind gut genug für die ganzen schlufdynamischen Youngster. Kürbissuppe aus biologischer Produktion, indonesische Risolls, Salat, Pudding, Berliner und Weihnachtsguazla werden daher konsequent bezwungen.  Bernd überrascht uns zum Abschluss mit selbst gebastelten Geschenken mit höhlenkundlichem Bezug.

„Ich habe immer schon gesagt, die Erde ist rund!“
Der nächste Hunger kommt bestimmt!
Wider die Schlufdynamik!

Damit man nicht nur vollgestopft und rülpsend in den Sitzen rumhängt, bewegen wir uns in den nächsten Raum, wo Laptop und Beamer angeworfen werden, um ein paar Bildchen von vergangenen Taten an die weiße Wand zu schleudern. Ich mache den Auftakt mit einer visuellen Exkursion in die Höhlen und den Karst der Provinz Phang Nga in Thailand und leite über zu den vulkanischen Höhlen der Insel Teneriffa. Rudi hat „Bewegte Steine“ zum Thema seines anschließenden Vortrags gemacht und zeigt Aufnahmen von eindrucksvollen geologischen Strukturen im Allgäu und den Schweizer Alpen. Die Erde ist immer in Bewegung und auch der härteste Stein lässt sich falten, wenn Druck und Temperatur stimmen. Peter hat zwar den USB-Stick mit den Fotos Zuhause vergessen, führt uns aber verbal in einige Höhlen in Oberfranken ein. Diese Region ist sicher mal ein Ziel für eine Exkursion. Danach nimmt uns Irene auf eine mehrtägige Wanderung über die herbstliche Alb rund um Mössingen mit. Eine schöne Gegend in ruhigen Herbstfarben. Zum Schluss krabbeln wir alle noch schnell virtuell durch den im Sommer erforschten Bröller und erfreuen uns an über und über mit Dreck besudelten Höfo-Gestalten.

Die Uhr ist inzwischen in Richtung Mitternacht vorgerückt. Wir packen unsere Sachen und treten die Wege zu den verschiedenen Heimatorten an. Freunde, es war ein gelungener Abend! Vielen Dank dafür an euch alle! Vielen Dank auch an Rudi für die Fotos in diesem Beitrag.

 

Mühlbachforum offline

Wie zuvor schon angekündigt, ist das Forum der Karstgruppe Mühlbach offline gegangen. Der Betreiber hatte wohl keine Lust mehr. Damit sind nicht nur hunderte Beiträge der letzten knapp 15 Jahre verloren gegangen, sondern die deutschen Höfos besitzen keine gemeinsame Onlineplattform mehr für Diskussionen, Hinweise und Erfahrungsaustausch. In den letzten zwei, drei Jahren war zwar im Forum nur noch wenig los, schade ist die Abschaltung aber dennoch. Auf der anderen Seite kann ich die Entscheidung des Administrators schon nachvollziehen, vor allem, wenn man als Ehrenamtlicher auch noch Knüppel zwischen die Beine geworfen bekommt. Mal sehen, vielleicht bekommen die Höfos aus unserem Land in einem anderen Forum ein neues Zuhause…

Die Höhle in der Wüste der Farben

An diesem warmen Tag sind Okvin und ich unterwegs im Nationalpark Pico del Teide auf der schönen Insel Teneriffa. Der Park umfasst im Wesentlichen die Caldera mit rund 17km Durchmesser, in der sich neben dem Teide weitere, teilweise über 3000m hohe Berge erheben. Wir haben heute bereits eine schöne, wenn auch schweißtreibende Wanderung durch die bizarre Felsenlandschaft der Roques de García hinter uns gebracht und uns an der Farbenpracht der Vulkanwüste erfreut. Vom tiefsten Schwarz, über Dunkelbraun, knalliges Rot bis hin zu den verschiedensten Grüntönen, sind fast alle Farben vertreten. Wirklich unglaublich! Diesen gelungenen Tag will ich mit dem Besuch einer vulkanischen Höhle abschließen: Die Cueva de Samara wartet!

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Stollen im Gebüsch

Eine Wanderung führt uns heute in den oberen Teil des Orotavatales im Norden von Teneriffa. Von dem Grillplatz „La Caldera“ beim Dorf Aguamansa, der, wie der Name schon sagt, in einem erloschenen Vulkankrater angelegt wurde, führt ein gemütlicher Wanderweg zu dem ehemaligen Wasserhaus „Casa del Agua“. Während wir ganz gelassen vor uns hin spazieren, fällt mir aus dem Augenwinkel heraus ein Loch im Gebüsch auf.

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Die Höhle als Kultraum

Beim Wandern entlang der Nordküste von Teneriffa stießen meine Gattin und ich heute auf diese Halbhöhle:

Nischenhöhle mit Kreuzen

Von den Maßen her sicher nicht beeindruckend, spielt der kleine Hohlraum bei den Einheimischen offensichtlich eine gewisse Rolle. Die ganze Höhle ist vollgestellt und -gehängt mit selbst gebastelten Kreuzen. Der Hintergrund ist mir nicht bekannt. Paradoxerweise befindet sich dieser religiöse Ort genau an dem Abstieg zu einem beliebten Badestrand (Playa el Bollullo).

Mission „Kaltes Herz“

Im Versturz

Was ist in dem im Mai entdeckten Bröller passiert? Zuerst wenig, denn die Enge des vom Eingang nach links ziehenden Schlufes versprach nicht viel bezüglich aufregender Entdeckungen. Erst für Ende Juli wurde eine weitere Aktion geplant, die aber aufgrund des mehrere Tage anhaltenden Dauerregens wortwörtlich ins Wasser fiel. Bei einer Ortsbesichtigung am 26.07. beobachtete Rudi einen respektablen Bach, der tosend aus dem Eingang des Bröllers heraus schoss. Am 29.07. war ich mit Okvin vor Ort, wo ich die Schüttung des Höhlenbaches auf immerhin noch rund 3 l/s schätzte. Am 06.08. war die Höhle trocken und wir haben zugeschlagen!

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Albertus-Magnus-Tagung ein voller Erfolg

Die hier mehrfach angekündigte Albertus-Magnus-Tagung der Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg ging heute wie geplant über die Bühne. Rund 55 Naturfreunde und -Forscher hatten sich um 9 Uhr im Gasthof Hirsch zu Heubach eingefunden. Auch einige Gesichter aus der Höhlenforschung waren dabei.

Nach der Begrüßung hatte ich die Ehre, den ersten Vortrag zu halten und das Publikum visuell in das Hypogäum des Rosensteins zu führen. Der Vortrag fand großen Anklang, denn nach dem Schlusswort kam es zu etlichen interessanten Fragen, die ich nach Kräften beantwortete. Die Vortragsfolien stehen zum persönlichen Gebrauch online zur Ansicht.

Nach der Kaffeepause ging es weiter mit dem Vortrag von Prof. Dr. D. Rodi über die Pflanzengesellschaften am Rosenstein. Dieser Vortrag wurde anschließend noch von U. Gedack mit Ausführungen zu den besonderen Pflanzen vertieft.

Der letzte Vortrag war eigentlich ein Doppelvortrag. Im ersten Teil stellte W. Naak die jüngsten Erkenntnisse über die steinzeitlichen Funde vom Rosenstein dar. Im zweiten Teil ergänzte A. Nagel die Vorgeschichte mit Ausführungen über die Wallanlagen auf dem Heubacher Hausberg.

Von konzentriertem Zuhören bekommt man bekanntlich einen großen Hunger und Durst, der dann von der Mannschaft des „Hirsch“ vorzüglich gestillt wurde.

Nach der Mittagspause fanden noch zwei Exkursionen auf den Rosenstein statt, die ich leider aus Zeitgründen nicht wahrnehmen konnte.

Das Fazit zu der Veranstaltung: Mir hat es gefallen! Die Vorträge waren spannend und es ergaben sich interessante Gespräche.

Konglomerathöhlen sind Geschichte

Meine bessere Hälfte und ich kommen gerade von einem Spaziergang aus Lautern hinter dem Rosenstein zurück.

Vor 30 Jahren haben wir, meine Höhlenfreunde und ich, in einer aufgelassenen Kiesgrube bei der Lauterner Ölmühle zwei merkwürdige Höhlen untersucht. Merkwürdig deswegen, weil sie sich in einer zu Gestein verfestigten Brekzie befanden. Wahrscheinlich hat Kalktuff, der im Lappertal verbreitet ist, den Hangschutt zusammen geklebt. Die beiden Höhlen waren zusammen 7 m lang. Wegen ihrer geologischen „Exotik“ wurden sie unter der Nummer 7225/99 und dem Namen „Konglomerathöhlen“ im Höhlenkataster erfasst. So häufig sind Höhlen in quartärem Gestein nicht! „Konglomerathöhlen sind Geschichte“ weiterlesen

Vorträge (auch) über Höhlen

Wie schon einmal angekündigt, findet am übernächsten Samstag, dem 22.07.2017, die Albert-Magnus-Tagung in Heubach statt. Neben Beiträgen zur Botanik und Geschichte, wird es auch einen Vortrag über die Höhlen des Rosensteins geben, den ich halten werde. Hier findet ihr das Tagungsprogramm: Albertus-Magnus-Tagung 2017. Bitte nutzt die dort angegebene Telefonnummer für die Anmeldung bis zum 14.07.2017.

Wir sehen uns!

Die Vermessung des Rosensteins

Es ist vollbracht! Sämtliche Vermessungsdaten von allen Höhlen am Rosenstein wurden in Compass erfasst und per EDV ausgewertet. Diesem Erfolg gingen einige Recherchen voraus, die in einem Fall sogar gruppenübergreifend zwischen Heubach, Schwäbisch Gmünd und Laichingen abliefen. Ich danke an dieser Stelle den Freunden Daniel und Ritschi für geduldiges Stöbern in staubbedeckten, alten Vermessungsbüchern, um vor mehr als 30 Jahren gewonnene Daten wieder ans Licht zu bringen. Bei zwei Höhlen sind die Messdaten nicht mehr vorhanden, konnten aber aus den noch existierenden Plänen rekonstruiert werden.

Im Höhlenkataster Schwäbische Alb sind für den Rosenstein insgesamt 44 Katasternummern vergeben. Davon entfällt

  • eine auf einen künstlichen Hohlraum
  • eine auf eine Höhle, deren Verbleib unklar ist
  • eine auf eine bisher noch nicht kartografierte Hohlform
  • eine auf eine Höhle auf Blatt 7125 Mögglingen
  • und zwei auf Höhlenruinen (d.h. alte Höhlen, deren Decken eingestürzt sind und von denen nur noch die Wände stehen).

Die summierte Gesamtmesszuglänge aller vermessenen künstlichen und natürlichen Hohlräume beläuft sich auf 1249 m. Diese entspricht in etwa der Gesamtganglänge aller Hohlräume.

Das folgende Bild gibt einen Hinweis auf die Längenverteilung:

Längenverteilung der Höhlen am Rosenstein.
Längenverteilung der Höhlen am Rosenstein. Hinweis: Der Wert in der Spalte „Included Length“ entspricht ungefähr der Gesamtlänge der jeweiligen Höhle.

Die nachfolgende Abbildung verrät, dass die Hochphase der Höhlenforschung auf / in dem Heubacher Hausberg schon Dekaden zurück liegt:

Jährliche Verteilung der vermessenen Längen
Jährliche Verteilung der vermessenen Längen. Diese Statistik umfasst auch Oberflächen- und Außenmesszüge, nicht nur Messstrecken in der Höhle.

Man sieht, dass „Peak Cave“ schon 1987/88 überschritten wurde. Macht aber nix, in den Hochgebirgsregionen und den Tropengürteln unseres Planeten schlummern noch massig Höhlen für kommende Generationen.

[Update 09.07.2017: Eine noch fehlende Höhle nachgetragen und die Statistiken entsprechend ergänzt.]